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Am Freitagabend fuhren wir gutgelaunt Richtung Hannver
- um die Stadt in Schutt und Asche zu legen, wie man ja
aus der Zeitung weiß...
Kaum angekommen, trafen wir auch schon die ersten Punks,
die genauso orientierungslos umherirrten wie wir. Nachdem
wir uns begrüßt hatten, fand sich auch einer,
der den Weg zum Sprengelände kannte. Also gingen wir
hinter ihm her, wobei uns netterweise eine Gruppe grüner
Autos folgte, wohl um uns "Schutz" zu gewähren.
Endlich angekommen - und nach einigen Erlebnisberichten
über Begegnungen von bunten mit grünen Leuten
sowie ein paar Bierchen - suchten wir wir uns in der prallgefüllten
Sprengel einen Schlafplatz und schliefen selig ein in der
Erwartung, am nächsten Morgen Action zu haben. Genauso
sollte es auch kommen, nur anders, als wir dachten...
Nachdem wir ungefähr hundertmal geweckt worden waren
von Leuten, die gerade aus dem Arrest kamen und jedem, der
es hören wollte (oder auch nicht...!) ihre Geschichte
erzählten, standen wir ziemlich genervt auf und stellten
fest, daß wir fast die letzten waren, die noch in
der Sprengel weilten.
5 Minuten später wußten wir auch, warum: Eine
Hundertschaft hatte sich in voller Montur vor der Sprengel
aufgebaut. Man warnte uns zwar ein paarmal, die Sprengel
nicht zu verlassen, da die netten Herren in Grün schon
am frühen Morgen Leute festgenommen hatten, die sich
nur ein paar Straßen weiter ihr morgendliches Bier
kaufen wollten.
Wir hauten dann einfach auf der anderen Seite ab, die die
Bullen nicht gesperrt hatten, da wir ja zum Bahnhof wollten,
wo wir ein Date mit unseren anderen Kollegen aus Bonn hatten.
Hätten wir gewußt, daß die Bullen die gesamte
Innenstadt & Bahnhof als punkfrei deklariert hatten,
hätten wir uns natürlich woanders verabredet.
Aber wer konnte schon wissen, daß Punk wieder solche
Angst bei der Staatmacht hervorrufen würde?
Kaum dort angekommen, erfreuten wir uns an einer morgendlichen
Schnitzeljagd durch die Stadt. Wie die geisteskranken Tölpel
latschten wir frohen Mutes auf alle Warnungen lässig
scheißend Richtung Bahnhof, als eine Gruppe Ex-Hauptschüler
uns ebenso lässig entgegenschlenderte. Das sollte sich
schnell ändern. Sie outeten sich als Sportskanonen,
indem sie Hechtsprünge nach uns machten. Daraufhin
zogen wir ab wie Hechtsuppe; die einen in die Post, die
anderen durch eine Eisenbahnunterführung.
Doch einer aus unserer duften Clique fiel den Häschern
in die Hände, die ihm flugs die Arme verdrehten und
natürlich sofort in den Kessel führten. Aus unserem
Versteck heraus schauten wir hilflos zu.
Nachdem ich schließlich ganz allein in der Post rumlungerte
und feststellte, daß ich weder Geld noch Papiere bei
mir führte (da ich wohlweislich einer Freundin meinen
Rucksack aufgedrückt hatte - mit eben diesen + einer
ansehnlichen Zahl Bieren...), wurde ich langsam nervös.
Als ich vorsichtig aus der Post herauslugte, sah ich meine
Freundin, die unauffällig wirken wollte und dabei völlig
unnütz und verwirrt hinter einem Pfeiler stand. Nachdem
ich durch unrhythmisches Hin- und Herstrampeln auf mich
aufmerksam gemacht hatte, kam sie dann auch endlich auf
mich zu.
Nachdem wir abgecheckt hatten, daß unsere uniformierten
Freunde uns nicht mehr ins Visier nehmen konnten, stürmten
wir fluchtartig durch eine Unterführung und trafen
Gleichgesinnte, die genau wie wir abends ihr Bierchen trinken
und nicht wie einige andere Punkerschweine in der Zelle
verschimmeln wollten .
Wir machten unsere Dosen auf, um sie 2 Sekunden später
fallen zu lassen: Wieder rannten wir hysterisch und panisch
in alle Himmelsrichtungen, da sich uns Bullen näherten.
Als wir gerafft hatten, daß es nur 5 Bullen waren,
die da auf uns zurannten, blieben wir entsetzt (von uns
selbst!) stehen und latschten zu unserem Ausgangspunkt zurück.
