Letzte Änderung: November 22 2005 13:21:20. - 625 Seiten archiviert
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Auf zum Fährmannsfest!

Uns war trotzdem klar, daß wir in einer kritischen Lage waren. WIZO verschwanden, ständig kreuzte - total provozierend - eine Bullenwanne in der Gegend rum, als ob sie nur darauf warteten, daß wir sie mit Steinen beschmeißen würden. Gleichzeitig ging das Pogrom der Bullen, Zivi-Bullen und Zivilisten ("Vergasen müßte man euch!" war ein beliebter Spruch der freundlichen Bevölkerung gegenüber irgendwelchen Punks) in der Innenstadt weiter.

Bevor die Bullen auch noch die Lutherkirche zum wiederholten Male angreifen würden, zogen wir ab. Mit rund 200 Leuten zogen wir von der Kirche ab, quer durch einen Park, hin zu dem Open-Air-Festival, dem Fährmannsfest. Zeitweise folgte uns eine Bullenwanne, aber im Park wurde diese natürlich abgeschüttelt.

Das Fährmannsfest war eine sehr sympathische Angelegenheit: Es gab Bier, wenn auch zu teuer, es gab viel zu essen, die Bullen streßten nicht rum, irgendwo dudelten irgendwelche Bands, und es waren viele Leute da, aus vielen anderen Städten. Geht man davon aus, daß zu dieser Zeit rund 8000 Leute auf dem Fest waren, konnte man locker 1000 davon zum Chaos-Tag zählen. Überall waren Irokesen, Stoppelköpfe, bunte Haare und Glatzen zu sehen; eindeutige Könige waren natürlich die zwei Leute mit tierisch geilen Spikes auf den Köpfen...

Ein ganzer Pulk Menschen aus Bremen war anwesend, die auch am Abend vorher beim Konzert gewesen waren. Dort hatte EXTINCTION OF MANKIND gespielt, Derb-Core à la EXTREME NOISE TERROR, und im Anschluß an das Konzert hatten die Bullen ordentlich eine auf die Fresse gekriegt, Läden waren geplündert und Scheiben von Bonzengeschäften eingedroschen worden. In der Situation des Chaos-Tags fanden das nicht wenige Leute gut - denn es war allgemein bekannt, daß mittlerweile Hunderte von Punks eingesperrt worden oder mit dem Zug wieder in ihre Heimatorte zurückgeschickt worden waren.

Am späten Nachmittag spielten die

BOSKOPS auf dem Fährmannsfest. Ich gestehe, ich war nie ein Fan dieser Deutschpunk-Band - aber an diesem Samstag mittag fand ich sie super! Das Volk ging ab ohne Ende, es gab einen derben, aber fairen Pogo vor der Bühne, es wurde abgefeiert ohne Ende, und bei den alten Stücken der Band wie dem "Sesamstraße"-Lied gingen auch die zahlreichen Leute, die um die Pogo-Meute rumstanden, voll mit.

Klaus N. Frick

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  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
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