Dies ist KEIN Aufruf für
diese oder jene Aktion, aber wir
denken, daß wir nicht den
Massenmedien die komplette Berichterstattung
überlassen sollten. Sie haben
im letzten Jahr so viele Lügen
über die CHAOS-TAGE verbreitet,
daß sich hier nun eine Gruppe
aus Punks, Fanzineschreibern und
anderen "Aktivisten" zusammengesetzt
hat, um Euch über die Dinge,
die hier ablaufen, zu informieren.
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OK, ist ist wirklich nicht einfach,
täglich einen Stapel Texte
zusammenzukriegen, deshalb hat's
leider ein bißchen gedauert.
Mal schauen, wie wir das in Zukunft
hinkriegen...
DIE LAGER-GANG
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SCHÖN WÄR'S GEWESEN!
Wer nach dem Verhalten der Polizei
vom Wochenende das ungewohnte
Gefühl hatte, die Polizei
hätte tatsächlich was
dazugelernt, kann sich mittlerweile
wieder beruhigt zurücklehnen:
Es ist alles beim Alten, die Bürokraten
haben die Lage wieder voll im
Griff.
Tatsächlich war's nämlich
so, daß die Cops wohl gedacht
haben, ihr Einsatz würde
termingerecht erst am 4. August
beginnen - Punkrocker sind ja
als äußerst pünktlich
bekannt - und so am vergangenen
Wochenende vom Punk-Zustrom schlicht
überrascht wurden.
Die Polizei hatte also einfach
nicht genug Kräfte in Hannover
und der Einsatzleiter war vielleicht
im Wochenendurlaub, um schon mal
Kräfte für den kommenden
Einsatz zu sammeln.
Dabei hätte es so schön
werden können: In den letzten
Tagen war in der Nordstadt, am
Bahnhof und an diversen Baggerseen
die große Party angesagt.
Die Punks liefen über-all
in der City rum, auch im Bahnhof,
und freuten sich ihres Lebens.
Kein Zoff, kein Nix.
Im Gegenteil: Manche Punks meldeten
die fantastischsten Schnorrerfolge
ihres Lebens, und das Wetter ist
ja nun auch nicht gerade dazu
geeignet, dauernd durch die Gegend
zu rennen.
Selbst der Müll hielt sich
in Grenzen, denn eine Reihe von
Punks machten sich tatsächlich
öfters die Mühe, leere
Dosen und Flaschen einzusammen
und fachgerecht zu entsorgen.
Von der Polizei war fast nichts
zu sehen, und wenn doch, dann
waren sie meist so locker und
angenehm, daß man dachte,
man wäre im falschen Film.
Noch nie in meinem Leben habe
ich so viele POSITIVE Geschichten
über die Polizei gehört!
Seit Dienstag ist das anders:
Plötzlich kontrollieren Cops
die Bahnhofseingänge, wollen
Ausweise sehen, und wer keinen
dabei hat, wird mit dem Monster-Gefangenentransporter
zur Personalienfeststellung fortgebracht.
Die Leuten werden zwar einige
Zeit später anstandslos wieder
zum Mitnahmeort zurückgekarrt,
aber gute Laune macht das dennoch
nicht.
Es fragt sich überhaupt,
wieso die Cops ihre Wagen nun
im Pulk direkt neben den Punk-Treffpunkten
postieren müssen. Glauben
sie ernsthaft, damit Eindruck
zu schinden? Der einzige Eindruck,
der so erzielt wird, daß
viele Punks sich von dieser Maschinerie
bedroht fühlen.
Und obwohl sich die meisten momentan
eingesetzen Cops - der Großteil
um die 20 Jahre alt - korrekt
und oft auch locker gegenüber
den Punks verhalten, gibt es doch
immer wieder diese Mini-Rambos,
die einem mit einem Grinsen versichern,
sie freuten sich schon aufs Wochenende,
weils dann wenigstens richtig
kracht.
Lächerlich auch, daß
der riesige Gefangenentransporter
immer wieder auffuhr, nur um einige
wenige Leute zur Personalienfeststellung
abzutransportieren.
