Letzte Änderung: November 22 2005 13:22:55. - 625 Seiten archiviert
Home Archiv Fanzines 2000 LTVH Artikel
 
 
Wie alles anfing...
 

Welch schreckliches Ende Hannover erwartet, wird nach der Lektüre dieses Heftes jedem klar sein.

Aber wie konnte es passieren, daß Hannover zum Brennpunkt historischer Ereignisse wurde? Was hat dazu geführt, daß ausgerechnet die niedersächsische Landeshauptstadt zum Abriß verurteilt ist?

Nachfolgend wollen wir Euch eine kleine Chronik der Ereignisse vorstellen, damit Ihr einen ungefähren Eindruck davon bekommt, wie die Bombe scharf gemacht wurde...

1982

DIE URSPRÜNGE...

...liegen bereits ein paar weitere Jahre zurück, und zwar im Ruhrgebiet. Dort gibt es bereits seit 1979 immer größer werdende Punk-Treffen in den Citys von Großstädten wie Recklinghausen, Bochum und zuletzt Duisburg, wo dann 1981 die Staatsmacht hart durchgreift, da sich die Geschäftsleute über starke Umsatzeinbußen beklagen.

Bereits kurze Zeit später aber ging es in Wuppertal wieder los. Was als einmaliges Treffen von Punks, Teds und Skins begann, wurde schnell zu einer monatlichen Punk-Party an jedem 1.Samstag: auf dem Höhepunkt der Wuppertaler Punk-Treffen im Sommer 1982 über 300 Punks reisten Punks aus dem ganzen Bundesgebiet an.

Die Polizei reagiert auch hier völlig überdreht; immer wieder kommt es zu Festnahmen; im Mai ‘82 wird glatt das komplette Treffen festgenommen, als man einen SPD-Parteitag aufsuchen will.

Als ein Monat später auf dem Punk-Treffen bei einer spontanen Demonstration gegen diese Massenfestnahmen protestiert werden soll, will die Polizei dies verhindern und es kommt zu einer Straßenschlacht, die Schlagzeilen macht.

Danach greift die Polizei hart durch. Es kommt zu Hausdurchsuchungen in der Punk-Szene, und weitere Punk-Treffen werden mit einem massiven Polizeiaufgebot sowie ständigen Kontrollen abgeschirmt und schließlich mehr oder weniger unmöglich gemacht.

Zusätzlich wird eine neue Stadtverordnung erlassen, in der der Aufenthalt in der City nur noch zu Konsumzwecken erlaubt ist - schon bald ein Vorbild für viele andere Städte...

NOVEMBER '82 DIE AUFDECKUNG EINER "PUNKER-KARTEI" FÜHRT ZUM 1. CHAOS-TAG

Der Journalist Jürgen Voges deckt eine sog. "Punker-Kartei" auf, in der die hannoversche Polizei die ihr "verdächtige" Punk-Szene erfasst.

Kurz darauf erscheinen die ersten Aufrufe zu einem "Chaos-Tag". Man will mit massenhaftem Erscheinen von echten und falschen Punks die Datei wertlos machen und den "Untergang Hannovers" herbeiführen.

DEZEMBER '82: DIE "DEAD KENNEDYS! UNTERSTÜTZEN DEN CHAOS-TAG

Auf ihrer Tour durch eine Reihe europäischer Städte ruft die Punk-Kult-Band "Dead Kennedys" die Konzertbesucher auf, zum Chaos-Tag nach Hannover zu fahren.

18. DEZEMBER '82: DIE POLIZEI ESKALIERT DEN ERSTEN CHAOS-TAG VON HANNOVER ZUM KRAWALL

Rund 800 Punks & Freunde finden sich Samstag Mittag am Kröpcke zum Chaos-Tag ein. Als sich ein Demonstrationszug formiert, fordert die Polizei kurz die Auflösung der Versammlung und setzt dies dann per Knüppeleinsatz durch. Es kommt zu einer kurzen Straßenschlacht mit Verletzten - in erster Linie auf Punk-Seite.

