Ja, wir sind immer noch am Ball,
und noch immer ist die Lager-Gang
jeden Tag unterwegs, um möglichst
viele Informationen einzusammeln.
Allerdings haben wir den Kontakt
zu einigen unserer Zuträger
verloren, und von einem wissen
wir definitiv, daß er sich
mittlerweile in einem wunderschönen
Lager in Langenhagen befindet,
in einer ehemaligen Briten-Kaserne.
Dort sollen rund 250 Leute festgesetzt
sein, bewacht von 150 Bullen.
Im Radio lief übrigens vor
wenigen Minuten die Meldung, diese
Kaserne sei mit Molotow-Cocktails
angegriffen worden. Keine
Ahnung, ob das wahr ist...
DIE BÜCHSE DER PANDORA IST
GEÖFFNET!
Noch immer strömen Unmengen
von Punks, Skins und allen möglichen
Leuten, die mit uns zusammen die
größte Punk-Fete aller
Zeiten feiern wollten, nach Hannover.
Seit Mitternacht gilt das 30-Mark-Ticket,
und so ist damit zu rechnen, daß
im Laufe des Samstags noch einmal
eine Riesenmenge Punks & Freunde
nach Hannover kommen werden.Es
sind Leute aus allen möglichen
Ländern dabei, und so ist
die Wut der Leute über die
Ausschreitungen der Polizei international.
Und natürlich sind auch
die Medien wieder in Hochform:
Immer wieder müssen wir uns
die gleiche Scheiße anhören,
nämlich, daß die Punks
nur deshalb nach Hannover gekommen
seien, um die Stadt in "Schutt
und Asche zu legen"
Nun heißt es, daß
es an den Punks liege, daß
das sogenannte "Deeskalationskonzept"
der Polizei an der Gewalt der
Punks gescheitert sei. Polizisten
verkünden in der Glotze mit
treuherzigem Augenaufschlag, wieviel
Verständnis man für
die Punks habe, und daß
man ja alles versucht habe, um
Gewalt zu vermeiden.
Ihr Heuchler! All die Tage, wo
die Polizei sich nicht blicken
ließ, gab es keinen Zoff,
weder in der Nordstadt noch in
der City. Sogar als schließlich
massive Kontrollen begannen, benahmen
sich die Punks immer noch wie
die Schafe.
Selbst als Ihr am Donnerstag
ohne jeden Grund mit einem fetten
Schweineeinsatz die Leute aus
der City vertrieben habt, haben
sich alle noch mal zusammengenommen
und keinen Ärger angefangen.
Aber welcher Punk läßt
sich schon auf die Dauer von Platzverbot
zu Platzverbot durch die Stadt
jagen. Mit Eurem selbstgerechten
Law-and Order-Einsatz Donnerstag
Nachmittag habt Ihr dann endgültig
die Lunte gezündet: Als Ihr
eine Reihe Punks, die in eine
Pizzeria reinwollten, willkürlich
mit Platzverbot belegt habt, war
die Geduld vieler am Ende.
Ihr habt die Büchse der
Pandora geöffnet, schaut,
wie Ihr mit den Folgen klarkommt!
Wir können uns nicht vorstellen,
daß diese Eskalation jetzt
noch zu stoppen ist; niemand kann
die Situation noch kontrollieren,
am wenigsten die Polizei. Ihr
seid die grün-weißen
Zauberlehrlinge: Wer Wind sät,
wird Sturm ernsten...
Ja, wir wissen, daß die
meisten von dieser ganzen Medien-Arschlöchern
sich einen Dreck für das
interessieren, was wir uns hier
zusammenschreiben. Ihr seht nur
die fliegenden Steine, die Feuer
und Barrikaden. Für Euch
sind die Polizisten, die Punks
wie die Hasen durch die Straßen
jagen, automatisch im Recht, und
wer sich gegen diese Verbrechen
wehrt, ist nun selbst ein Verbrecher.
Wir wünschen all diesen
Dreckschweinen einen Sohn oder
eine Tochter mit bunten Haaren,
die Euch für diese Lügen
und Verdrehungen was auf die Fresse
hauen.
