Letzte Änderung: November 22 2005 13:21:54. - 625 Seiten archiviert
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Facts!

Wie schon in der "STREETPUNK³-Sonderausgabe geschildert, zerbricht die Punk-Szene nach der Katastrophe des 84er-CHAOS-TAGES in (mindestens!) zwei Fraktionen: Auf der einen Seite diejenigen, die vom "klassischen³ Punk die Nase voll haben und im Hardcore neue Wege suchen - und dabei aber gleichzeitig immer mehr zu einer durch Kommerzialisierung, Professionalisierung und einen Stapel Benimm-Regeln geprägten reinen Musik-Szene degenerieren, garniert mit einem gewissen inhaltichen "Anspruch³, der aber seinen Weg selten auf die Straße findet.

Auf der anderen Seite die Punks von der Straße, gefesselt zwischen einer Kiste Karlsquell und einer Liste klassicher Punk-Slogans gegen Nazis, Bullen und Staat. Diese Szene regeniert sich erst langsam im Laufe der Jahre, und erst im Zuge der Nazi-Welle nach dem Anschluß der DDR erstarkt auch Punk wieder.

Es gibt ein regelrechtes "Punk-Revival³, und obwohl auch die BRAVO und ähnliche Sucker auf dieser Welle mitschwimmen, wächst die Szene nicht nur in der Masse. Es gibt wieder viel mehr Bands und Fanzines als die Jahre davor, und mancheiner, der in den 80ern die Szene frustriert Richtung Hardcore oder sonstwohin verlassen hat, findet wieder Spaß am Punk-Rock. Anderseits haben die 83er- und 84er Chaostage in der "Überlieferung³ bei vielen Kids allmählich legendäre Züge angenommen. Die Chaos-Tage aber, die draufhin in fast jedem Kaff veranstaltet werden, haben bei weitem nicht die Anziehungskraft der ursprünglichen Treffen. Als dann Anfang 94 die ersten Flugblätter zu einem "United-Treffen³ von Punks & Skins in Hannover aufrufen, sind zwar auch viele genervt, anderre jedoch sehen endlich wieder einmal eine Chance, Punk zurück auf Straße zu bringen und dabei gleichzeitg ein kräftiges Mediengewitter abzuziehen.

Immer mehr Flugblätter und Spuckis machen die Runde, und schließlich erscheint die ZAP-³STREETPUNK³-Sonderausgabe, die nochmal verschüttete Erinnerungen bei manchem weckt und so veranlaßt, das Bündel für die CHAOS-TAGE 94 zu schnüren...

Vor dem Chaos-Tag

Die Spannung wächst täglich, die Chaos-Tage sind tatsächlich so etwas wie "Punk-Weihnachten"! Schon 10 Tage davor treffen die ersten Leute ein, aber was zunächst gute Stimmung macht, kippt ins Gegenteil um, als sich dieser Trend nicht fortsetzt: Am Donnerstag früh sind vielleicht gerade mal 15 Leute von außerhalb da, und manche unken jetzt, daß alles wohl nur eine große Pleite wird.

Das haben die Leute vom Sprengel-Gelände wohl auch noch einige Wochen zuvor vermutet und das ganze nicht ganz ernstgenommen; eigentlich haben ja alle gedacht, daß die Zeit der Chaos-Tage endgültig vorbei ist. Nun aber, wo ihnen durch Kontakte zu anderen Städten klar gemacht, daß wohl mehr Leute als von ihnen erwartet kommen, werden sie plötzlich aktiv.

Wenige Tage vor dem Treffen macht ein Flugblatt die Runde, indem sie die Punks auffordern, ihr Treffen doch bitteschön ausschließlich in der City abzuziehen. Sie kündigen an, die Kofferfabrik auf dem Sprengel am Chaos-Tag dichtzumachen, da sie wohl Dumm-Randale a la Glocksee 84 befürchten.

Einige Punks aus Hannover sind ganz schön sauer wegen diesem Verhalten und befürchten ihrerseits, die "Automaten", wie sie sie nennen, könnten das Konzert, das sie am Samstag im Kesselhaus (ebenfalls Sprengel) planen, sabotieren. Für einem solchen Fall drohen sie ihrerseits eine Attacke gegen die Sprengel-Besetzer an.

Gerüchte machen die Runde, nach denen einzelne Polizeibeamte für dieses Wochenende "freiwillig" Dienst irgendwo in der Pampa angetreten haben, nur um nicht auf dem Chaos-Tag eingesetzt zu werden...

Das gespannte Warten löst sich schließlich in einer kräftigen Fete auf, als sich ab dem Donnerstag Nachmittag ein wahrer Strom von Punks auf den Bahnhofsvorplatz ergießt, wobei den Startschuß eine Gruppe von 20 Leuten aus Chemnitz macht, die zusammen mit dem Zug angereist sind. Die Stimmung wird ständig ausgelassener, wobei die BGS-Bahnbullen sich erstaunlich flexibel zeigen und kaum Ärger machen.

Viele hoffen, daß alle Seiten entsprechend locker bleiben und so kein Anlaß für eine Zerschlagung des Treffen gegeben wird...

Karl Nagel

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  Ein Blick hinter die "Schutt-und-Asche"-Legende
Nach dem virtuellen Krawall um die Chaos-Tage 1994 gab es keinen Zweifel: Das schrie förmlich nach einer weiteren ZAP-Sonderausgabe!
Auf 60 Seiten erschien dann ein Überblick über die endlos bekloppten Medienreaktion sowie jede Menge Erlebnisberichte
. -kn-
 
 
   
 
 
 
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