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Verein zur Verhinderung der Chaostage e.V.

An dieser Stelle präsentieren wir einen Verein, der sich das Ziel gesetzt hat, die Chaos-Tage von Hannover zu verhindern. Er appelliert dabei an alle friedliebenden Punks, mit ihrem persönlichen Einsatz und ihrer Präsenz ins Hannover aktiv zur Verhinderung der Chaos-Tage beizutragen.
Der "Verein zur Verhinderung der Chaostage e.V." ist - wie die Abkürzung schon sagt - ein eingetragener Verein und hat die Gemeinnützigkeit beantragt.

9-Punkte-Programm zur Verhinderung der Chaostage 2000 in Hannover

Präambel
1. Gegenöffentlichkeit schaffen! - Mit Vorurteilen aufräumen!
2. Bündnispartner suchen
3. Wissen ist Macht! - Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen!
4. Organisation friedlicher Zusammenkünfte!
5. Keine Diskriminierung - jeder hat das Recht zu leben!
6. Organisation eines friedlichen Alternativangebotes in Hannover!
7. Harte Strafen für Gewalttäter!
8. Aktive Unterstützung der Polizei - Jeder kann etwas tun!
9. Öffentlich sichtbar werden!
Schlußbemerkung


Präambel

Die Chaostage sind eine direkte Gefahr für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung. Durch die Massen von wildgewordenen Irren ist es für den Normalbürger unmöglich geworden, beispielsweise am ersten Augustwochenende gefahrlos auf die Straße zu gehen, um frische Brötchen zu holen. Man ist ständig in der Gefahr, von Gewalttätern aller Art zusammengetreten, erschossen oder vergewaltigt zu werden. Und es kommt noch schlimmer: Dieses Jahr wollen die stumpfen Schläger, die man keinesfalls als Punks bezeichnen kann, sich gar einen ganzen Monat in unserer Stadt treffen, um sie - in ihren eigenen Worten gesprochen - “in Schutt und Asche zu legen”. Dieser Gefahr stellen wir uns - mit Einsatz unseres Lebens, wenn es sein muß - entgegen und versuchen, die bedrohliche Entwicklung zu verhindern.

1. Gegenöffentlichkeit schaffen!

Seit Jahren läuft im Untergrund die Werbung für die Chaos-Tage 2000 in Hannover. Diese wird nicht nur in sogenannten “Fanzines” und auf Flugblättern verbreitet, sondern selbst im weltumspannenden Internet. Es wird in verschiedensten Kreisen mobilisiert, nicht nur in der Punkszene, auch unter Hooligans, Autonomen, Skinheads und anderen Extremisten - weltweit. Der Chaos-Tage-Spuk begann in den 1980er Jahren als Protest gegen die sog. “Punkerkartei”, in der die Hannoversche Polizei Informationen über die in der Stadt lebenden Punks zusammentrug.

Zehn Jahre, nachdem diese enorm gewalttätigen Ereignisse glücklicherweise ihr Ende gefunden hatten, kam es überraschenderweise 1994 zu erneuten Chaostagen. Und wieder standen alle machtlos der Gewalt gegenüber. Mit der weiteren Eskalation im Jahre 1995 erreichten die Chaostage ihren traurigen Höhepunkt, die Stadt wurde ein weiteres Mal verwüstet. Um eine Wiederholung derartiger Ereignisse zu verhindern, verwandelte die Polizei im Jahr darauf in eine Polizeifestung; was gerade die Lebensqualität vieler friedliebender Punks enorm minderte. Für viele von uns war es nicht mal mehr möglich, in Ruhe in der Öffentlichkeit unser Bier zu trinken, ohne Probleme mit der Polizei zu bekommen.Nur durch die verantwortungsbewußte Initiative vieler Einzelner aus unseren Kreisen gelang es schließlich, für die nächsten vier Jahre Ruhe in Hannover zu schaffen.

