Letzte Änderung: November 22 2005 13:21:19. - 625 Seiten archiviert
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Eindrücke

Einige Eindrücke der ZAP-Fraktion auf den Chaos-Tagen. Zunächst ein kurzes Gespräch mit dem sympathischen süddeutschen Charmeur Klaus N-Punkt Frick, "Alt-Punker" und Szenenkenner, belesener als jeder Student und immer überall dabei. Wir sind gespannt auf sein nächstes angekündigtes Werk: er arbeitet zur Zeit am ersten deutschen Punk-Roman. Das Interview führen Johnny Moabit, Anne Ullrich und Rainer Sprehe.

ZAP: Los, schwärm noch ein bißchen!

KNF:Dumme Sprüche ablassen?

ZAP: Nein, schwärmen.

ZAP:Also Herr Frick, warum sind Sie auf dem ZAP-Cup?

alle: ZAP-Cup? (Gelächter)

ZAP: Falscher Film. Moment, Stop!

ZAP: Warum sind Sie auf dem, äh, wie heißt das hier?

KNF: Also es gibt zwei Gründe, warum ich hier bin, und 50% Nostalgie ist dabei. Aber der andere Punkt ist einfach der: Punk ist mittlerweile Mode; die ganzen Musikzeitschriften erklären Punk zu einer Mode von ´77-´79. Und wir hier zeigen, was Punk wirklich heißt (stolze kurze Pause): nämlich die Straße erobern...

ZAP: Und was hältst du von dem Gerücht, daß sich alle Altpunker in Hotels eingemietet haben und mit Mercedes Benz angereist sind?

ZAP: Eben kam jemand mit dem Taxi an.

KNF: Ich bin mit dem VW-Jetta hier und ich schlafe bei zwei hübschen Frauen, haha! Nein, schönen Frauen, schönen Frauen (stolz).

ZAP: Stimmt es, daß Sie sich für dieses Treffen extra die Haare gefärbt haben?

KNF: Jawohl! Es mußte mal wieder sein. Aber gefärbt, nicht getönt.

ZAP: Und nebenher Pfannekuchen gebacken, ne?

KNF: Ja, die eine Frau hat mir die Haare gefärbt und die andere hat Pfannekuchen gebacken, ohne Witz! War echt geil. Aber ich bin so geil, daß hier...

ZAP: Haha, und ich bin so geil? Freud läßt grüßen.

KNF: Mist, Versprecher; ich war heut mittag so spitz im Baggersee... Nein ich find´s so geil, daß so viele Kidpunks hier sind; so viele Leute, alle Altersklassen, von überall her, aus Magdeburg eben grad 50 Mann oder sowas... Und wenn jetzt die Bullen kommen (ernste Pause), dann ist hier Straßenschlacht ohne Ende (prust). Das war mein Schlußwort: Straßenschlacht ohne Ende.

Das war Freitag spät nachmittag vor der Lutherkirche. Alles bunt, alles voller Spaß im leichten Nieselregen, und der Kioskbesitzer machte das Geschäft der Saison. Und diesen Spaß haben wir uns an diesem Abend auch durch die von den Bullen provozierte Straßenschlacht nicht nehmen lassen; eine Straßenschlacht übrigens, die nicht zuletzt dank Leuten wie Klaus N. Frick - der kann nämlich, friedlich wie er im Grunde genommen ist, auch sehr gut deeskalieren - doch bald wieder ein Ende hatte. An diesem Abend zogen sich die Bullen wieder zurück; sicher, es gab wie immer ein paar Perverse, die auf friedlich in den Park pinkelnde Leute sofort von hinten eindroschen, aber Festnahmen und Verletzungen hielten sich am Freitag abend in der Nordstadt noch in Grenzen, auch wenn die Stimmung über mindestens zwei Stunden kurz vorm Explodieren war. Die meisten Bullen gingen ziemlich naiv an die Sache heran, ließen sich in Gespräche verwickeln, bei denen sie am Schluß zugaben, daß es im Grunde genommen eine Frechheit ist, diese 1A Party zu stören. Und ich bin überzeugt, daß sich die meisten gefreut haben, daß sie von ihren Befehlsgebern nicht aufgefordert wurden, bis zum bitteren Ende durchzuprügeln und vielleicht sogar froh waren, bei diesem unheimlichen SPIEL, das es am Freitag noch war, dabeigewesen zu sein: sogar Bullen können vom CHAOS fasziniert sein. Tja, aber das war an diesem Wochenende leider die Ausnahme; die SEK´ler, die am nächsten Tag auffuhren, waren anderes Kaliber.

An diesem abend war die Stimmung viel zu ausgelassen für SCHUTT & ASCHE, aber man muß sich fragen, warum diese von Presse und Polizei in Umlauf gebrachte Ankündigung am nächsten Tag angesichts der groben Übergriffe der Staatsmacht nicht doch ansatzweise wahrgemacht wurde.

Noch ein Wort zu den Anwohnern, die laut Bildzeitung vom nächsten Tag vor Angst in die oberen Stockwerke geflüchtet sind, während unten die Punks alles kurz und klein geschlagen hätten: Die, mit denen wir gesprochen haben, waren es erstens schon gewöhnt, daß es in der Nordstadt ab und zu etwas lauter zugeht und sahen die Sache völlig locker. Zweitens wurde mehrmals betont, daß nicht zuletzt wegen Leuten wie den Chaos-Tag-Besuchern und den Sprengelautonomen die Gegend frei von Faschos ist! Und noch eine Frage zum Sprengel: Stimmt es, daß dieser Laden am Freitag (Regen!) für Punks verschlossen war, weil hochnäsige Autonome die Punker nicht leiden können? Bitte aufklären; wäre ja wirklich zu schade...

Johnny Moabit

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  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
Auf 60 Seiten erschien dann ein Überblick über die endlos bekloppten Medienreaktion sowie jede Menge Erlebnisberichte
. -kn-
 
 
   
 
 
 
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