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Durch die Drohung der Skins,
den CHAOS-TAG zu zerschlagen,
kam es in den Tagen vor dem eigentlichen
Treffen zu einer wahren Paranoia:
Keine Spur der Gemütlichkeit,
die das Treffen im Jahr davor
ausgezeichnet hatte, dagegen hektische
Aktivitäten der Autonomen,
die annahmen, die Nazis kämen
in erster Linie nach Hannover,
um der Korn den Garaus zu machen
sowie zur Ausländerjagd zu
blasen. Dabei übersahen sie
völlig, daß es den
Skins an diesem Wochenende wirklich
nur um die Punks ging; wir waren
in diesen Zeiten ein prima Testobjekt
für das was sich heutzutage
in Deutschland abspielt.
Die einzigen, die versuchten,
offensiv was zu unternehmen, waren
die Leute von der "Grün-Alternativen
Bürger-Liste"(GABL), die
am CHAOS-TAG zu einer Kundgebung
am Opernplatz aufriefen, um gemeinsam
mit anderen etwas gegen die Nazi-Aktivitäten
zu unternehmen.
Im Nachhinein bleibt nur zu sagen,
daß man sich die ganze Aktion
hätte schenken können,
denn die paar GABL-Leute wirkten
wie ein verlorenes Häufchen
innerhalb der Punk-Massen. Die
meisten Linken hatten lieber den
Schwanz eingezogen und fanden
es doch sicherer, angesichts des
drohenden Nazi-Aufmarsches zu
Hause zu bleiben; und die Autonomen
hockten eh bis an die Zähne
bewaffnet in ihren Zentren.
Für das Punk-Treffen selbst
war die Kundgebung der Anfang
vom Ende. Vorher recht gut geschützt
durch den allgemeinen Gafferaufmarsch
in der City und am Bahnhof, rannte
man nun freiwillig ins offene
Messer: Das Treffen wurde zur
Demo umfunktioniert, und wie schon
1982 konnte es nun leicht von
der Polizei eingekesselt werden.
Die nutzte die Gelegenheit und
griff willkürlich einzelne
Punks aus der Menge heraus, um
sie zu "entwaffnen", brachte so
auch den letzten Nietengürtel
an sich.
So blieb schließlich nur
noch übrig, einen weiteren
Fehler zu machen und das Punk-Treffen
zu angeblich sicherem Terrain
zu führen. Der Rückzug
zur Glocksee war so ziemlich der
schwerste Punk-Fehler aller Zeiten,
denn 24 Stunden später hatten
durchgeknallte Punks und eine
bestens vorbereitete Polizei das
Zentrum systematisch in eine Ruine
verwandelt. Lest Moses Bericht,
und ihr werdet euch trotzdem kein
Bild von dem Gruselfilm machen
können, der sich dort abspielte.
Es war der totale Horror: Auf
der einen Seite die absoluten
Endzeit-Punks, denen alles egal
war: Die pure Zerstörungswut
brach sich ihre Bahn, der Irrsinn
in den Augen. Auf der anderen
Seite hilflose Punks, die heulend
realisierten, daß hier ein
Traum zerbrach. An diesem Tag
starb eine Idee in den Köpfen
vieler überzeugter Leute.
Dabei hätten wir das fantastischste
Treffen aller Zeiten hinkriegen
können: Es waren Leute aus
ganz Europa da, Fanzines in allen
möglichen Sprachen wurden
verkauft, man hatte wirklich das
Gefühl, einer grenzübergreifen
Kraft anzugehören. Daß
die Glatzen da ihre nationalistische
Show abzogen, waren im Vergleich
dazu eher lächerlich.
Aber dann war es so peinlich,
mitansehen zu müssen, wie
die euphorischen Italiener abends
an der Glocksee aufkreuzten -
damals schon ganz schön auf
dem Ami-Hardcore-Trip - und dann
völlig schockiert begriffen,
daß sie sich für einen
Haufen von Arschlöchern und
Idioten auf den langen Weg gemacht
hatten. Und schnellstens ihre
Klamotten wieder einpackten und
aufs Gaspedal traten. Nur weg
von hier!