Nun aber sind wieder neue Chaos-Tage für diesen Sommer angekündigt; und die Gewalttäter drohen einmal mehr die Oberhand zu gewinnen.

Da Politik und Regierung zu versagen drohen, wollen wir mit unserem Verein einen Gegenpol zu der unberechenbaren und gewalttätigen Masse schaffen. Um aber effektiv und konstruktiv arbeiten zu können, ist es unerläßlich, konsequent und kompromißlos die Wahrheit über die Chaostage und die Gefährdung der öffentlichen Ordnung zu berichten.

Hierzu sind alle aufgefordert: Funk und Fernsehen ebenso wie sämtliche Printmedien, aber auch durch die Vernünftigen in den jugendlichen Subkulturen. Wir selbst werden mittels Kundgebungen und Flugblättern die Öffentlichkeit aufklären und warnen. Schonungslos, kompromißlos, ehrlich. Denn wenn die Gewalttäter erst Hannover überfallen, könnte es schon zu spät sein.

2. Bündnispartner suchen

Wir sind daran interessiert, für unseren Kampf entschlossene und tatkräftige Bündnispartner zu suchen. Aus diesem Grund werden wir an Parteien, Vereine, die Hannoveraner Polizei und andere gesellschaftliche Kräfte herantreten und sie um ihre Mitarbeit bei dieser ehrenvollen Aufgabe bitten. Jeder, der wie wir mit ganzem Herzen und frohen Mutes die Verhinderung der Chaos-Tage 2000 wünscht und sein Wissen und seine Tatkraft für dieses hehre Ziel einbringen mag, sollte mit uns in Kontakt treten.

3. Wissen ist Macht! - Aufbau eines Archivs zu den Chaos-Tagen

Eine erfolgreiche Verhinderung der Chaostage braucht eine wissenschaftliche Begleitung. Nur so ist sichergestellt, daß die Öffentlichkeit ehrlich und kompetent informiert wird. Zudem bringt das Archiv Ordnung ins Chaos: Aus der Analyse alles bekannten Materials kann die Struktur der Chaostage erkannt werden und eine flexible Strategie entwickelt werden, die auch scheinbar unvorhersehbaren Ereignissen nicht unvorbereitet gegenübersteht. Unter haben wir in Zusammenarbeit mit der Redaktion dieses Archiv der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit im Internet zugänglich gemacht.

4. Organisation friedlicher Zusammenkünfte!

Sowohl vor, aber auch gerade während des geplanten Zeitraums der Chaostage 2000 (10. Juli - 6. August) wollen wir gegen die Orgie von Gewalt und Zerstörung friedlich demonstrieren. Alle Gegner und Gegnerinnen der sinnlosen Veranstaltung, besonders die wahren Punks dieser Republik, sind aufgerufen, zu dieser Zeit nach Hannover zu kommen und im Stadtbild Präsenz zu zeigen. Wir wollen den Gewalttätern nicht die Straße überlassen! Gegenöffentlichkeit schaffen!

Zudem findet zu dieser Zeit die Weltausstellung “Expo 2000” in Hannover statt, und es ist uns eine Pflicht, immer und überall diesem friedlichen Fest der Nationen der Welt vor den ewiggestrigen Gewalttätern zu schützen, “denen eine solche fröhliche Veranstaltung nicht gefällt.” (Bundeskanzler Gerhard Schröder) Dieser militanten Minderheit setzen wir die Worte der Generalkommissarin der Expo, Birgit Breuel, entgegen: “Die Expo 2000 ist von Menschen gemacht für Menschen. Sie ist nicht virtuell. Sie lebt. Sie werden staunen können und träumen.” Keine Frage, wir kommen!

