Letzte Änderung: November 22 2005 13:26:45. - 625 Seiten archiviert
HomeArchivLager-GangLager-News
 
"Lager-News" #6 vom 6. August 1995
HINTER UNS EIN WÜSTES WOCHENENDE - VOR UNS DIE VERDREHUNGEN VON POLIZEI UND MEDIEN...
Die Chaos-Tage gehen langsam ihrem Ende entgegen, die meisten Partygäste befinden sich mittlerweile schon auf dem Heimweg, und nun beginnt das Geschrei von Politikern, Polizeigewerkschaftern und Kommentatoren: Die Polizei zu lasch, die Punker brutal, und "Was ist mit der Jugend los?".

Konsequenz: Rübe runter! Dazu später noch mehr. Zunächst aber der

LAGER-REPORT 5. August

Gegen 4 Uhr kehrte zwischen Lutherkirche und Sprengel endlich Ruhe ein.

Nach stundenlangen Straßenschlachten mussten nun einige durstige Kämpfer feststellen, daß alle Kioske geschlossen und alle Biervörräte verbraucht waren - Punk ist schließlich auch nur Mensch und hatte sich auf das wohlverdiente Feierabendbierchen gefreut.

So mußte einmal mehr improvisiert werden: Der Pennymarkt, seit mehreren Tagen dicht, wurde aufgebrochen, Nahrungs- und Genußmittel aller Art in einer Robin-Hood-artigen Geste (Matchboxautos wurden von Punks auf Spielplätzen ausgelegt) an die Armsten der Armen und Durstigsten der Durstigen verteilt.

Auch viele Nordstädter Anwohner begrüßten die geänderten Ladenschlußzeiten, nutzten die Gelegenheit, den Wochenendeinkauf noch vor dem Frühstück zu erledigen. Die Polizei verzichtete diesmal darauf, den Pennymarkt für einen erneuten Wasserwerfereinsatz zu nutzen.

Die Beamten hatten sich den Schlaf nach soviel Pflichterfüllung auch redlich verdient. Lediglich ein Technikerteam der Polizei, das von niemanden angegriffen wurde, kam vorbei und machte den Supermarkt dicht.

Nach dem Aufstehen aber mußten viele Punkrocker feststellen, daß sie in der allgemeinen Aufregung vergessen hatten, Hundefutter fürs Wochenende zu besorgen. So mußte der "Consum" vom neuem geöffnet werden, wieder nutzten viele Anwohner ebenfalls die Chance des kostenfreien Einkaufs.

Auf einen Parkplatz spielte unterdessen die Punkband "Die Letzten".

Durchdie deeskalierendePolizei entstand so ein kulturell vielfältiges Straßenfest mit freundlicher Unterstützung der Penny-Markt-Kette.

Neben dieses merkwürdige-ruhigen Szenario gab es aber auch noch andere Szenen: Ein Trupp Bullen tauchte auf der Wiese des Fährmannsfests auf, wo eine Reihe Leute noch schliefen, und machte schnell klar Schiff: Erst mal eins auf die Fresse, dann einsacken, doch eine flüchtige Frau entkam ihnen und verschanzte sich in ihrem Auto.

Die Bullen setzten nach, drohten, die Scheiben des Autos zu zerschlagen. Die Frau flüchtete in einem günstigen Moment wieder aus dem Auto heraus, sprang schließlich in den Fluß - begleitet von dem freundlichen Bullenfluch "Verreck doch!".

Seit Tagesbeginn wurde auch die Innenstadt systematisch nach Punks durchkämmt. Schließlich ist Punk-Sein für dieses Wochenende in Hannover veboten! Alle verdächtigen Elemente bekamen einen Platzverweis, und wer sich trotzdem weiter in der Stadt aufhielt, wurde einkassiert.

Glücklicherweise wußten die meisten, daß das Fährmannsfest der große Punk-Treffpunkt des Tages sein würde, und so setzte schon bald ein ständiger Strom Richtung Ihmeufer ein.

Schon bald war das Festival fest in Punk-Hand. Die Anzahl der "normalen" Besucher hielt sich dieses Jahr deutlich in Grenzen - die Medien hatten wohl schon soviel Angst verbreitet, daß es mancher vorzog, zu Hause zu bleiben.

Kurze Unstimmigkeiten über die Auswahl des Bandprogramms zwischen Punks und den angeblich korrupten Veranstaltern des Fährmannsfestes wurden mit Bierdosenwerfen bereinigt. Nun kam es endlich zu der Punkparty, für die die meisten eigentlich überhaupt nach Hannover gekommen waren.

