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"Lager-News" #2 vom 2. August 1995
 

Dies ist KEIN Aufruf für diese oder jene Aktion, aber wir denken, daß wir nicht den Massenmedien die komplette Berichterstattung überlassen sollten. Sie haben im letzten Jahr so viele Lügen über die CHAOS-TAGE verbreitet, daß sich hier nun eine Gruppe aus Punks, Fanzineschreibern und anderen "Aktivisten" zusammengesetzt hat, um Euch über die Dinge, die hier ablaufen, zu informieren.

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OK, ist ist wirklich nicht einfach, täglich einen Stapel Texte zusammenzukriegen, deshalb hat's leider ein bißchen gedauert. Mal schauen, wie wir das in Zukunft hinkriegen...

DIE LAGER-GANG

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SCHÖN WÄR'S GEWESEN!

Wer nach dem Verhalten der Polizei vom Wochenende das ungewohnte Gefühl hatte, die Polizei hätte tatsächlich was dazugelernt, kann sich mittlerweile wieder beruhigt zurücklehnen: Es ist alles beim Alten, die Bürokraten haben die Lage wieder voll im Griff.

Tatsächlich war's nämlich so, daß die Cops wohl gedacht haben, ihr Einsatz würde termingerecht erst am 4. August beginnen - Punkrocker sind ja als äußerst pünktlich bekannt - und so am vergangenen Wochenende vom Punk-Zustrom schlicht überrascht wurden.

Die Polizei hatte also einfach nicht genug Kräfte in Hannover und der Einsatzleiter war vielleicht im Wochenendurlaub, um schon mal Kräfte für den kommenden Einsatz zu sammeln.

Dabei hätte es so schön werden können: In den letzten Tagen war in der Nordstadt, am Bahnhof und an diversen Baggerseen die große Party angesagt. Die Punks liefen über-all in der City rum, auch im Bahnhof, und freuten sich ihres Lebens. Kein Zoff, kein Nix.

Im Gegenteil: Manche Punks meldeten die fantastischsten Schnorrerfolge ihres Lebens, und das Wetter ist ja nun auch nicht gerade dazu geeignet, dauernd durch die Gegend zu rennen.

Selbst der Müll hielt sich in Grenzen, denn eine Reihe von Punks machten sich tatsächlich öfters die Mühe, leere Dosen und Flaschen einzusammen und fachgerecht zu entsorgen.

Von der Polizei war fast nichts zu sehen, und wenn doch, dann waren sie meist so locker und angenehm, daß man dachte, man wäre im falschen Film.

Noch nie in meinem Leben habe ich so viele POSITIVE Geschichten über die Polizei gehört!

Seit Dienstag ist das anders: Plötzlich kontrollieren Cops die Bahnhofseingänge, wollen Ausweise sehen, und wer keinen dabei hat, wird mit dem Monster-Gefangenentransporter zur Personalienfeststellung fortgebracht. Die Leuten werden zwar einige Zeit später anstandslos wieder zum Mitnahmeort zurückgekarrt, aber gute Laune macht das dennoch nicht.

Es fragt sich überhaupt, wieso die Cops ihre Wagen nun im Pulk direkt neben den Punk-Treffpunkten postieren müssen. Glauben sie ernsthaft, damit Eindruck zu schinden? Der einzige Eindruck, der so erzielt wird, daß viele Punks sich von dieser Maschinerie bedroht fühlen.

Und obwohl sich die meisten momentan eingesetzen Cops - der Großteil um die 20 Jahre alt - korrekt und oft auch locker gegenüber den Punks verhalten, gibt es doch immer wieder diese Mini-Rambos, die einem mit einem Grinsen versichern, sie freuten sich schon aufs Wochenende, weils dann wenigstens richtig kracht.

Lächerlich auch, daß der riesige Gefangenentransporter immer wieder auffuhr, nur um einige wenige Leute zur Personalienfeststellung abzutransportieren.

