Die Chaos-Tage
gehen langsam ihrem Ende entgegen,
die meisten Partygäste befinden
sich mittlerweile schon auf dem
Heimweg, und nun beginnt das Geschrei
von Politikern, Polizeigewerkschaftern
und Kommentatoren: Die Polizei zu
lasch, die Punker brutal, und "Was
ist mit der Jugend los?".
Konsequenz: Rübe runter!
Dazu später noch mehr. Zunächst
aber der
LAGER-REPORT 5. August
Gegen 4 Uhr kehrte zwischen Lutherkirche
und Sprengel endlich Ruhe ein.
Nach stundenlangen Straßenschlachten
mussten nun einige durstige Kämpfer
feststellen, daß alle Kioske
geschlossen und alle Biervörräte
verbraucht waren - Punk ist schließlich
auch nur Mensch und hatte sich
auf das wohlverdiente Feierabendbierchen
gefreut.
So mußte einmal mehr improvisiert
werden: Der Pennymarkt, seit mehreren
Tagen dicht, wurde aufgebrochen,
Nahrungs- und Genußmittel
aller Art in einer Robin-Hood-artigen
Geste (Matchboxautos wurden von
Punks auf Spielplätzen ausgelegt)
an die Armsten der Armen und Durstigsten
der Durstigen verteilt.
Auch viele Nordstädter Anwohner
begrüßten die geänderten
Ladenschlußzeiten, nutzten
die Gelegenheit, den Wochenendeinkauf
noch vor dem Frühstück
zu erledigen. Die Polizei verzichtete
diesmal darauf, den Pennymarkt
für einen erneuten Wasserwerfereinsatz
zu nutzen.
Die Beamten hatten sich den Schlaf
nach soviel Pflichterfüllung
auch redlich verdient. Lediglich
ein Technikerteam der Polizei,
das von niemanden angegriffen
wurde, kam vorbei und machte den
Supermarkt dicht.
Nach dem Aufstehen aber mußten
viele Punkrocker feststellen,
daß sie in der allgemeinen
Aufregung vergessen hatten, Hundefutter
fürs Wochenende zu besorgen.
So mußte der "Consum" vom
neuem geöffnet werden, wieder
nutzten viele Anwohner ebenfalls
die Chance des kostenfreien Einkaufs.
Auf einen Parkplatz spielte unterdessen
die Punkband "Die Letzten".
Durchdie deeskalierendePolizei
entstand so ein kulturell vielfältiges
Straßenfest mit freundlicher
Unterstützung der Penny-Markt-Kette.
Neben dieses merkwürdige-ruhigen
Szenario gab es aber auch noch
andere Szenen: Ein Trupp Bullen
tauchte auf der Wiese des Fährmannsfests
auf, wo eine Reihe Leute noch
schliefen, und machte schnell
klar Schiff: Erst mal eins auf
die Fresse, dann einsacken, doch
eine flüchtige Frau entkam
ihnen und verschanzte sich in
ihrem Auto.
Die Bullen setzten nach, drohten,
die Scheiben des Autos zu zerschlagen.
Die Frau flüchtete in einem
günstigen Moment wieder aus
dem Auto heraus, sprang schließlich
in den Fluß - begleitet
von dem freundlichen Bullenfluch
"Verreck doch!".
Seit Tagesbeginn wurde auch die
Innenstadt systematisch nach Punks
durchkämmt. Schließlich
ist Punk-Sein für dieses
Wochenende in Hannover veboten!
Alle verdächtigen Elemente
bekamen einen Platzverweis, und
wer sich trotzdem weiter in der
Stadt aufhielt, wurde einkassiert.
Glücklicherweise wußten
die meisten, daß das Fährmannsfest
der große Punk-Treffpunkt
des Tages sein würde, und
so setzte schon bald ein ständiger
Strom Richtung Ihmeufer ein.
Schon bald war das Festival fest
in Punk-Hand. Die Anzahl der "normalen"
Besucher hielt sich dieses Jahr
deutlich in Grenzen - die Medien
hatten wohl schon soviel Angst
verbreitet, daß es mancher
vorzog, zu Hause zu bleiben.
