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Invasion der grünen Killer-Roboter

Danach gingen einige hundert Leute in kleinen Gruppen wieder in Richtung Nordstadt, andere blieben auf dem Fährmannsfest. Ich schätze, daß gegen 21 Uhr an die 400 Leute auf dem Gelände zwischen Sprengel und Lutherkirche waren, und es wurden ständig mehr. Die Bullen hatten die Innenstadt unter Kontrolle, sie hatten die Punks wieder in der Nordstadt konzentriert, wo nur kleine Leute, aber nicht die Bonzen unter irgendwelchen Straßenschlachten leiden mußten - und so konnte alles nach Plan ablaufen.

Zeitweise war ich auf dem Sprengel-Gelände, wo die totale Hektik herrschte. Den ganzen Freitag und Samstag war nicht klargewesen, ob es zu dem geplanten Konzert mit den PUBLIC TOYS kommen würde oder nicht; niemand wußte was genaues, nicht einmal die Bands selbst. Am Samstag abend war auf jeden Fall klar, daß das Konzert steigen würde: Sowohl die PUBLIC TOYS waren da, als auch Teile von den KASSIERERN und von TERRORGRUPPE - die beiden letztgenannten Bands wollten eben mit einer "Notbesetzung" aufspielen.

Gut 100 bis 200 Leute waren auf dem Sprengel-Gelände: Einige besoffene Punks versuchten ein Bierfaß aufzubrechen, was aber nicht gelang. Irgendwo brannte ein Feuer, und irgendwo versuchten Leute von den PUBLIC TOYS ein Starkstromkabel zu verlegen, daß sie irgendwo organisiert hatten. Es herrschte allgemein eine starke Spannung; allgemein wurde angenommen, daß die Bullen im Laufe des Abends und der Nacht noch tierisch Streß machen würden. Aber alle gingen davon aus, daß im Innern des Sprengel-Geländes eher Ruhe herrschen würde; keiner konnte sich vorstellen, daß die Bullen es wagen würden, hier anzugreifen...

An der Lutherkirche stieg mittlerweile die Stimmung auch deutlich ins Gereizte an. Einige Leute buddelten Steine aus, überall bildeten sich bereits Grüppchen, und keiner wußte, was Sache war. Nur eins war klar: Die Bullen würden irgendwann angreifen, und letztlich konnten wir nirgends hin. Einige schlaue Leute verpißten sich in kleinen Grüppchen in andere Gebiete. Ob sie verhaftet wurden oder irgendwas machen konnten, weiß ich leider beim besten Willen nicht.

Gleichzeitig war aber auch nicht ganz klar, ob es nicht friedlich bleiben würde. Die Anwohner blieben relativ cool; ich redete mit einer Pizza-Verkäuferin, und die hatte nur lobende Worte für die Punks übrig, meinte stattdessen, daß die Bullen immer rumnerven würden.

Die Stimmung wurde gereizter, Flaschen wurden zerdroschen, und irgendwelche Leute entzündeten mitten auf der Straße offene Feuer. Die Sache kippte, als Autos beschädigt wurden; Autos von Leuten, die einfach nur durch die Straße fahren wollten (okay, schön blöd, ich würde nicht freiwillig durch einen solchen Mob fahren, das ist ja lebensmüde). Ein besoffener Punk (oder was auch immer) fing fast Streit mit uns an, weil einer aus der ZAP-Gruppe ein Foto von den Feuern machen wollte. Er hielt uns für Bullen und konnte nur mit Mühe davon abgebracht werden, sich ins Unglück zu stürzen (wir waren zu sechst...).

Es war schon langsam klar: Die Bullen riegelten die ganze Nordstadt ab, wollten uns wohl langsam auf das Sprengel-Gelände zutreiben und dort den Sack zumachen. Das war uns zu blöde. Wir wollten aus dem Loch raus, wollten die Lage außerhalb checken, um dann mit den Leuten im entstehenden Kessel die Situation zu bereden. Tja, das war unser Glück: Wir sahen auf halber Strecke die Bullen und rannten los - nicht in Richtung Sprengel, sondern mehr in Richtung Norden.

Das Punker-KZ

Von außen konnten wir nicht sehr viel machen. Zuerst hieß es ja mal, sich gut genug zu verpissen; und dann blieb uns fast nichts anderes übrig, als der Sache von außen nachzugehen. So flitzten wir stundenlang in steter Action durch die Stadt, stießen immer wieder auf flüchtende Punk-Gruppen und bekamen so nacheinander mit, was alles im Kessel abging. Das sollen aber lieber die Leute schildern, die drin waren.

Uns bot sich aufgrund der Aussagen geflüchteter Punks ein hektisches Bild: ein immer enger werdender Kessel; Sprechchöre bildende Skinhead-Gruppen; ein Konzert, das gut anfing; Steine und zerbrochene Platten auf angreifende Bullen; Autos, die zu Barrikaden umfunktioniert wurden; der Sturm der Bullen ins Sprengel-Gelände rein; das erbarmungslose Geknüppel auf alles, auf Mann und Frau gleichermaßen; die entwürdigende Massen-Haft im Sprengel-Gelände (von uns "Punker-KZ" getauft), danach der Abtransport in die Turnhalle, in der je Menge Leuten die Nacht verbringen mußten.

Zeitweise konnten wir von Fenstern eines Nachbarhauses aus die Geschehnisse verfolgen. Irgendeine Art von Hilfe für die Eingeschlossenen war zu dieser Zeit nicht möglich; wir beschränkten uns auf Beobachten. Dabei kam ich mir zeitweise ziemlich doof vor; aber freiwillig ins Lager gehen wollte ich dann doch nicht.

Später schienen die Bullen sich irgendwie zu beruhigen: Man konnte sich sogar in der Nähe des Sprengel-Geländes und der Lutherkirche bewegen, ohne gleich angegriffen und zusammengeknüppelt zu werden. Anscheinend war der Blutdurst der Bullen gestillt, und die Knäste und Hallen waren ohnehin schon überfüllt. Auf diese Weise war es uns möglich, ein halbwegs gutes Bild zu erhalten. Zu sehr später Stunde gingen wir dann ins Bett.

Klaus N. Frick

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  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
Auf 60 Seiten erschien dann ein Überblick über die endlos bekloppten Medienreaktion sowie jede Menge Erlebnisberichte
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