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Neue Presse - 02.07.1983

Krach auch beim Ausmarsch?

HANNOVER. 1200 Punker und Skinheads (lederbekleidete Chaoten) wollen am heutigen Sonnabend die City und den morgigen Schützenausmarsch terrorisieren. Diese Befürchtungen hegt die Polizei nach den schweren Ausschreitungen von gestern abend und in der Nacht.

Zu den schwersten Auseinandersetzungen war es gegen 23 Uhr Im Bereich Kornstrai3e/Gerhardstraße gekommen. Nach einem Rockkonzert vor dem UJZ Kornstrai3e hatten die Punker und Skinheads Privat Pkws umgekippt und quer auf die Fahrbahn als Barrikaden gestellt. Zahlreiche Fensterscheiben wurden durch Steinwürfe zerstört. Die Polizei forderte zusätzliche Hundertschaften aus Braunschweig und Oldenburg an. Gegen Mitternacht zogen die randalierenden Jugendlichen In Richtung Innenstadt.

Bei Auseinandersetzungen am Hauptbahnhof und in der Passerelle sind elf Randalierer festgenommen und zwei Personen schwer verletzt worden. Zu den Krawallen war es am Hauptbahnhof gekommen als die Polizei alkoholisierte Punks und Skins den Bahnhofsvorplatz belagerten und Beamte einschritten.

Das Aufeinandertreffen der beiden verfeindeten Jugendrandgruppen Ist bereits vor Monaten verabredet worden. Punks und Skinheads wollen sich heute gegen 14 Uhr am Kröpcke treffen

2 Schwerverletzte, 11 Festnahmen Geschäftsleute zittern -

Bei Punker-Schlacht flogen Pflastersteine

VON KLAUS GEMBOLIS HANNOVER. Stein- und Flaschengrüne gegen Polizeibeamte und Passanten zwei Schwerverletzte und eine zwischen Kröpcke und Hauptbahnhof mit Scherben übersäte Passerelle: So begann gestern das seit Wochen in linken Gazetten angekündigte Treffen zwischen Punks und Skins in der Landeshauptstadt.

Bei Ausschreitungen gestern nachmittag vor und im Hauptbahnhof wurden elf Krawallmacher festgenommen. Die Polizei stellte Schlagwerkzeuge und Messer sicher.

Zur Konfrontation mit der Polizei war es um 17 Uhr gekommen, als rund 100 Chaoten den Hauptbahnhof stürmten und die Zugänge versperrten. "Faschisten", "Bullenschweine", gröhlte die betrunkene Menge.

Als sie von 50 Beamten zurückgedrängt wurden, schleuderten die Chaoten Flaschen und Steine.

In der Passerelle brach ein Mädchen, von einer Bierflasche am Kopf getroffen, zwischen Scherben und johlenden Punks zusammen.

Vor dem UJZ Kornstraße, wo gestern abend ein Rockkonzert begann, kam es zu Schlägereien. Zahlreiche Punks hatten sich mit Pflastersteinen bewaffnet. Die Polizei stellte außerdem Gliederketten, Klappmesser und eine Tränengassprühdose sicher. Acht Punks werden heute dem Haftrichter vorgeführt.

Auf Handzetteln, die von der Polizei gestern verteilt wurden, heißt es: Die Polizei ist auf euer Treffen vorbereitet. Euer äußeres Erscheinungsbild ist noch kein Grund für uns, gegen Euch einzuschreiten. Erst wenn gegen bestehende Gesetze verstoßen wird wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung In Gefahr gerät, werden wir tätig. Wenn nötig, mit allen rechtlich zulässigen Mitteln. Laßt Euch von Krawallmachern nicht verleiten oder mißbrauchen. Greifen Euch rivalisierende Gruppen an, könnt Ihr mit unserem Schutz rechnen."

Zu Reibereien mit der Bevölkerung kam es im Hauptbahnhof und in der Passerelle, als älteren Frauen Taschen aus den Händen gerissen wurden. Für heute befürchten die Geschäftsleute Umsatzeinbußen. Peek und Cloppenburg-Geschäftsführer Rottmann läßt die Eingänge zum Textilhaus am Kröpcke von Personal beobachten. Eine kurzfristige Schließung des Hauses sei mögiich, sagte er.

Sorge auch im Café Kröpcke, wo man in ständigem Kontakt zur Einsatzzentrale der Polizei steht. Wie aus Kreisen der Sicherheitsbehörden zu erfahren war, kommen Punks und Skins zum heutigen großen "Verbrüderungsfest" am Kröpcke nicht nur aus der Bundesrepublik, sondern auch aus dem benachbarten Ausland -1200 werden erwartet.

In der in Berlin erscheinenden linken Gazette "TAZ" wurden Punks und Skins aufgerufen, auch am Schützenausmarsch teilzunehmen.

 
 
 

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