Letzte Änderung: November 22 2005 13:21:21. - 625 Seiten archiviert
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Godzilla ist einer von uns!

Fassen wir als letzte objektive Zeitschrift, die mit zahlreichen Mitarbeitern direkt im Herzen der Geschehnisse vertreten war, zusammen, was wirklich passiert ist:

Waren die Chaostage 1984 nichts weiter als eine total besoffene Antifa-Demo mit an-schließender Zerstörung eines eigenen Jugendzentrums, sowie von der Presse totgeschwiegener Masseninternierung, so besaßen die Chaostage 1994 tatsächlich so etwas wie eine positive "If The Kids Are United" Atmosphäre, trotz oder vielleicht sogar wegen der Massenverhaftungen und zahlreicher Kessel.

Das Wetter im Vorfeld heizte die Stimmung bereits auf. Es war Summer in the City und das Publikum war eine wirklich bunte Mischung. In der Presse war zwar ständig von Punks die Rede, aber die waren auch unter den Verhafteten nicht unbedingt die Mehrheit. Es tummelten sich viele Hardcore-Kids, Skins, St.-Pauli Fans und einiges mehr, was sich so auf der Straße rumtreibt, auf einem Haufen.

Bezeichnend für die gute Entwicklung in der Szene ist die Tatsache, daß es aufgrund der Kleiderordnung keine Anmache oder gar regelrechte Kriege wie früher gab. Selbst die früher als arrogant verschrieenen Nietenkaiser, also die wirklich gut gestylten Punks akzeptieren den Nachwuchs und Leute die weniger bunt rumliefen.

Diese wiederum machten sich nicht über irgendwelche sogenannten "Dupus" lustig. Gerade diese bunte und breite Mischung hat bei den Bullen wohl auch zur Verwirrung geführt. Hannover 1994 war auch in dieser Beziehung eine WENDE. Gräben wurden zugeschüttet, die Spaltung wurde rückgängig gemacht.

Die einseitige Eskalation von Gewalt begang durch die Polizei am Freitagnachmittag vor dem Bahnhof. Dort wurde, weil ein paar Pfandpflaschen kaputt gingen und Punks mit Wasserspritzpistolen brutal auf Zivilpolizisten ballerten, eine Horde wildgewordner Bullen auf die Menge losgelassen und eine Massenverhaftung vollzogen, wie sie noch bei kaum einem Naziaufmarsch gesehen wurde. 175 Leute wanderten in den Bau, ob sie nun das schreckliche Verbrechen mit Wasserspritzpistolen geschossen zu haben begangen hatten, oder nicht.

Dieses Gemetzel aus total nichtigem Anlaß wurde als Krawall und Straßenschlacht aufgebauscht um nachfolgende Gewaltorgien der Cops zu rechtfertigen. Zeitgleich ging es über den Äther um die Welt, daß zahlreiche böse Punker plötzlich aufgetaucht seien, um Hannover in SCHUTT UND ASCHE zu legen.... und tatsächlich telefonierte ich noch von unserem Gefechtsstand in der Nordstadt am Freitag Abend mit GODZILLA, um ihn ausdrücklich zu unserer duften Party einzuladen. Aus irgendwelchen Gründen tauchte er leider nicht auf, entweder er war zu sehr mit Tokio beschäftigt oder die Bullen hatten ihn am Bahnhof gleich wieder in einen abfahrenden Zug gesteckt, so wie sie es mit zahlreichen Punks ebenfalls getan hatten.

Die Punkmonster wurden mittlerweile zu rechtlosen Wesen degradiert, dementsprechend gingen die, übers Wochenende von ihre Verlobten getrennten Schnurbartwackler auch vor. Samstag mittag wurden lediglich aufgrund ihrer Frisur zahlreiche Leute in der Innenstadt verhaftet, um die schöne plastikfarbene Konsumwelt der Kabelfernsehen geschädigten Ozonmutanten nicht zu stören.

So eingestimmt und von den Medien in Livesendungen angekündigt, begangen die Cops dann schließlich am Samstagabend eine letzte größere Straßenschlacht.

Nachdem wildgewordene Punkerhorden reihenweise die Wohnungen anständiger Bürger gestürmt und dort Wellensittiche und Goldhamster vergewaltigt und danach verspeist hatten, ließ der eine oder andere verhaltensgestörte Sadist in Uniform, für den Einsatzgegner und persönliches Feindbild ausnahmsweise (im Gegensatz zu Antinazieinsätzen) übereinstimmten, seinem Wesen freien Lauf.