Zum Konkreten:
Nachdem man der Polizei in der
Nacht von Donnerstag auf Freitag
klargemacht hatte, daß der
Zoff bei einem Verschwinden der
Bullen schnell aufhören würde,
zogen sie tatsächlich ab.
Der Grund lag allerdings weniger
in der Einsicht der Polizei begründet,
sondern in der Tatsache, daß
sie einfach nicht genug Kräfte
vor Ort hatten, um gründlich
aufzuräumen.
Wir hatten ja schon darüber
berichtet, daß die Polizei
in ihrem dilettantischen Einsatzkonzept
bis zuletzt davon ausgegangen
ware, daß die CHAOS-TAGE
ordentlich und pünktlich
Freitag morgens beginnen würden.
Und das, obwohl von den verschiedensten
Seiten immer wieder darauf hingewiesen
wurde, sogar von Seiten des Bezirksrats
Klaus Müller-Kilian., daß
viele Punks schon früher
anreisen würden.
Allerdings fragen wir uns schon
mittlerweile, ob dieses Verhalten
wirklich nur bloßer Dilettantismus
war, oder ob da verschiedene Leute
bei der Polizei etwa ein ernsthaftes
Interesse an der Eskalation hatten.
Weiter geht's: Die Nacht über
war's dann ziemlich ruhig - wenn
man einmal davon absieht, daß
eine fast euphorische Stimmung
bei vielen Leuten herrschte, weil
es gelungen war, die Polizei von
der Sprengel zu vertreiben.
Am nächsten Morgen wurde
dann wieder der Barrikadenbau
aufgenommen, weil man natürlich
nicht so blauäugig war, anzunehmen,
daß die Polizei nicht schon
bald mit stärkeren Kräften
erneut anrücken würde.
Diese Einschätzung bestätigt
sich auch aus den heutigen Presseberichten:
Es ist zu lesen, daß die
Polizeiplanung ja - wie gesagt
- erst für Freitag Morgen
angesetzt war, und so ein Großteil
der Kräfte und schweren Fahrzeuge
erst dann zur Verfügung stand.
Gegen Mittag schließlich
ein erster schlecht vorbereiteter
Angriff der Polizei: Die Cops
werden mit einem Hagel von Pflastersteinen
und anderen Wurfgeschossen empfangen
und müssen sich schließlich
zurückziehen. Wie man so
hört, waren die eingesetzten
Bullen ziemlich sauer, auf die
Art von ihrer Einsatzleitung verheizt
zu werden. Wir sagen Euch deshalb:
Werft die Brocken hin oder verklagt
den Einsatzleiter!
So, nun Schluß mit den
billigen unrealistischen Witzchen,
den ab 13 Uhr ging es richtig
zur Sache: Die Polizei startete
ein Großangriff auf die
Barrikaden und setzte dabei auch
Räumpanzer ein. Einzelne
Punks enterten die Panzer, anderen
warfen sich davor, und versuchten
so, das Vorrücken der Bullen
aufzuhalten. Als die Panzer schließlich
der Barrikade bedrohlich nahe
kamen, kletterten diese Verteidiger
in letzter Sekunde über die
Barrikaden.
Eine Frau, die nicht rechtzeitig
wegkam, wurde vom Räumpanzer
überrollt, und schnell machte
die Nachricht die Runde, daß
sie auf diese Arte von den Bullen
kaltblütig ermordet worden
sei.
Als die Räumpanzer schließlich
gegen die Barrikaden vorging,
wurden sie und die nachrückenden
Bullen mit einen unübersehbaren
Hagel an allen möglichen
Wurfgeschossen empfangen: Steine,
Balken, Stühle, eben alles
was auf diese Weise zur Verteidigung
eingesetzt werden konnte.
Gleichzeitig bewaffneten sich
in einem anliegenden Gelände
die Bullen systematisch mit Steinen
und schleuderten diese massenhaft
gegen die Leute im Sprengel-Gelände.
Übrigens hervorragend dokumentiert
von Fernsehkameras, und immer
wieder gern in allen möglichen
Programmen gezeigt...
Die Leute mußten schließlich
der Übermacht der Bullen
weichen, viele flüchteten
durch Gassen und Hinterhöfe,
einige verbarrikadierten sich
in einem abbruchreifen Haus und
verteidigten sich dort gegen die
vorrückenden Bullen. Schließlich
mußten aber auch sie aufgeben.
