Lars:
Auf das Wochenende hatten wir
lange gewartet. Vorher waren schon
hier und da Chaos-Tage, die aber
immer ein Flop waren. (50-100
Leute). Als wir morgens um 8 Uhr
in Osnabrück losfuhren, waren
wir alle sehr gespannt, was das
wohl geben würde. Einige
sagten, wenn es nicht mindestens
700-1000 Punx wären, die
dort "zusammen" was unternehmen
würden, dann bräuchte
man wohl nirgends mehr Chos-Tage
zu veranstalten.
Als wir dann so gegen 9.00 am
Bahnhof ankamen, saß dort
schon ein ziemlich bunter Haufen
von Punx. Wir trafen sofort ein
paar Leute aus Hannover, die wir
von vorherigen Besuchen schon
kannten. (Caspar, Tatjana...)
Zusammen holten wir erstmal ein
paar Frühstyxbiere. Später
gingen dann einige zum Kröpcke.
Ich und noch ein paar andere bleiben
beim HBF. Nach kurzer Zeit hörte
ich lautes Gebrüll aus dem
Bahnhof, was sich ungefähr
wie "Pöbel und Gesocks -
OI!OI!OI!" anhörte. Später
wurde draußen auch mitgeschrieen.
Passanten legten einen Gang zu,
weil ihnen das wohl ein bißchen
zu unheimich war (haha).
Naja, der Spaß hatte dann
aber schnell ein Ende, weil igendwelche
Idioten jetzt schon anfingen,
mit Flaschen zu schmeißen.
Das mußte zu diesem Zeitpunkt
nach hinten losgehen. Die Bullen
fingen an, die Leute vor dem Bahnhof
einzukesseln uns sagten an, daß
die Leute, die im Kessel waren,
bis Montag morgen eingeknastet
würden. Da haben wir uns
dann erstmal zum Kröpcke
verpißt.
Später habe ich von der
Straße dann nochmal zum
Bahnhof rübergeschaut, und
statt bunter hochstehender Haare
sah ich leider nur noch weiße
Helme. Irgendein Punk sagte mir
dann, daß es besser wäre,
sich zu verpissen, weil die Bullen
sich alles, was nach Punk aussah,
griffen und in den Kessel steckten.
Da hatte ich doch noch besseres
zu tun. Ich bin dann in die Passerelle
und wir ließen die Hunde
im Brunnen baden. Dort ließen
die Bullen auch nicht lange auf
sich warten. Also mußten
wir schon wieder flüchten.
Wir haben gehört, daß
die meisten Leute in irgendeinem
Park sein würden. Irgendwelche
Langhaarige sagten uns, sie wüßten
wo der Park ist, also sind wir
mitgegangen, was sich später
als Fehler erwies. Sie sagten
uns nach einer Stunde Fußmarsch,
daß sie sich nach drei nebeneinsanderstehenden
Hochhäusern orientieren müßten,
und wir sagten Tschüs.
Wir sind dann zurück zum
Kröpcke, wo die Bullen auch
wieder nicht lange auf sich warten
ließen. Wir mußten
auf jeden Fall erstmal wegrennen,
wobei sich rausstellte, daß
Johnny nicht gerade der schnellste
ist. Kurz gesagt, sie haben ihn
eingefahren.
Das hieß für mich,
daß ich auf seinen Hund
aufpassen mußte. Wir sind
dann in die Nordstadt gefahren,
wo eine ganze Meute von Punks
vor der Lutherkirche saß.
Im Laufe der Zeit wurden es immer
mehr, bis die ganze Kreuzung blockiert
war. Man sah nur noch Punks und
Skins!. Die Party war in vollem
Gange, als es erstmal anfing,
ohne Ende zu pissen. Ich bin dann
in die Pizzeria und habe gegessen.
Nach zehn Minuten kamen einige
Leute reingestürmt und riefen
"Die Bullen knüppeln alles
zusammen, die sind mit Wasserwerfern
da!" Als ich mir dann die Lage
anschaute, sah ich viele weiße
Helme, aber keine Wasserwerfer.
Punx standen vor den Bullen und
bewarfen sie mit diversen Gegenständen
wie Steinen, Flaschen, und allem,
was so eine Bullenfresse schöner
macht. Ich konnte an dieser Aktion
nicht teilnehmen, weil ich ja
den Hund hatte und die Straße
ein einziges Scherbenmeer war.
Also machte ich mich langsam auf
den Weg zu meinem Pennplatz...
Lucky:
Ich war todmüde, als wir
Freitag aufstanden und unsere
Haare zu Stacheln aufstellten.