Begreift die Polizei eigentlich,
was sie damit anrichtet? Die Erinnerung
an die Punk-Hatz vom letzten Jahr
kommt da wieder hoch, und auch
die entsprechenden Wut.
Kein Wunder, daß da wieder
mal Scheiß-hausgerüchte
hochkommen, wie etwa, daß
die Polizei schon 200 Leute nach
Hause geschickt hätte, was
VÖLLIGER QUATSCH ist!
Wieso also dieses Verhalten der
Polizei? Sie müßten
sich doch eigentlich vorstellen
können, daß das zum
Sprengsatz wird, wenn erst einmal
einige Tausend Punks in Hannover
sind. Denn bei der Masse werden
sie es sich womöglich nicht
gefallen lassen, daß immer
wieder einzelne
herausgegriffen werden. Gerade
weil man weiß, daß
insbesondere manche von den Kids
dann doch von der Polizei dabehalten
werden.
Und was ist mit den Leuten, die
schon oft den Polizeiknüppel
spüren
durften? Daß die sich nicht
freiwillig mitnehmen lassen, ist
doch klar.
So wird der Zoff doch nur provoziert,
und so ist kaum vorzustellen,
daß die Polizei diese Kontrollen
auch am Freitag und Samstag durchziehen
kann. Wieso also schon vorher?
Zu einem Zeitpunkt, wo die Leute
einfach nur eine lockere Party
veranstalten!
Die Antwort gibt ein Polizeiflugblatt,
das angeblich für die Punks
bestimmt ist. Die aber werden
sich darüber totlachen und
es allerhöchstens als geiles
Chaos-Tag-Flugi mit nach Hause
nehmen und an die Wand pinnen.
Denn dieses Ding ist in einer
Sprache gehalten, die schlichtweg
zum Kotzen ist: Stumpfestes Polizeibürokratendeutsch,
teilweise wirr und unverständlich,
und man spürt, daß
die Cops nur ihre "Straftäter"
im Kopf haben. Arme Schweine.
Kaum zu glauben aber wahr: Die
Polizei ist unfähig, eine
andere Sprache
zu sprechen, und sie haben noch
nicht einmal jemanden, der das
für sie besorgt. Das beste
wäre wohl gewesen, sie wären
dem Rat, den ihnen am Dienstag
ein Politologe in der HANNOVERSCHEN
ALLGEMEINEN ZEITUNG gab, gefolgt:
Eine Delegation, die den Punks
zur Begrüßung Freibier
überreicht und so dafür
sorgt, daß die Fete richtig
in Schwung kommt.
Klar, daß es dabei jede
Menge Müll gibt, aber der
läßt sich mit einer
Horde gutbezahlter Müllmänner
schnell beseitigen. Der Schaden,
den die Polizei mit ihrer unflexiblen
Holzkopf-Taktik anrichtet, allerdings
nicht.
- ERNST THÄLMANN -
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KURZINFOS
Alkohol-Boykott
"Das Stadteil-Zentrum Nordstadt
hat zu einem Alkohol-Boykott während
der Chaos-Tage aufgefordert. Kiosk-
und Ladenbesitzer sollten den
Punks keinen Alkohol verkaufen."
So die HAZ von heute.Einen Teufel
werden die tun! Schließlich
können sie jetzt das Geschäft
ihres Lebens machen, und da wären
sie schön blöde, freiwillig
darauf zu verzichten! Es lebe
der Kapitalismus!
VERGEWALTIGUNG UND MORD
Die Phantasie der guten Bürger
ist grenzenlos: Letzten wurde
doch tatsächlich ein Punk
allen Ernstes gefragt, ob die
Punks denn wirklich
"400 Frauen vergewaltigen und
1000 Polizisten töten" wollten.
Schmerz,
laß nach...
NACHTPARTY AM BAHNHOF
Aus verschiedenen Ecken hört
man, daß ab Mittwoch jeden
Abend ab 19.00 Uhr am Bahnhof
eine Nachtparty stattfinden soll,
damit man endlich mal alle Leute
auf einem Haufen sieht. Außerdem
soll so verhindert werden, daß
zuviel in der Nordstadt abgeht.
