Letzte Änderung: November 22 2005 13:23:28. - 625 Seiten archiviert
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Der gefürchtete Spaß!
 

Nun, wir sprachen ja bereits vom vielzitierten "Spaß´" - ein sehr ernstes Thema! Denn wenn man im Zusammenhang mit Chaos-Tagen von "Spaß" redet, erntet man oft nur verständnislose Blicke. Wie kann man Spaß daran haben, tagelang eine Großstadt zu verunsichern, aus dem Asphalt herumzulungern, sich vielleicht sinnlos zu besaufen und die verängstigten Passanten nach Geld anzuschnorren?

Überhaupt scheiden sich hier die Geister: Es gibt jede Menge Leute mit "politischem Bewußtsein", aus der politischen Linken, auch aus der Punk-Szene, die diese Art von Spaß total ablehnen. Die sich abgestoßen fühlen von dem besoffenen Mob, der sich natürlich auf Chaos-Tagen auch sein Stelldichein gibt. Und die diese Art von chaotischem Spaß ohne konkrete politische Zielsetzung für die Ausgeburt purer Dummheit halten.

Ja, wenn auf Chaos-Tagen genau diese Art von Spaß am größten ist, dann hält es meist auch die Staatgewalt für geboten, regulierend einzugreifen und dem Treiben ein Ende zu setzen.

Schließlich besteht eine ernste Gefahr für die Bevölkerung - oder wenigstens für Sicherheit und Ordnung. Wo doch Punks wie Tobias Scheiße mit ernster Miene folgende Unglaublichkeiten per MTV in die Wohnzimmer schickten:

"Spaß, der heißt: saufen, kaputtmachen, sich mit den Bullen anlegen, das heißt das! Ihr versteht das nicht. Das kommt einfach aus mir raus, und dann mach ich alles kaputt. Punkt!. Hast Du schon mal jemals ne Mülltonne in ein Schaufenster geschmissen? Das macht einfach Bock. Da brauchste kein Hooligan für sein. Ich bin Punkrocker und schmeiß Mülltonnen!"

 

FÜR DIE EINEN BEDEUTET CHAOS SPASS - FÜR DIE ANDEREN IST ES DAS TOTALE GRAUEN!

Nun fragen sich die versammelten Journalisten, was denn dieses ganze ewige Gequatsche mit dem SPASS eigentlich soll. Tja, verstehen können sie es natürlich nicht, und trotzdem berichten sie darüber bis zum Abwinken. Allein diese Tatsache macht schon eine Menge SPASS!

All diese dummen verständnislosen Visagen machen SPASS. Eine säbelrasselnde und völlig durchgeknallte Polizei macht SPASS. Spass macht auch, daß sich da Tausende aus ganz Europa einmal so treffen, wie SIE es wollen und nicht wie irgendwelche geld– oder kontrollgeilen Pißnelken es gerne hätten.

Also: DAS CHAOS und seine Vertreter sind ALLE da, und DIE Ordnung und Ihre Vertreter sind ALLE da, und jeder spielt nach seinen eigenen Spielregeln. Und zum SCHLUSS hat DAS CHAOS gewonnen, weil seine Spielregeln die BESSEREN sind. So einfach ist das, und genau das macht SPASS!

(aus "Hannover muß zur Wiese werden" / Spiritus Rector, 1996)

ACHTUNG! KEIN WITZ!
DAS PUNKTYPISCHE VERHALTEN

Aus der polizeilichen Verbotsverfügung zu den Chaos-Tagen 1996:

Da die Punk-Bewegung weithin die bürgerlichen Regeln, Riten und Sicherheits- und Ordnungsgesetze in militanter Weise ablehnt und durch grenzenlose Freiheit des Individuums ersetzen will, handelt es sich bei den Chaos-Tagen 1996 auch nicht um eine Veranstaltung im traditionellen Sinn, d. h. es gibt keine Massenkundgebung mit Ansprachen oder einem Aufzug, sondern es wird zu einem Punkveranstaltungszeitraum eingeladen.