Auf der Bühne spielen Punkbands aus dem In und Ausland - unter anderem die Amis TOTAL CHAOS - davor wurde Pogo getanzt, dahinter von der Fährmannsbrücke in die Ihme gesprungen. In friedlicher Koexistenz mit anderen Fährmannfestbesuchern relaxte punk auf den Leinewiesen, schlief seinen Rausch aus, trank weiter oder unterhielt sich über die Ereignisse der letzten Tage.

Ein überall verteilter Flyer, der vollmundig Freibier versprach, war allerdings eine subversive Attacke von Kritikern des Fährmannsfest-Organisators, dem vorgeworfen wurde, seine Überschüsse entgegen allen Versprechungen nie zugunsten der Angehörigen des Polizeiopfers Halim Dener abgeführt zu haben.

Folglich waren eine Reihe Punks ständig auf der Suche nach dem versprochenen Freibier. Schließlich waren sie der Sucherei müde, stürmten einen Bierstand und besorgten sich so das erfrischende Naß.

Daraufhin schlossen die Veranstalter alle Bierstände und beendeten die Veranstaltung, Langsam begannen mehr und mehr Leute abzuwandern.

Einigen Street-Kids, die man nach ihrem Äußeren wohl kaum der Punk-Szene zurechnen kann, wurde es schließlich zu langweilig, und so schoben sie kurzerhand zwei Glascontainer auf die Straße und zündeten sie an. Irgend ein irrer Asi betrachtete dies wohl als Aufforderung zum gesteigerten Schwachsinn und begann damit, Steine auf ein Wohnhaus zu werfen.

Jetzt hatten ein Reihe von Punks endgültig die Nase voll, schnappten sich den Typen und und verpassten ihm ein paar auf die Fresse. Zu guter Letzt wurde er noch mit einem Arschtritt in die Richtung der nun anrückenden Bullen verabschiedet.

So dumm die Bierstandstürmung, das Feuer und die Steinwürfe auch waren, einen Vorteil hatten die Aktionen: Sie machten einen Plan der Polizei zunichte, nach dem Ende des Konzerts das komplette Gelände abzuriegeln und die dort festsitzenden Punks so die ganze Nacht über festzusetzen.

Nun, diese Art der provisorischen Gefangenenlagererrichtung kennt man ja schon von den CHAOS-TAGEN 1984, von dem Punk-KZ in der Glocksee.

So aber stürmte die Polizei nun von verschiedenen Seiten recht planlos auf das Gelände zu. Kurze Zeit später allgemeine Hektik, viele Punks verließen das Fährmannsfest über die Brücke in Richtung Linden, weil die Cops in all der Eile es noch nicht geschafft hatten, auch diesen Zugang abzuriegeln.Am Weddingufer wurden Barrikaden aus blauen Toilettenhäusern gebaut.

Kurze Zeit später wieder das übliche Spiel: Hinter den Barrikaden verschanzt, bewarfen Punks die vorrückende Polizei mit Flaschen und Steinen. Es folgte ein Wasserwerfereinsatz. bis die Polizei dann das Fährmannsfest bzw. die Barrikade stürmt.

Die Punks zogen sich Richtung Brücke zurück, die meisten flohen nun auch darüber. Polizeikräfte begannen, zunächst die Nordstadtseite des Ihmeufers zu sichern. Nach 20 Minuten bekamen die BullenVerstärkung, nun stürmtensie die Brücke.

Vom anderen Ufer flogen abermals Flaschen auf die Bullen. Wer immer diesen Einsatz leitete, muß von der friedlichen Absicht der Punks überzeugt gewesen sein. Schließlich hätten die verbliebene Chaoten auf der Nordstadtseiteden Brückenstürmern ohne Probleme in den Rücken fallen können, und den Beamten wäre wohl nur der Sprung in die Ihme geblieben.

Mittlerweile hatte die Nachricht von der Polizeiaktion am Ihmeufer auch die Nordstadt erreicht, und sofort machte sich ein großer Trupp Leute auf den Weg Richtung Fährmannsfest. Mittlerweile hatte die Polizei aber schon die komplette Nordstadt abgeriegelt, um zu verhindern, daß die vom Fährmannsfest geflüchteten Punks in die Nordstadt gelangen.