Kurze Unstimmigkeiten über
die Auswahl des Bandprogramms
zwischen Punks und den angeblich
korrupten Veranstaltern des Fährmannsfestes
wurden mit Bierdosenwerfen bereinigt.
Nun kam es endlich zu der Punkparty,
für die die meisten eigentlich
überhaupt nach Hannover gekommen
waren.
Auf der Bühne spielen Punkbands
aus dem In und Ausland - unter
anderem die Amis TOTAL CHAOS -
davor wurde Pogo getanzt, dahinter
von der Fährmannsbrücke
in die Ihme gesprungen. In friedlicher
Koexistenz mit anderen Fährmannfestbesuchern
relaxte punk auf den Leinewiesen,
schlief seinen Rausch aus, trank
weiter oder unterhielt sich über
die Ereignisse der letzten Tage.
Ein überall verteilter Flyer,
der vollmundig Freibier versprach,
war allerdings eine subversive
Attacke von Kritikern des Fährmannsfest-Organisators,
dem vorgeworfen wurde, seine Überschüsse
entgegen allen Versprechungen
nie zugunsten der Angehörigen
des Polizeiopfers Halim Dener
abgeführt zu haben.
Folglich waren eine Reihe Punks
ständig auf der Suche nach
dem versprochenen Freibier. Schließlich
waren sie der Sucherei müde,
stürmten einen Bierstand
und besorgten sich so das erfrischende
Naß.
Daraufhin schlossen die Veranstalter
alle Bierstände und beendeten
die Veranstaltung, Langsam begannen
mehr und mehr Leute abzuwandern.
Einigen Street-Kids, die man
nach ihrem Äußeren
wohl kaum der Punk-Szene zurechnen
kann, wurde es schließlich
zu langweilig, und so schoben
sie kurzerhand zwei Glascontainer
auf die Straße und zündeten
sie an. Irgend ein irrer Asi betrachtete
dies wohl als Aufforderung zum
gesteigerten Schwachsinn und begann
damit, Steine auf ein Wohnhaus
zu werfen.
Jetzt hatten ein Reihe von Punks
endgültig die Nase voll,
schnappten sich den Typen und
und verpassten ihm ein paar auf
die Fresse. Zu guter Letzt wurde
er noch mit einem Arschtritt in
die Richtung der nun anrückenden
Bullen verabschiedet.
So dumm die Bierstandstürmung,
das Feuer und die Steinwürfe
auch waren, einen Vorteil hatten
die Aktionen: Sie machten einen
Plan der Polizei zunichte, nach
dem Ende des Konzerts das komplette
Gelände abzuriegeln und die
dort festsitzenden Punks so die
ganze Nacht über festzusetzen.
Nun, diese Art der provisorischen
Gefangenenlagererrichtung kennt
man ja schon von den CHAOS-TAGEN
1984, von dem Punk-KZ in der Glocksee.
So aber stürmte die Polizei
nun von verschiedenen Seiten recht
planlos auf das Gelände zu.
Kurze Zeit später allgemeine
Hektik, viele Punks verließen
das Fährmannsfest über
die Brücke in Richtung Linden,
weil die Cops in all der Eile
es noch nicht geschafft hatten,
auch diesen Zugang abzuriegeln.Am
Weddingufer wurden Barrikaden
aus blauen Toilettenhäusern
gebaut.
Kurze Zeit später wieder
das übliche Spiel: Hinter
den Barrikaden verschanzt, bewarfen
Punks die vorrückende Polizei
mit Flaschen und Steinen. Es folgte
ein Wasserwerfereinsatz. bis die
Polizei dann das Fährmannsfest
bzw. die Barrikade stürmt.
Die Punks zogen sich Richtung
Brücke zurück, die meisten
flohen nun auch darüber.
