Letzte Änderung: November 22 2005 13:21:03. - 625 Seiten archiviert
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2x Punkrock, bitte!
Lars:

Auf das Wochenende hatten wir lange gewartet. Vorher waren schon hier und da Chaos-Tage, die aber immer ein Flop waren. (50-100 Leute). Als wir morgens um 8 Uhr in Osnabrück losfuhren, waren wir alle sehr gespannt, was das wohl geben würde. Einige sagten, wenn es nicht mindestens 700-1000 Punx wären, die dort "zusammen" was unternehmen würden, dann bräuchte man wohl nirgends mehr Chos-Tage zu veranstalten.

Als wir dann so gegen 9.00 am Bahnhof ankamen, saß dort schon ein ziemlich bunter Haufen von Punx. Wir trafen sofort ein paar Leute aus Hannover, die wir von vorherigen Besuchen schon kannten. (Caspar, Tatjana...) Zusammen holten wir erstmal ein paar Frühstyxbiere. Später gingen dann einige zum Kröpcke. Ich und noch ein paar andere bleiben beim HBF. Nach kurzer Zeit hörte ich lautes Gebrüll aus dem Bahnhof, was sich ungefähr wie "Pöbel und Gesocks - OI!OI!OI!" anhörte. Später wurde draußen auch mitgeschrieen. Passanten legten einen Gang zu, weil ihnen das wohl ein bißchen zu unheimich war (haha).

Naja, der Spaß hatte dann aber schnell ein Ende, weil igendwelche Idioten jetzt schon anfingen, mit Flaschen zu schmeißen. Das mußte zu diesem Zeitpunkt nach hinten losgehen. Die Bullen fingen an, die Leute vor dem Bahnhof einzukesseln uns sagten an, daß die Leute, die im Kessel waren, bis Montag morgen eingeknastet würden. Da haben wir uns dann erstmal zum Kröpcke verpißt.

Später habe ich von der Straße dann nochmal zum Bahnhof rübergeschaut, und statt bunter hochstehender Haare sah ich leider nur noch weiße Helme. Irgendein Punk sagte mir dann, daß es besser wäre, sich zu verpissen, weil die Bullen sich alles, was nach Punk aussah, griffen und in den Kessel steckten. Da hatte ich doch noch besseres zu tun. Ich bin dann in die Passerelle und wir ließen die Hunde im Brunnen baden. Dort ließen die Bullen auch nicht lange auf sich warten. Also mußten wir schon wieder flüchten. Wir haben gehört, daß die meisten Leute in irgendeinem Park sein würden. Irgendwelche Langhaarige sagten uns, sie wüßten wo der Park ist, also sind wir mitgegangen, was sich später als Fehler erwies. Sie sagten uns nach einer Stunde Fußmarsch, daß sie sich nach drei nebeneinsanderstehenden Hochhäusern orientieren müßten, und wir sagten Tschüs.

Wir sind dann zurück zum Kröpcke, wo die Bullen auch wieder nicht lange auf sich warten ließen. Wir mußten auf jeden Fall erstmal wegrennen, wobei sich rausstellte, daß Johnny nicht gerade der schnellste ist. Kurz gesagt, sie haben ihn eingefahren.

Das hieß für mich, daß ich auf seinen Hund aufpassen mußte. Wir sind dann in die Nordstadt gefahren, wo eine ganze Meute von Punks vor der Lutherkirche saß. Im Laufe der Zeit wurden es immer mehr, bis die ganze Kreuzung blockiert war. Man sah nur noch Punks und Skins!. Die Party war in vollem Gange, als es erstmal anfing, ohne Ende zu pissen. Ich bin dann in die Pizzeria und habe gegessen.

Nach zehn Minuten kamen einige Leute reingestürmt und riefen "Die Bullen knüppeln alles zusammen, die sind mit Wasserwerfern da!" Als ich mir dann die Lage anschaute, sah ich viele weiße Helme, aber keine Wasserwerfer. Punx standen vor den Bullen und bewarfen sie mit diversen Gegenständen wie Steinen, Flaschen, und allem, was so eine Bullenfresse schöner macht. Ich konnte an dieser Aktion nicht teilnehmen, weil ich ja den Hund hatte und die Straße ein einziges Scherbenmeer war. Also machte ich mich langsam auf den Weg zu meinem Pennplatz...