Die Bullen blickten, daß wir doch deutlich in der
Überzahl waren und suchten nun selbst das Weite. Schließlich
machten wir uns auf den Weg irgendwohin, wo sich unsereins
normal bewegen konnte. Doch dies sollte sich noch als sehr
schwerer Weg entpuppen.
Denn überall wo wir herumirrten, kamen uns Kollegen
entgegen, die uns sagten, daß wir in diese oder jene
Richtung nicht gehen sollten, wenn wir keine Lust hätten,
den Samstagabend bei Wasser und Brot im Kerker zu verbringen.
Völlig entnervt gingen wir durch irgendwelche Straßen.
Überall Blaulicht und wilde Verfolgungsjagden, die
wir aus unseren immer wieder neuen Verstecken verfolgen
durften.
Mittlerweile stritten wir uns auch noch, weil jeder von
uns eine andere Richtung als Fluchtweg wußte, als
unser Retter in Form eines kleinen roten Autos nebst Fahrer
um die Ecke bog. Genau dieser, der vor der Post vor unseren
Augen in den Kessel geführt worden war. (Anmerkung:
Das war übrigens Moses, der freundliche ZAP-Herausgeber.
Mehr zu seiner Geschichte an anderer Stelle im Heft...)
Geschickt, wie er ist, war er auf abenteuerliche Weise aus
dem Kessel wieder geflüchtet und heizte schon eine
ganze Weile durch die Gegend.
Die Einladung zu einer Spritztour nahmen wir dankend an
und so drehten wir so manches Ründchen um den Bahnhof
und sahen die Abtransporte aus dem Kessel, in denen wir
unsere ganze Bonner Belegschaft vermuteten, da wir um 12.00
Uhr verabredet waren.
Als uns schon schwindelig wurde und wir feststellten, daß
wir, außer blödsinnig im Kreis zu fahren, nichts
tun konnten, fuhren wir zu einer Wohnung eines ZAP-Mitarbeiters
in der Nordstadt.
Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Balkon. Von Pizzafreßsucht
überfallen, gingen wir später in die Nordstadt,
um dort unseren Hunger zu stillen, da wir ja seit dem gestrigen
Abend nichts mehr zu uns genommen hatten. Und so eine Schnitzeljagd
macht Hunger...
An der Lutherkirche angekommen - denn da vermuteten wir
eine Pizzeria - durften wir noch den letzten Klängen
von WIZO lauschen, die dort ihren Van geparkt hatten, plus
Verstärker und Schlagzeug und ein erstklassiges Punkkonzert
von sich gaben.
Die Stimmung, die Pizza und das Bier waren ok, so daß
wir alle unsere Sorgen vergaßen und mit guter Laune
und ungefähr 100 Leuten UND natürlich Polizeischutz,
den wir aber durch einen kurzen Umweg durch einen Park abhängen
konnten, aufs Fährmannsfest taumelten.
Nja, von dem Fest gibt´s nicht viel zu erzählen,
außer, daß dort die einzigen Stunden für
viele Leute waren, wo sie nicht unter irgend welchen Büschen
hocken mußten oder laut Zeitung Wohungen von "unschuldigen
Bürgern" belagerten.
Einem gutes Konzert und ein paar Biere später entdeckten
wir, daß einer von uns fehlte. Auch nach zweistündigen
Suchen tauchte er nicht auf, und wir gingen mit einem großen
Mob Richtung Sprengel, in der Hoffnung, ihn dort wieder
zu treffen.
Frohen Mutes kamen wir in der Sprengel an. Frohen Mutes,
1.) weil wir unseren Kollegen wiedertrafen, der sich ein
paar Stündchen auf dem Fährmannsfest aufs Ohr
gelegt hatte. Kein Wunder, daß wir den nicht fanden.
Und 2.), weil wir schon lange keine Bullen mehr gesehen
hatten.
Gut drauf, sangen, tranken und tanzten wir vor der Sprengel.
Von dem Lagerfeuer vor der Lutherkirche bekamen wir fast
nichts mit, auch nicht, daß an beiden Seiten der Straße
die Bullen mit steifem Glied und nassem Höschen standen
und auf ihren Einsatzbefehl warteten, um uns endlich alle
plattzumachen.
Wir saßen immer noch auf unserem Bauwagen und Müllcontainer
und machten den übrigen Punx klar, daß aus dem
Rheinland die lautesten Schreier kommen, als links neben
uns eine süße kleine Barrikade errichtet wurde.
Da wir natürlich keine Kinder von
Traurigkeit sind, fanden wir uns alle wieder, als wir uns
unter das barrikadenbauende Volk mischten.
Einige von uns ahnten, daß gleich etwas abgehen sollte,
und da sie Bewährung haben, entschwanden sie auf das
anscheinend sichere Konzert. Andere bewaffneten sich mit
ein paar Steinen und Flaschen, weil sie keineLust hatten,
wie die anderen willenlos wie Schlachtvieh einzufahren.
