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Wupper-Punk: Phönix aus der Asche
Ich war der "Polit-Punk", wie er im Buche steht: Geprägt durch die autonome Szene, erschien mir Punk als die ideale Widerstandsform: "fighting in the streets" und endlich raus aus dem Ghetto der autonomen Inzucht. Ich fand es echt sensationell, daß Typen mit dem umkreisten"A" auf der Jacke rumliefen, ohne sich in linke Bücher zu vergraben und darüber ellenlang zu quasseln. Aktion statt Theorie!

Ich wurde allerdings wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als ich erfuhr, daß ich zu diesem Zeitpunkt so ziemlich der einzige Punk in Wuppertal war. "Jetzt, wo alle damit aufgehört haben, fängst Du damit an!" machte sich ein Bekannter über mich lustig. Kurze Zeit vorher hatte es nämlich die Wuppertaler Polizei bei einer Kinovorstellung von"The Great Rock´n´Roll Swindle" der SEX PISTOLS kräftig mit dem Schlagstock aufgeräumt, und die Folge war, daß sich viele nicht mehr trauten, offen als Punks aufzutreten. Andere hatten bei ihrem letzten London-Besuch die Kunde von OI! mitgebracht, und so sah man plötzlich total viele Ex-Punks als Skins durch die Gegend laufen.

Bei den Autonomen fand ich schließlich mit Wim Tölpel einen Verbündeten und Freund, der eine Menge aus der Hamburger Szene zu berichten wußte. Ich hörte mit leuchtenden Augen zu und konnte mir eigentlich nichts schöneres vorstellen, als mit einer Horde Punks durch die Stadt zu laufen und die Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen.

Wir nahmen uns vor, die Sache irgendwie ins Rollen zu bringen, und dachten uns, daß es das beste wäre, irgendwie den Eindruck zu erwecken, es gäbe eine riesige Punk-Szene in Wuppertal - dann würden die richtigen Punks schon von alleine kommen. Also gründeten wir eine "Punk-Initiative", mit der wir an das örtliche Kommunikationszentrum "Die Börse" herantraten, um dort Punk-Konzerte zu organisieren. Die Punks aus anderen Städten würden dann schon klarstellen, daß Punk nicht tot war!

Gleichzeitig eröffneten Robby, ein Skin und damaliger Sänger der ALLIIERTEN, zusammen mit Ludorf, einem Ex-Punk, eine Kneipe mit dem dem schönen Namen "Zum gemütlichen Eck", in der sich schon bald eine kleine neue Szene reformierte. Drinnen saßen Punks, Skins und sogar Teds friedlich zusammen, während draußen die Kinderskins Schlagübungen an zufällig vorbeikommenden Passanten veranstalteten.

Eines Tages kam dann endlich die Idee auf, mit allen Leuten "einfach so" durch die Stadt zu gehen und Präsenz zu zeigen. Die Duisburger Treffs hatten mächtig Eindruck gemacht, und so wollten wir uns halt die Straße zurückerobern. Und da ich spätestens seit dem SHAM 69-Song "If The Kids Are United" die ganzen Grabenkämpfe zwischen den verschiedenen Gruppierungen für völlig schwachsinnig hielt, legte ich mich mächtig ins Zeug, um ein gemeinsames Treffen von Punx, Skins und Teds hinzukriegen, und irgendwie gelang es mir, die meisten davon zu überzeugen.

Karl Nagel

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  In 14 Tagen zusammengekloppt...

Als im Frühjahr 1994 die ersten Flugblätter auftauchten und nach zehnjähriger Pause wieder zu Chaos-Tagen in Hannover aufriefen, griff ZAP-Herausgeber Moses zum Telefon und pflanzte mir kurzerhand die Idee einer Sonderausgabe zum Thema Chaos-Tage ins Hirn.
In Windeseile wurde diese Idee durchgezogen, und wenige Wochen später war das Heft fertig. Es beschreibt Entstehung und Geschichte der Chaos-Tage anhand unserer Erlebnisse und gibt somit zumindest einen gewissen Einblick in das Thema.
Diese Erlebnisberichte, die sich natürlich in erster Linie um um unsere ganz persönlichen Eindrücke drehen, können natürlich überhaupt nicht repräsentativfür das komplette Geschehen sein, und niemand sollte auf die Schnapsidee kommen, das Heft zum wahrhaftigen "Geschichtsbuch" zu erklären.
Jeder, der in den Achtzigern mit Punkrock oder Chaos-Tagen zu tun hatte, wird seine eigene Darstellung, seine eigene Geschichte haben. Da sich aber eben bisher niemand die Mühe gemacht hat, das auch niederzuschreiben und zu veröffentlichen, müßt Ihr nun eben mit STREETPUNK vorliebnehmen, und auch mit der Sichtweise der beiden Schreiber.
Aber eines hat das Heft auf jeden Fall bewirkt: Viele haben sich wieder daran erinnert, daß das, was früher zum Kotzen war, auch heute noch übel aufstößt. Und mancher Kid-Punk hat sich nach der Lektüre von STREETPUNK gesagt, daß die Zeit für Chaos-Tage noch lange nicht vorbei ist.
Und ist nach Hannover gefahren. -kn-

 
 
   
 
 
 
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