Ich wage mal zu behaupten, daß
dieser Tag der entscheidenste
Tag in der deutschen Punkgeschichte
gewesen ist, die wirkliche WENDE!
Denn an diesem Tag wurde uns unsere
eigene Hilflosigkeit bewußt.
Unsere Träume waren in dieser
Szene nicht realisierbar. Das
mußte Konsequenzen haben!
Karl Nagel
Armageddon!
Eins war klar. Nochmal wollte
ich mir die CHAOS-TAGE nicht entgehen
lassen. Im Sommer 83 war es soweit.
Die Hannoveraner hatten zum europaweiten
Treffen unter dem Motto "PUNKS
& SKINS UNITED - DIE WENDE"
aufgerufen. Ich war bezüglich
des Ziels zwar sehr skeptisch,
zu Recht, wie sich später
herausstellen sollte, mein Entschluß,
nach Hannover zu fahren, war allerdings
unumstößlich.
Ich weiß nicht mehr wieso,
aber wieder fuhren einige Homburger
ohne mich zu diesem historischen
Termin. Historisch deswegen, weil
es ein entscheidender Punkt für
die Skinhead - Bewegung in Deutschland
war. Die Glatzen hatten die Chance,
sich als korrekte Skins darzustellen,
verpaßt. Mittels Hitlergruß
und Naziparolen zeigte die Mehrzahl
ganz klar, auf welcher Seite sie
stand und daß sich eine
faschistische Strömung etabliert
hatte.
Trotz dieser bitteren Erkenntnis
berichteten meine Kumpels und
Kumpelinnen begeistert von den
CHAOS-TAGEN in Hannover, wo die
Cops zu keinem Zeitpunkt irgendetwas
unter Kontrolle hatten und die
Punks dafür jede Menge Action
und Spaß.
Die Presse, allen voran die BILD-Zeitung,
war großartig. Ich biß
die Zähne zusammen und mußte
ein Jahr warten, um wenigstens
1984 dabei zu sein.
Endlich, Anfang August 84, ich
hatte gerade mit meinem Zivildienst
begonnen, konnte es losgehen.
Ein erstes Auto war bereits einen
Tag vorher gestartet, unsere Kiste
setzte sich um 15 Uhr in Bewegung,
so daß wir erst am Abend
mit einem mulmigen Gefühl
in der Magengegend die Stadtgrenzen
Hannovers erreichten. Dieses Jahr
hatte sich, nachdem im letzten
Jahr die Linien klar gezogen wurden,
die Faschoszene angesagt, und
die war zu diesem Zeitpunkt schwer
einzuschätzen.
Zunächst steuerten wir die
Kornstraße an. Dort schickten
uns die Hippies erstmal weg, da
sie keinen Bock darauf hatten,
daß ihr Laden im Zuge neuer
Unruhen zerkloppt werden würde,
leider genau in die Arme der Polizei.
Die Cops waren relativ freundlich,
wünschten uns einen angenehmen
Aufenthalt in Hannover und nahmen
unsere Personalien auf. Danach
schickten sie uns zur Glocksee,
einem Jugendzentrum in einem anderen
Stadtteil. Dort angekommen, es
war mittlerweile dunkel, herrschte
bereits richtiges Chaos. Unzählige
versprengte Leute suchten ihre
Freunde, dazwischen torkelten
Besoffene, hier und da quäkte
aus einem Ghettoblaster TOXOPLASMA
und andere Hitbands dieser Tage.
Andere Grüppchen stimmten
unsinnige Parolengesänge
an. Irgendwelche Bremer blöckten
irgendetwas von "A-Korn Front",
was von anderen als "Adlerfront"
interpretiert wurde, eine damals
noch voll faschistische Fußballfangruppe
aus Frankfurt, was nur haarscharf
an einer handfesten Massenkeilerei
vorbei führte. Wir fanden
schließlich einen versprengten
Homburger. Der Rest war bereits
am Mittag eingebuchtet worden,
konnte später am Abend jedoch
noch begrüßt werden.