1983

APRIL '83: AUFRUFE ZU NEUEN CHAOS-TAGEN GEHEN UM

Weil im Gegensatz zu anderen Städten die eher unpolitischen oder gar linken hannoverschen Skinheads ein gutes Verhältnis zur Punk-Szene pflegen, will man ein Zeichen setzen: Es wird zur "Wende" aufgerufen - Punks und Skins sollen ab sofort "zusammenhalten", gegen Nazis, Staat und brave Bürger. Für dieses Treffen werden diesmal gar drei Tage angesetzt - aus einem "Chaos-Tag" werden "Chaos-Tage"!

1.JUNI '83

CHAOS-TAGE 1983/FREITAG: NAZIS GREIFEN AN

Rund 500 Punks bevölkern bereits am Freitagnachmittag den hannoverschen Bahnhof, bis dann die Polizei die Szene räumen läßt - wegen "Pöbelns". Geschäftsleute hatte sich beschwert. Bei einem Konzert am Abend im Unabhängigen Jugendzentrum in der Kornstraße bevölkern schließlich über 1000 Punks und Skins die völlig überfüllte Veranstaltung. Am späten Abend kommt es zu einem Angriff einer großen Gruppe von Nazi-Skins aus Hamburg und Berlin, der aber zurückgeschlagen wird. Die Nazis flüchten sich hinter die Reihen der angerückten Polizei, die sich und auch die Nazis vor den Attacken ihrer Gegner schützt. Es kommt zu heftigen Krawallen und auch Plünderungen in der gesamten Nordstadt.

2. JUNI '83

CHAOS-TAGE 1983/SAMSTAG: DAS ENDE DER "WENDE"

Die BILD-Zeitung liefert eine tolle Schlagzeile: "Angst! 5000 Punker sind da!"

Soviel Punks sind es dann aber doch nicht: Rund 1500 Chaos-Tag-Besucher treffen sich "High Noon" in der hannoverschen City - eine bislang nie dagewesene Ansammlung von Punks und Skins im Zentrum einer Großstadt

Den auch anwesenden Nazis gelingt es aber, durch ständige und willkürliche Attacken gegen Punks und zunehmend offener auftretendes faschistisches Auftreten eine Polarisierung von Punks auf der einen und Skins auf der anderen Seite herbeizuführen. Es kommt zur offenen Auseinandersetzung zwischen beiden Gruppen, die mit dem Abzug der Skinheads endet. Die "Wende" ist gescheitert.

3. JUNI '83

CHAOS-TAGE 1983/SONNTAG: RUHE KEHRT EIN

Während die Punks und Skins abzuziehen beginnen, herrscht Panik und Paranoia beim Schützenausmarsch. Attacken auf den Zug bleiben aber aus, die einsatzbereiten privaten Knüppelgarden bekommen ihre potentiellen Gegner kaum zu Gesicht..."

17. DEZEMBER '83: 1. "WEIHNACHTS-POGO"

Ein Jahr nach dem ersten Chaos-Tag versammeln sich rund 150 Punks zum zum ersten "Weihnachts-Pogo". Ohne konkreten Anlaß kesseln Polizeikräfte die Gruppe ein und nehmen den Großteil fest.

1984

FRÜHJAHR: ... UND AUFRUFE ZU NEUEN CHAOS-TAGEN!

Auf neuen Flugblättern ruft ein "Internationaler Punk-Rat" zu Chaos-Tagen 1984 nach Hannover. Nach den Erfahrungen vom Vorjahr heißt es diesmal: "Chaos-Tage gegen die braune Pest!". Zum ersten Mal wird auch im Ausland für die Chaos-Tage geworben; im weltweit vertriebenen US-Fanzine "Maximum RocknRoll" erscheint ein großer Aufruf.

3. AUGUST '84

CHAOS-TAGE 1984/FREITAG

Ein ähnliches Bild wie im Jahr zuvor: Hunderte Punks lagern am Hauptbahnhof, bis die Polizei dem Treiben mit einem harten Einsatz ein Ende bereitet. Es kommt zu ersten Schlägereien mit Nazi-Skins.

