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Uns war trotzdem klar, daß wir in einer kritischen
Lage waren. WIZO verschwanden, ständig kreuzte - total
provozierend - eine Bullenwanne in der Gegend rum, als ob
sie nur darauf warteten, daß wir sie mit Steinen beschmeißen
würden. Gleichzeitig ging das Pogrom der Bullen, Zivi-Bullen
und Zivilisten ("Vergasen müßte man euch!" war
ein beliebter Spruch der freundlichen Bevölkerung gegenüber
irgendwelchen Punks) in der Innenstadt weiter.
Bevor die Bullen auch noch die Lutherkirche zum wiederholten
Male angreifen würden, zogen wir ab. Mit rund 200 Leuten
zogen wir von der Kirche ab, quer durch einen Park, hin
zu dem Open-Air-Festival, dem Fährmannsfest. Zeitweise
folgte uns eine Bullenwanne, aber im Park wurde diese natürlich
abgeschüttelt.
Das Fährmannsfest war eine sehr sympathische Angelegenheit:
Es gab Bier, wenn auch zu teuer, es gab viel zu essen, die
Bullen streßten nicht rum, irgendwo dudelten irgendwelche
Bands, und es waren viele Leute da, aus vielen anderen Städten.
Geht man davon aus, daß zu dieser Zeit rund 8000 Leute
auf dem Fest waren, konnte man locker 1000 davon zum Chaos-Tag
zählen. Überall waren Irokesen, Stoppelköpfe,
bunte Haare und Glatzen zu sehen; eindeutige Könige
waren natürlich die zwei Leute mit tierisch geilen
Spikes auf den Köpfen...
Ein ganzer Pulk Menschen aus Bremen war anwesend, die auch
am Abend vorher beim Konzert gewesen waren. Dort hatte EXTINCTION
OF MANKIND gespielt, Derb-Core à la EXTREME NOISE
TERROR, und im Anschluß an das Konzert hatten die
Bullen ordentlich eine auf die Fresse gekriegt, Läden
waren geplündert und Scheiben von Bonzengeschäften
eingedroschen worden. In der Situation des Chaos-Tags fanden
das nicht wenige Leute gut - denn es war allgemein bekannt,
daß mittlerweile Hunderte von Punks eingesperrt worden
oder mit dem Zug wieder in ihre Heimatorte zurückgeschickt
worden waren.
Am späten Nachmittag spielten die
BOSKOPS auf dem Fährmannsfest. Ich gestehe, ich war
nie ein Fan dieser Deutschpunk-Band - aber an diesem Samstag
mittag fand ich sie super! Das Volk ging ab ohne Ende, es
gab einen derben, aber fairen Pogo vor der Bühne, es
wurde abgefeiert ohne Ende, und bei den alten Stücken
der Band wie dem "Sesamstraße"-Lied gingen auch die
zahlreichen Leute, die um die Pogo-Meute rumstanden, voll
mit.
Klaus N. Frick
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