Ich versuchte ein paar Fanzines
unters Volk zu bringen, während
immer wieder Meldungen durch die
Luft schwirrten, daß dort
oder dort irgendwas, irgendwie
los sei. Alles sehr vage und ungenau.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz
landete ich zunächst in einer
völlig versifften Junkiewohnung
im oberen Bereich der Glocksee,
die offenbar fluchtartig verlassen
worden war. Ich legte mich auf's
Sofa, als jedoch plötzlich
ein völlig irrer Punk mit
einer Axt in der Hand in der Tür
stand. - vielleicht der Bewohner...
Also zog ich es vor, mir eine
andere Bleibe zu suchen. Schließlich
landete ich auf dem Dachboden
der Glocksee, wo es sich außer
mir noch ca. 40 - 50 andere Leute
ohne Decken und Schlafsäcke
gemütlich gemacht hatten.
Nach einer harten Nacht machte
sich am nächsten Morgen ein
langer Zug übernächtigter
Gestalten auf den Weg zum Hauptbahnhof.
Dort war schon einiges los. immer
mehr Leute trafen ein, darunter
sehr viele Penner und Alkoholiker,
die sich als Punks verkleidet
hatten. Von den angekündigten
Glatzen schwirrten wie immer nur
Gerüchte durch die Luft,
und irgendwann bewegten wir uns
Richtung Opernplatz.
Es war eher ein Getorkele, denn
manch einer hatte trotz des zu
befürchtenden Stresses bereits
jetzt schon mächtig einen
im Tee. Die Bullen hatten zweifelsohne
aus den Jahren davor gelernt und
waren mit einem mächtigen
Aufgebot vertreten. Auch die Faschos
waren nicht zu unterschätzen,
denn die Schmach vom letzten Jahr,
als sie ziemlich was aufs Maul
bekommen hatten, steckte wie ein
Stachel in ihren kleinen Gehirnen.
Nach ein paar Metern Weg, ohne
besondere Zwischenfälle,
gefilmt und geknipst von den Cops,
erreichten wir den Opernplatz.
Dort ließ sich die Masse
nieder und setzte ihre trinkende
Tätigkeit fort. Immer mehr
Gestalten tauchten auf. Die ersten
Flaschen flogen und die Bullen
machten sich einen Spaß
daraus, öfters mal einfach
in die Menge hineinzurennen, Punks
zu jagen und zu verprügeln,
um sich gleich wieder zurückzuziehen.
Dieses nervige Spielchen ging
eine ganze Weile. Mittlerweile
war ein weiterer Homburger aufgetaucht,
der die Nacht sturzbesoffen in
einem Pornokino verbracht hatte,
wo er sich gemütlich abgelegt
hatte. Eine gute Idee.
Schließlich verdichteten
sich die Gerüchte, daß
die Glatzen am Aegi aufmarschiert
sein sollten. Mühevoll setzte
sich unser Zug dorthin in Bewegung.
Mittlerweile war die Menge auf
1500 bis 2000 Leute angeschwollen,
und das ganze glich eher einer
Demo als einem CHAOS-TAG. Wie
die Schafe in der Herde marschierten
wir mit. Die Bullen stoppten unseren
Zug und die Spannung stieg ins
Unendliche. Vorne um die Ecke
sollten sie sein. Ich setze mich
etwas ab und war einer der ersten,
der ein Bild zu Gesicht bekam,
das später um die Welt gehen
sollte und sehr treffend die Situation
in Deutschland auf den Punkt brachte:
Ca. 100 - 150 Nazis, vom Scheitel
bis zur Glatze, mit hassverzerrten
Gesichtern, Hitlergruß und
Parolen blöckend, geschützt
von den grünen Robotern.
Welch ein Anblick.
In diesem Moment erreichte unser
Zug den Aegidientorplatz. Jetzt
gab es kein Halten mehr. Ein Hagel
von Flaschen und Steinen löste
sich aus der nach vorne stürmenden
Menge und so manches Geschoß
traf sein Ziel.
Das war das Zeichen für
die Cops. Wild prügelten
sie drauf los. Ich hatte alle
Mühe einen Hundeführer
abzuschütteln, der mich offensichtlich
für einen Rädelsführer
hielt, da ich nüchtern war.