Begreift die Polizei eigentlich, was sie damit anrichtet? Die Erinnerung an die Punk-Hatz vom letzten Jahr kommt da wieder hoch, und auch die entsprechenden Wut.

Kein Wunder, daß da wieder mal Scheiß-hausgerüchte hochkommen, wie etwa, daß die Polizei schon 200 Leute nach Hause geschickt hätte, was VÖLLIGER QUATSCH ist!

Wieso also dieses Verhalten der Polizei? Sie müßten sich doch eigentlich vorstellen können, daß das zum Sprengsatz wird, wenn erst einmal einige Tausend Punks in Hannover sind. Denn bei der Masse werden sie es sich womöglich nicht gefallen lassen, daß immer wieder einzelne

herausgegriffen werden. Gerade weil man weiß, daß insbesondere manche von den Kids dann doch von der Polizei dabehalten werden.

Und was ist mit den Leuten, die schon oft den Polizeiknüppel spüren

durften? Daß die sich nicht freiwillig mitnehmen lassen, ist doch klar.

So wird der Zoff doch nur provoziert, und so ist kaum vorzustellen, daß die Polizei diese Kontrollen auch am Freitag und Samstag durchziehen kann. Wieso also schon vorher? Zu einem Zeitpunkt, wo die Leute einfach nur eine lockere Party veranstalten!

Die Antwort gibt ein Polizeiflugblatt, das angeblich für die Punks bestimmt ist. Die aber werden sich darüber totlachen und es allerhöchstens als geiles Chaos-Tag-Flugi mit nach Hause nehmen und an die Wand pinnen. Denn dieses Ding ist in einer Sprache gehalten, die schlichtweg zum Kotzen ist: Stumpfestes Polizeibürokratendeutsch, teilweise wirr und unverständlich, und man spürt, daß die Cops nur ihre "Straftäter" im Kopf haben. Arme Schweine.

Kaum zu glauben aber wahr: Die Polizei ist unfähig, eine andere Sprache

zu sprechen, und sie haben noch nicht einmal jemanden, der das für sie besorgt. Das beste wäre wohl gewesen, sie wären dem Rat, den ihnen am Dienstag ein Politologe in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG gab, gefolgt: Eine Delegation, die den Punks zur Begrüßung Freibier überreicht und so dafür sorgt, daß die Fete richtig in Schwung kommt.

Klar, daß es dabei jede Menge Müll gibt, aber der läßt sich mit einer Horde gutbezahlter Müllmänner schnell beseitigen. Der Schaden, den die Polizei mit ihrer unflexiblen Holzkopf-Taktik anrichtet, allerdings nicht.

- ERNST THÄLMANN -

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KURZINFOS

Alkohol-Boykott

"Das Stadteil-Zentrum Nordstadt hat zu einem Alkohol-Boykott während der Chaos-Tage aufgefordert. Kiosk- und Ladenbesitzer sollten den Punks keinen Alkohol verkaufen." So die HAZ von heute.Einen Teufel werden die tun! Schließlich können sie jetzt das Geschäft ihres Lebens machen, und da wären sie schön blöde, freiwillig darauf zu verzichten! Es lebe der Kapitalismus!

VERGEWALTIGUNG UND MORD

Die Phantasie der guten Bürger ist grenzenlos: Letzten wurde doch tatsächlich ein Punk allen Ernstes gefragt, ob die Punks denn wirklich

"400 Frauen vergewaltigen und 1000 Polizisten töten" wollten. Schmerz,

laß nach...

NACHTPARTY AM BAHNHOF

Aus verschiedenen Ecken hört man, daß ab Mittwoch jeden Abend ab 19.00 Uhr am Bahnhof eine Nachtparty stattfinden soll, damit man endlich mal alle Leute auf einem Haufen sieht. Außerdem soll so verhindert werden, daß zuviel in der Nordstadt abgeht.