Polizeikräfte begannen, zunächst
die Nordstadtseite des Ihmeufers
zu sichern. Nach 20 Minuten bekamen
die BullenVerstärkung, nun
stürmtensie die Brücke.
Vom anderen Ufer flogen abermals
Flaschen auf die Bullen. Wer immer
diesen Einsatz leitete, muß
von der friedlichen Absicht der
Punks überzeugt gewesen sein.
Schließlich hätten
die verbliebene Chaoten auf der
Nordstadtseiteden Brückenstürmern
ohne Probleme in den Rücken
fallen können, und den Beamten
wäre wohl nur der Sprung
in die Ihme geblieben.
Mittlerweile hatte die Nachricht
von der Polizeiaktion am Ihmeufer
auch die Nordstadt erreicht, und
sofort machte sich ein großer
Trupp Leute auf den Weg Richtung
Fährmannsfest. Mittlerweile
hatte die Polizei aber schon die
komplette Nordstadt abgeriegelt,
um zu verhindern, daß die
vom Fährmannsfest geflüchteten
Punks in die Nordstadt gelangen.
Diese hatten immerhin geschafft,
aufgrund des überstürzten
Polizeieinsatz doch noch der geplanten
Falle zu entkommen, teilweise
auch durch einen Sprung in den
Fluß.
Also liefen überall versprengten
Trupps in Linden, der Nordstadt
und nahe dem Zentrum herum, und
immer wieder suchten einzelne
Gruppen die Konfrontation mit
der Polizei, um sich für
den Sturm aufs Fährmannsfest
zu rächen. Allerdings tauchte
auch sporadisch ein Trupp Faschos
auf, attackierte Punks und Skins
oder griff auf andere Art und
Weise der Polizei unter die Arme.
Angeblich soll es sogar irgendwann
nach Mitternacht eine Demo, angeführt
von einem Trecker, Richtung Steintor
gegeben haben, die dort dann allerdings
von der Polizei aufgelöst
wurde.
Eines fiel jedoch allen bald
auf: Die Massen von Punx und Skins,
die man noch kurz zuvor auf dem
Fährmannsfest gesehen hatte,
waren plötzlich wie vom Erdboden
verschluckt! Des Rätsels
Lösung: Die meisten hatten
einfach die Schnauze voll von
der ewigen Rennerei, wollten nur
noch ihre Ruhe haben und endlich
einmal keine Polizei mehr sehen.
Sie zogen sich in kleinen Gruppen
in irgendwelche Seitenstraßen
zurück oder wanderten bis
weit in die Herrenhäuser
Gärten hinein, machten dort
ihre Mini-Fete. Ein großer
Trupp fand auch seinen Weg in
eine Laubenkolonie, wo man sich
an einer Party der Kleingärtner
beteiligte, und so endlich auch
mal die Oma von nebenan einen
echter Punk-Irokesenkamm einer
genaueren Betrachtung unterziehen
konnte.In der Nordstadt aber herrschte
auch in der Nacht zum Sonntag
Belfastzustand.
An jeder Straßenecke kleine
Scharmützel. Vorm Sprengel
brannte die obligatorische Barrikade,
worauf der ebenfalls obligatorische
Wasserwerfereinsatz folgte. Steinewerfende
Kids tauchten an verschiedenen
Straßenecken auf, darunter
tatsächlich nur noch wenige
Punks, umso mehr ausländische
Kids und angereiste Hools.
Überhaupt waren aus allen
Teilen der Stadt Schaulustige
und Jugendliche angereist, und
viele nutzten die Gelegenheit,
ihrer Wut auf die Polizei freien
Lauf zu lassen. Darunter auch
eine Reihe kurdischer Kids, die
wegen der bundesweiten Polizeieinsätze
der vergangenen Tage gegen kurdische
Demonstranten eh noch eine Rechnung
mit der Polizei zu begleichen
hatten.
Die von uns früher erwähnte
"Büchse der Pandora" hatte
ihre Wirkung getan, die Gewalt
sich verselbständigt. Völlig
ohne Sinn und Ziel nahm eine weitere
heiße Nacht ihren Lauf.
