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Herbst 82. Sie kamen wirklich.
Die Götter waren in Deutschland.
Nachdem wir sie auf ihrer ersten
Tour in Bonn versäumt hatten,
war klar, daß wir zur Not
auch zu Fuß nach Stuttgart
gehen würden, um die DEAD
KENNEDYS einmal im Leben live
zu sehen.
Mit vier Homburgern erreichten
wir die in der Innenstadt gelegene
Halle ziemlich spät. Uns
bot sich ein erhabenes Bild. Der
Saal war offensichtlich ausverkauft.
Vor den durch Bodyguards abgesicherten
Türen hunderte Punks, Skins
und Hippies. Die Stadtreinigung
war dabei, Scherbenhaufen von
1m Höhe mit ihren Kehrmaschinen
zusammenzufegen. Deprimiert zwängten
wir uns durch die Menge, als sich
plötzlich ein Klofenster
öffnete und ein Ordner zum
Preis von 20 DM noch ein paar
Karten unter das gierige Volk
verteilte. Ich war einer der glücklichen,
der unter Einsatz aller Kräfte
seine 20 DM loswerden durfte.
Als ich so mit meinem Kärtchen
eingeklemmt inmitten des Mobs
stand, ertönte von hinten
plötzlich ein mächtiger
Chor: EXPLOITED - BARMY ARMY.
Mit diesem Schlachtruf stürmte
eine Welle von Punks und Skins
den Eingang, spülte die Ordner
zur Seite und mich mit hinein.
Die Karte durfte ich nun selbst
entwerten.
Oben hatte das Konzert bereits
begonnen, in der Vorhalle tummelten
sich die verrücktesten Gestalten,
darunter die damals bekannten
Stadtindianer aus Nürnberg,
die übelsten Hippiepunks,
die man sich vorstellen kann.
Im Vorraum zum Konzertsaal boxten
sich ein paar Punks und Skins.
In der Halle selbst führte
Jello Biafra den verdutzten Europäern
zum ersten Mal Stagediving vor,
der Pit war am Kochen. Die Stimmung
allgemein gut und friedlich.
Leider verletzte ich mich direkt
zu Anfang an einer Lautsprecherbox
und war außer Gefecht gesetzt.
Irgendwann zwischen den Songs
trat ein stacheliger Punk ans
Mikro und erzählte der Menge
etwas von Punkerkartei in Hannover
und daß dort im Dezember
das größte Punktreff
Deutschlands stattfinden sollte
und alle gefälligst zu erscheinen
hätten.
Nach diesem unvergessenen Auftritt
sammelte sich vor der Halle ein
Mob von ca. 200 - 250 Leuten,
etwa ein Achtel der Konzertbesucher.
Wir wußten nicht genau was
abging, reihten uns aber erstmal
ein. Plötzlich ein Ruf: "Da
vorne ist einer!" Wir rannten
der Spitzengruppe hinterher, die
U - Bahn hinunter. Auf der Treppe
kam uns bereits ein heulender
Skin mit zermatschtem Gesicht
entgegen. Aha, alles klar. Skinhead-Bashing
war angesagt. Irgendjemand hatte
angeblich eine Horde Glatzen gesehen,
die in der Innenstadt rumlungerten,
um einzelne Punks aufzumischen.
Ihr Pech, denn heute war Zahltag,
und es standen einigen Rechnungen
offen. Wir waren aufgeheizt und
von den 200 Leuten jeder bis in
die Zehenspitzen motiviert. Vielleicht
etwas übermotiviert, denn
der Angriff auf einen vollbesetzten
Linienbus entpuppte sich als Fehler,
da lediglich die unbehaarte Kopfhaut
einiger Rentner zur Debatte stand.
So streiften wir weiter durch
die Innenstadt. Die Zeit verging,
und unsere Gruppe wurde immer
kleiner. 150, 120, 100, 70, 50,
30 Leute stark war unser Mob nur
noch. Langsam wurde es spannend.
Als wir schließlich zu 6
in eine dunkle Straße einbogen,
spiegelten sich am anderen Ende
im Mondlicht die kahlrasierten
Schädel von 30 - 50 Gestalten
in Bomberjacken.
Wir legten den Rückwärtsgang
ein, konnten durch einen Zufall
unser Auto finden und die schwäbische
Metropole verlassen.
Auf dem Nachhauseweg wurden wir
noch mehrmals von den Bullen kontrolliert,
und ich behielt einen Termin im
Hinterkopf: Dezember ´82
Punk-Treff Hannover.
Ich machte in unserer Gegend
reichlich Werbung und tatsächlich
fuhren einige Homburger in die
niedersächsiche Hauptstadt.
Ich war aus irgendwelchen Gründen
nicht dabei und durfte mir die
tollen Geschichten von diesem
überregional erwähnten
Treffen anhören, welches
wirklich gut gewesen sein soll.
Moses
weiter
...
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