Unter den Internierten vom Mittag herrschte derweil größtenteils gute Stimmung, denn mit einem weiteren Verfahren war sowieso nicht zu rechnen, da bis zum heutigen Tage das Tragen von unanständigen Frisuren noch nicht unter Strafe gestellt werden kann.

Laut Polizeiangaben gab es innerhalb der drei Tage einen Sachschaden von sage und schreibe gigantischen 50.000 DM(!) und dafür 600 Festnahmen, wobei die Sachschäden meist nur dann entstanden, wenn die Cops mal wieder Bock hatten, ein paar Leute zu verhaften.

Der demolierte rote Golf eines Anwohners mußte in zahllosen Berichten für den Beweis der "riesigen Ausschreitungen" herhalten und dürfte mittlerweile das bekannteste Fahrzeug Deutschlands gewesen sein. Selbst Schuhmachers Benetton wirkte dagegen wie eine blasse Seifenkiste.

Einige der angeblich in Angst und Schrecken versetzten Bewohner der Nordstadt verhalfen zahlreichen Punks sogar zur Flucht über Hinterhöfe und durch Keller, als die übereifrigen gestreßten Beamten das Gelände systematisch abriegelten und mit dummdreisten Sprüchen für etliche Lacher sorgten. Vielleicht aus Dank, weil die Chaostageteilnehmer ein paar Straßen in der Nordstadt kurzerhand zur Verkehrsberuhigten Zone erklärt hatten?

Weniger zu Lachen hatten die Leute, die wirklich was auf den Kopf bekommen hatten, und das waren einige. Alles in allem war für eine Adrenalinschwemme in gediegener Atmosphäre gesorgt, und obwohl bei manchem von uns in gewissen Situationen die Rosette rotierte, hätte sich im Endeffekt wohl jeder der Anwesenden in den Arsch gebißen, wenn er dieses epochale Ereigniss nicht selbst mitgemacht hätte.

Fazit: Es müßen nur genügend Punks, Skins und andere Streetkids zusammen eine kleine Fete feiern, dann werden Bullen und Presse den Rest schon besorgen, um für einen weiteren guten Ruf zu sorgen, und die Chaostage 1995 in Hannover werden auch in dieser Beziehung sicher neue Maßstäbe setzen.

Wie ja aus gewöhnlich gut informierten Kreisen zu hören war, sollen im nächsten Jahr vom 4-6 August wieder CHAOSTAGE in Hannover stattfinden.... und diesmal soll Hannover NICHT in Schutt und Asche gelegt werden. Stattdessen wurden GODZILLA und KING KONG eingeladen, um die ganze City zuzuscheißen. Wir sind schon gespannt in welche Turnhallen sie die beiden sperren wollen. Da dürfte die Polizei in echte Schwierigkeiten kommen.

Für alle anderen, die auch im nächsten Jahr auf Grund ihres äußeren Erscheinungsbildes eingelocht werden: Nehmt euch vorsorglich Gesangs- und Gebetsbücher mit, denn gemeinsam abgesungene Kirchengesänge, ein kräftiges Vaterunser und Co. sorgen für Stimmung im Zellentrakt oder in der Turnhalle und außerdem hört vielleicht der liebe Herrgott im Himmel das ganze und beschleunigt die Freilassung.

Mit wem ist im nächsten Jahre noch zu rechnen: mit Hools, Bürgerwehr und Faschos? Schließlich wollen alle ihren Spaß haben, auch prügelgeile Bullen, und da solltet ihr aufpassen.

Vielleicht kommen diesmal auch wirklich die Berufschaoten in Zivil, da sich die Bullen voll und ganz auf Punx konzentriert haben und konzentrieren werden. Oder es kommen ganz normale Geisteskranke, die wirklich in in Omas Wohnung eindringen und die Möbel rausschmeißen. Das hat die Presse jetzt davon.

Weiterer Ehrengast im nächsten Jahr: Kaiser Nero!

Moses

 

 
  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
Auf 60 Seiten erschien dann ein Überblick über die endlos bekloppten Medienreaktion sowie jede Menge Erlebnisberichte
. -kn-
 
 
   
 
 
 
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