Wir haben uns in den letzten
Tagen bemüht, eine ohnehin
delikate Situation nicht auch
noch anzuheizen. Aber was sollen
all die freundlichen Worte, wenn
die Polizei fast schon handstreichartig
alles in die Scheiße reitet.
Es steht zu befürchten, daß
nach den gestrigen Ausschreitungen
der Polizei neues Unheil vor der
Tür steht, und all die Chancen
eine riesige friedliche Punk-Party
zu feiern, durch polizeiliche
Dummheit zerstört werden.
Natürlich werden sich die
Massenmedien mal wieder am Polizeibericht
orientieren; und die Bullen wären
natürlich schön blöd,
ihr eigenes Versagen freiwillig
öffentlich zu machen. Also
dürfen wir wieder in den
nächsten Tagen die Lügen
von brandschatzenden und marodierenden
Punks vernehmen. Und wenn es erst
mal kracht, ist es auch ein leichtes,
die entsprechenden Bilder zu bekommen.
Zur Chronik: Donnerstag Mittag
begann die Gruppe der am Bahnhof
feiernden Punks langsam immer
größer zu werden, nahm
aber dennoch keine riesigen Maße
an. Gegen 14 Uhr waren etwa 150
Leute am Bahnhofsvorplatz.
Die meisten Punks saßen
auf die Boden, hier und dort kontrollierten
die Cops die Personalien. Die
Szene glich aufs Haar dem Bild
der vergangenen Tage, wo die Polizei
auch sehr gelassen und flexibel
auf die kleineren Ordnungswidrigkeiten
einzelner Punks reagiert. Natürlich
lag eine Menge Müll in der
Gegend rum - das kennt man ja
auch von der Love Parade - aber
anstatt den Punks wie in den vergangenen
Tagen Müllsäcke auszuhändigen,
geschah folgendes:Eine größere
Menge Bullen rückte unvermittelt
an, und der Einsatzleiter forderte
die Punks auf, sich sofort zu
verpissen. Und obwohl den Punksdas
ganze wohl zu heikel wurde, und
sich die meisten sofort erhoben,
erhielten die Bullen im gleichen
Moment von einem Riesentrupp Behelmter
mit gezücktem Schlagstock
und Kampfmontur. Einzeln Bullen
drohten sofort Prügel an,
wenn man sich nicht im Nu davonmache.
Also setzte sich die Gruppe von
Punks in Bewegung und wurde von
der Polizei mitten durch die City
getrieben. Wäre dies wirklich
ein Haufen bunthaariger Gewalttäter
gewesen, hätte sich die City
im Nu in ein Schlachtfeld verwandelt
und kein Schaufenster wäre
heilgeblieben.
Aber nicht doch: Die bösartigen
Punker wurden noch nicht einmal
laut, sondern ließen sich
wie die Schafe bis zu einem Park
in der Nähe der Universität
geleiten.
Ab sofort begann wieder die große
Punkerhatz in der City: Zunächst
wurden aufkreuzende Punks nur
von einzelnen Bullen aufgefordert,
sofort die Innenstadt zu verlassen,
was eigentlich auch alle taten.
Einige Zeit später ging die
Polizei einen Schritt weiter:
Die City wurde systematisch punkfrei/judenfrei
gemacht, und es begannen die sattsam
bekannten Szenen des letzten Jahres.
Szenen, die wir ja auch schon
aus Rostock von Seiten ganz normaler
Nazis kennen: Polizisten hetzten
hinter Punks her, die sich nicht
mitnehmen lassen wollen, werfen
sie zu Boden, verpassen ihnen
eine Packung und schleppen sie
in die bereitstehenden Wagen.
Ab ins Gas, Freunde, oder was.
In diesem Zusammenhang war auch
zu erfahren, daß später
einer dieser Punks in der Zelle
von einer Bullenfrau zusammengeschlagen
worden war.
Klar war, daß nach diesen
üblen Ausschreitungen der
Polizei, die Lage eskalieren mußte.
Und dennoch verhielten sich die
meisten Punks auch den Rest des
Tages über weitgehend friedlich.
