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APPD-Parteitag in München
Sommer 86. In den letzten zwei Jahren hatte sich eine Menge ereignet. Der entscheidende Bruch in der Punkszene lag mit den CHAOS-TAGEN 84 in Hannover um einiges zurück.

Viele waren damals schon gar nicht mehr angereist, andere, wie etwa die Italiener verliessen das Treffen vorzeitig und etliche, so wie ich, waren mittlerweile voll und ganz mit der Hardcoreszene beschäftigt, welche sich zu Anfang ausschließlich aus ehemaligen Punks zusammensetzte, welche von der Entwicklung in Hannover angekotzt waren.

Wir hatten gerade ein erstes überregionales und regelmäßig erscheinendes Fanzine für Deutschland gegründet und uns völlig aus der Punkszene ausgeklinkt, als unverhofft eine Einladung der APPD München ins Haus flatterte.

Diese hatte ein Fest mit den CHAOS-TAGE-Aktivisten aus Hannover und vielen anderen organisiert, zu dem überraschenderweise auch wir, die Hardcore-Aktivisten, eingeladen waren.

Es gab soweit ich mich erinnern kann 2000 !! Liter Freibier. Direkt neben dem Olympiastadion war ein Bierzelt aufgebaut und alles war bestens organisiert. Faschos waren zu der Zeit dank der schlagkräftigen Müncher Punkszene ausgerottet und die Bullen machten auch keinen Streß. Der Parteivorstand, Karl Nagel und Co hielt zündende Reden und die Stimmung war bei strahlendem Wetter hervorragend. Es gab zwar einige Pöbeleien von den Münchern, weil wir Hardcores teilweise S.E. waren, aber das war nicht der Rede wert.

Höhepunkt war schließlich das Auftreten einer Original bayrischen Blaskappelle, die mit einem Bus mitten in unseren Haufen hineinfuhren und ihre Stücke zum besten gaben. Dazu gab es einen deftigen Massenpogo und das Bier floß in Strömen. Die ungläubigen Blicke der Musiker werde ich nie vergessen.

Insgesamt war dies mit ca. 300 - 400 Leuten ein letztes durchaus gelungenes Aufbäumen des Punkdinosauriers.

Danach war von einer Organisation innerhalb der Punkszene nichts mehr zu spüren. Die meisten Leute zogen sich zurück. Die Hardcoreszene entwickelte sich weiter. Andere begannen eine bürgerliche Existenz, andere starben oder landeten im Knast.

In irgendwelchen Dörfern "organisierten" Nachwuchspunks ihre eigenen "CHAOS-TAGE", welche in der Regel damit endeten, daß die 30 - 100 Punks aus den umliegenden Dörfern entweder von Faschos gejagt oder komplett von den Bullen eingelocht wurden, oder aber der gesamte Mob nach übermäßigem Drogenkonsum einfach einschlief und nicht weiter von Passanten beachtet wurde, höchstens eine paar kleine Kinder machten sich über diese jugendlichen Penner in ihrer grotesken Uniform aus Punk, Hippie und Berberklamotten lustig.

Moses

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  In 14 Tagen zusammengekloppt...

Als im Frühjahr 1994 die ersten Flugblätter auftauchten und nach zehnjähriger Pause wieder zu Chaos-Tagen in Hannover aufriefen, griff ZAP-Herausgeber Moses zum Telefon und pflanzte mir kurzerhand die Idee einer Sonderausgabe zum Thema Chaos-Tage ins Hirn.
In Windeseile wurde diese Idee durchgezogen, und wenige Wochen später war das Heft fertig. Es beschreibt Entstehung und Geschichte der Chaos-Tage anhand unserer Erlebnisse und gibt somit zumindest einen gewissen Einblick in das Thema.
Diese Erlebnisberichte, die sich natürlich in erster Linie um um unsere ganz persönlichen Eindrücke drehen, können natürlich überhaupt nicht repräsentativfür das komplette Geschehen sein, und niemand sollte auf die Schnapsidee kommen, das Heft zum wahrhaftigen "Geschichtsbuch" zu erklären.
Jeder, der in den Achtzigern mit Punkrock oder Chaos-Tagen zu tun hatte, wird seine eigene Darstellung, seine eigene Geschichte haben. Da sich aber eben bisher niemand die Mühe gemacht hat, das auch niederzuschreiben und zu veröffentlichen, müßt Ihr nun eben mit STREETPUNK vorliebnehmen, und auch mit der Sichtweise der beiden Schreiber.
Aber eines hat das Heft auf jeden Fall bewirkt: Viele haben sich wieder daran erinnert, daß das, was früher zum Kotzen war, auch heute noch übel aufstößt. Und mancher Kid-Punk hat sich nach der Lektüre von STREETPUNK gesagt, daß die Zeit für Chaos-Tage noch lange nicht vorbei ist.
Und ist nach Hannover gefahren. -kn-

 
 
   
 
 
 
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