Letzte Änderung: November 22 2005 13:21:04. - 625 Seiten archiviert
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90 Pfennig Sachschaden-600 Festnahmen

... könnte ganz leicht übertrieben die Schlagzeile für das lauten, was an den CHAOS-TAGEN in Hannover wirklich passiert ist.

Die CHAOS-TAGE 1994 wurden erst von Polizei und Presse zu dem alles überragenden Medienereignis gemacht, das es schließlich wurde. Die Fernsehsender überschlugen sich. Es gab Liveschaltungen nach Hannover, einschlägige Politsendungen berichteten noch Tage später darüber (übrigens war das ZDF ausnahmsweise im HEUTE JOURNAL "politisch korrekt" mit einem ZAP Werbespot unter Regie von Karl Nagel vertreten.) In vielen Tageszeitungen waren die Chaostage noch eine Woche später DIE Schlagzeile schlechthin. Die Kommentare unfähiger Journalisten und Politiker sorgten für weitere Belustigungen, auch lange nachdem die letzte Bierpulle auf dem Boden von Hannovers Nordstadt zerscheppert war. Gleichzeitig wurde kräftig die Werbetrommel für die Chaos-Tage 1995 gerührt!

Die CHAOS-TAGE 94 waren medientechnisch der größte Erfolg, den die Punkszene bisher verzeichnen konnte. An ihm nahmen nicht nur die in Hannover anwesenden Punks und Bundesgenossen teil, sondern Millionen verkabelter Stinos bis hinein ins letzte Kaff, geplagt von Alpträume .

Durch die phantasievolle "Berichterstattung" der Medien wurden von Garmischparten - Kirchen bis hinauf nach Sylt ureigenste Existensängste in den kleinen Gehirnen des Durchschnittsverarschten geweckt.

Es wurde ein Bild von Punks gezeichnet, das jedes Filmmonster in den Schatten stellte. Irgendwelche Horden von seltsam aussehenden Mutanten stürmten durch eine ganz normale deutsche Stadt genau in die Wohnzimmer der anständigen Bürger, rissen den Einbauschrank von KARSTADT aus den Wänden, zerdepperten die Mallorca Urlaubsbilder und verfeuerten anschließend das gesamte Mobiliar vor dem Haus unter dem geleasten Golf um später kleine Kinder darauf zu grillen und zum Nachtisch die Hausfrau zu vergewaltigen. Der Nervenkitzel bestand darin, daß es jeden treffen konnte.

Die BILD Zeitung war mal wieder einsame Spitze darin, die Bürger als eine Art Volksgemeinschaft darzustellen, welche von außen angegriffen wurde. Die mutige Polizei konnte dagegen erst nach langer harter Schlacht und unter dem Einsatz der letzten Kräfte die übermächtigen fiesen Gegner dank heroischer Heldentaten zurückschlagen um ihre Volksgenossen in Zivil vor den wilden Punks zu beschützen.

Einige besonders schlaue Kommentatoren entblödeten sich sogar nicht zu fordern, daß man irgendwelche angeblichen RÄDELSFÜHRER nicht hätte anreisen lassen dürfen, wobei doch jedes Kind weiß, daß Punks gar keine Führer haben und auch keine brauchen, weil auch der letzte Suffpunker mehr im Kopf hat, als die Kommentatoren gewisser Zeitungen.

Vorteil an dieser genialen Geschichte ist die, daß Punks dank Superpropaganda endlich wieder etwas darstellen und nicht mehr kaum beachtete Witzfiguren und Fußabtreter sind. Punk wird wieder gefürchtet und WIE! Punk ist wieder DER Bürgerschreck und DIE Protestbewegung schlechthin!

Das zieht natürlich jede Menge Leute an! Hooligans und Nazis müssen sich verdammt anstrengen um den guten Ruf, den Punk wieder hat, zu überholen...

Punk gibt sämtlichen Politikern und Soziologen wieder Stoff für Spekulationen, Wahlkampfthemen und Gezülze in irgendwelchen lächerlichen Talkshows, und dabei liegt die Lösung doch so nahe. Offenbart doch die schablonenhafte, vorausschaubare Reaktion der Teile dieser Gesellschaft, die sich zu solchen Ereignissen immer äußern müssen, das Problem an sich.

Diese Gesellschaft/System ist ein krankes, kaputtes, gewalttätiges und verblödendes "Gemeinwesen" (sonst gäbe es keine Sendungen wie die 100.000 DM Show), und die viel geforderte Lösung des "Punkerproblems" läge in der kompletten Abschaffung dieser Gesellschaft, also her mit der Neutronenbombe !

Moses

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  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
Auf 60 Seiten erschien dann ein Überblick über die endlos bekloppten Medienreaktion sowie jede Menge Erlebnisberichte
. -kn-
 
 
   
 
 
 
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