Jedenfalls verfolgte er mich kreuz
und quer mit seinem Mistkläffer
durch das Getümmel, bis ihm
schließlich die Puste ausging.
Ich traf einen weiteren Homburger,
und wir versuchten, zur Hauptmenge
durchzukommen. Zwischen uns, einigen
anderen versprengten Punks und
dem Demozug stand plötzlich
ein Motorradbulle. In diesem Moment
löste sich eine Gestalt aus
dem Mob und trat mit einem gekonnten
Bruce-Lee- Sprung dem Bullen den
Helm vom Kopf. Der Uniformierte
stürzte von seiner Schleuder
und war offensichtlich benommen.
Während der Karatetyp wieder
untertauchte, versuchte ein anderer
das Motorrad, aus dem der Sprit
auslief, anzuzünden. Gebannt
beobachteten wir von der gegenüberliegenden
Wiese die Szene. Plötzlich
rappelte sich der am Kopf getroffene
Cop auf, zog seine Knarre, entsicherte
sie und zielte genau auf meinen
Kopf. In diesem Moment stürzten
von der Seite zwei Zivibullen
auf ihren Kollegen, rissen ihn
um und nahmen ihm die Waffe weg,
da er offenbar nicht mehr zurechnungsfähig
war. Oder doch? Jedenfalls würdet
ihr ohne den geistesgegenwärtigen
Einsatz der Zivis vermutlich nicht
in den Genuß kommen, diese
Zeilen zu lesen.
Kreidebleich trabten wir Richtung
Parkinneres. Zum Glück. Denn
kurz nach dem Zwischenfall mit
dem Motorrad kam eine Spezialknüppeleinheit
an, die ein wahres Gemetzel unter
den Punks anrichteten, die teilweise
so taten, als wären sie rein
zufällig hier und auf der
Wiese sitzen blieben anstatt zu
flüchten.
Einigen Bunthaarigen wurde schwer
eingeschenkt. Durch ein Gebüsch
gelangten wir doch wieder zur
Hauptstraße und trafen immer
wieder auf eingegaste oder geknüppelte
Punks. Am Zug angekommen konnten
wir beobachten, wie ein abgedrehter
Typ, mit einem englischen Armyhelm
geschützt, etliche Scheiben
entglaste. Andere feuerten Steine
in die Seitenstraßen, wo
ab und zu Faschos auftauchten,
sich aber nicht rantrauten. Direkt
neben mir schleuderte ein Punk
einen Stein Richtung Faschos,
welcher über uns an der Oberleitung
der Straßenbahn hängen
blieb und mit voller Wucht ca.
10 cm vor seiner Nase den Gesetzen
der Schwerkraft Folge leistete.
Das war eigentlich die letzte
witzige Aktion für diesen
Tag, denn ab sofort steuerte alles
auf ein Fiasko zu.
Zunächst scheuchten uns
die Cops zurück in die Glocksee.
Dort gab es auf der großen
Wiese noch einmal ein kurzes Gefecht,
währenddessen sich eine Gestalt
neben mir mit seinem Mollie selbst
entzündete, von seinen Kumpels
allerdings schnell gelöscht
werden konnte. Lediglich das Hosenbein
war etwas angekokelt.
So hingen also 800 - 1000 Leute
im Innenhof der Glocksee rum,
hatten teilweise Barrikaden errichtet
und waren von drei Seiten von
den Bullen umzingelt und im Rücken
durch das Flüßchen
Ihme von der Außenwelt abgetrennt.
Ein riesiger Knast und keiner
wußte was Sache ist. Die
meisten suchten ihr Heil im Alkohol
und soffen sich die Rübe
zu. Irgendwann spielte noch eine
Band und das Verhängnis nahm
seinen Lauf. Irgendwelche Idioten
zündeten ein Auto an, welches
auf dem Glocksee - Innenhof stand,
andere begannen, systematisc die
Glocksee klein zu kloppen. Als
die Sonne unterging, hatte sich
die Stimmung in eine Art Massenpsychose
gewandelt. Es wäre sicher
ein leichtes gewesen, mit all
den Leuten auf irgendeiner Seite
durchzubrechen und wenigstens
den Großteil in Sicherheit
zu bringen. Stattdessen nahmen
die Zerstörungen ihren Lauf,
angeheizt durch Gerüchte,
wie das, daß die Bullen
in der "Heide" Lager für
uns eingerichtet hätten usw.
