Einige Eindrücke der ZAP-Fraktion auf den Chaos-Tagen.
Zunächst ein kurzes Gespräch mit dem sympathischen
süddeutschen Charmeur Klaus N-Punkt Frick, "Alt-Punker"
und Szenenkenner, belesener als jeder Student und immer
überall dabei. Wir sind gespannt auf sein nächstes
angekündigtes Werk: er arbeitet zur Zeit am ersten
deutschen Punk-Roman. Das Interview führen Johnny Moabit,
Anne Ullrich und Rainer Sprehe.
ZAP: Los, schwärm noch ein bißchen!
KNF:Dumme Sprüche ablassen?
ZAP: Nein, schwärmen.
ZAP:Also Herr Frick, warum sind Sie auf dem ZAP-Cup?
alle: ZAP-Cup? (Gelächter)
ZAP: Falscher Film. Moment, Stop!
ZAP: Warum sind Sie auf dem, äh, wie heißt
das hier?
KNF: Also es gibt zwei Gründe, warum ich hier
bin, und 50% Nostalgie ist dabei. Aber der andere Punkt
ist einfach der: Punk ist mittlerweile Mode; die ganzen
Musikzeitschriften erklären Punk zu einer Mode von
´77-´79. Und wir hier zeigen, was Punk wirklich
heißt (stolze kurze Pause): nämlich die Straße
erobern...
ZAP: Und was hältst du von dem Gerücht,
daß sich alle Altpunker in Hotels eingemietet haben
und mit Mercedes Benz angereist sind?
ZAP: Eben kam jemand mit dem Taxi an.
KNF: Ich bin mit dem VW-Jetta hier und ich schlafe
bei zwei hübschen Frauen, haha! Nein, schönen
Frauen, schönen Frauen (stolz).
ZAP: Stimmt es, daß Sie sich für dieses
Treffen extra die Haare gefärbt haben?
KNF: Jawohl! Es mußte mal wieder sein. Aber
gefärbt, nicht getönt.
ZAP: Und nebenher Pfannekuchen gebacken, ne?
KNF: Ja, die eine Frau hat mir die Haare gefärbt
und die andere hat Pfannekuchen gebacken, ohne Witz! War
echt geil. Aber ich bin so geil, daß hier...
ZAP: Haha, und ich bin so geil? Freud läßt
grüßen.
KNF: Mist, Versprecher; ich war heut mittag so spitz
im Baggersee... Nein ich find´s so geil, daß
so viele Kidpunks hier sind; so viele Leute, alle Altersklassen,
von überall her, aus Magdeburg eben grad 50 Mann oder
sowas... Und wenn jetzt die Bullen kommen (ernste Pause),
dann ist hier Straßenschlacht ohne Ende (prust). Das
war mein Schlußwort: Straßenschlacht ohne Ende.
Das war Freitag spät nachmittag vor der Lutherkirche.
Alles bunt, alles voller Spaß im leichten Nieselregen,
und der Kioskbesitzer machte das Geschäft der Saison.
Und diesen Spaß haben wir uns an diesem Abend auch
durch die von den Bullen provozierte Straßenschlacht
nicht nehmen lassen; eine Straßenschlacht übrigens,
die nicht zuletzt dank Leuten wie Klaus N. Frick - der kann
nämlich, friedlich wie er im Grunde genommen ist, auch
sehr gut deeskalieren - doch bald wieder ein Ende hatte.
An diesem Abend zogen sich die Bullen wieder zurück;
sicher, es gab wie immer ein paar Perverse, die auf friedlich
in den Park pinkelnde Leute sofort von hinten eindroschen,
aber Festnahmen und Verletzungen hielten sich am Freitag
abend in der Nordstadt noch in Grenzen, auch wenn die Stimmung
über mindestens zwei Stunden kurz vorm Explodieren
war. Die meisten Bullen gingen ziemlich naiv an die Sache
heran, ließen sich in Gespräche verwickeln, bei
denen sie am Schluß zugaben, daß es im Grunde
genommen eine Frechheit ist, diese 1A Party zu stören.
Und ich bin überzeugt, daß sich die meisten gefreut
haben, daß sie von ihren Befehlsgebern nicht aufgefordert
wurden, bis zum bitteren Ende durchzuprügeln und vielleicht
sogar froh waren, bei diesem unheimlichen SPIEL, das es
am Freitag noch war, dabeigewesen zu sein: sogar Bullen
können vom CHAOS fasziniert sein. Tja, aber das war
an diesem Wochenende leider die Ausnahme; die SEK´ler,
die am nächsten Tag auffuhren, waren anderes Kaliber.
An diesem abend war die Stimmung viel zu ausgelassen für
SCHUTT & ASCHE, aber man muß sich fragen, warum
diese von Presse und Polizei in Umlauf gebrachte Ankündigung
am nächsten Tag angesichts der groben Übergriffe
der Staatsmacht nicht doch ansatzweise wahrgemacht wurde.
Noch ein Wort zu den Anwohnern, die laut Bildzeitung vom
nächsten Tag vor Angst in die oberen Stockwerke geflüchtet
sind, während unten die Punks alles kurz und klein
geschlagen hätten: Die, mit denen wir gesprochen haben,
waren es erstens schon gewöhnt, daß es in der
Nordstadt ab und zu etwas lauter zugeht und sahen die Sache
völlig locker. Zweitens wurde mehrmals betont, daß
nicht zuletzt wegen Leuten wie den Chaos-Tag-Besuchern und
den Sprengelautonomen die Gegend frei von Faschos ist! Und
noch eine Frage zum Sprengel: Stimmt es, daß dieser
Laden am Freitag (Regen!) für Punks verschlossen war,
weil hochnäsige Autonome die Punker nicht leiden können?
Bitte aufklären; wäre ja wirklich zu schade...
Johnny Moabit
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