SAN FRANCISCO
Über die CHAOS DAYS San
Francisco ist bisher kaum was
bekannt. Wir haben aber mit einem
Bekannten aus San Franscisco telephoniert,
der uns erzählt hat, daß
wohl eine Reihe von Leuten kommen
werden, aber eigentlich keine
festen Treffpunkte existieren
und so möglicherweeise das
ganze im Sande verläuft.
BANDS
Es wollen wohl eine ganze Reihe
von Bands irgendwie einen Auftritt
organisieren. Dazu gehören
ATARI TEENAGE RIOT, DIE LETZTTEN
und wohl auch TOTAL CHAOS aus
den USA. Es gibt übrigens
auch Gerüchte, daß
die Stadt Stromanschlüsse
etc. für ein Open-Air-Gig
im Welfengarten/Georgengarten
zur Verfügung stellt, aber
das kann auch eine Ente sein.
Warten wirs ab!
SMOKE IN
In der Kifferzeitung GROW steht,
daß irgendwelche Leute auf
den CHAOS-TAGEN sog. "Smoke-Ins"
veranstalten wollen. Stattfinden
soll das ganze Freitag, 16 Uhr
und Samstag 14 Uhr, beides am
Kröpcke. Da werden sich dann
wohl ein Haufen Leute treffen
und sich kräftig die Birne
zukiffen...
WELTREVOLUTION
Auch die Weltrevolution beginnt
auf den CHAOS-TAGEN. Das steht
zumindest auf einem Flugblatt,
auf dem aufgefordert wird, sich
am Samstag um 12 Uhr am Steintor
zu treffen. Bewaffnung ist Pflicht:
Wasserpistolen etc...
FÄHRMANNSFEST
Samstag und Sonntag findet auch
wieder das Fährmannsfest
statt, wohin ab 17.00 viele Leute
gehen wollen, gerade, falls die
Bullen mal wieder ausflippen.
KEINE KOHLE FÜR DIE POLIZEI!
In einem Spiegel-Artikel von
dieser Woche hat die Polizei behauptet,
sie würde von den Punks 150
Mark verlangen, wenn sie zur Personalienfeststellung
mitgenommen werden müssen.
Laßt euch nicht verarschen!
Das haben sie letztes Jahr auch
versucht, aber alle, die nicht
bezahlt haben, haben nie wieder
von den Bullen gehört. FINANZIERT
DEN COPS NICHT DIE NÄCHSTE
POLIZEIFETE!!! Damit kommen sie
nie durch!
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MEDIENRUMMEL TOTAL
Obwohl ja erst 300-400 Leute
da sind, treten die Medien schon
voll aufs Gaspedal. Was sollen
sie auch sonst machen? Schließlich
waren sie es, die durch den Rummel
vom letzten Jahr dafür gesorgt
haben, daß diesmal dasgrößte
Punk-Treffen aller Zeiten stattfindet.
Da bringt es dann auch nichts
mehr, plötzlich einfach die
Schnauze zu halten. In der Punk-Szene
wewiß es ja soundso jeder.SAT
1 war schon da, ebenso Radio Bremen,
und all die anderen bunten Fernsehanstaltenwerden
sich schon bald um die besten
Plätze kloppen. Wo bleibt
CNN?
Auch die Zeitungen sind seit
heute voll auf dem CHAOS-TAGE-Trip:
In vielen überregionalen
Zeitungen (FAZ etc.) steht was
drin, und das ist wohl nur der
Anfang!
Witzig auch, daß sie mal
wieder alle voneinander abschreiben,
weil keiner was weiß: Mensch,
die ersten Chaos-Tage waren 1982,
nicht 1984, Ihr Deppen!
Ansonsten ist der Ton in den
Medien bisher recht zurückhaltend.
Ist ihnen etwa Ihr eigener Schutt-und
Asche-"Journalismus" vom letzten
Jahr unheimlich geworden?