Die Stimmung wurde immer aggressiver.
Auf den Dächern klopften
ein paar Irre mit Stahlrohren
die ganze Nacht einen monotonen
Rhythmus. Snake Plisgen hätte
seine wahre Freude daran gehabt.
An der Vorderfront der Glocksee
lieferten sich Punks und Bullen
durchgehend kleinere Scharmützel.
Irgendwann kletterte ich über
das Hinterdach ins Vorderhaus
und kam tatsächlich bis zur
vorderen Häuserfront durch.
Dort lagen ein paar durchnäßte
Punks mit Zwillen hinter glasleeren
Fensterhöhlen. Die restlichen
Möbel als Barrikaden aufgetürmt.
In diesem Moment fuhr ein mächtiger
Wasserwerfer vor und spritzte
voll Stoff in die Wohnung hinein.
So stellte ich mir Häuserkampf
vor. Die Wohnung war völlig
demoliert.
Währenddessen versuchten
andere Gefangene, mit einem alten
Kahn über die Ihme zu flüchten.
Dieser ging in der Mitte des Flusses
unter, diejenigen, die schwimmend
das andere Ufer erreichten, wurden
dort angeblich von der Borussenfront
in Empfang genommen und total
zusammengeschlagen.
Mir wurde die Sache schließlich
zu bunt. Ich verscharrte meine
restlichen Fanzines in einer Sandkiste
und konnte über ein benachbartes
Gelände alleine die Glocksee
verlassen. Die restlichen Homburger
hatte ich schon längst aus
den Augen verloren.
Draußen stieß ich
auf eine Gruppe Punks, welche
auf dem Weg zum Bahnhof waren
um irgendwelche Skins umzubringen!
Denn angeblich hatten mehrere
Skins zwei Punkfrauen am Bahnhof
erstochen. Nur eines von vielen
Gerüchten, die die Runde
machten und dafür sorgte,
daß falls den Punks irgendein
Glatzkopf in die Hände gefallen
wäre, dieser 100 % tot gewesen
wäre.
Ich nahm dagegen das Angebot
eines abgedrehten Künstlers,
der seine Wohnung ca. 20 Punks
als Pennplatz zur Verfügung
stellte , dankend an.
Nachdem ich die Unterhosenmode
einiger Neuwieder begutachtet
hatte, entschlummerte ich sanft
und machte mich am nächsten
Morgen auf die Suche nach dem
Rest unserer lustigen Reisegesellschaft.
Es stellte sich heraus, daß
ich anscheinend die letzte Person
war, der es gelang, die Glocksee
zu verlassen. Die Bullen schlossen
danach den Kessel hermetisch ab
und liessen keine Maus mehr durch
ihre Reihen. So wurde das Jugendzentrum
für eine Nacht zu einem riesigen
Gefängnis für etwa 800
Punks. Ohne Nahrung, Getränke,
Toiletten. Meines Wissens nach
die größte Massenverhaftung
und Internierung seit dem zweiten
Weltkrieg. In der Presse natürlich
nie als eine solche gewertet.
Nach kurzer Begutachtung der
völlig zerkloppten Glocksee
machten wir uns am nächsten
Morgen auf die Heimreise. Frustriert
und depriemiert, denn neben zahlreichen
Verletzten und Verhaftungen auf
unserer Seite blieb ein völlig
sinnlos zerstörtes eigenes
Zentrum zurück.
Nicht nur mir wurde klar, daß
mit dem CHAOS-TAG 84 ein Kapital
geschlossen wurde. Alkohol und
Dummheit hatten den Platz von
Fun und Spontaneität eingenommen.
Wir hatten uns unser eigenes Armutszeugnis
ausgestellt.
Am nächsten Tag, bekam ich
von einem Hippie auf meiner Zivistelle,
der nicht wußte, daß
ich am Wochenende in Hannover
war, zu hören, daß
man Punks und Skins alle zusammen
vergasen müßte.
Moses
weiter
...
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