Mittlerweile hatte wohl auch
die Polizei aus den letzten Tagen
endgültig gelernt, um was
es an diesem Wochenende gehen
sollte: Eine wahre Armada von
Cops zettelte heilloses Chaos
an.
Auf dem E-damm präsentierte
die Einsatzleistung deshalb noch
mal alles, was man so zur Gefahrenabwehr
aufzubieten hatte: mindestens
sechs Wasserwerfer, unzählige
Gefängniswannen, Abgreiftrupps
aus Hamburg und Berlin und eine
Menge Planlosigkeit. Tatsächlich
suchte die Polizei am Ende immer
öfter die Gelegenheit, dem
Ärger zu entgehen, aber diese
Rückzugsversuche waren genauso
dilettantisch aufgezogen wie die
Vorstöße.
Sporadische Fahrzeugparade den
E-Damm rauf und runter, immer
mal wieder hinein in ein wahres
Trommelfeuer Pflastersteine, zielloses
Herumgerenne ortsunkundiger Cops,
die ständig aus irgendwelchen
Seitenstraßen urplötzlich
angegriffen wurden - dieser Alptraum
für jeden Bullen schien einfach
Ende zu nehmen. Zumal die zugereisten
Cops auch noch kräftig Hunger
schoben, denn die Verpflegung
war genauso mies organisiert wie
der ganze Einsatz.
Irgendwann müssen die Streetkids
wohl genauso müde gewesen
sein wie die Cops, von denen immer
öfter einzelne tatsächlich
einschliefen oder sich auch in
ganzen Gruppen auf dem Pflaster
niederließen. und erschöpft
die Füße von sich streckten.Manche
von ihnen sollen bis zu 22 Standen
ununterbrochen im Einsatz gewesen
sein, und da ist es schon manchem
Behelmten zugute zu halten, angesichts
dieses sinnlosen Einsatzes nicht
endgültig die Nerven verloren
und nur noch blind um sich geschlagen
zu haben.
Seit heute morgen ist nun wieder
Ruhe eingekehrt. Abgesehen von
einem Angriff der Wasserpistolen-Guerilla
auf den E-Damm und einigen kleineren
Attacken der Polizei hat sich
die Lage entspannt. Für die
meisten Punks sind die Chaos-Tage
gelaufen, die Polizei hält
sich zurück, weil sie nur
noch heilfroh ist, daß dieser
nervige Gegner die Stadt nach
und nach
verläßt...
EINIGE LÜGEN, DIE UNS MOMENTAN
AUS RUNDFUNK, FERNSEHEN UND ZEITUNGEN
ENTGEGENSCHWALLEN - UND IHRE RICHTIGSTELLUNGEN!
LÜGE 1: DAS DEESKALATIONSKONZEPT
DER POLIZEI IST GESCHEITERT!
Zunächst einmal folgendes:
Wir nehmen der Polizei ab, daß
sie tatsächlich im Vorfeld
ein gewisses Interesse an einem
friedlichen Verlauf der Chaos-Tage
hatte! Es ist aber auch völlig
klar, daß diese Planung
an einem traditionell nur auf
"law & order" ausgerichteten
Polizeiapparat gescheitert ist.
Genauso könnte man versuchen,
einem Hai das Kartenspielen beizubringen!
In stumpfester bürokratischer
Idiotie hat die Polizei mit einem
"pünktlichen" Beginn der
Chaos-Tage gerechnet und dabei
alle Hinweise auf ein früheres
Eintreffen der Leute ignoriert.
Folglich haben bis Donnerstag
Abend Leute bei der Polizei das
Sagen gehabt, die dieses sog.
"Deeskalationskonzept" ÜBERHAUPT
NICHT ANGEWANDT HABEN! Als der
eigentliche Einsatzleiter dann
Donnerstag Abend vorzeitig seinen
Job antrat, hatten seine Kollegen
dieses Konzept schon längst
zugrundegerichtet.