SAN FRANCISCO

Über die CHAOS DAYS San Francisco ist bisher kaum was bekannt. Wir haben aber mit einem Bekannten aus San Franscisco telephoniert, der uns erzählt hat, daß wohl eine Reihe von Leuten kommen werden, aber eigentlich keine festen Treffpunkte existieren und so möglicherweeise das ganze im Sande verläuft.

BANDS

Es wollen wohl eine ganze Reihe von Bands irgendwie einen Auftritt organisieren. Dazu gehören ATARI TEENAGE RIOT, DIE LETZTTEN und wohl auch TOTAL CHAOS aus den USA. Es gibt übrigens auch Gerüchte, daß die Stadt Stromanschlüsse etc. für ein Open-Air-Gig im Welfengarten/Georgengarten zur Verfügung stellt, aber das kann auch eine Ente sein. Warten wirs ab!

SMOKE IN

In der Kifferzeitung GROW steht, daß irgendwelche Leute auf den CHAOS-TAGEN sog. "Smoke-Ins" veranstalten wollen. Stattfinden soll das ganze Freitag, 16 Uhr und Samstag 14 Uhr, beides am Kröpcke. Da werden sich dann wohl ein Haufen Leute treffen und sich kräftig die Birne zukiffen...

WELTREVOLUTION

Auch die Weltrevolution beginnt auf den CHAOS-TAGEN. Das steht zumindest auf einem Flugblatt, auf dem aufgefordert wird, sich am Samstag um 12 Uhr am Steintor zu treffen. Bewaffnung ist Pflicht: Wasserpistolen etc...

FÄHRMANNSFEST

Samstag und Sonntag findet auch wieder das Fährmannsfest statt, wohin ab 17.00 viele Leute gehen wollen, gerade, falls die Bullen mal wieder ausflippen.

KEINE KOHLE FÜR DIE POLIZEI!

In einem Spiegel-Artikel von dieser Woche hat die Polizei behauptet, sie würde von den Punks 150 Mark verlangen, wenn sie zur Personalienfeststellung mitgenommen werden müssen. Laßt euch nicht verarschen! Das haben sie letztes Jahr auch versucht, aber alle, die nicht bezahlt haben, haben nie wieder von den Bullen gehört. FINANZIERT DEN COPS NICHT DIE NÄCHSTE POLIZEIFETE!!! Damit kommen sie nie durch!

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MEDIENRUMMEL TOTAL

Obwohl ja erst 300-400 Leute da sind, treten die Medien schon voll aufs Gaspedal. Was sollen sie auch sonst machen? Schließlich waren sie es, die durch den Rummel vom letzten Jahr dafür gesorgt haben, daß diesmal dasgrößte Punk-Treffen aller Zeiten stattfindet. Da bringt es dann auch nichts mehr, plötzlich einfach die Schnauze zu halten. In der Punk-Szene wewiß es ja soundso jeder.SAT 1 war schon da, ebenso Radio Bremen, und all die anderen bunten Fernsehanstaltenwerden sich schon bald um die besten Plätze kloppen. Wo bleibt CNN?

Auch die Zeitungen sind seit heute voll auf dem CHAOS-TAGE-Trip: In vielen überregionalen Zeitungen (FAZ etc.) steht was drin, und das ist wohl nur der Anfang!

Witzig auch, daß sie mal wieder alle voneinander abschreiben, weil keiner was weiß: Mensch, die ersten Chaos-Tage waren 1982, nicht 1984, Ihr Deppen!

Ansonsten ist der Ton in den Medien bisher recht zurückhaltend. Ist ihnen etwa Ihr eigener Schutt-und Asche-"Journalismus" vom letzten Jahr unheimlich geworden?

Nur die BILD-Zeitung wagt sich schon vorsichtig vor: "Viele Hannoveraner haben Angst, trauen sich nicht in die Stadt. Geht das gut?"

Man darf gespannt sein, mit welch geilen und irren Schlagzeilen diese Irren wieder das Herz eines jeden Punk-Rockers erfreuen. Bei der ersten frei fliegenden Flasche werden sie wieder mit Volldampf die Sau rauslassen, dann heißt es wieder "Hannover brennt", und alle haben das Gefühl, daß sie in einer völlig anderen Stadt sind.