Nur die BILD-Zeitung wagt sich
schon vorsichtig vor: "Viele Hannoveraner
haben Angst, trauen sich nicht
in die Stadt. Geht das gut?"
Man darf gespannt sein, mit welch
geilen und irren Schlagzeilen
diese Irren wieder das Herz eines
jeden Punk-Rockers erfreuen. Bei
der ersten frei fliegenden Flasche
werden sie wieder mit Volldampf
die Sau rauslassen, dann heißt
es wieder "Hannover brennt", und
alle haben das Gefühl, daß
sie in einer völlig anderen
Stadt sind.
Also denn, wir warten auf den
Kanzler. Den Retter in der Not!
- NELSON MANDELA -
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DAS POLIZEI-FLUGBLATT IM WORTLAUT:
Die Polizeidirektion Hannover
informiert.
Die Polizei der Stadt Hannover
begrüßt Sie und fordert
Sie auf, sich während Ihres
Aufenthaltes in der Stadt an Recht
und Gesetz zu halten.
Die Polizei wird es nicht zulassen,
daß Sie die Sicherheit und
den Entfaltungsraum der hannoverschen
Bürgerinnen und Bürger
und der Gäste dieser Stadt
einschränken.
Die Polizei wird ihren gesetzmäßigen
Auftrag in jeder Hinsicht erfüllen
und anlaßbezogen
- Identitätsfeststellungen
- Durchsuchungen
- Sicherstellungen/Beschlagnahmen
- Festnahmen pp.
durchführen.
Jeder Straftäter wird festgestellt
und sene begangene Tat zur Anzeige
gebracht.
Anfallende Kosten werden Ihnen
auferlegt und die jeweilige Anzeige
wird Ihrer Polizeibehörde
(auch im Ausland) zur weiteren
Bearbeitung übersandt.
Sie können aber auch einen
problemlosen und angenhmen Aufenthalt
in Hannover haben.
Es liegt an Ihnen!!!
Dazu gabs dann einen Kommentar
in der NEUEN PRESSE v. 2.August:
BLAUÄUGIGER UMGANG MIT BUNTEN
BUBEN
- von Andreas Körlin -
In diesem Jahr hat sich die Polizei
umfassend auf die Chaos-Tage vorbereitet.
Erste Planungen begannen bereits
im April. Absprachen mit Bahnpolizei,
Bundesgrenzschutz, Justiz, Stadt
und Psychologen folgten.
Vorbereitungen bis ins Detail
zeichnen die Experten der Polizei
aus:
Sogar der Verbleib von Ratten,
Hunden und möglichen anderen
Haustieren von festgenommenen
Punks ist geklärt. Gut. Blauäugig
allerdings die Hoffnung, Teilnehmer
der Chaos-Tage würden zwecks
körperlicher Erleichterung
mbile Toilettenhäuschen benutzen,
die auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellt
werden sollen.
Recht unglücklich auch der
- immerhin gutgemeinte - Versuch,
mit einem knallroten Flugblatt
samt dickem Polizeiemblem die
Sprachlosigkeit zwischen Polizist
und Punk zu überwinden: Hölzernes,
trockenes Amtsdeutsch erinnert
an das, was bunte Buben so sehr
hassen: Bürgerlichkeit, Recht
und Ordnung.
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Nachfolgend nun eine Übersetzung
aus dem Englischen. Das Ding ist
eine Art kurzer Geschichte der
Chaos-Tage, erschienen in der
Juli-Ausgabe des MRR:
WAS ZUR HÖLLE SIND CHAOS-TAGE?
..eine Frage, die Ihr Euch möglicherweise
stellt. Doch wo hattet Ihr Eure
Augen und Ohren, als die CHAOS-TAGE
94 überall Schlagzeilen
machten? Alst stumpfe Punkrocker
sich in Hannover trafen, alte
Leute und unschuldige Babys terrorisierten
und eine ganze Stadt in Schutt
und Asche legten! Vielleicht erinnern
sich nun Einige von Euch und finden
es sogar GEIL!