5. Keine Diskriminierung - jeder hat das Recht zu leben!

Unter den gewalttätigen Punks gibt es eine Vielzahl von Unterdrückungsformen. So werden die Punkerinnen abschätzig als Punketten bezeichnet, zur Ware gemacht, herumgereicht und letzten Endes total ausgenutzt. Sensiblere, die sich in diesen Kreisen verloren haben, werden gnadenlos untergebuttert, sie müssen sich solange behaupten, bis sie ihre ursprüngliche Existenz aufgegeben haben und zu einem Teil des seelenlosen Haufens geworden sind. Drogen werden massenhaft konsumiert, Suchtverhalten in jeglicher Form zur Norm erhoben. Und wer nicht mitmacht wird ausgestoßen, als Spießer beleidigt, fertiggemacht.

Und das soll Punk sein? Sicher, es spricht rein gar nichts gegen das abendliche Bier im Freundeskreis. Aber muß es gleich bis zum Vollrausch gehen? Schwächere, Antialkoholiker und auch Frauen haben das uneingeschränkte Recht, sich so zu geben, wie sie es möchten. Wenn jemand nichts trinkt, ist er kein Spießer. Im Gegenteil, es erfordert eine ganze Menge Mut, “Nein” zu sagen, mehr als mit dem Strom zu schwimmen. Sensibilität ist etwas schützenswertes, was nicht aufgrund des allgemeinen Verständnisses des “Hart sein Müssens” abgelegt werden sollte. Darum: Keine Kompromisse mit chauvinistischen Unterdrückungsformen!

6. Organisation eines friedlichen Alternativangebotes in Hannover!

Es erscheint geradezu unvermeidbar, das viele orientierungslose Jugendliche nach Hannover kommen, um an den Chaos-Tagen teilzunehmen. Diese strauchelnden Jugendlichen sind nicht die Gewalttäter, und es ist wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Im Sinne einer akzeptierenden Sozialarbeit fordern wir die Stadt Hannover und die Expo-Gesellschaft auf, auf einem geeigneten Gelände in Hannover eine friedliche Alternative zu organisieren.

Wir sind gerne bereit unsere jahrelangen Erfahrungen bei der Organisation friedlicher Konzerte, Parties und anderer Festivitäten zur Verfügung zu stellen.

7. Harte Strafen für Gewalttäter!

Leider wird es einige wenige geben, denen auch nicht durch das intensivste Gespräch und Kulturangebot zu helfen ist. Bei diesen bedauernswerten Kreaturen hilft nur noch eines: Stadtverbot und bei Nichtbefolgung eine harte Freiheitsstrafe. Die bereits in New York erprobte Strategie der “zero tolerance” wird auch in Hannover ihre Wirkung nicht verfehlen. Es gilt, eine abschreckende Wirkung auf die potentiellen Gewalttäter, Unruhestifter, Friedensstörer und Vergewaltiger auszuüben, die versuchen werden, in die Stadt einzufallen, um Chaos und Zerstörung zu verbreiten. Müssen wir noch erwähnen, daß wir keine Träne vergießen werden, wenn dieser Menschenmüll endlich hinter Schloß und Riegel verschwindet?

8. Aktive Unterstützung der Polizei - Jeder kann etwas tun!

Daß es immer wieder die deutsche Beamten sind, die ihren Kopf hinhalten müssen, wenn es gilt, die Gesellschaft von menschlichem Ungeziefer zu säubern, halten wir für unerträglich. In tiefem Bewußtsein unserer Schuld gegenüber den Ordnungshütern wollen wir selbst mit körperlichem Einsatz gegen diejenigen vorgehen, die trotz aller Angebote unsererseits nicht friedlich feiern, sondern zerstören wollen. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Eine funktionsfähige Demokratie besteht nicht nur aus dem Kreuz, das man alle vier Jahre in der Wahlkabine macht. Demokratie besteht darin, daß sich der mündige Bürger aktiv und vehement gegen die Feinde der Verfassung stellt. Dementsprechend plädieren wir für körperliche Ertüchtigung und ein handfestes Eingreifen im Fall einer Eskalation. Wir bereiten uns darauf vor, in Zusammenarbeit mit der Polizei mit allen Mitteln die Chaoten und Unruhestifter aus der Stadt zu vertreiben.