Also denn, wir warten auf den Kanzler. Den Retter in der Not!

- NELSON MANDELA -

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DAS POLIZEI-FLUGBLATT IM WORTLAUT:

Die Polizeidirektion Hannover informiert.

Die Polizei der Stadt Hannover begrüßt Sie und fordert Sie auf, sich während Ihres Aufenthaltes in der Stadt an Recht und Gesetz zu halten.

Die Polizei wird es nicht zulassen, daß Sie die Sicherheit und den Entfaltungsraum der hannoverschen Bürgerinnen und Bürger und der Gäste dieser Stadt einschränken.

Die Polizei wird ihren gesetzmäßigen Auftrag in jeder Hinsicht erfüllen und anlaßbezogen

- Identitätsfeststellungen

- Durchsuchungen

- Sicherstellungen/Beschlagnahmen

- Festnahmen pp.

durchführen.

Jeder Straftäter wird festgestellt und sene begangene Tat zur Anzeige gebracht.

Anfallende Kosten werden Ihnen auferlegt und die jeweilige Anzeige wird Ihrer Polizeibehörde (auch im Ausland) zur weiteren Bearbeitung übersandt.

Sie können aber auch einen problemlosen und angenhmen Aufenthalt in Hannover haben.

Es liegt an Ihnen!!!

Dazu gabs dann einen Kommentar in der NEUEN PRESSE v. 2.August:

BLAUÄUGIGER UMGANG MIT BUNTEN BUBEN

- von Andreas Körlin -

In diesem Jahr hat sich die Polizei umfassend auf die Chaos-Tage vorbereitet. Erste Planungen begannen bereits im April. Absprachen mit Bahnpolizei, Bundesgrenzschutz, Justiz, Stadt und Psychologen folgten.

Vorbereitungen bis ins Detail zeichnen die Experten der Polizei aus:

Sogar der Verbleib von Ratten, Hunden und möglichen anderen Haustieren von festgenommenen Punks ist geklärt. Gut. Blauäugig allerdings die Hoffnung, Teilnehmer der Chaos-Tage würden zwecks körperlicher Erleichterung mbile Toilettenhäuschen benutzen, die auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellt werden sollen.

Recht unglücklich auch der - immerhin gutgemeinte - Versuch, mit einem knallroten Flugblatt samt dickem Polizeiemblem die Sprachlosigkeit zwischen Polizist und Punk zu überwinden: Hölzernes, trockenes Amtsdeutsch erinnert an das, was bunte Buben so sehr hassen: Bürgerlichkeit, Recht und Ordnung.

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Nachfolgend nun eine Übersetzung aus dem Englischen. Das Ding ist eine Art kurzer Geschichte der Chaos-Tage, erschienen in der Juli-Ausgabe des MRR:

WAS ZUR HÖLLE SIND CHAOS-TAGE?

..eine Frage, die Ihr Euch möglicherweise stellt. Doch wo hattet Ihr Eure Augen und Ohren, als die CHAOS-TAGE 94 überall Schlagzeilen

machten? Alst stumpfe Punkrocker sich in Hannover trafen, alte Leute und unschuldige Babys terrorisierten und eine ganze Stadt in Schutt und Asche legten! Vielleicht erinnern sich nun Einige von Euch und finden es sogar GEIL!

Wir hatten auch eine Menge Spaß daran, weil die meisten der erwähnten Ereignisse NIE PASSIERT sind - nur in den Köpfen einiger sogenannter "Journalisten" und Polizisten.

Wir nehmen an, daß einige von Euch nun WIRKLICH wissen wollen, was CHAOS TAGE sind, und so werden wir's Euch erzählen...