4. AUGUST '84

CHAOS-TAGE 1984/SAMSTAG

Gegen Mittag versammeln sich rund 2000 Punks, davon viele aus dem Ausland, am Opernplatz. Allgegenwärtig die Polizei, die ununterbrochen Leibesvisitationen durchführt, "Waffen" wie Nietengürtel und Lederjacken beschlagnahmt und willkürlich Verhaftungen vornimmt. Eine von einem "Antifaschistischen Bündnis" angemeldete Demonstration Richtung Glocksee beginnt, wo ein Konzert stattfinden soll.

Das Konzert in der Glocksee wird nach rund 2 Stunden beendet, als vor dem Eingang ein Auto angezündet wird. Eine stundenlange Schlacht mit der Polizei beginnt, in der das Zentrum verwüstet wird und rund 1500 Punks die ganze Nacht über in dem abgeriegelten Areal festgehalten werden.

5. AUGUST '84

CHAOS-TAGE 1984/SONNTAG

Die Enttäuschung in der Punk-Szene ist groß, das Treffen völlig aus den Fugen geraten. Bei vielen setzt sich die Erkenntnis durch, daß dies wohl für lange Zeit die letzten Chaos-Tage gewesen sind. In den folgenden Monaten und Jahren wenden sich viele Punks von der Szene ab und bilden stattdessen den Kern der sog. "Hardcore"-Szene.

1994

JANUAR/FEBRAUR '94: DAS COMEBACK DER CHAOS-TAGE

Nach zehnjähriger Pause rufen hannoversche Punks auf verschiedenen Flyern für den 5.-7. August zu den 4. Chaos-Tagen in Hannover auf und kündigen eine Fortsetzung bis zum Jahre 2000 an.

Einige Wochen später erscheint eine Chaos-Tage-Sonderausgabe des ZAP-Fanzines. In dem Heft mit dem Titel "Streetpunk" werden die Ursprünge von Chaos-Tagen, Punk-Treffen und Streetpunk aufgearbeitet und so den Chaos-Tagen 1994 große Publizität verschafft..

4. AUGUST '94: ERSTE ANREISENDE IM VORFELD

Bereits am Donnerstag bevölkert eine große Gruppe von Punks den Bahnhof und übernachtet auch dort. Es zeichnet sich ab, daß die Chaos-Tage 1994 an "alte Zeiten" anzuknüpfen vermögen. Polizei und Bahnhofs-BGS sind sichtlich irritiert.

5. AUGUST '94

CHAOS-TAGE 1994/FREITAG: ALLES WIE GEHABT...

Im Laufe des Tages treffen immer mehr Punks am Bahnhof ein und beginnen, eine riesige Party zu feiern. Wie 10 Jahre zuvor sprengt die Polizei das ganze in einem harten Einsatz, kesselt so viele Punks wie möglich ein und nimmt 175 fest. Punks werden ab sofort nicht mehr in der Innenstadt geduldet, so daß sich diese in der Hannoveraner Nordstadt treffen und dort die Straßen bevölkern. Gegen Abend sind rund 500 Chaos-Tage-"Gäste" in Hannover.

6. AUGUST '94

CHAOS-TAGE 1994/FREITAG: DIE GEBURT DER "SCHUTT-UND-ASCHE"-LEGENDE

Die hannoverschen Tageszeitungen berichten groß über die Ereignisse vom Vortag, wobei die "Neue Presse" den Vogel abschießt, als sie vermeldet, die Punks seien "nach eigenen Angaben" gekommen, um "Hannover in Schutt und Asche zu legen". Diese Meldung wird von allen anderen Medien, auch der taz, ungeprüft übernommen und in immer neuen Meldungen mehr und mehr aufgeblasen.

In der hannoverschen Innenstadt bleibt ansonsten alles beim alten: Punks werden rigoros der City verwiesen, so daß sich schließlich rund 800 auf dem "Fährmannsfest" trifft, einem "Umsonst & Draußen"-Live-Festival. Am Abend ziehen Punks und Skins wieder in die Nordstadt zu einem Konzert auf dem Sprengelgelände. Die aufgeheizte Stimmung entlädt sich schließlich in einer kurzen Schlacht mit der anrückenden Polizei, die anschließend das Konzert stürmt und 400 Konzertbesucher festnimmt.

