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Chaos-Tag 84:
Massenselbstmord einer Subkultur!
Durch die Drohung der Skins, den CHAOS-TAG zu zerschlagen, kam es in den Tagen vor dem eigentlichen Treffen zu einer wahren Paranoia: Keine Spur der Gemütlichkeit, die das Treffen im Jahr davor ausgezeichnet hatte, dagegen hektische Aktivitäten der Autonomen, die annahmen, die Nazis kämen in erster Linie nach Hannover, um der Korn den Garaus zu machen sowie zur Ausländerjagd zu blasen. Dabei übersahen sie völlig, daß es den Skins an diesem Wochenende wirklich nur um die Punks ging; wir waren in diesen Zeiten ein prima Testobjekt für das was sich heutzutage in Deutschland abspielt.

Die einzigen, die versuchten, offensiv was zu unternehmen, waren die Leute von der "Grün-Alternativen Bürger-Liste"(GABL), die am CHAOS-TAG zu einer Kundgebung am Opernplatz aufriefen, um gemeinsam mit anderen etwas gegen die Nazi-Aktivitäten zu unternehmen.

Im Nachhinein bleibt nur zu sagen, daß man sich die ganze Aktion hätte schenken können, denn die paar GABL-Leute wirkten wie ein verlorenes Häufchen innerhalb der Punk-Massen. Die meisten Linken hatten lieber den Schwanz eingezogen und fanden es doch sicherer, angesichts des drohenden Nazi-Aufmarsches zu Hause zu bleiben; und die Autonomen hockten eh bis an die Zähne bewaffnet in ihren Zentren.

Für das Punk-Treffen selbst war die Kundgebung der Anfang vom Ende. Vorher recht gut geschützt durch den allgemeinen Gafferaufmarsch in der City und am Bahnhof, rannte man nun freiwillig ins offene Messer: Das Treffen wurde zur Demo umfunktioniert, und wie schon 1982 konnte es nun leicht von der Polizei eingekesselt werden. Die nutzte die Gelegenheit und griff willkürlich einzelne Punks aus der Menge heraus, um sie zu "entwaffnen", brachte so auch den letzten Nietengürtel an sich.

So blieb schließlich nur noch übrig, einen weiteren Fehler zu machen und das Punk-Treffen zu angeblich sicherem Terrain zu führen. Der Rückzug zur Glocksee war so ziemlich der schwerste Punk-Fehler aller Zeiten, denn 24 Stunden später hatten durchgeknallte Punks und eine bestens vorbereitete Polizei das Zentrum systematisch in eine Ruine verwandelt. Lest Moses Bericht, und ihr werdet euch trotzdem kein Bild von dem Gruselfilm machen können, der sich dort abspielte.

Es war der totale Horror: Auf der einen Seite die absoluten Endzeit-Punks, denen alles egal war: Die pure Zerstörungswut brach sich ihre Bahn, der Irrsinn in den Augen. Auf der anderen Seite hilflose Punks, die heulend realisierten, daß hier ein Traum zerbrach. An diesem Tag starb eine Idee in den Köpfen vieler überzeugter Leute.

Dabei hätten wir das fantastischste Treffen aller Zeiten hinkriegen können: Es waren Leute aus ganz Europa da, Fanzines in allen möglichen Sprachen wurden verkauft, man hatte wirklich das Gefühl, einer grenzübergreifen Kraft anzugehören. Daß die Glatzen da ihre nationalistische Show abzogen, waren im Vergleich dazu eher lächerlich.

Aber dann war es so peinlich, mitansehen zu müssen, wie die euphorischen Italiener abends an der Glocksee aufkreuzten - damals schon ganz schön auf dem Ami-Hardcore-Trip - und dann völlig schockiert begriffen, daß sie sich für einen Haufen von Arschlöchern und Idioten auf den langen Weg gemacht hatten. Und schnellstens ihre Klamotten wieder einpackten und aufs Gaspedal traten. Nur weg von hier!

Ich wage mal zu behaupten, daß dieser Tag der entscheidenste Tag in der deutschen Punkgeschichte gewesen ist, die wirkliche WENDE! Denn an diesem Tag wurde uns unsere eigene Hilflosigkeit bewußt. Unsere Träume waren in dieser Szene nicht realisierbar. Das mußte Konsequenzen haben!

