|
Samstag, 03.06.2000, 21:03 Uhr
Polizei dreht bei "Reclaim the Streets"-Party durch!

- Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse -
Nachdem bereits am Mittag rund 150 Teilnehmer am Kröpcke gegen die Ermordung eines Eberswalder Punks durch einen stadtbekannten Rechten demonstriert hatten, war für den Nachmittag die RTS-Party angesetzt. Kurfristig wurde dann bekannt, daß die Party auf dem Flohmarkt stattfinden sollte. Als aber massiv Polizei anrückte und den Flohmarkt nach allen Seiten abzusichern begann, wurde die Party kurzerhand wieder abgesetzt und für 16 Uhr an die Kröpcke-Uhr verlegt.
Hier gings es dann auch mehr oder weniger pünktlich mit guter Stimmung und Musik los, es wurde getanzt und gesungen. Die Polizei ließ nicht lange auf sich warten, und als die Party sich in Bewegung setzt wurde schnell versucht, sie aufzuhalten.
Dabei wurde die Party in zwei Teile gespalten, und als der kleinere Teil versuchte, trotz Polizeikette sich wieder mit der größeren Partyteil zu vereinigen, gab es den ersten harten Einsatz und auch die ersten Festnahmen.
Alle Versuche der Polizei, die Party zu sprengen, scheiterten aber an der guten Laune der Teilnehmer; es kam zu einer wirklich makabren Szenen als rund 40 grüne Roboter mit Helm und gezücktem Knüppel rund eine lange Stunde lange eine Gruppe von 40 Tanzenden einkesselte und so die Bürger erfolgreich vor brutalster Gewalt zu schützen vermochten.
Im Gefolge kam es immer wieder zu Festnehmen, die sich fast ausnahmslos so abspielten, daß sich die Cops einzelne Partyteilnehmer gezielt herauspickten und dann sturmartig die Festnahme vornahmen. Dabei ging die Polizei äußerst brutal vor, zwang einzelne Partygäste mit bis zu fünf Uniformierten zu Boden und übten an ihnen auch die abartigsten auf der Polizeischule vermittelten Festnahmemethoden.
Gegen 17:30 löste sich die Party am Kröpcke auf, nur um eine halbe Stunde am Lindener Marktplatz wieder loszugehen. Mit dem Auftauchen der Polizei löste sich die auf der Straße tanzende Menge blitzartig auf, und kurze Zeit später ging es in der Lister Meile/Celler Straße weiter.
Hier findet gleichzeitig ein Straßenfest statt, und so hat hier die Polizei gerade ihre liebe Müh, ihre nervenden Party-Gegner auch wirklich herauszufischen.
Man kann davon ausgehen, daß dieses Katz und Maus-Spiel noch den ganzen Abend - vielleicht bis weit in die Nacht - weitergeht...
Insgesamt machte die Polizei den Eindruck, mit RTS-Aktionen überhaupt
nicht umgehen zu können - eine Erfahrung, die man ja auch schon
bei Chaos-Tagen machen konnte. Von verschiedenen Leuten war dann
auch zu hören, daß es wohl einge gute Idee sei, derartige
RTS-Aktionen auch bei den Chaos-Tagen zu veranstalten. Sicher eine
grausige Vorstellung für die Polizei: Die ganze Stadt eine
einzige Party-Hölle, die zudem dauernd den Veranstaltungsort
wechselt, und das auch noch an Chaos-Tagen, wo die Polizei eh am
Rad dreht. Und heute hat man gesehen, daß es schon ein Riesenproblem
für 6000 Polizisten ist, 150 tanzende Leute in Schach zu halten.
Wie mag das dann erst bei 3 - 4000 Partygästen aussehen? Au
weia...
Karl Nagel, Hamburg
|