Wir hatten auch eine Menge Spaß
daran, weil die meisten der erwähnten
Ereignisse NIE PASSIERT sind -
nur in den Köpfen einiger
sogenannter "Journalisten" und
Polizisten.
Wir nehmen an, daß einige
von Euch nun WIRKLICH wissen wollen,
was CHAOS TAGE sind, und so werden
wir's Euch erzählen...
CHAOS-TAGE sind keine Erfindung
der Neunziger, sondern haben eine
lange "Tradition"!Jawohl, wir
wollen Euch nämlich Punk
nicht als das nächste geile
Ding verkaufen, weil es in Wirklichkeit
eine IDEA ist. Von Anfang an haben
sich deutsche Punks immer gerne
in der Öffentlichkeit getroffen.
Einfach, um SPASS daran zu haben,
sich mit der Gesellschaft zu konfrontieren
anstattsich die ganze Zeit zu
verstecken.
Wir hatten einige große
Treffen von 1980-82 in DUISBURG
und WUPPERTAL, wo jeden Monat
Hunderte Punks eine große
Party in der Einkaufszone machten.
Natürlich fanden das Polizei
und Geschäftsleute überhaupt
nicht gut, und immer wieder versuchten
sie, diese Treffen zu verhindern,
oft mit der bekannten Polizeibrutalität.
1982 veranstalteten die Punks
schließlich ihren ersten
CHAOS-TAG in Hannover, wohin über
1000 kamen, um gegen eine "Punker-Kartei"
zu protestieren. Das war so eine
Schnapsidee der Polizei, mit der
sie die Szene unter Kontrolle
kriegen wollten, aber letztendlich
nur den Startschuß für
die Geschichte der CHAOS-TAGE
gaben.
Auch eine Reihe von Skins besuchten
das Treffen, und so wurden die
nächsten CHAOS-TAGE für
den Sommer 1983 als große
VEREINIGUNG von Punks & Skins
angesagt. Diesmal kamen mehr als
1500 Leute, die jede Menge Schlagzeilen
machten, doch eine große
Gruppe von Nazi-Skins schaffte
es, einen Keil zwischen Punks
und Skins zu treiben.
Im nächsten Jahr wollte
niemand mehr etwas von einer großen
"Vereinigung" wissen, aber natürlich
fanden die CHAOS-TAGE wieder in
Hannover statt, und diesmal war
es ein wirklich EUROPÄISCHES
Treffen anstelle eines deutschen.
Mehr als 2000 Punks & Kollegen
veranstalteten die bis dahin größten
CHAOS-TAGE - man konnte fastaus
jedem westeuropäischen Land
Punks treffen.
Trotzdem endete alles mit einer
großen Enttäuschung,
weil am Abend und in der ganzen
folgenden Nacht eine riesige Schlacht
zwischen der Polizei und Punk
an einem Jugendzentrum stattfand,
wo die meisten Punks hingegangen
waren, um ein Konzert zu besuchen.
Es war ein bescheuerter Kampf
zwischen einer brutalen und provozierenden
Polizei und einem Haufen hirnloser
und besoffener Punks, die außerdem
das Jugendzentrum auseinandernahmen.
Während der Nacht konnten
über 1000 Punks diesen Ort
nicht verlassen, so eingeknastet
- manche sagen, einem modernen
deutschen KZ...
Das war das Ende der CHAOS-TAGE,
weil niemand noch einmal eine
solche Ansammlung von totaler
Dummheit sehen wollte. Viele Punks
verließen die Szene, und
ein Teil steckte von nun an seine
Ideen in diesich entwickelnde
Hardcore-Szene.
Über all die Jahre bis heute
starben die CHAOS-TAGE dennoch
nie völlig. Jedes Jahr gab
es welche in irgendwelchen Dörfern
und Kleinstädten, meist nicht
mehr las 50-100 Punks. Nicht tot
und trotzdem nicht lebendig, erwartete
niemand mehr, daß es noch
jemals so ein großes Treffen-
nun zur Legende geworden - wie
in den frühen Achtzigern
geben würde.