Sie sammelten sich in der Nordstadt,
feierten dort ihre Fete, und natürlich
dachte die Polizei, daß
sie auch hier nicht fehlen durfte.
Allen Punks, die sich an der Lutherkirche
aufhielten, wurden Platzverweise
erteilt, und weil Punks sich nun
einmal nicht in Luft auflösen
können, zogen sie sich Richtung
Sprengel-Gelände zurück
- der einzige Platz, wo sich sich
noch ein wenig Schutz erhofft.
Als die Polizei dennoch auch
hier wieder in bewährter
Law-and-order-Manier vorrückte
und mit Verhaftungen begann, war
es mit der Geduld der Leute geschehen:
Ein Stein- und Flaschenhagel vertrieb
die Polizei, und in Windeseile
wurden Barrikaden gebaut.
Die Polizei griff daraufhin immer
wieder an, wobei einzelnen Polizeibeamte
sogar selbst mit Steinen warfen,
wobei eine Punk-Frau schwer am
Kopf getroffen wurde. Die Angriffe
wurden immer wieder zurückgeschlagen,
und schließlich brannte
ein altes Auto und einzelne Barrikaden.
Bald schon schwebte eine riesige
Rauchsäule über der
Nordstadt, die Schaufelder Straße,
wo das Sprengel-Gelände liegt,
waren durch eine riesige Feuerwand
erleuchtet.
Eigentlich dachten alle, daß
nun das Sprengel-Gelände
geräumt würde, aber
glücklicherweise hatte die
Polizei gar nicht die Mittel vor
Ort, um einen solch rigiden und
womöglich katastrophalen
Gewalteinsatz durchzuziehen.
Selbst der Feuerwehr war es nicht
möglich, den Brand zu bekämpfen,
weil sie immer in Polizeibegleitung
anrückte und dementsprechend
von den Punks begrüßt
wurde.
Nach Vermittlung eines Bezirksrats
und durch Gespräche mit einem
Unterhändler der Punks nahm
die Situation dann doch noch eine
überraschende Wendung. Es
wurde vereinbart, daß die
Feuerwehr ohne Polizeibegleitung
vorrücken konnte und die
Punks sogar bei der Brandbekämpfung
helfen würden. Gleichzeitig
wurde vereinbart, daß sich
die Polizei zurückziehen
sollen und andererseits in der
Nach Ruhe gehalten würde.
Tatsächlich wurde dann das
Feuer sehr schnell gelöscht
und die Polizei zog sich zurück.
Die Situation entspannte sich
sofort, und urplötzlich war
wieder friedliche Party angesagt.
Das sollte allen zeigen: DIE FRIEDLICHE
PARTY IST MÖGLICH GEWESEN,
aber die Polizei hat diese Chance
womöglich durch ihren Kotz-Einsatz
endgültig zerstört.
Denn genau jetzt (10.37 Uhr)
hört man, daß wieder
jede Menge Polizei auffährt
und andererseits neue Barrikaden
gebaut werden.
Hannover wird an diesem Wochenende
nicht zur Ruhe kommen; und die
Polizei, die ja angeblich diese
Stadt schützen will, wird
durch ihr Verhalten dafür
sorgen, daß Schäden
entstehen, die mit Geld nicht
zu bezahlen.
Mir fällt dazu nur eines
ein: Steck den Einsatzleiter in
den Knast oder jagt ihn in die
Antarktis, denn genau dieser Mann
ist für all die Gewalt verantwortlich,
die wir dieses Wochenende erleben
werden.
Dieser Mann in seiner bürkratischen
Dummheit hat ein angeblich liberales
und deeskalierendes Konzept verkündet
und sich dann doch wie ein Stück
Scheiße verhalten.
Uns liegen auch Informationen
vor, daß die Polizei an
ihrem eigenen idiotischen Apparat
gescheitert ist, und das ist sicher
Wasser auf den Mühlen derer,
die schon seit eh und je der Meinung
sind, daß die Polizei wohl
zu nichts anderem gut als zu stumpfesten
Gewalteinsätzen.