Das Sprengel-Gebäude selbst
wurde bei diesem Einsatz selbst
nicht geräumt.
Danach entspannte sich die Lage
wieder, viele Punks zogen sich
in irgendwelche Seitenstraßen
oder in den nahegelegenen Uni-Park
zurück.
Gleichzeitig begann die Polizei
aber wieder in der City mit systematischer
Menschenjagd. Es wurde ein generelles
Einreiseverbot nach Hannover für
alle Punks ausgesprochen, und
in der City setzten die Bullen
mit einem riesigen Aufgebot alles
daran, dieses Selektionsprinzip
tatkräftig umzusetzen. Wer
sich nicht sofort in sein Schicksal
fügte, kassierte kräftig
Prügel, wurde gezwungen,
die Heimreise anzutreten.
Viele Leute ließen sich
dennoch davon nicht beeindrucken,
suchten und fanden andere Wege,
nach Hannover hereinzukommen -
diesmal in die Nordstadt, so daß
hier im Laufe des Tagesimmer mehr
Punks & Freunde ankamen.
Die Polizei verlor immer mehr
den Überblick, reagierte
immer panischer und unkontrollierter.
Gegen 21.30 setzten sie schließlich
zur nächsten Attacke an,
diesmal gegen ein Haus in der
Heisenstraße. Dort befindet
sich ein städtisches Wohnprojekt
für Punks und andere Leute,
und natürlich hatten dort
in den letzten Tagen viele Punks
übernachtet.
Die Polizei vermutete so hier
einen Hort von "Gewalttätern"
und fuhr massiv auf.
"Haut ab! Wir wollen hier keinen
Ärger! Dies ist ein legales
Haus! Wir halten die Straße
frei! Haut ab!", schallte es den
Bullen immer wieder entgegen,
aber die ließen sich nicht
davon abhalten, schließlich
doch Wasserwerfer aufzufahren
und die Bewohner und ihre Gäste
zur Übergabe aufzufordern.
Nachdem diese dazu nicht bereit
waren, begann der Angriff. In
der total engen Straße versuchten
die Bullen mit ihren Wasserwerfern,
das Haus sturmreif zu schießen,
konnten aber nicht gleichzeitig
mit ihren Kampftruppen das Haus
stürmen, weil sie sonst nur
von ihrem eigenen Wasserwerfer
mit Gas und Wasser eingedeckt
worden wären. Wobei dieser
zudem auch noch gleich die umliegenden
Wohnungen und Häuser kräftig
durchwässerte...
Die Bewohner setzten sich tatkräftig
gegen die attackierende Polizei
zur Wehr, und weil gleichzeitig
eine große Gruppe von Punks
versuchte, sichs zwecks Hilfeleistung
Richtung Heisenstraße zu
bewegen, mußte die Polizei
schließlich Kräfte
abziehen, die dann aber doch nur
völlig planlos in der Gegend
herumliefen.
Immerhin hatte dies den Effekt,
daß die Bullen von der Räumung
der Heisenstraße absahen,
um lieber noch ihr eigenes Chaos
zu vergrößern.
Die Stimmung wurde immer aggressiver,
weil sich die Nachricht von der
überfahrenen Frau mittlerweile
herumgesprochen hat, immer wieder
schallte den Bullen "Mörder,
Mörder!" entgegen. Später
erfuhren wir aber, daß die
Frau "nur" sehr schwere Verletzungen
hat, glücklicherweise aber
noch lebt.
Schließlich gelang es der
Polizei, etwa 300 Punks in den
Uni-Park abzudrängen, dort
lieferte man sich immer wieder
kleinere Scharmützel.
Gegen Mitternacht gelang es dann
wieder vielen Leuten, aus dem
Park Richtung Königsworther
Platz zu entkommen. Bei anschließenden
Verfolgung durch die Bullen gingen
diverse Scheiben zu Bruch, es
gab aber auch wieder viele Festnahmen.