9. Öffentlich sichtbar werden!


Damit die Ordnungshüter die Gewalttäter von uns unterscheiden können, empfehlen wir allen aufrechten Punks, unserem Verein beizutreten. Allen Vereinsmitgliedern wird nach ihrem Eintritt ein Ausweis zugeschickt, mit dem die Einreise nach Hannover kein Problem sein dürfte. Der Mitgliedsbeitrag kann entweder in Briefmarken oder bar an die Vereinsadresse geschickt oder auf unser Konto überwiesen werden.

Während des Aufenthalts in Hannover werden wir an unsere Mitglieder Buttons verteilen, damit auch dort eine sofortige Unterscheidung von dem gewaltbereiten Pöbel möglich ist. Weil wir vielleicht äußerlich nicht vom Mob zu unterscheiden sind, sind wir zu dieser Maßnahme gezwungen, um nicht in einen Topf mit dem menschlichen Ausschuß geworfen zu werden!
Da der Zweck des Vereins, die Verhinderung der Chaos-Tage 2000, ebenso dringend wie kurzfristig ist, erwarten wir aktive Mitglieder. Aktive Mitglieder sind im geplanten Zeitraum der Chaos-Tage (10. Juli - 6. August) zumindest zeitweise vor Ort und bereit, sich mit ganzem Herzen und frohen Mutes der Aufgabe, Hannover und seine Bürger zu beschützen, zu widmen.

Schlußbemerkung

Es erscheint geradezu unvermeidbar, daß viele orientierungslose Jugendliche nach Hannover kommen, um an den Chaostagen teilzunehmen. Diese strauchelnden Jugendlichen sind nicht die Gewalttäter, und es ist wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Im Sinne einer akzeptierenden Sozialarbeit fordern wir die Stadt Hannover und die Expo-Gesellschaft auf, auf einem geeigneten Gelände in Hannover eine friedliche Alternative zu organisieren. Punk ist in den letzten Jahren zu einem Teil unserer Gesellschaft geworden. Er wird auf vielen Radiostationen gespielt, MTV und VIVA bringen eigene Punksendungen, in jeder größeren Stadt gibt es spezielle Kleidung, die der jugendliche Punk sich von seinem Taschengeld kaufen kann und selbst in der Schickeria gilt es von Zeit zu Zeit als in, mit Irokesenhaarschnitt aufzutreten.

Hingegen haben jene verkommenen Subjekte, die die Zeichen der Punk-Bewegung für sich reklamieren, nicht das geringste mit den ursprünglichen Gedanken der Punks gemein. Punk, das heißt zusammen Spaß haben, Musik hören, sich verrückt anziehen und ab und zu mal über die Stränge schlagen. Und genau das wird mit den Chaostagen in den Dreck gezogen. Durch entmenschlichte Krawallmacher, die nichts mehr vom Leben zu erwarten haben und sich nur noch durch den “Spaß” an der Zerstörung einen letzten Kick verschaffen können.

Sollten die Chaostage wider Erwarten nicht zu verhindern sein, droht Hannover der Kollaps. Dem Wohl der Zivilbevölkerung gilt die oberste Priorität seitens der Politik. Aufgabe der Polizei und der Vereinsmitglieder ist es dann, die Gewalttäter von den voraussichtlichen Zentren der Zerstörung - Linden, Nordstadt, Innenstadt und Expo-Gelände - zurückzudrängen.

Wir haben auch ein Spendenkonto eingerichtet, auf das sie uns Beiträge jedweder Größe überweisen können, um uns bei unserer Arbeit zu unterstützen.

Verein zur Verhinderung der Chaostage e. V.


 
 
 

1995/Hannover-Nordstadt: Plünderung des Penny-Marktes bei den Chaos-Tagen.
Wird sich Hannover jemals von diesem Schock erholen?

 
 
 
 
 
   
 
 
 

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