Außerdem sollte diesen Scheißern gezeigt werden,
daß sie nicht ungestraft Hannover ins Warschauer Ghetto
verwandeln können.
Es war zwar klar, daß wir nicht gewinnen konnten,
aber darum ging es ja auch gar nicht. Wer jetzt meint, daß
Rache Scheiße sei, der soll seinen Widerstand weiter
damit zeigen, daß er zuhause sitzt, kifft, kluge linke
Sprüche kloppt und alles mit sich machen lässt,
was der Staat von ihm verlangt.
Aber jetzt wieder zurück zu den bösen Steinen
und Flaschen, die plötzlich, als die Stimmung von noch
böseren Krawallmachern angeheizt wurde, in Richtung
Bullen flogen. Zuerst wagte man sich noch sehr zaghaft in
ihre Richtung, doch als das Eis gebrochen war, hagelte es
einen wunderschönen Stein- und Flaschenregen auf die
Bullen.
Die blieben zunächst noch ziemlich mutig stehen, doch
als immer noch mehr Punks (sowie jede Menge von gutbürgerlichen
Leuten, die sich unter die Chaoten mischte, um unbehelligt
den Bullen auch mal auf die Schnauze zu hauen - kleiner
Witz am Rande...) nach vorne stürmten, rannten sie
um ihr wertloses Leben.
Als wir sahen, daß die Bullen rannten, ergriffen
wir die Gelegenheit und feierten einige Sekunden lang unseren
Sieg. Danach liefen alle wieder in Richtung Sprengel, um
wieder einige Wurfgeschosse zu ordern und schon ging es
wieder zurück. Doch diesmal kamen leider die Bullen
angerannt. Zwar mit vollgepissten Hosen, aber mit in der
Bullenschule gut gelernten grimmigen Fressen. Kompliment!
Sie sahen ziemlich sauer aus und wollten uns, so glaubten
wir, in den Arsch ficken. Anstatt stehen zu bleiben, um
sie noch einmal mit einem Steinhagel zu begrüßen,
liefen alle wie aufgescheuchte Hühner ins Sprengelgelände.
Im Hof angekommen, drehten wir uns nochmals um und sahen,
daß sie zunächst nicht hinter uns herliefen.
Also rannten wir wieder zurück, um die Hofeinfahrt
so gut wie möglich zu verteidigen.
In unserer Einfahrt waren nur sehr wenige von uns; die
andere Einfahrt neben uns wurde aber noch mehr von den Bullen
belagert. Wir konnten sie zwar nicht sehen, aber dafür
umso besser hören.
Was uns da zu Ohren kam, ließ uns darauf schließen,
daß es den Bullen nicht gerade leicht gemacht wurde
(warum auch?), in das Sprengelgelände einzudringen.
Diese Kampflaute gaben uns natürlich neuen Auftrieb,
unser Tor genausogut zu verteidigen. Es schien auch so,
als würde es klappen.
Doch als irgendjemand auf die geniale Idee kam, endlich
das riesige Eisentor zu schließen und einen Moment
lang keine Steine in die Richtung der Bullen flogen, weil
wohl einige nachdachten, warum wir nicht früher auf
die glorreiche Idee gekommen waren, nutzten die Cops die
Gelegenheit und stürmten das Tor.
Flugs suchte jeder von uns das Weite. Zwei von uns rasten
mit wehenden Haaren auf das Gebüsch direkt neben den
Bauzaun zu. Es schien ein beliebtes Ausflugsziel zu sein,
denn in den Büschen und Sträuchern knisterte es
unentwegt. Als wir uns vorsichtig durch Brennesselbüsche
gekämpft hatten, fanden wir uns etwa mit acht Leuten
mitten in der Scheiße wieder. Neben, über und
unter uns nur Bullen.
Die einzige Richtung, die uns noch blieb, war zum Bauzaun
hin. Unser Weg sollte an einem Haus direkt neben diesem
Zaun gestoppt werden, denn aus unseren Brennesselbüschen
heraus sahen wir plötzlich nur noch weiße Helme.
Also machten wir es uns in einem Graben bequem und deckten
uns mit den uns jetzt schon vertrauten und geliebten Brennesseln
zu.
Die Fenster über uns öffneten sich und überall
kamen kleine rotgesichtige Fressen zum Vorschein, die es
sich mit der Chipstüte bequem machten, um dem Spektakel
zuzuschauen. Wir hatten natürlich eine beschissene
Angst, daß uns ein guter braver Bürger entdeckte,
um es prompt an unsere Freunde weiterzuleiten. Wir hörten
sie schon schreien, und so deckten wir uns immer mehr mit
dem Grünzeug zu. (Am nächsten Tag waren wir natürlich
pickelübersät....)