Überhaupt sah man den ganzen
Tag immer wieder große Gefangenenbusse
durch die Stadt fahren, teilweise
wurden sogar Linienbusse dafür
benutzt, was bei vielen Punks
den Effekt hatte, auf jede Annäherung
der Polizei entweder mit Weglaufen
oder Attacken zu reagieren.
Ab Mitternacht begann sich die
Situation in der Nordstadt immer
mehr zuzuspitzen, ebenso die Planlosigkeit
der Polizei. Die Nordstädter
Bürger reagierten zunehmend
sauer auf die wilden Aktionen
der Polizei,
immer wieder wurde die Bullen
von ganz normalen Leuten angebrüllt,
sie sollten doch endlich verschwinden,
dann wäre doch Ruhe.
Aus einem Haus hängte ein
Anwohner ein Transparant mit der
Aufschrift "Noch nie waren die
Ausländer in Deutschland
so sicher wie an das Chaos-Tage"
- wie wahr! - und ein anderer
nervte die Bullen, indem er Boxen
ans Fenster stellte und mit voller
Lautstärke immer wieder "Freude,
schöner Götterfunken"
in die Straße schallte.
Bei den immer wieder aufflammenden
Scharmützeln sah man bald
auch immer mehr Hools und ausländische
Kids, die dies wohl als gute Gelegenheit
ansahen, den verhassten Bullen
mal richtig eins auszuwischen.
Neben den punk-freundlichen Hools
läuft aber auch ein Trupp
Fascho-Hools und -Skins durch
die City und macht Jagd auf Punks.
Angeblich sollen eine Reihe von
ihnen von der Polizei festgenommen
worden sein.
Gegen 1 Uhr sammelte sich wieder
ein größerer Pulk an
der Lutherkirche, aber die Stimmung
blieb zunächst friedlich.
Schon bald jedoch war die Polizei
wieder vor Ort, und wieder ging
der Ärger los. Unter einem
Hagel von Wurfgeschossen mußten
sich die Bullen zurückziehen,
und in der Schaufelder Straße
wurden neue Barrikaden gebaut.
Kurze Zeit später fuhren
- ohne jede Begleitung durch Fußbullen!
- 3 Wasserwerfer vor, die aber
außer ein bißchen
Rumgespritze nichts ausrichten
können. Einige Leute stellten
sich sogar lachend in den Wasserwerferstrahl
und amüsierten sich über
dieses hilflose und planlose Vorgehen.
Schließlich mußten
die Wasserwerfer den Rückzug
antreten, verfolgt von einer steinewerfenden
Meute, wobei in einem Rutsch gleich
noch Woolworth zu Bruch geht.
Bei den nachfolgenden Attacken
der Bullen gab es viele Verletzte
auf beiden Seiten, und das war
dann wohl endgültig die Eskalation:
Die Barrikaden brannten wieder,
und am frühen Morgen wurde
ein Penny-Markt geknackt und vollständig
geplündert.
Heute morgen zog die Polizei
einen Großteil der Kräfte
ab, wohl, weil sie in der City
mit Auseinandersetzungen rechnet.
Dort treffen langsam immer mehr
Punks ein, wobei die Polizei allerdings
nicht genug Kräfte hat, um
die Stadt problemlos vom Punk-Unrat
zu reinigen. Einzelne Gruppen
laufen völlig unbehelligt
am Kröpcke herum, während
am Bahnhof ein großen Polizeiaufgebot
immer wieder Punks einkesselt
und sie zwingt, die Heimreise
anzutreten.
Dies ist allerdings eine ziemlich
sinnlose Maßnahme, weil
die meisten dann doch andere Möglichkeiten
finden, nach Hannover einzusickern.
Für heute nachmittag ist
allgemeines Abhängen auf
dem Fährmannsfest angesagt,
wo angeblich sogar TOTAL CHAOS
spielen sollen.
Wollen wir hoffen, daß
die Polizei dieses Fest wenigstens
in Ruhe läßt, aber
wer weiß schon, ob die erwähnte
"Büchse der Pandora" noch
einmal zu schließen ist.
Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt,
und es ist durchaus möglich,
daß jede Annäherung
der Polizei mit geballter Wut
quittiert wird.
Wir wissen nicht, was die kommenden
Stunden bringen werden, aber uns
schwant nichts gutes.
- DIE LAGER GANG -