Letzte Änderung: November 22 2005 13:21:50. - 625 Seiten archiviert
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Verbrecherbeichte - 2.Teil Scherben und Wizo

Am Samstag morgen waren Sirengeheul und klirrende Flaschen die ersten Geräusche, die uns weckten; kein Wunder, wir pennten nur wenige Meter von der Lutherkirche entfernt. Anscheinend hatten die Bullen gleich am frühen Morgen das Gelände vor der Kirche mit Knüppeln "geräumt"; genaueres konnte uns allerdings niemand sagen. In einem anderen Haus in der Nordstadt hielten wir später eine Art Vorab-Besprechung ab, weil keiner so recht wußte, was abging. Eigentlich wollten wir an diesem Samstag auf jeden Fall in die Innenstadt gehen.

Sicherheitshalber gingen wir vorher noch einmal bei der Lutherkirche vorbei. Wie wir sehr schnell erfuhren, spitzte sich die Lage mittlerweile zu. Die Medien berichteten groß über die "Punker-Krawalle", wobei die BILD-Zeitung von Hannover den Vogel abschoß. Ständig wurde dieses Flugblatt zitiert, in dem von "Schutt und Asche" die Rede sei, obwohl keiner von uns dieses Flugblatt auch nur einmal gesehen hatte. In der Innenstadt machten die Bullen auf jeden Fall den ganzen Nachmittag über eine gnadenlose Hetzjagd auf Punks. Wer mit bunten Haaren, Springerstiefeln oder nur einem etwas "anderen" T-Shirt in der Innenstadt unterwegs war, wurde unbarmherzig gejagt und eingesperrt. Einen Satz werde ich so schnell nicht vergessen: "Ich kam mir in der Innenstadt vor wie ein Jude 1944 in Berlin."

Trotzdem schafften es genügend Punks bis in die Nordstadt, so daß am frühen Nachmittag wieder an die 200 Leute um die Lutherkirche herumsaßen. Ein Fernseh-Team kam und befragte Anwohner nach den "schrecklichen Punker-Krawallen". Eine Anwohnerin sagte vor laufender Kamera: "Nein, ich habe keine Angst gehabt heute nacht. Warum auch? Das sind Punks, und die beschützen mich." Auch andere Anwohner sagten aus, daß es ihnen nichts ausmache, wenn wir hier feiern, und nur die Bullen seien schuld an der Eskalation. So was wurde natürlich nicht gesendet, klar.

Der Knaller kam dann, als WIZO aufkreuzte, ihres Zeichens Punk-Band aus Sindelfingen (liegt bei Stuttgart, ihr Erdkunde-Banausen!). Sie rollten ihren Bus vor die Lutherkirche, packten ein Notstrom-Aggregat und einige wenige Instrumente aus und legten los. Sänger Axel begrüßte das Publikum mit entsprechend dummen Sprüchen, von wegen: "Nur weil ihr bisher noch nicht eingesperrt worden seid, müßt ihr hier doch nicht langweilen." Und es war geil! WIZO fetzten ab, und vom ersten Ton an waren die Leute dabei. Die Sonne kam heraus, schien auf uns herunter, und in der Mittagshitze haben einige Leute tatsächlich gepogt.

Ich hatte erwartet, daß es vielleicht zwei, drei Stücke lang gut gehen würde, aber die Bullen schritten nicht ein, und WIZO konnte gut eine halbe Stunde lang spielen. Spätestens nach diesem Konzert sind WIZO für mich die Helden - denn sie haben bei diesem Chaos-Tag nicht nur die Riesenstrecke auf sich genommen (rund 1200 Kilometer hin und zurück), sondern sie haben einfach aufgespielt, bei vollem Risiko, einfach in den Bau gesteckt zu werden

Klaus N. Frick

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  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
Auf 60 Seiten erschien dann ein Überblick über die endlos bekloppten Medienreaktion sowie jede Menge Erlebnisberichte
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