Denn vor Aufregung hatte ich kaum
pennen können. Würden
echt über 1000 Leute kommen?
Wir schlenderten so um 14 Uhr
zum Planhof, wo rund 300-400 Punkers
und vereinzelt auch OI!-Skins
ihre Party machten. Ich war gerade
5 Minuten da und schon ging der
erste Ärger los: Einige Jungpunx
kloppten sich am Eingang mit Bullen.
Die wiederum fielen über
uns her, knüppelten und kesselten
viele von uns ein.
So gingen ich und meine Begleiterin
ruhig zur Bahn und fuhren gen
Nordstadt, denn die Bullen krallten
sich fast nur rennende Leute (Läufer-Täterprinzip...)
Bollocks! Das Treffen schien
zerschlagen, glaubte ich, und
gab mir an der Kirche mit den
anderen Kollegen die Kante. Später
gingen wir erneut in die City,
mal schaun wat abgeht.
Ein selten geiles Bild machte
sich breit: vom Bahnhof piss Kröpcke
nur Gruppen von Punx und Skins
überall! Die Bullen kesselten
am Ernst-August-Denkmal Leute
ein und jagten uns durch die Stadt.
Irgendwann zog in die Meute in
die Nordstadt, wo es anfing, immer
heftiger zu regnen! Nochmal Bollocks!
Die Haarseife lief mir in die
Augen und ich konnte nix sehen.
So betäubt machten wir uns
auf den Homeway zum Knacken!
Samstag fuhr ich gleich zur Nordstadt,
da ich null Bock auf Pullenstreß
am HBF hatte. Ausserdem wollte
ich wissen, ob das Kesselhaus-Konzert
stattfindet!
Irgendwann fing es an langweilig
zu werden, und mitten in diese
Öde platzte eine Sache herein,
die in die Geschichte eingegangen
ist: Ein Typ verteilte WIZO-Tourdaten/Aufkleber
an uns (ca. 250 Leute), und auf
einmal fuhr ein Bus vor die Lutscherkirche
und einige Leute bauten schnell
Instrumente auf, warfen ihren
Generator an und legten los! Es
waren WIZO aus Stuttgart! 40 Minuten
Kult! Und fuhren sie wieder ab
und ließen die verstaunte
und gutgelaunte Meute zurück!
Wir stratzten dann zum Fährmannsfest
nach Linden, wo ein großes
Open-Air angesagt war (Null Eintritt).
Gegen 17.00 Uhr spielten schließlich
die Boskops. Sie legten ´nen
guten Gig ab und verpissten sich
nach etwas mehr als ner Stunde.
Leicht breit wälzten wir
uns durch die Menschenmassen,
um zur Nordstadt zu kommen (Das
Fährmannsfest wurde von ca.
8000 Leuten besucht, darunter
ca. 600 Punx)
In der Nordstadt sollte am Sprengelkesselhaus
noch ein Konzert mit 5-6 Bands
starten. Auch aus dem Grund, um
die Leute von der Straße
zu holen! Keine Leute auf der
Straße - Keine Randale!
Spätabends ging es los im
Kesselhaus. Ca. 300 waren drin,
und ca. 400 waren vor dem Sprengelgelände,
was den autonomen PisserInnen
nicht schmeckte. (Mir allerdings
auch nicht!)
Während wir also den Klängen
von Public Toys lauschten, die
als 1. Band spielten, kamen immer
mehr verängstigte Leute rein,
die meinten, daß draußen
die Hölle abgehe, und daß
das Konzert von den Bullen gestürmt
würde.
Als die Public Toys "If the Kids
are United" anstimmten, gings
ab: Die Bullen stürmten das
Konzert! Bollocks (zum 3. Mal)!!
Es war wie im Krieg! Einzelne
von uns wurden grundlos kaputtgeschlagen.
Ein Wunder, daß dabei keiner
draufgegangen ist!
Wir wurden mit Plastikfesseln
zur Bullenwache geführt und
in eine Sammelzelle gesteckt,
wo fast jeder Entfesselungskünstler
spielte (David Copperfield läßt
grüßen!). Wir mußten
übrigens unsere Kutten, Stiefel
und sonstige Klunker in Plastiksäcke
stecken, die vor unserer Zelle
ausgelagert wurden.
Bald erlöste mich ein Bulle
von der Fessel und wir wurden
nach und nach zu dritt in Einzelzellen
gesteckt. Schade - in der Sammelzelle
war´s voll witzig, aber was
solls!
Sonntag früh wurden wir entlassen...
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