Lucky:

Ich war todmüde, als wir Freitag aufstanden und unsere Haare zu Stacheln aufstellten. Denn vor Aufregung hatte ich kaum pennen können. Würden echt über 1000 Leute kommen? Wir schlenderten so um 14 Uhr zum Planhof, wo rund 300-400 Punkers und vereinzelt auch OI!-Skins ihre Party machten. Ich war gerade 5 Minuten da und schon ging der erste Ärger los: Einige Jungpunx kloppten sich am Eingang mit Bullen. Die wiederum fielen über uns her, knüppelten und kesselten viele von uns ein.

So gingen ich und meine Begleiterin ruhig zur Bahn und fuhren gen Nordstadt, denn die Bullen krallten sich fast nur rennende Leute (Läufer-Täterprinzip...)

Bollocks! Das Treffen schien zerschlagen, glaubte ich, und gab mir an der Kirche mit den anderen Kollegen die Kante. Später gingen wir erneut in die City, mal schaun wat abgeht.

Ein selten geiles Bild machte sich breit: vom Bahnhof piss Kröpcke nur Gruppen von Punx und Skins überall! Die Bullen kesselten am Ernst-August-Denkmal Leute ein und jagten uns durch die Stadt.

Irgendwann zog in die Meute in die Nordstadt, wo es anfing, immer heftiger zu regnen! Nochmal Bollocks! Die Haarseife lief mir in die Augen und ich konnte nix sehen. So betäubt machten wir uns auf den Homeway zum Knacken!

Samstag fuhr ich gleich zur Nordstadt, da ich null Bock auf Pullenstreß am HBF hatte. Ausserdem wollte ich wissen, ob das Kesselhaus-Konzert stattfindet!

Irgendwann fing es an langweilig zu werden, und mitten in diese Öde platzte eine Sache herein, die in die Geschichte eingegangen ist: Ein Typ verteilte WIZO-Tourdaten/Aufkleber an uns (ca. 250 Leute), und auf einmal fuhr ein Bus vor die Lutscherkirche und einige Leute bauten schnell Instrumente auf, warfen ihren Generator an und legten los! Es waren WIZO aus Stuttgart! 40 Minuten Kult! Und fuhren sie wieder ab und ließen die verstaunte und gutgelaunte Meute zurück!

Wir stratzten dann zum Fährmannsfest nach Linden, wo ein großes Open-Air angesagt war (Null Eintritt). Gegen 17.00 Uhr spielten schließlich die Boskops. Sie legten ´nen guten Gig ab und verpissten sich nach etwas mehr als ner Stunde.

Leicht breit wälzten wir uns durch die Menschenmassen, um zur Nordstadt zu kommen (Das Fährmannsfest wurde von ca. 8000 Leuten besucht, darunter ca. 600 Punx)

In der Nordstadt sollte am Sprengelkesselhaus noch ein Konzert mit 5-6 Bands starten. Auch aus dem Grund, um die Leute von der Straße zu holen! Keine Leute auf der Straße - Keine Randale!

Spätabends ging es los im Kesselhaus. Ca. 300 waren drin, und ca. 400 waren vor dem Sprengelgelände, was den autonomen PisserInnen nicht schmeckte. (Mir allerdings auch nicht!)

Während wir also den Klängen von Public Toys lauschten, die als 1. Band spielten, kamen immer mehr verängstigte Leute rein, die meinten, daß draußen die Hölle abgehe, und daß das Konzert von den Bullen gestürmt würde.

Als die Public Toys "If the Kids are United" anstimmten, gings ab: Die Bullen stürmten das Konzert! Bollocks (zum 3. Mal)!! Es war wie im Krieg! Einzelne von uns wurden grundlos kaputtgeschlagen. Ein Wunder, daß dabei keiner draufgegangen ist!

Wir wurden mit Plastikfesseln zur Bullenwache geführt und in eine Sammelzelle gesteckt, wo fast jeder Entfesselungskünstler spielte (David Copperfield läßt grüßen!). Wir mußten übrigens unsere Kutten, Stiefel und sonstige Klunker in Plastiksäcke stecken, die vor unserer Zelle ausgelagert wurden.

Bald erlöste mich ein Bulle von der Fessel und wir wurden nach und nach zu dritt in Einzelzellen gesteckt. Schade - in der Sammelzelle war´s voll witzig, aber was solls!

Sonntag früh wurden wir entlassen...

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  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
Auf 60 Seiten erschien dann ein Überblick über die endlos bekloppten Medienreaktion sowie jede Menge Erlebnisberichte
. -kn-
 
 
   
 
 
 
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