Teilnehmer des Betriebsausfluges: Wolfgang (Sänger/Bild
rechts), Nikolaj (Gitarrist), Jakob (Vorsitzender des Kassiererfanclubs
in Witten), Hauke (Hippie).
Wolfgang war übrigens letztens auch zu Gast bei RTL/Hans
Meiser und hat dabei angekündigt, bei den nächsten
oder übernächsten Chaos-Tagen in Hannover zu heiraten.
Wir nehmen ihn beim Wort...
Nach einer unkomplizierten Autohielten, um die Porta Westfalica
gut zu verschließen, damit das Chaos nicht ins Westfälische
eindringen konnte, erreichten wir späten Freitag Nachmittag
das Stadtzentrum von Hannover. Auf dem Fußmarsch durch
die Innenstadt empfahl uns ein Radfahrer, zum Hauptbahnhof
zu gehen, da dort in diesem Moment eine Festnahmeaktion
der Polizei stattfinden sollte. Als wir dort ankamen, sahen
wir, daß ca. 100 bunthaarige Bundesgenossen von einigen
Polizeibeamten festverkesselt worden waren. Wolfgangs Versuch,
ein anwesendes SAT 1 Fernsehteam zuzulabern, sorgte nur
dafür, daß diese die Kamera abstellten; auch
der verzweifelte Ausruf: "Ich bin unheimlich wichtig - Ich
bin der Sänger der mächtigen Kassierer!" half
nicht weiter.
Nach einiger Zeit kam auch unsere ortskundige Reiseleitung,
und wir fuhren in die Nordstadt in die Pension "Wixer".
An dieser Stelle möchten wir uns bei Wixer, dem Gitarristen
von Boskops, für seine großzügige Bewirtung
an diesem Wochenende bedanken; ferner an dieser Stelle noch
die Entschuldigung dafür, daß Wolfgang am gleichen
Abend das Sofa im Salon der Pension Wixer mit seinem Erbrochenen
verunreinigt hat! Die fachkundige Untersuchung des Mageninhalts
durch den Gastgeber ergab, daß ein großer Anteil
Blut darin enthalten war.
Am späten Freitagabend führte uns die Reiseleitung
zunächst in die Nordstadt. Glücklicherweise waren
nur wenige beamtete Teilnehmer der Chaostage vor Ort, und
wir konnten uns ungestört betrinken und mit vielen
anderen Bunt- und Kurzhaarigen einen geselligen Abend verbringen.
Die Feier wurde dann im Salon der Pension fortgesetzt, und
im Verlaufe der Nacht trafen dann auch noch die erwarteten
süddeutschen Gäste ein.
Der Samstag brachte einige Überraschungen. Nach einem
überreichen Frühstücksmahl in der Pension
Wixer brachen wir auf, Hannover in Schutt und Asche einzulegen.
Die Lutherkirche war unsere erste Station.
Rechtzeitig traf unser 20t-LKW mit bester Schutt und Asche
aus Wattenscheid ein, und wir versuchten, alles auf das
Stadtgebiet zu verteilen. Das war natürlich eine sehr
anstrengende, aber auch sehr wirkungsvolle Arbeit, weil
danach in den Medien stets zu hören war: Hannover in
Schutt und Asche!
Sicher kann man sich vorstellen, daß bei den heutigen
Preisen für Schutt und Asche wir finanziell ausgebrannt
waren, so daß wir den Weg zum Fährmannsfest mit
dem Stadtbahntriebwagen der Bautype Hannover schwarzfahrenderweise
benutzen mußten. Als dann eine 10köpfige Bullenhorde
auf den Bahnsteig gekommen war, waren wir doch beruhigt,
daß diese sich nur dafür interessierte, wohin
wir fahren. Man riet uns dann davon ab, die Innenstadt zu
betreten, weil dort ein traditioneller Viehtrieb stattfände,
der für uns Gefahren bedeutet hätte. Wir hielten
uns an die freundliche, hilfsbereite Empfehlung, weil sie
doch mit unseren eigenen Reiseplänen in Übereinstimmung
zu bringen war.
Hier sahen wir unseren Gastgeber auf der Bühne wieder
und gehörten zu den anwesenden Boskops-Fans. Am Rande
amüsierten wir uns über Veganer, die sich über
einen ausgestopften Schäferhund echauffierten, den
ein paar Leute aus Berlin mitgebracht hatten. Bei dieser
Gelegenheit trafen wir auch Jacho von der Terrorgruppe und
überlegten, ob man am Abend gemeinsam musizieren sollte.
100 Biere später - oder waren es 1000? - fanden wir
uns im Sprengel wieder, wo die Public Toys ihre herrlichen
Klangskaskaden verschütteten. Doch plötzlich,
bevor wir selbst zu Instrumenten greifen konnten, kam dieses
dümmliche Sonderkommando, um die Halle zu stürmen
und jedweden Pogo mit einer staatlichen Anordnung wie "Setzen
Sie sich auf den Boden und verknoten Sie Ihre Beine!" zu
unterbinden. Hilflos verknotet versuchte Wolfgang, eine
Zigarette zu basteln - vergebens!
Nico versuchte in dieser Situation auszuhelfen und gab
einen neben ihm Sitzenden eine Filterzigarette. "Die ist
für Wolfgang", erklärte er. Nicos Weisung wurde
natürlich nicht ernst genommen. Nachdem Nico auf diese
Art ca. 2 Stangen Zigaretten verbraucht hatte, kam seine
letzte an. Leider war es dem Schmachtenden nicht vergönnt,
sie zu rauchen, weil neben ihm plötzlich jemand aufstand
und rief: "Laßt uns verhandele, bildet Gremien!".
Die Bullen versuchten sofort, den vermeintlichen Rädelsfüher
zu verhaften, vergebens zwar, aber durch die Rangelei war
die Zigarette unwiederbringlich verloren.
Endlich wurde der Verknotungserlaß aufgehoben, und
wir konnten ins Rampenlicht, welches die Feuerwehr für
alle im Innenhof aufgebaut hatte, treten. Da wir das milde
Klima der Abendluft schätzten, ließen wir uns
spät abführen und konnten erstaunlicherweise zur
Pension Wixer zurücklaufen. Offenbar waren schon so
viele abtransportiert worden (bei der uns wirklich interessierenden
Frage, ob dies nur eine Verhaftung oder auch an eine Vergasung
gedacht sei, zeigte sich der angesprochene Beamte humorlos),
daß man nun keine Lust hatte, weiter zu transportieren...
Am Sonntag hätte man sich den Gang zur Lutherkirche
schenken können, da dort nur ein Bullenauflauf war.
Diese freundlichen Herren fuhren uns sofort mit zwei Wagen
zu unserem Auto; ein Nietenarmband von Jacob wurde dafür
als Bezahlung eingefordert.
Insgesamt war es aber ein überaus spaßiges Wochenende.
Und wir haben gehört, daß ein paar Bochumer im
nächsten Jahr eine Butterfahrt nach Hannover planen,
bei der jeder, der verhaftet wird, ein halbes Pfund Butter
bekommt.
weiter
|