AB DEM 7. AUGUST '94:

MEDIENECHO BUNDESWEIT - DIE LEGENDE WIRD AUSGEBAUT

Ab Sonntag beginnen die Medien die 10minütige Straßenschlacht in wahrhaft gigantische Dimensionen aufzublasen: "Todesangst in der Nordstadt" - "Blut klebte an Steinen und Containern" - "Orgie der Gewalt" - "Überall umgestürzte und brennende Autos" - "Randalierer tobten durch Hannover" - "Vor Haustüren und in Fluren tobte der Punkerterror" - so die Schlagzeilen. Und immer wieder die Behauptung "Sie wollten Hannover in Schutt und Asche legen". Als Beleg wird immer wieder ein angebliches "Flugblatt" genannt. Ein Flugblatt, das keiner kennt und keiner zeigt. Keiner zeigen kann. Nachprüfen will die Geschichte allerdings auch niemand.

Rund ein Dutzend Journalisten werden persönlich dazu aufgefordert, sich das angebliche Flugblatt von der Polizei zufaxen zu lassen, aber nur einer - ein SPIEGEL-Journalist - setzt dies in die Tat um. Aber auch im SPIEGEL erscheint dazu dann nur eine kleine Meldung. "Schutt-und-Asche"-Märchen sind einfach interessanter.

1995

FEBRUAR'95: FLUGBLATT-WELLE ÜBERSCHWEMMT DIE PUNK-SZENE

Nach den Ereignissen des Vorjahres erwartet man in der Punk-Szene für die '95er-Chaos-Tage wohl die sofortige Internierung. Deshalb heißt das Motto diesmal: "Ab ins Lager!".

Unmengen verschiedener Flugblätter kommen in Umlauf, worunter eines besonders hervorsticht: Es hat die gleiche Aufmachung wie das Fun-Flugblatt vom Vorjahr, ruft aber zu genau den Brutalitäten auf, die den Punks im Vorjahr unterstellt worden waren. Und versucht sich gar in Steigerungen - So wird für "Freitag, 16.00 Uhr" der Programmpunkt "Vergewaltigung von Polizistinnen" vermerkt. Dann aber auch der Hinweis: "Dieses Flugblatt ist eine Fälschung! Aber genau so ein Flugblatt haben uns die Pressewixer im letzten Jahr unterstellt, aber NIE vorzeigen können!"

7. APRIL '95: DIE PRESSE NIMMT DAS ALS FAKE GEKENNZEICHNETE FLUGBLATT ERNST

In der hannoverschen "Neuen Presse" erscheint ein Artikel, in dem es heißt: "Im August wollen Punks Hannover in Schutt und Asche legen". Es wird aus dem Fake-Flugblatt zitiert - aber ohne auf den Satire-Charakter hinzuweisen. Im Internet erscheinen die ersten Aufrufe: Chaos-Tage weltweit! Zum ersten Mal wird das Internet für die Verbreitung von Chaos-Tage-Flyern genutzt: Kettenbriefe werden abgetippt, übersetzt und in die verschiedenen Newsgroups gesetzt. Schon bald gibt's Antwort aus San Francisco: Hier will man nun am gleichen Wochenende wie in Hannover Chaos-Tage abhalten!

29/30. JULI '95: DIE ERSTEN PUNKS SIND DA!

Um zu verhindern, gar nicht erst in die Stadt hineingelassen zu werden, kommen bereits am Wochenende vor den Chaos-Tagen rund 150 Punks nach Hannover. Gleichzeitig beginnt eine "Lager-Gang" via Internet mit der Verbreitung von täglichen Infos zum Thema.

2. AUGUST '95: DIE POLIZEI DEMONSTRIERT STÄRKE

Obwohl von den täglich neben dem Bahnhof lagernden rund 200 Punks keine Agressivität ausgeht, fährt die Polizei ab Mittwoch mit großen Bussen vor, führt ständige Kontrollen durch und transportiert Verdächtige und Minderjährige ab. Die Stimmung bleibt aber friedlich.