Diese hatten immerhin geschafft, aufgrund des überstürzten Polizeieinsatz doch noch der geplanten Falle zu entkommen, teilweise auch durch einen Sprung in den Fluß.

Also liefen überall versprengten Trupps in Linden, der Nordstadt und nahe dem Zentrum herum, und immer wieder suchten einzelne Gruppen die Konfrontation mit der Polizei, um sich für den Sturm aufs Fährmannsfest zu rächen. Allerdings tauchte auch sporadisch ein Trupp Faschos auf, attackierte Punks und Skins oder griff auf andere Art und Weise der Polizei unter die Arme.

Angeblich soll es sogar irgendwann nach Mitternacht eine Demo, angeführt von einem Trecker, Richtung Steintor gegeben haben, die dort dann allerdings von der Polizei aufgelöst wurde.

Eines fiel jedoch allen bald auf: Die Massen von Punx und Skins, die man noch kurz zuvor auf dem Fährmannsfest gesehen hatte, waren plötzlich wie vom Erdboden verschluckt! Des Rätsels Lösung: Die meisten hatten einfach die Schnauze voll von der ewigen Rennerei, wollten nur noch ihre Ruhe haben und endlich einmal keine Polizei mehr sehen.

Sie zogen sich in kleinen Gruppen in irgendwelche Seitenstraßen zurück oder wanderten bis weit in die Herrenhäuser Gärten hinein, machten dort ihre Mini-Fete. Ein großer Trupp fand auch seinen Weg in eine Laubenkolonie, wo man sich an einer Party der Kleingärtner beteiligte, und so endlich auch mal die Oma von nebenan einen echter Punk-Irokesenkamm einer genaueren Betrachtung unterziehen konnte.In der Nordstadt aber herrschte auch in der Nacht zum Sonntag Belfastzustand.

An jeder Straßenecke kleine Scharmützel. Vorm Sprengel brannte die obligatorische Barrikade, worauf der ebenfalls obligatorische Wasserwerfereinsatz folgte. Steinewerfende Kids tauchten an verschiedenen Straßenecken auf, darunter tatsächlich nur noch wenige Punks, umso mehr ausländische Kids und angereiste Hools.

Überhaupt waren aus allen Teilen der Stadt Schaulustige und Jugendliche angereist, und viele nutzten die Gelegenheit, ihrer Wut auf die Polizei freien Lauf zu lassen. Darunter auch eine Reihe kurdischer Kids, die wegen der bundesweiten Polizeieinsätze der vergangenen Tage gegen kurdische Demonstranten eh noch eine Rechnung mit der Polizei zu begleichen hatten.

Die von uns früher erwähnte "Büchse der Pandora" hatte ihre Wirkung getan, die Gewalt sich verselbständigt. Völlig ohne Sinn und Ziel nahm eine weitere heiße Nacht ihren Lauf.

Mittlerweile hatte wohl auch die Polizei aus den letzten Tagen endgültig gelernt, um was es an diesem Wochenende gehen sollte: Eine wahre Armada von Cops zettelte heilloses Chaos an.

Auf dem E-damm präsentierte die Einsatzleistung deshalb noch mal alles, was man so zur Gefahrenabwehr aufzubieten hatte: mindestens sechs Wasserwerfer, unzählige Gefängniswannen, Abgreiftrupps aus Hamburg und Berlin und eine Menge Planlosigkeit. Tatsächlich suchte die Polizei am Ende immer öfter die Gelegenheit, dem Ärger zu entgehen, aber diese Rückzugsversuche waren genauso dilettantisch aufgezogen wie die Vorstöße.

Sporadische Fahrzeugparade den E-Damm rauf und runter, immer mal wieder hinein in ein wahres Trommelfeuer Pflastersteine, zielloses Herumgerenne ortsunkundiger Cops, die ständig aus irgendwelchen Seitenstraßen urplötzlich angegriffen wurden - dieser Alptraum für jeden Bullen schien einfach Ende zu nehmen. Zumal die zugereisten Cops auch noch kräftig Hunger schoben, denn die Verpflegung war genauso mies organisiert wie der ganze Einsatz.

Irgendwann müssen die Streetkids wohl genauso müde gewesen sein wie die Cops, von denen immer öfter einzelne tatsächlich einschliefen oder sich auch in ganzen Gruppen auf dem Pflaster niederließen. und erschöpft die Füße von sich streckten.Manche von ihnen sollen bis zu 22 Standen ununterbrochen im Einsatz gewesen sein, und da ist es schon manchem Behelmten zugute zu halten, angesichts dieses sinnlosen Einsatzes nicht endgültig die Nerven verloren und nur noch blind um sich geschlagen zu haben.