Dazu einige Details: Schon Wochen
vor den Chaos-Tagen suchte ein
Kripo-Beamter namens MARTIN ZAHEL
das Gespräch mit den Punks,
und diese versicherten ihm immer
wieder, daß Chaos nicht
gleichbedeutend mit Gewalt sei.Zahel
ließ durchblicken, daß
die Polizei an einem deeskalierenden
Konzept arbeite, zusammen mit
Sozialarbeitern und anderen, und
daß man dieses Jahr nicht
so blind agieren würde wie
im letzten Jahr.
Da aber gleichzeitig die normalen
Stadtbullen immer wieder regelmäßig
gegen die ersten auswärtigen
Punks vorgingen, machten einige
Punks Zahel klar, daß die
CHAOS-TAGE nicht erst am 4. August
beginnen, sondern wohl schon eine
Woche vorher, daß man deshalb
schon früh mit vielen Punks
zu rechnen habe. Wenn dann die
Polizei nicht entsprechend locker
reagiere, sei der nächste
Zoff schon wieder vorprogammiert.
Als dann am Wochenende vorher
über 200 Punks nach Hannover
kamen, war die Polizei dennoch
völlig unvorbereitet. Das
ganze war ihnen wohl zu heikel,
und so blieben sie meist in freundlichem
Abstand oder ließen sich
gar nicht erst blicken. UND SO
GAB ES AUCH KEINEN KRAWALL!!!!!
Am Dienstag änderte sich
das Bild: Ein kurzfristig organisierter
Polizeitrupp machte auf peace
& love, kontrollierte dennoch
alle Personalien, und alle ohne
Personalausweis wurden zur Personalienfeststellung
mitgenommen, später aber
wieder rausgelassen.
Obwohl die psychologisch völlig
ungeschickt im Riesen-Gefangenenbus
geschah, verhielten sich die Punks
völlig friedlich und räumten
nach Aushändigung von Müllsäcken
sogar leere Flaschen und Dosen
weg.Durch einen sehr freundlichen
Polizeibeamten war zu erfahren,
daß die Polizei tatsächlich
nicht genug Kräfte vor Ort
habe, weil man mit einem Einsatzbeginn
vom Freitag ausgegangen war. Folglich
waren auch die vollmundig angekündigten
Flugblätter, Sozialarbeiter
und Toilettenhäuschen noch
nicht vor Ort. Angeblich sollen
sogar Schlafplätze in Jugendzentren
organisiert worden sein.Und weil
die Polizei dann eben Donnerstag
damit nicht klarkam, daß
einige Punks so eben an die Bäume
pinkelten, griff sie schließlich
zu dem rigiden oben beschriebenen
Hardcore-Einsatz.
Lieber Einsatzleiter Wiedemann:
Deine beschissenen Flugblätter
kannst Du in den Reißwolf
stecken, und Deine ganze unflexible
Planung ist nur noch einen Dreck
wert. Wenn es Euch nicht reicht,
über eine Woche vorher zu
erfahren, daß Ihr mal über
Euren Plan nachdenken müßt,
dann entlarvt Ihr Euch als das,
was Ihr seid: Als beschissener
gewalttätiger Beamtenapparat,
der auch durch die liberalsten
Sprüche nicht zu refomieren
ist.
Allen Polizeibeamten kann nur
angeraten werden, unverzüglich
den Dienst zu quittieren. Nein,
nicht auch ethisch-moralischen
Gründen, so blauäugig
sind wird nicht, sondern aus gesundheitlichen!
Eure Führung wird Euch dieses
Wochenende auf eine Art verheizen,
die vielen Menschen - auch Euch
- zu einem Aufenthalt im Krankenhaus
verhelfen wird, und das könnt
Ihr ganz einfach vermeiden: TRETET
WIEDEMANN IN DEN ARSCH! VERKLAGT
IHN! ODER WERFT DAS HANDTUCH!
Denn dieser Einsatz wird Euch
bestimmt KEINEN SPASS MACHEN.
Wollen wir hoffen, daß
all die, die dennoch Spaß
daran haben, die entsprechenden
Quittung erhalten...
ERNST THÄLMANN