CHAOS-TAGE sind keine Erfindung der Neunziger, sondern haben eine lange "Tradition"!Jawohl, wir wollen Euch nämlich Punk nicht als das nächste geile Ding verkaufen, weil es in Wirklichkeit eine IDEA ist. Von Anfang an haben sich deutsche Punks immer gerne in der Öffentlichkeit getroffen. Einfach, um SPASS daran zu haben, sich mit der Gesellschaft zu konfrontieren anstattsich die ganze Zeit zu verstecken.

Wir hatten einige große Treffen von 1980-82 in DUISBURG und WUPPERTAL, wo jeden Monat Hunderte Punks eine große Party in der Einkaufszone machten. Natürlich fanden das Polizei und Geschäftsleute überhaupt nicht gut, und immer wieder versuchten sie, diese Treffen zu verhindern, oft mit der bekannten Polizeibrutalität.

1982 veranstalteten die Punks schließlich ihren ersten CHAOS-TAG in Hannover, wohin über 1000 kamen, um gegen eine "Punker-Kartei" zu protestieren. Das war so eine Schnapsidee der Polizei, mit der sie die Szene unter Kontrolle kriegen wollten, aber letztendlich nur den Startschuß für die Geschichte der CHAOS-TAGE gaben.

Auch eine Reihe von Skins besuchten das Treffen, und so wurden die nächsten CHAOS-TAGE für den Sommer 1983 als große VEREINIGUNG von Punks & Skins angesagt. Diesmal kamen mehr als 1500 Leute, die jede Menge Schlagzeilen machten, doch eine große Gruppe von Nazi-Skins schaffte es, einen Keil zwischen Punks und Skins zu treiben.

Im nächsten Jahr wollte niemand mehr etwas von einer großen "Vereinigung" wissen, aber natürlich fanden die CHAOS-TAGE wieder in Hannover statt, und diesmal war es ein wirklich EUROPÄISCHES Treffen anstelle eines deutschen. Mehr als 2000 Punks & Kollegen veranstalteten die bis dahin größten CHAOS-TAGE - man konnte fastaus jedem westeuropäischen Land Punks treffen.

Trotzdem endete alles mit einer großen Enttäuschung, weil am Abend und in der ganzen folgenden Nacht eine riesige Schlacht zwischen der Polizei und Punk an einem Jugendzentrum stattfand, wo die meisten Punks hingegangen waren, um ein Konzert zu besuchen.

Es war ein bescheuerter Kampf zwischen einer brutalen und provozierenden Polizei und einem Haufen hirnloser und besoffener Punks, die außerdem das Jugendzentrum auseinandernahmen.

Während der Nacht konnten über 1000 Punks diesen Ort nicht verlassen, so eingeknastet - manche sagen, einem modernen deutschen KZ...

Das war das Ende der CHAOS-TAGE, weil niemand noch einmal eine solche Ansammlung von totaler Dummheit sehen wollte. Viele Punks verließen die Szene, und ein Teil steckte von nun an seine Ideen in diesich entwickelnde Hardcore-Szene.

Über all die Jahre bis heute starben die CHAOS-TAGE dennoch nie völlig. Jedes Jahr gab es welche in irgendwelchen Dörfern und Kleinstädten, meist nicht mehr las 50-100 Punks. Nicht tot und trotzdem nicht lebendig, erwartete niemand mehr, daß es noch jemals so ein großes Treffen- nun zur Legende geworden - wie in den frühen Achtzigern geben würde.

Niemand weiß, wie es wieder losging, aber im Frühjähr 1994 tauchten eine Reihe von Flugblättern auf, und dieses Jahr waren es nicht irgendwelche Chaos-Tage, sonderm DIE Chaos-Tage von Hannover! Es hatten einen kleinen Beigeschmack eines "Woodstock" für Punks, aber so geschah es nicht.Die CHAOS-TAGE waren nie eine Sache, bei der jemand Kohle machen konnte.

Sie sind kein Treffen von Plattensammlern oder Berufsdemonstranten, sind völlig unorganisiert, sondern ein Treffen, wo man VIELE Streepunks sehen kann - die Leute, die Punk nicht im Plattenladen, sondern auf der Straße, in der Öffentlichtkeit, lebendig halten!