Seit heute morgen ist nun wieder Ruhe eingekehrt. Abgesehen von einem Angriff der Wasserpistolen-Guerilla auf den E-Damm und einigen kleineren Attacken der Polizei hat sich die Lage entspannt. Für die meisten Punks sind die Chaos-Tage gelaufen, die Polizei hält sich zurück, weil sie nur noch heilfroh ist, daß dieser nervige Gegner die Stadt nach und nach

verläßt...

EINIGE LÜGEN, DIE UNS MOMENTAN AUS RUNDFUNK, FERNSEHEN UND ZEITUNGEN ENTGEGENSCHWALLEN - UND IHRE RICHTIGSTELLUNGEN!

LÜGE 1: DAS DEESKALATIONSKONZEPT DER POLIZEI IST GESCHEITERT!

Zunächst einmal folgendes: Wir nehmen der Polizei ab, daß sie tatsächlich im Vorfeld ein gewisses Interesse an einem friedlichen Verlauf der Chaos-Tage hatte! Es ist aber auch völlig klar, daß diese Planung an einem traditionell nur auf "law & order" ausgerichteten Polizeiapparat gescheitert ist. Genauso könnte man versuchen, einem Hai das Kartenspielen beizubringen!

In stumpfester bürokratischer Idiotie hat die Polizei mit einem "pünktlichen" Beginn der Chaos-Tage gerechnet und dabei alle Hinweise auf ein früheres Eintreffen der Leute ignoriert. Folglich haben bis Donnerstag Abend Leute bei der Polizei das Sagen gehabt, die dieses sog. "Deeskalationskonzept" ÜBERHAUPT NICHT ANGEWANDT HABEN! Als der eigentliche Einsatzleiter dann Donnerstag Abend vorzeitig seinen Job antrat, hatten seine Kollegen dieses Konzept schon längst zugrundegerichtet.

Das Verhalten der Polizei ab Freitag war demnach in erster Linie chaotisch wie die Chaos-Tage selbst. Leider beherrschte die Polizei DIESES Konzept, das Konzept des Chaos, nicht im mindesten so gut wie die Punks, folglich war ihr Vorgehen ziemlich erfolglos, die eingesetzten Cops wurden gnadenlos von ihrer Einsatzleitung verheizt.

Heute stellt sich nun Polizeipräsident Sander frech vor die Presse und sagt, daß das Konzept der Polizei erfolgreich gewesen sei, weil Sachschäden gegenüber Schäden an Leib und Leben das geringere seien.

Lieber Presi Sander, Du hättest BEIDES vermeiden können, und hast BEIDES bekommen. Mach Dich vom Acker und such Dir einen Job als Tütenkleber!

LÜGE 2: DIE POLIZEI MUSSTE GEGEN DIE GEWALTTATEN DER PUNKS VORGEHEN!

Und noch einmal: Obwohl schon seit Tagen mehrere hundert Punks in der Stadt waren, war z.B. die Lage am Bahnhof bis Donnerstag Mittag VÖLLIG FRIEDLICH. Dennoch räumte die Polizei mit einem imposanten Einsatz urplötzlich die Punks aus der Stadt, die dies sogar friedlich mit sich geschehen ließen (Übrigens war dabei ein NDR-Team um Andrea Lüdtke anwesend, die das Vorgehen der Polizei auch nur kopfschüttelnd kommentierte).

Erst als bald darauf auch die Punks in der Nordstadt systematisch vertrieben wurden, eskalierte die Lage, schlugen die Punks zurück. Diese Gegenwehr mag manchem nicht passen, aber Punk heißt nun mal nicht, sich widerstandslos wie ein Stück Scheiße behandeln zu lassen!

LÜGE 3: DIE POLIZEI WAR ZU LASCH!

Zugegeben, man hat schon härtere und brutalere Polizeieinsätze gesehen.

Aber abgesehen davon waren die Cops überhaupt nicht "lasch" - die Punks und ihre Freunde waren einfach nur besser! Bei dem Chaos, das die Polizei mit ihrem - teils nicht, teils chaotisch - angewandten"Deeskalationskonzept" gestiftethatte, hätte nur noch eines geholfen: Ein Bombenangriff auf die Nordstadt - ein kleines Grosny in Hannover...