3. AUGUST '95: DIE SITUATION ESKALIERT

Am frühen Nachmittag vertreibt die Polizei ohne erkennbaren Anlaß die Punks aus der City. Neuankömmlinge werden auch sofort der Innenstadt verwiesen. Der einzige Ort, wo Punks noch geduldet werden, ist die Schaufelder Straße in der Nordstadt, direkt beim ehemals besetzten Sprengelgelände. Als die Polizei auch dort beginnt, willkürlich Punks festzunehmen, explodiert die Situation: Steine fliegen, es werden Barrikaden gebaut und angezündet. Die Polizei muß sich unter einem Steinhagel zurückziehen.

4. AUGUST '95

CHAOS-TAGE 1995/FREITAG: NICHT NUR PUNKS STELLEN SICH GEGEN DIE POLIZEI

An diesem ersten "offiziellen Chaos-Tag" strömen massenhaft Punks nach Hannover. Währenddessen bereitet man sich in der Nordstadt auf neue Angriffe der Polizei vor und baut wieder Barrikaden. Die ersten Angriffe der Polizei werden erfolgreich zurückgeschlagen, dann aber werden Schaufelder Straße und auch das Sprengelgelände in einem harten Einsatz geräumt.

Danach versucht die Polizei einen Sturm der Häuser in der Heisenstr., wo sich ebenfalls Punks aufhalten. Die Polizei muß sich aber in den engen Straßen unter einem Steinbombardement zurückziehen.

Im Laufe der Nacht kommt es aber zu einer nochmaligen Eskalation: Angelockt durch die Berichte von anhaltenden Krawallen reisen auch Hooligans und Autonome nach. Zusätzlich legt sich die Polizei ohne Not mit türkischen Jugendlichen an, so daß die Polizei nun mit fast 3000 Gegnern fertig werden muß.

Eine Aufgabe, die nicht gelingt: Die Polizei erleidet Schlappe auf Schlappe und wird fast vollständig aus der Nordstadt vertrieben. Ein Penny-Markt wird spät in der Nacht geplündert. Die Polizei ist machtlos.

5. AUGUST '95

CHAOS-TAGE 1995/SAMSTAG: DIE EINKESSELUNG DES FÄHRMANNSFESTES MISSLINGT

Der Morgen beginnt relativ ruhig, und das Geschehen verlagert sich auch dieses Jahr zum "Fährmannsfest". Dort findet auch ein spontaner Auftritt der US-Punkband "Total Chaos" statt. Gegen 19:00 eskaliert die Situation wieder: Betrunkene haben ein Auto angezündet, und es gibt neue Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Für die Punks wieder mal ein Glücksfall: Starke Polizeikräfte sind nämlich gerade dabei, das Konzertgelände hermetisch abzuriegeln und so die Punks über Nacht am Verlassen zu hindern - ganz nach dem Vorbild von 1984.

So gelingt es den Punks aber, im allgemeinen Chaos, noch vor dem Schließen den Kessels das Gelände zu verlassen. Die meisten wandern aber nicht wieder in die Nordstadt, sondern feiern eine lange Party im angrenzenden Park.

In der Nordstadt dagegen sind in der Nacht in erster Linie Hooligans, türkische und andere Jugendliche aus Hannover aktiv. Wieder kommt es zu Straßenschlachten, bei denen die Polizei oft völlig überfordert ist.

6. AUGUST '95

CHAOS-TAGE 1995/SONNTAG: DIE RUHE NACH DEM STURM

Mal abgesehen von einzelnen kleineren Scharmützeln, kehrt langsam Ruhe in der Nordstadt ein. Die Punks ziehen ab.

AB DEM 7. AUGUST '95: RIESIGES MEDIENECHO WELT

Riesiges Medienecho weltweit. Schon am Wochenende waren die Medien mehr und mehr heißgelaufen, aber nun sind Zeitungen und TV voll mit Berichten über die Chaos-Tage. Gleichzeitig wächst der Druck auf die niedersächsische Landesregierung unter Gerhard Schröder. Man wirft ihr eine angebliche "Deeskalationsstrategie" vor.