Niemand weiß, wie es wieder
losging, aber im Frühjähr
1994 tauchten eine Reihe von Flugblättern
auf, und dieses Jahr waren es
nicht irgendwelche Chaos-Tage,
sonderm DIE Chaos-Tage von Hannover!
Es hatten einen kleinen Beigeschmack
eines "Woodstock" für Punks,
aber so geschah es nicht.Die CHAOS-TAGE
waren nie eine Sache, bei der
jemand Kohle machen konnte.
Sie sind kein Treffen von Plattensammlern
oder Berufsdemonstranten, sind
völlig unorganisiert, sondern
ein Treffen, wo man VIELE Streepunks
sehen kann - die Leute, die Punk
nicht im Plattenladen, sondern
auf der Straße, in der Öffentlichtkeit,
lebendig halten!
Und so konnten auch die Witzchen,
die einige Leute über die
neuen CHAOS-TAGE machten, nicht
verhindern, daß sich über
1000 Punks im letzten Jahr in
Hannover trafen.
Und auch die Medien konnten es
kaum glauben, und sahen es doch
mit ihren eigenen Augen: WIR HABEN
PUNK FÜR TOT ERKLÄRT,
FÜR IMMER! IHR DÜRFT
GAR NICHT EXISITIEREN! WO ZUR
HÖLLE KOMMT IHR ÜBERHAUPT
HER? WARUM FANGT IHR SCHON WIEDER
AN, UNSER LEBEN ZU STÖREN????
Sie schufen die Lüge eines
Punk-Flyer, der auffordern sollte,
"Hannover in Schutt und Sche zu
legen" - eine Parole, die NIE
existierte! Aber das war dann
der Grund, weshalb die Polizei
mehr als 600 Punks nur wegen ihrem
Aussehen festnahme und so Hannover
säuberte. Sie erzählten
der Weltvon einem "großen
Krawall", über "Nazi-Punks"
und Gewalt gegen die Bürger
von Hannover, nur um IHR kriminelles
Verhalten zu rechtfertigen.
Auf der anderen Seite war es
toll, so viele Leute zu sehen,
die sich von Polizei und Medien
nicht einschüchtern ließen
und ihr Treffen einfach MACHTEN,
selbst im Knast, wo eine große
Punk-Party stattfand.
Die Polizei wurde ganz schön
sauer, als sie dies sahen, weil
sie einfach keinen Weg fanden,
den Punks ihren SPASS zu nehmen.
Für die deutsche Punk-Szene
war dies das wichtigste Ereignis
seit Jahren, weitaus wichtiger
als jede Platte und jede Konzert,
weil es Punk zurück auf die
Straße brachte.
Ja, die CHAOS-TAGE sind zurück
mit einem Knall, und die hysterischen
Medien sind die Garantie dafür,
daß sie auch weiterhin JEDES
JAHR stattfinden.
Diesmal werden wir es nicht zulassen,
daß sie durch die Polizei
oder Dummheit zerstört werden,
weil wir unsere Lektionen gelernt
haben. Wir wollen kein GROSSES
Konzert, sonder lieber 1000 kleine.
Wir werden das Treffen nicht an
anderen Orten der Stadt stattfinden
lassen, dort, wo Leute LEBEN,
weil dort die Polizei uns in eine
Konfrontation hineinzwingen wird,
damit sie ihre blutigen Schlagzeilen
kriegen.
Und deshalb werden wir auch NICHTS
organisieren, so daß es
jedem Einzelnen übrigbleibt,
die eigenen Ideen auszuführen.
Die einzige gemeinsame Aktion
wird sein, die Parole "AB INS
LAGER" durchzuziehen, wenn die
Polzei wieder Leute nur deshalb
festnimmt, weil sie Punks sind.
Wir werden unseren Spaß
daran haben, zur Polizei zu gehen,
um uns als "gefährliche Punks"
zu outen, die festgenommmen werden
müssen, um die Öffentlichkeit
zu schützen. Gefolgt von
einer bekloppten Knastparty, weil
sie NICHT EINEN VON UNS deshalb
vor Gericht bringen können!