Also sollten die ganzen CDU-Neunmalklugen lieber die Schnauze halten oder lieber gleich das Kriegsrecht bei CHAOS-TAGEN fordern, um den entsprechenden Militäreinsatz zu ermöglichen.

LÜGE 4: DIE POLIZEI VERTEILTE FLUGBLÄTTER AN DIE PUNKS, BOT SO DEN "FREUNDSCHAFTLICHEN UMGANG" AN.

So ein Quatsch! Daß die Dinger in einem kotzbürokratischen Ton gehalten waren, wollen wir hier mal vergessen, aber dumm ist wirklich, daß die Flugblätter so gut wie überhaupt nicht verteilt wurden. Wir haben bis jetzt jedenfalls so ein Blättchen noch nicht in die Finger bekommen, und wir haben uns echt angestrengt.

Das liegt wohl einfach daran, daß die Dinger beim Eintreffen der Punks einfach NOCH NICHT FERTIG WAREN und deshalb auch nicht verteilt wurden.

Oder habt Ihr eine bessere Erklärung dafür? Genauso wenig, wie wir Toilettenhäuschen, sabbernde Sozialarbeiter oder ähnliches Gesocks am Bahnhof gesehen haben. Jaja, wir wissen schon, das war alles so schön geplant, aber eben erst ab FREITAG. Dumm nur nur, daß die Punks - wie überall angekündigt - schon lange vorher aufkreuzten und Ihr nach der von Euch herbeigeführten Eskalation die ganzen bunten Ideen in die Tonne treten konntet.

He, was ist los mit Euch, habt Ihr nur noch Amateure im Spitzeldienst?

LÜGE 5: DIE BÜRGER DER NORDSTADT HATTEN ANGST VOR DEN PUNKS!

Klar, auch in der Nordstadt gibt es Bürger, die die Punks am liebsten ins Lager wünschen. Aber selbst die haben kapiert, daß in erster Linie die Polizei unfähig war, die Fete mitzufeiern oder wenigstens dafür so sorgen, daß alles locker über die Bühne geht.

Der Großteil der Nordstädter war nur noch genervt vom Verhalten der Polizei und hat das solange lautstark zum Ausdruck gebracht, bis schließlich einige ausländische und deutsche Kids selbst zu Steinen griffen. Die Punks waren deshalb überhaupt nicht isoliert - der ewige

Dank der Punks ist den Nordstadt-Kids gewiß...

LÜGE 6: NEBEN DEN GUTEN PUNKS GIBT ES AUCH BÖSE: DIE GEWALTTÄTER!

Wir können das schleimige Gesülze von der "Mehrzahl der friedlichen Punks", und von den "wenigen bösen Gewalttätern", gegen die die Polizei eben vorgehen müsse, nicht mehr hören.

Damit mal eines klar ist: Die Punks haben den paar Dumm-Krawallmachern, die natürlich auch da waren, von Anfang an erfolgreich klargemacht, daß sie in erster Linie eine geile Fete mit einem riesigen Medienspektakel abziehen wollen.

Mit ihrem tyranisierenden Verhalten vom Donnerstag an hat die Polizei aber ziemlich zielstrebig gerade jene besonnenen, aber nicht wehrlosen Leute gegen sich aufgebracht. Da waren die "klassischen" Krawallmacher eigentlich eher in der Minderheit!

Ihr solltet sich einmal überlegen, weshalb an diesem Wochenende so viele Kids zum ersten Mal Steine geworfen haben...

Hier nun noch ein vorläufiges RESÜMEE der vergangenen Tage:

WIE MAN EINE PUNK-FETE IN EINE STEINPARTY VERWANDELT...

Es ist zum Kotzen, mit welch übler Mischung aus Ignoranz und Brutalität es die Polizei mal wieder versucht hat, die größte Punk-Fete aller

Zeiten zu verhindern. Auf der anderen Seite haben sie aber auch erreicht, daß viele 15jährige unpolitische Kids zum ersten Mal in ihrem Leben einen Stein in die Hand genommen haben.

Glücklicherweise haben auch die Bewohner der Nordstadt von Hannover weniger den Medien, sondern ausschließlich ihren eigenen Augen getraut.

Sie haben gesehen, daß die Chaos-Tag-Besucher von Platzverweis zu Platzverweis getrieben wurden, bis schließlich als einziges Rückzugsmöglichkeit das Gebiet um das Sprengel-Gelände übrigblieb.