"CHAOS-TAGE IN OLDENBURG" WERDEN VON DEN MEDIEN GEPUSCHT

Verschiedene Zeitungen berichten gleichlautend von einem neuen angeblich in Oldenburg geplanten Punk-Treffen. In den nächsten Tagen steigert sich dieses zur Hysterie, und die Polizei schickt vorsorglich 1500 Beamte nach Oldenburg. Per Internet wird von Punk-Seiten zur "Aktion Tarnkappe" aufgerufen - man will angeblich im Sakko und mit geputzten Schuhen nach Oldenburg reisen...

17. AUGUST '95: RECHTSRADIKALE WOLLEN IN HANNOVER DEMONSTRIEREN

Die "Jungen Nationaldemokraten", die Jugendorganisation der NPD, meldet zum Todestag von Rudolf Heß eine Demonstration in Hannover an unter dem Motto "Wenn Chaos tobt in deutschem Land, braucht Deutschland eine starke Hand". Die Demonstration wird verboten.

19. AUGUST '95: POLIZEI UND MEDIEN LASSEN SICH IN OLDENBURG ERFOLGREICH HOCHNEHMEN

Nachdem die Polizei Oldenburg in eine Festung verwandelt hat, warten nun Hunderte von Reportern auf die bunten Brutalos. Dummerweise tauchen nur einige wenige Gestalten auf, die auch noch fürs Bierdosenwerfen von Journalisten bezahlt werden müssen. Ein echter Lacher! Die Polizei aber feiert dies als Erfolg ihrer "Abschreckung".

25. AUGUST '95: HANNOVERS POLIZEIPRÄSIDENT TRITT ZURÜCK

Der durch die Chaos-Tage schwer unter Druck geratene hannoversche Polizeipräsident Sander tritt zurück und betont, "so etwas" dürfe es nicht wieder geben. Sanders Nachfolger wird Hans-Dieter Klosa, ein Mann vom "harten Schlag"...

8-11. OKTOBER '95: STÜRMUNG UND ABRISS DER "CHAOS-ZENTRALE"

Polizeipräsident Klosa setzt ein Zeichen für "beherztes Durchgreifen": Im Morgengrauen werden Häuser in der Heisenstraße von der Polizei gestürmt und somit die Schlappe vom August wettgemacht. Begründet wird dies mit angeblichen "Schüssen auf Handwerker" und "Hinweisen", das Haus sei im August die "Chaos-Zentrale" gewesen.

25. OKTOBER '95: GERICHT: POLIZEIMASSNAHMEN RECHTSWIDRIG

Das Amtsgericht Hannover bestätigt, daß die Festnahmen von über 500 Punks während der Chaos-Tage rechtswidrig waren.

1996

FEBRAUR '96: CHAOS-TAGE-VIDEO "KAMPF DER WELTEN" ERSCHEINT

In kleiner Auflage erscheint ein aus Spielfilmen, Nachrichten und anderen Fernsehsendungen am heimischen Videorecorder zusammengeschnittener Film, der aber schon bald massenhaft immer wieder weiterkopiert wird. Das Video wird DER Partyknüller.

APRIL '96: START DES "KANNIBALENKANALS"

Der "Cannibal Home Channel" (CHC) nimmt als Nachfolger der Lager-Gang seine Aktivitäten auf, die auch schnell von den Medien bemerkt werden.

2. MAI '96: NIEDERSACHSEN VERSCHÄRFT POLIZEIGESETZ

Um die kommenden Chaos-Tage in den Griff zu bekommen, verschärft die SPD-Mehrheit im Landtag das Polizeigesetz. Nun ist es möglich, Personen das Betreten ganzer Stadtteile und Städte zu verbieten, falls der "Verdacht" bestünde, es könnten Straftaten begangen werden.

25. MAI '96: CHAOS-TAGE-VERBOT ERLASSEN

Obwohl die Chaos-Tage sich als reines Treffen und nicht als politische Versammlung verstehen, wird ein Verbot nach dem Versammlungsgesetz erlassen. Grund sei, daß im Jahr zuvor auch Autonome angereist seien, die "erkennbare Organisationsstrukturen" hätten.