Und so konnten auch die Witzchen, die einige Leute über die neuen CHAOS-TAGE machten, nicht verhindern, daß sich über 1000 Punks im letzten Jahr in Hannover trafen.

Und auch die Medien konnten es kaum glauben, und sahen es doch mit ihren eigenen Augen: WIR HABEN PUNK FÜR TOT ERKLÄRT, FÜR IMMER! IHR DÜRFT GAR NICHT EXISITIEREN! WO ZUR HÖLLE KOMMT IHR ÜBERHAUPT HER? WARUM FANGT IHR SCHON WIEDER AN, UNSER LEBEN ZU STÖREN????

Sie schufen die Lüge eines Punk-Flyer, der auffordern sollte, "Hannover in Schutt und Sche zu legen" - eine Parole, die NIE existierte! Aber das war dann der Grund, weshalb die Polizei mehr als 600 Punks nur wegen ihrem Aussehen festnahme und so Hannover säuberte. Sie erzählten der Weltvon einem "großen Krawall", über "Nazi-Punks" und Gewalt gegen die Bürger von Hannover, nur um IHR kriminelles Verhalten zu rechtfertigen.

Auf der anderen Seite war es toll, so viele Leute zu sehen, die sich von Polizei und Medien nicht einschüchtern ließen und ihr Treffen einfach MACHTEN, selbst im Knast, wo eine große Punk-Party stattfand.

Die Polizei wurde ganz schön sauer, als sie dies sahen, weil sie einfach keinen Weg fanden, den Punks ihren SPASS zu nehmen.

Für die deutsche Punk-Szene war dies das wichtigste Ereignis seit Jahren, weitaus wichtiger als jede Platte und jede Konzert, weil es Punk zurück auf die Straße brachte.

Ja, die CHAOS-TAGE sind zurück mit einem Knall, und die hysterischen Medien sind die Garantie dafür, daß sie auch weiterhin JEDES JAHR stattfinden.

Diesmal werden wir es nicht zulassen, daß sie durch die Polizei oder Dummheit zerstört werden, weil wir unsere Lektionen gelernt haben. Wir wollen kein GROSSES Konzert, sonder lieber 1000 kleine. Wir werden das Treffen nicht an anderen Orten der Stadt stattfinden lassen, dort, wo Leute LEBEN, weil dort die Polizei uns in eine Konfrontation hineinzwingen wird, damit sie ihre blutigen Schlagzeilen kriegen.

Und deshalb werden wir auch NICHTS organisieren, so daß es jedem Einzelnen übrigbleibt, die eigenen Ideen auszuführen.

Die einzige gemeinsame Aktion wird sein, die Parole "AB INS LAGER" durchzuziehen, wenn die Polzei wieder Leute nur deshalb festnimmt, weil sie Punks sind. Wir werden unseren Spaß daran haben, zur Polizei zu gehen, um uns als "gefährliche Punks" zu outen, die festgenommmen werden müssen, um die Öffentlichkeit zu schützen. Gefolgt von einer bekloppten Knastparty, weil sie NICHT EINEN VON UNS deshalb vor Gericht bringen können!

 
  Ein gutes Praktikum in Sachen Sensationsgeilheit
Im Nachhinein kann ich über die fast naive Absicht nur noch lächeln, so etwas wie die "Wahrheit" über die Chaos-Tage verbreiten zu wollen.
Eine perfekte Allianz aus bestimmten blutgeilen Kräften in Polizei und Medien wollte es einfach knallen lassen, folglich knallte es.
Trotzdem war es eine interessante Erfahrung, täglich Berichte durchs Internet zu schicken. Auf die Art konnte ich mir ein wenig das Handwerkszeug aneignen, um im nächsten Jahr den Cannibal Home Channel ins Leben zu rufen.
Denn dann hieß es: "Seit 1995 wird zurückgelogen!"
-kn-
 
 
   
 
 
 
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