Karl Nagel

Armageddon!

Eins war klar. Nochmal wollte ich mir die CHAOS-TAGE nicht entgehen lassen. Im Sommer 83 war es soweit. Die Hannoveraner hatten zum europaweiten Treffen unter dem Motto "PUNKS & SKINS UNITED - DIE WENDE" aufgerufen. Ich war bezüglich des Ziels zwar sehr skeptisch, zu Recht, wie sich später herausstellen sollte, mein Entschluß, nach Hannover zu fahren, war allerdings unumstößlich.

Ich weiß nicht mehr wieso, aber wieder fuhren einige Homburger ohne mich zu diesem historischen Termin. Historisch deswegen, weil es ein entscheidender Punkt für die Skinhead - Bewegung in Deutschland war. Die Glatzen hatten die Chance, sich als korrekte Skins darzustellen, verpaßt. Mittels Hitlergruß und Naziparolen zeigte die Mehrzahl ganz klar, auf welcher Seite sie stand und daß sich eine faschistische Strömung etabliert hatte.

Trotz dieser bitteren Erkenntnis berichteten meine Kumpels und Kumpelinnen begeistert von den CHAOS-TAGEN in Hannover, wo die Cops zu keinem Zeitpunkt irgendetwas unter Kontrolle hatten und die Punks dafür jede Menge Action und Spaß.

Die Presse, allen voran die BILD-Zeitung, war großartig. Ich biß die Zähne zusammen und mußte ein Jahr warten, um wenigstens 1984 dabei zu sein.

Endlich, Anfang August 84, ich hatte gerade mit meinem Zivildienst begonnen, konnte es losgehen. Ein erstes Auto war bereits einen Tag vorher gestartet, unsere Kiste setzte sich um 15 Uhr in Bewegung, so daß wir erst am Abend mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend die Stadtgrenzen Hannovers erreichten. Dieses Jahr hatte sich, nachdem im letzten Jahr die Linien klar gezogen wurden, die Faschoszene angesagt, und die war zu diesem Zeitpunkt schwer einzuschätzen.

Zunächst steuerten wir die Kornstraße an. Dort schickten uns die Hippies erstmal weg, da sie keinen Bock darauf hatten, daß ihr Laden im Zuge neuer Unruhen zerkloppt werden würde, leider genau in die Arme der Polizei. Die Cops waren relativ freundlich, wünschten uns einen angenehmen Aufenthalt in Hannover und nahmen unsere Personalien auf. Danach schickten sie uns zur Glocksee, einem Jugendzentrum in einem anderen Stadtteil. Dort angekommen, es war mittlerweile dunkel, herrschte bereits richtiges Chaos. Unzählige versprengte Leute suchten ihre Freunde, dazwischen torkelten Besoffene, hier und da quäkte aus einem Ghettoblaster TOXOPLASMA und andere Hitbands dieser Tage. Andere Grüppchen stimmten unsinnige Parolengesänge an. Irgendwelche Bremer blöckten irgendetwas von "A-Korn Front", was von anderen als "Adlerfront" interpretiert wurde, eine damals noch voll faschistische Fußballfangruppe aus Frankfurt, was nur haarscharf an einer handfesten Massenkeilerei vorbei führte. Wir fanden schließlich einen versprengten Homburger. Der Rest war bereits am Mittag eingebuchtet worden, konnte später am Abend jedoch noch begrüßt werden. Ich versuchte ein paar Fanzines unters Volk zu bringen, während immer wieder Meldungen durch die Luft schwirrten, daß dort oder dort irgendwas, irgendwie los sei. Alles sehr vage und ungenau. Auf der Suche nach einem Schlafplatz landete ich zunächst in einer völlig versifften Junkiewohnung im oberen Bereich der Glocksee, die offenbar fluchtartig verlassen worden war. Ich legte mich auf's Sofa, als jedoch plötzlich ein völlig irrer Punk mit einer Axt in der Hand in der Tür stand. - vielleicht der Bewohner... Also zog ich es vor, mir eine andere Bleibe zu suchen. Schließlich landete ich auf dem Dachboden der Glocksee, wo es sich außer mir noch ca. 40 - 50 andere Leute ohne Decken und Schlafsäcke gemütlich gemacht hatten. Nach einer harten Nacht machte sich am nächsten Morgen ein langer Zug übernächtigter Gestalten auf den Weg zum Hauptbahnhof.