Nach zwei Stunden und unzähligen Bekannschaften mit
kleinen 8-12-beinigen Geschöpfen hatten wir keinen
Bock mehr. Wir suchten verzweifelt - und das auch noch unauffällig
- einen Fluchtweg.
Irgendwann schauten wir wieder zu diesen chipssüchtigen
Leuten hoch, die an ihren Fenstern hingen und entdeckten
darunter ein uns wohlbekanntes Gesicht. Wie ein Engel kam
er uns vor, wie er dort am Fenster stand. Jetzt ging es
darum, ziemlich unauffällig auf uns aufmerksam zu machen.
Nach langen 5 Minuten raffte er endlich, daß in dem
Gebüsch, daß dort um Hilfe rief, zwei Menschen
waren. Also gab er verstohlene Anweisungen, wie wir durch
das Gebüsch krabbeln sollten. Nach weiteren fünf
Minuten erreichten wir endlich den Mauervorsprung von dem
Haus, wo wir hilfreiche Hände erblickten, die uns hochhalfen.
Jetzt konnten auch wir von einem Fenster aus das gesamte
Gelände überblicken, doch auch unsere allseits
beliebten Freunde erblickten uns. Wir flüchteten uns
in die Wohnung, eines supernetten Hippies, der sich wegen
uns mit dem Bullen prügelte, die tatsächlich die
Wohnung wegen uns stürmen wollten. Wir verbarrikadierten
uns in der Küche, mittlerweile waren wir zu viert.
Der vierte von uns war ein 15jähriger Punker, der immer
hysterischer wurde, und hätte er nicht irgendwann das
Maul gehalten, dann hätte ihm es bestimmt einer von
uns gestopft.
Plötzlich ging die Tür auf und der nette Hippie
kam wieder mit ein paar Schrammen im Gesicht und erklärte
uns, daß es bei ihm zu gefährlich für uns
sei. Dann führte er uns durch den Keller in eine Nebenstraße.
Doch auch hier lungerten überall Bullen rum, so daß
wir keine andere Wahl hatten, als in eine Prolldisco zu
gehen, um von dort ein Taxi zu rufen.
Als wir im Taxi saßen, konnten wir das erste Mal
richtig durchatmen. Wir fuhren sofort in die Wohnung des
ZAP-Mitarbeiters, wo wir den Nachmittag verbracht hatten.
Da war aber keiner, also fuhren wir weiter zum Fährmannsfest.
Kaum dort angekommen, trafen wir auch schon einige von
unseren Freunden, die auf genauso abenteuerliche Weise wie
wir aus der Nordstadt geflüchtet waren. Die Wiedersehensfreude
war groß, aber trotzdem kam so rechte Stimmung nicht
auf, weil immer noch einige Leute fehlten. Also überzeugten
wir einen von uns, mit dem Auto nochmal in die Nordstadt
zu fahren, um dort an ein weiteres unserer Autos eine Nachricht
zu heften.
Nach einem Riesenumweg, weil sich keiner auskannte, erreichten
wir die Sprengel, und siehe da, vor unserem Auto, das gottseidank
noch ganz war, lümmelten sich außer drei Leuten,
die immer noch fehlten, die anderen aus unserer Belegschaft.
Freudig erregt umarmten wir uns und fuhren, nachdem uns
klar war, daß die 3 anderen von uns eingefahren waren
und wir sowieso nichts mehr tun konnten, Richtung Fährmannsfest.
Dort ereignete sich auch noch eine kleine Trägödie,
weil zwei Leute ihre Schlafsäcke im Auto von denjenigen
hatten, die eingefahren waren. So froren sie sich zu guter
Letzt auch noch den Arsch ab.
Trotz aller Action, oder gerade deshalb, fielen wir alle
in einen tiefen Schlaf und wurden am nächsten Morgen
von den 3 Häftlingen geweckt, die die Nacht in irgendeiner
Turnhalle verbracht hatten. Da wir alle ziemlich genervt
waren wegen diesem Bullenaufstand, fuhren wir gegen Mittag
zusammen Richtung Bonn.
Und hier endet auch dieser glanzvolle Bericht. Und wer
meint, daß die Chaostage wegen dieser Bullenaction
Scheiße waren, der hat unseren Bericht nicht ganz
richtig gelesen.
Es hat sich sehr wohl gelohnt, schon wegen des ganzen Medienaufstandes,
und DAS gibt der ganzen Sache wieder Auftrieb. Also, wir
sind das nächste Mal auf jeden Fall wieder dabei. Man
sieht sich...
Joelle
(Schlampenfront Bonn)
weiter
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