25. JULI '96: WEICHEN DIE CHAOS-TAGE NACH BREMEN?

Schon längere Zeit kursierende Flugblätter hatten vorgeschlagen, bei einem totalen Abriegeln Hannovers einfach nach Bremen auszuweichen. Nun werden die Medien durch diese Flugblätter aufgeschreckt - und die Hysterie schwappt auf Bremen über. Auf den Flyern steht aber auch, daß die Chaos-Tage 97-99 ausfallen sollen und man sich auf die Chaos-Tage 2000 anläßlich der EXPO konzentrieren wolle.

26. JULI '96: 11 TAGE PUNK-VERBOT IN HANNOVER

Ab heute gilt die polizeiliche Verbotsverfügung, die es der Polizei ermöglicht, in den kommenden 11 Tagen alle Punks der Stadt zu verweisen. Was sie auch konsequent vollzieht...

2.-4. AUGUST '96: DIE CHAOS-TAGE FINDEN STATT - UND WIE!

6000 Polizisten und 500 Journalisten stehen zum Schutz Hannovers bereit - und der Polizei gelingt es, Hannover punk-frei zu halten. Über 3000 Platzverweise werden erteilt. Nicht so in Bremen: Hier kommt es am Freitagabend im Steintorviertel zur Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Punks. Niedersachsens Innenminister Glogowski verkündet stolz: "Es wird nie wieder Chaos-Tage geben!" Daß Glogowski da den Mund etwas voll nimmt, soll sich schon bald zeigen...

18. AUGUST '96: CHAOS-TAGE 1996 (TEIL ZWEI!)

Rund 300 Punks versammeln sich in der Hannoveraner Nordstadt zu "Ersatz-Chaos-Tagen". Es kommt zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die BILD-Zeitung titelt am folgenden Montag: "Punker kamen zurück".Polizei und Medien sind verunsichert: Lassen sich weitere Chaos-Tage verhindern?

1997

16-19 Mai '97: CHAOS-TAGE IN SALZBURG

Die Chaos-Tage-Hysterie erreicht nun auch Österreich: Nachdem auf einigen Flyern zu Chaos-Tagen aufgerufen wird und Meldungen dazu im Internet kursieren, dreht die Stadt komplett durch. Mit 1500 Beamten wird Salzburg abgeriegelt, Geschäfte bleiben geschlossen oder werden verbarrikadiert.

JUNI/JULI '97: CHAOS-TAGE ZUR LOVE-PARADE?

Auf neuen Flugblättern wird angekündigt, die ausfallenden Chaos-Tage 1997-99 in Berlin parallel zur Love Parade stattfinden zu lassen, Die Berliner Zeitungen verbreiten Chaos-Paranoia...

Bei der Love Parade tauchen dann tatsächlich ein paar Punks auf, aber die werden größtenteils sofort von der Polizei festgenommen.

1998

SOMMER '98: DIE APPD - DER "LEGALE ARM DER CHAOS-TAGE"

Im Bundestagswahlkampf präsentiert sich die "Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands" als "einzige Möglichkeit", die Chaos-Tage 2000 zu verhindern. Man habe einen "Deal" mit den Chaoten, bis 2000 Ruhe zu bewahren.

30. JULI - ".AUGUST '98: POLIZEI VERHINDERT AUSGEFALLENE CHAOS-TAGE!

Das gleiche Spiel wie im Vorjahr, nur diesmal mit weniger Polizisten. Keiner da außer Grün-Weiß. Letztere sind mal wieder sehr, sehr glücklich über ihren "Erfolg"...

2000

JANUAR 2000: DIE MOBILISIERUNG FÜR DIE CHAOS-TAGE 2000 BEGINNT

Früher als in jedem anderen Jahr tauchen die ersten Chaos-Tage Flugblätter auf. Und auf manchen heißt es gar, dies seien die "letzten Chaos-Tage"...

 

 

 
  xxx

xxx

 
 

 

   
 
 
 
Home | Aktuell | Archiv | Diskussion | Downloads | Kontakt

 

WWW.CHAOS-TAGE.DE - das Internet-Archiv zum Thema
Für Inhalt, Gestaltung und Programmierung verantwortlich: Karl Nagel, Schleswiger Str. 2, 22761 Hamburg
 
Bilder des Chaos!
KOT
Bilder des Chaos!