Daß Zoff stattfand, hat sich die Polizei selbst zuzuschreiben:

Willkürliche Verhaftungen und ein völlig planloser Einsatz haben die Lage schnell eskalieren lassen. Klar wurde dabei, daß die Polizei völlig unvorbereitet war auf die frühe Anreise der Punks, obwohl es ihnen von Punk-Seiten schon Wochen vorher zugetragen wurde.

Die Ausschreitungen der Polizei wurden dann schon bald nicht mehr nur von Punks beantwortet, sondern am Ende des Wochenendes auch von Anwohnern sowie deutschen und ausländischen Kids aus Hannover. Sie hatten schlicht und ergreifend die Schnauze voll von permanentem Knüppelseinsatz, Wasserwerfern, Tränengas und Festnahmen.

Wir möchten auch klarmachen, daß jede politische oder gewalttätige Attacke der Polizei gegen die Häuser auf dem Sprengelgelände und in der Heisenstraße - die beide zu JEDEM Zeitpunkt ein großes Interesse daran hatten, eine Schlacht zu verhindern und zu KEINEM Zeitpunkt offensiv gegen die Polizei vorgegangen sind - nur von einem völlig sinnlosen und dummen Einsatz der Bullen ablenken soll. Feuert lieber die komplette Polizeiführung, oder, noch besser, löst den ganzen Laden erst mal auf...

Die Polizei hat es in der Hand gehabt, die CHAOS-TAGE zu einem bunten, aber weitgehend friedlichen Medienspektakel zu machen. Stattdessen hat sie ihre Leute in schwachsinnigen Einsätzen verheizt und außerdem dafür gesorgt, daß Punks & Skins aus ganz Europa, Hools und viele Kids aus Hannover zusammen eine Steinparty gegen den Bullenterror gefeiert haben.

Das habt Ihr nun davon...

DIE LAGER GANG

WIR SIND NICHT "DIE PUNKS"!

Abschließend noch ein kleiner Zusatz für all die Mediengurken, die glauben oder behaupten, die LAGER GANG würde DIE PUNKS vertreten. Damit hier mal eines klar ist: Wir vertreten nichts und niemanden außer uns selbst, folglich spiegeln die hier veröffentlichten Meinungen ausschließlich unsere Positionen wieder.

Deshalb merkt Euch endlich mal eines, Ihr Deppen: Es gibt nicht DIE PUNKS, keine gewalttätigen, friedlichen, politischen, unpolitischen, dummen oder klugen Punks. Sondern nur einen Haufen Individuen, die sich durch eine IDEE verbunden fühlen und die sich genau deshalb auch weder

verallgemeinern noch organisieren lassen. Euer Bild vom Punk könnt Ihr Euch eh in den Arsch stecken, denn Ihr wißt und versteht NICHTS!

Schöne Sache, denn das macht Euch wie den Bullen das Leben schwer. Und die Punks haben immer was zu lachen.

Und noch was, Ihr Falschmelder: Die ersten CHAOS-TAGE waren nicht 1984, sondern 1982. Aber auch das wird wohl nie in Euren Kopf hineingehen.

Einmal Scheiße drin, immer Scheiße drin...

 
  Ein gutes Praktikum in Sachen Sensationsgeilheit
Im Nachhinein kann ich über die fast naive Absicht nur noch lächeln, so etwas wie die "Wahrheit" über die Chaos-Tage verbreiten zu wollen.
Eine perfekte Allianz aus bestimmten blutgeilen Kräften in Polizei und Medien wollte es einfach knallen lassen, folglich knallte es.
Trotzdem war es eine interessante Erfahrung, täglich Berichte durchs Internet zu schicken. Auf die Art konnte ich mir ein wenig das Handwerkszeug aneignen, um im nächsten Jahr den Cannibal Home Channel ins Leben zu rufen.
Denn dann hieß es: "Seit 1995 wird zurückgelogen!"
-kn-
 
 
   
 
 
 
Home | Aktuell | Archiv | Diskussion | Downloads | Kontakt

 

WWW.CHAOS-TAGE.DE - das Internet-Archiv zum Thema
Für Inhalt, Gestaltung und Programmierung verantwortlich: Karl Nagel, Schleswiger Str. 2, 22761 Hamburg
 
Bilder des Chaos!
KOT
Bilder des Chaos!