Dort war schon einiges los. immer mehr Leute trafen ein, darunter sehr viele Penner und Alkoholiker, die sich als Punks verkleidet hatten. Von den angekündigten Glatzen schwirrten wie immer nur Gerüchte durch die Luft, und irgendwann bewegten wir uns Richtung Opernplatz.

Es war eher ein Getorkele, denn manch einer hatte trotz des zu befürchtenden Stresses bereits jetzt schon mächtig einen im Tee. Die Bullen hatten zweifelsohne aus den Jahren davor gelernt und waren mit einem mächtigen Aufgebot vertreten. Auch die Faschos waren nicht zu unterschätzen, denn die Schmach vom letzten Jahr, als sie ziemlich was aufs Maul bekommen hatten, steckte wie ein Stachel in ihren kleinen Gehirnen.

Nach ein paar Metern Weg, ohne besondere Zwischenfälle, gefilmt und geknipst von den Cops, erreichten wir den Opernplatz. Dort ließ sich die Masse nieder und setzte ihre trinkende Tätigkeit fort. Immer mehr Gestalten tauchten auf. Die ersten Flaschen flogen und die Bullen machten sich einen Spaß daraus, öfters mal einfach in die Menge hineinzurennen, Punks zu jagen und zu verprügeln, um sich gleich wieder zurückzuziehen. Dieses nervige Spielchen ging eine ganze Weile. Mittlerweile war ein weiterer Homburger aufgetaucht, der die Nacht sturzbesoffen in einem Pornokino verbracht hatte, wo er sich gemütlich abgelegt hatte. Eine gute Idee.

Schließlich verdichteten sich die Gerüchte, daß die Glatzen am Aegi aufmarschiert sein sollten. Mühevoll setzte sich unser Zug dorthin in Bewegung. Mittlerweile war die Menge auf 1500 bis 2000 Leute angeschwollen, und das ganze glich eher einer Demo als einem CHAOS-TAG. Wie die Schafe in der Herde marschierten wir mit. Die Bullen stoppten unseren Zug und die Spannung stieg ins Unendliche. Vorne um die Ecke sollten sie sein. Ich setze mich etwas ab und war einer der ersten, der ein Bild zu Gesicht bekam, das später um die Welt gehen sollte und sehr treffend die Situation in Deutschland auf den Punkt brachte: Ca. 100 - 150 Nazis, vom Scheitel bis zur Glatze, mit hassverzerrten Gesichtern, Hitlergruß und Parolen blöckend, geschützt von den grünen Robotern. Welch ein Anblick.

In diesem Moment erreichte unser Zug den Aegidientorplatz. Jetzt gab es kein Halten mehr. Ein Hagel von Flaschen und Steinen löste sich aus der nach vorne stürmenden Menge und so manches Geschoß traf sein Ziel.

Das war das Zeichen für die Cops. Wild prügelten sie drauf los. Ich hatte alle Mühe einen Hundeführer abzuschütteln, der mich offensichtlich für einen Rädelsführer hielt, da ich nüchtern war. Jedenfalls verfolgte er mich kreuz und quer mit seinem Mistkläffer durch das Getümmel, bis ihm schließlich die Puste ausging.

Ich traf einen weiteren Homburger, und wir versuchten, zur Hauptmenge durchzukommen. Zwischen uns, einigen anderen versprengten Punks und dem Demozug stand plötzlich ein Motorradbulle. In diesem Moment löste sich eine Gestalt aus dem Mob und trat mit einem gekonnten Bruce-Lee- Sprung dem Bullen den Helm vom Kopf. Der Uniformierte stürzte von seiner Schleuder und war offensichtlich benommen. Während der Karatetyp wieder untertauchte, versuchte ein anderer das Motorrad, aus dem der Sprit auslief, anzuzünden. Gebannt beobachteten wir von der gegenüberliegenden Wiese die Szene. Plötzlich rappelte sich der am Kopf getroffene Cop auf, zog seine Knarre, entsicherte sie und zielte genau auf meinen Kopf. In diesem Moment stürzten von der Seite zwei Zivibullen auf ihren Kollegen, rissen ihn um und nahmen ihm die Waffe weg, da er offenbar nicht mehr zurechnungsfähig war. Oder doch? Jedenfalls würdet ihr ohne den geistesgegenwärtigen Einsatz der Zivis vermutlich nicht in den Genuß kommen, diese Zeilen zu lesen.