Während dieser Zeit kann jeder Punk seine Aktivitäten entfalten und in seiner individuellen Art für die Ziele der Punkbewegung werben. Hier kommt es darauf an, das Erscheinungsbild einer Großstadt durch größere und kleinere Ansammlungen zu prägen und die systemtreuen Bürger zu provozieren, ihnen ihre Machtlosigkeit durch aggressives Verhalten vor Augen zu führen, um dadurch eigene Stärke zu genießen.

Die Angehörigen der Punk-Szene verstehen sich als Subkultur unserer Gesellschaft. Dies bringen sie durch ihr äußeres Erscheinungsbild wie auffällige Kleidung, besetzt mit einer Vielzahl von Symbolen, Aufschriften und Nieten und die typischen farbigen Punkfrisuren zum Ausdruck. Bürgerliche Konventionen und Umgangsformen sowie Moral- und Ethikbegriffe lehnen sie ab. Natürliche Pietät und Schamempfinden werden bewußt verletzt.

Inhalt und Absicht des gesamten Auftretens und Verhaltens ist das Bemühen, Mitbürger zu provozieren und das öffentliche Leben zu beeinträchtigen, dabei soll gleichzeitig das von ihrem Freiheitsbegriff geprägte Leben zum Ausdruck kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist grundsätzlich jedes Mittel recht, wobei nachfolgend aufgeführte Verhaltensweisen in der Vergangenheit besonders häufig zu beobachten waren:

- übermäßiger Alkoholgenuß in der Öffentlichkeit bis hin zu Alkoholexzessen

- Beschimpfen, Anpöbeln, Beleidigen, Anspucken, Beschmutzen und Bedrohen von Passanten, in Einzelfällen bis hin zur gefährlichen Körperverletzung

- gruppenweises Lagern, Nächtigen, Sitzen an zentralen Orten der Innenstadt, zumeist in Fußgängerzonen, verbunden mit Anpöbeleien der Passanten

- Verschmutzen von Straßen, Wegen und Plätzen sowie von Hauswänden und Kraftfahrzeugen

- demonstratives Urinieren in der Öffentlichkeit

- Werfen von Steinen, Getränkedosen/-flaschen gegen Gebäude, Schaufenster, Kraftfahrzeuge

- offenes und verdecktes Mitführen von Waffen, verbotenen Gegenständen und gefährlichen Werkzeugen

- Zeigen von verbotenen Parolen und Emblemen

- Betreten von Kaufhäusern, Eindringen in Wohnhäuser/sonstige Gebäude, um Unruhe und Unordnung zu verbreiten (z.B. durch Verspritzen von Buttersäure)

- Diebstahl geringwertiger oder zum Verzehr geeigneter Sachen, Anbetteln von Passanten, mitunter mit besonderer Aggressivität

- in Einzelfällen Raub oder Erpressung von Geld/Sachen des täglichen Bedarfs; Plünderungen in Geschäften und von Auslagen.

Diese weithin für die Punkszene typischen Ausdrucksweisen sind immer dann anzutreffen, wenn sich Punks aufgrund ihrer Anzahl sicher fühlen, den Folgen ihrer Handlungen erfolgreich mit Gewalt begegnen zu können. Die Sicherheit bietende Anzahl wird dabei von ihnen nicht erst in Großgruppen, sondern insbesondere in kleineren, aber in Vielzahl auftretenden Kleingruppen, soweit sie das Straßenbild einer Stadt oder einer eines eng umgrenzten Gebietes beherrschen, gesehen.

Größere Zusammenkünfte sind wegen ihres besonders ausgeprägten Freiheitsbegriffs - außer bei Konzerten - nicht möglich. Daher geht aufgrund des typischen Punk-Verhaltens gerade von Kleingruppen, insbesondere während der Chaos-Tage, zu denen des Krawalls wegen eingeladen wird, eine besondere Gefahr aus.

Der Besuch der Chaos-Tage ist allein darauf gerichtet, Chaos zu verbreiten, nicht durch EINE Großaktion, sondern durch viele separate Aktionen an vielen Orten. Diese abgelehnte Gesellschaftsform soll über das von Punks veranstaltete Chaos überwunden werden, es werden ein Countdown des Schreckens, Randale, Messerstechereien, zentnerweise Scherben angekündigt.

 

 

 
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Bilder des Chaos!
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