Kreidebleich trabten wir Richtung Parkinneres. Zum Glück. Denn kurz nach dem Zwischenfall mit dem Motorrad kam eine Spezialknüppeleinheit an, die ein wahres Gemetzel unter den Punks anrichteten, die teilweise so taten, als wären sie rein zufällig hier und auf der Wiese sitzen blieben anstatt zu flüchten.

Einigen Bunthaarigen wurde schwer eingeschenkt. Durch ein Gebüsch gelangten wir doch wieder zur Hauptstraße und trafen immer wieder auf eingegaste oder geknüppelte Punks. Am Zug angekommen konnten wir beobachten, wie ein abgedrehter Typ, mit einem englischen Armyhelm geschützt, etliche Scheiben entglaste. Andere feuerten Steine in die Seitenstraßen, wo ab und zu Faschos auftauchten, sich aber nicht rantrauten. Direkt neben mir schleuderte ein Punk einen Stein Richtung Faschos, welcher über uns an der Oberleitung der Straßenbahn hängen blieb und mit voller Wucht ca. 10 cm vor seiner Nase den Gesetzen der Schwerkraft Folge leistete.

Das war eigentlich die letzte witzige Aktion für diesen Tag, denn ab sofort steuerte alles auf ein Fiasko zu.

Zunächst scheuchten uns die Cops zurück in die Glocksee. Dort gab es auf der großen Wiese noch einmal ein kurzes Gefecht, währenddessen sich eine Gestalt neben mir mit seinem Mollie selbst entzündete, von seinen Kumpels allerdings schnell gelöscht werden konnte. Lediglich das Hosenbein war etwas angekokelt.

So hingen also 800 - 1000 Leute im Innenhof der Glocksee rum, hatten teilweise Barrikaden errichtet und waren von drei Seiten von den Bullen umzingelt und im Rücken durch das Flüßchen Ihme von der Außenwelt abgetrennt. Ein riesiger Knast und keiner wußte was Sache ist. Die meisten suchten ihr Heil im Alkohol und soffen sich die Rübe zu. Irgendwann spielte noch eine Band und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Irgendwelche Idioten zündeten ein Auto an, welches auf dem Glocksee - Innenhof stand, andere begannen, systematisc die Glocksee klein zu kloppen. Als die Sonne unterging, hatte sich die Stimmung in eine Art Massenpsychose gewandelt. Es wäre sicher ein leichtes gewesen, mit all den Leuten auf irgendeiner Seite durchzubrechen und wenigstens den Großteil in Sicherheit zu bringen. Stattdessen nahmen die Zerstörungen ihren Lauf, angeheizt durch Gerüchte, wie das, daß die Bullen in der "Heide" Lager für uns eingerichtet hätten usw. Die Stimmung wurde immer aggressiver. Auf den Dächern klopften ein paar Irre mit Stahlrohren die ganze Nacht einen monotonen Rhythmus. Snake Plisgen hätte seine wahre Freude daran gehabt. An der Vorderfront der Glocksee lieferten sich Punks und Bullen durchgehend kleinere Scharmützel. Irgendwann kletterte ich über das Hinterdach ins Vorderhaus und kam tatsächlich bis zur vorderen Häuserfront durch. Dort lagen ein paar durchnäßte Punks mit Zwillen hinter glasleeren Fensterhöhlen. Die restlichen Möbel als Barrikaden aufgetürmt. In diesem Moment fuhr ein mächtiger Wasserwerfer vor und spritzte voll Stoff in die Wohnung hinein. So stellte ich mir Häuserkampf vor. Die Wohnung war völlig demoliert.

Währenddessen versuchten andere Gefangene, mit einem alten Kahn über die Ihme zu flüchten. Dieser ging in der Mitte des Flusses unter, diejenigen, die schwimmend das andere Ufer erreichten, wurden dort angeblich von der Borussenfront in Empfang genommen und total zusammengeschlagen.

Mir wurde die Sache schließlich zu bunt. Ich verscharrte meine restlichen Fanzines in einer Sandkiste und konnte über ein benachbartes Gelände alleine die Glocksee verlassen. Die restlichen Homburger hatte ich schon längst aus den Augen verloren.

Draußen stieß ich auf eine Gruppe Punks, welche auf dem Weg zum Bahnhof waren um irgendwelche Skins umzubringen! Denn angeblich hatten mehrere Skins zwei Punkfrauen am Bahnhof erstochen. Nur eines von vielen Gerüchten, die die Runde machten und dafür sorgte, daß falls den Punks irgendein Glatzkopf in die Hände gefallen wäre, dieser 100 % tot gewesen wäre.

Ich nahm dagegen das Angebot eines abgedrehten Künstlers, der seine Wohnung ca. 20 Punks als Pennplatz zur Verfügung stellte , dankend an.

Nachdem ich die Unterhosenmode einiger Neuwieder begutachtet hatte, entschlummerte ich sanft und machte mich am nächsten Morgen auf die Suche nach dem Rest unserer lustigen Reisegesellschaft.

Es stellte sich heraus, daß ich anscheinend die letzte Person war, der es gelang, die Glocksee zu verlassen. Die Bullen schlossen danach den Kessel hermetisch ab und liessen keine Maus mehr durch ihre Reihen. So wurde das Jugendzentrum für eine Nacht zu einem riesigen Gefängnis für etwa 800 Punks. Ohne Nahrung, Getränke, Toiletten. Meines Wissens nach die größte Massenverhaftung und Internierung seit dem zweiten Weltkrieg. In der Presse natürlich nie als eine solche gewertet.

Nach kurzer Begutachtung der völlig zerkloppten Glocksee machten wir uns am nächsten Morgen auf die Heimreise. Frustriert und depriemiert, denn neben zahlreichen Verletzten und Verhaftungen auf unserer Seite blieb ein völlig sinnlos zerstörtes eigenes Zentrum zurück.

Nicht nur mir wurde klar, daß mit dem CHAOS-TAG 84 ein Kapital geschlossen wurde. Alkohol und Dummheit hatten den Platz von Fun und Spontaneität eingenommen. Wir hatten uns unser eigenes Armutszeugnis ausgestellt.

Am nächsten Tag, bekam ich von einem Hippie auf meiner Zivistelle, der nicht wußte, daß ich am Wochenende in Hannover war, zu hören, daß man Punks und Skins alle zusammen vergasen müßte.

Moses

weiter ...

 

 
  In 14 Tagen zusammengekloppt...

Als im Frühjahr 1994 die ersten Flugblätter auftauchten und nach zehnjähriger Pause wieder zu Chaos-Tagen in Hannover aufriefen, griff ZAP-Herausgeber Moses zum Telefon und pflanzte mir kurzerhand die Idee einer Sonderausgabe zum Thema Chaos-Tage ins Hirn.
In Windeseile wurde diese Idee durchgezogen, und wenige Wochen später war das Heft fertig. Es beschreibt Entstehung und Geschichte der Chaos-Tage anhand unserer Erlebnisse und gibt somit zumindest einen gewissen Einblick in das Thema.
Diese Erlebnisberichte, die sich natürlich in erster Linie um um unsere ganz persönlichen Eindrücke drehen, können natürlich überhaupt nicht repräsentativfür das komplette Geschehen sein, und niemand sollte auf die Schnapsidee kommen, das Heft zum wahrhaftigen "Geschichtsbuch" zu erklären.
Jeder, der in den Achtzigern mit Punkrock oder Chaos-Tagen zu tun hatte, wird seine eigene Darstellung, seine eigene Geschichte haben. Da sich aber eben bisher niemand die Mühe gemacht hat, das auch niederzuschreiben und zu veröffentlichen, müßt Ihr nun eben mit STREETPUNK vorliebnehmen, und auch mit der Sichtweise der beiden Schreiber.
Aber eines hat das Heft auf jeden Fall bewirkt: Viele haben sich wieder daran erinnert, daß das, was früher zum Kotzen war, auch heute noch übel aufstößt. Und mancher Kid-Punk hat sich nach der Lektüre von STREETPUNK gesagt, daß die Zeit für Chaos-Tage noch lange nicht vorbei ist.
Und ist nach Hannover gefahren. -kn-

 
 
   
 
 
 
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