Das Verhalten der Polizei ab
Freitag war demnach in erster
Linie chaotisch wie die Chaos-Tage
selbst. Leider beherrschte die
Polizei DIESES Konzept, das Konzept
des Chaos, nicht im mindesten
so gut wie die Punks, folglich
war ihr Vorgehen ziemlich erfolglos,
die eingesetzten Cops wurden gnadenlos
von ihrer Einsatzleitung verheizt.
Heute stellt sich nun Polizeipräsident
Sander frech vor die Presse und
sagt, daß das Konzept der
Polizei erfolgreich gewesen sei,
weil Sachschäden gegenüber
Schäden an Leib und Leben
das geringere seien.
Lieber Presi Sander, Du hättest
BEIDES vermeiden können,
und hast BEIDES bekommen. Mach
Dich vom Acker und such Dir einen
Job als Tütenkleber!
LÜGE 2: DIE POLIZEI MUSSTE
GEGEN DIE GEWALTTATEN DER PUNKS
VORGEHEN!
Und noch einmal: Obwohl schon
seit Tagen mehrere hundert Punks
in der Stadt waren, war z.B. die
Lage am Bahnhof bis Donnerstag
Mittag VÖLLIG FRIEDLICH.
Dennoch räumte die Polizei
mit einem imposanten Einsatz urplötzlich
die Punks aus der Stadt, die dies
sogar friedlich mit sich geschehen
ließen (Übrigens war
dabei ein NDR-Team um Andrea Lüdtke
anwesend, die das Vorgehen der
Polizei auch nur kopfschüttelnd
kommentierte).
Erst als bald darauf auch die
Punks in der Nordstadt systematisch
vertrieben wurden, eskalierte
die Lage, schlugen die Punks zurück.
Diese Gegenwehr mag manchem nicht
passen, aber Punk heißt
nun mal nicht, sich widerstandslos
wie ein Stück Scheiße
behandeln zu lassen!
LÜGE 3: DIE POLIZEI WAR
ZU LASCH!
Zugegeben, man hat schon härtere
und brutalere Polizeieinsätze
gesehen.
Aber abgesehen davon waren die
Cops überhaupt nicht "lasch"
- die Punks und ihre Freunde waren
einfach nur besser! Bei dem Chaos,
das die Polizei mit ihrem - teils
nicht, teils chaotisch - angewandten"Deeskalationskonzept"
gestiftethatte, hätte nur
noch eines geholfen: Ein Bombenangriff
auf die Nordstadt - ein kleines
Grosny in Hannover...
Also sollten die ganzen CDU-Neunmalklugen
lieber die Schnauze halten oder
lieber gleich das Kriegsrecht
bei CHAOS-TAGEN fordern, um den
entsprechenden Militäreinsatz
zu ermöglichen.
LÜGE 4: DIE POLIZEI VERTEILTE
FLUGBLÄTTER AN DIE PUNKS,
BOT SO DEN "FREUNDSCHAFTLICHEN
UMGANG" AN.
So ein Quatsch! Daß die
Dinger in einem kotzbürokratischen
Ton gehalten waren, wollen wir
hier mal vergessen, aber dumm
ist wirklich, daß die Flugblätter
so gut wie überhaupt nicht
verteilt wurden. Wir haben bis
jetzt jedenfalls so ein Blättchen
noch nicht in die Finger bekommen,
und wir haben uns echt angestrengt.
Das liegt wohl einfach daran,
daß die Dinger beim Eintreffen
der Punks einfach NOCH NICHT FERTIG
WAREN und deshalb auch nicht verteilt
wurden.
Oder habt Ihr eine bessere Erklärung
dafür? Genauso wenig, wie
wir Toilettenhäuschen, sabbernde
Sozialarbeiter oder ähnliches
Gesocks am Bahnhof gesehen haben.
Jaja, wir wissen schon, das war
alles so schön geplant, aber
eben erst ab FREITAG. Dumm nur
nur, daß die Punks - wie
überall angekündigt
- schon lange vorher aufkreuzten
und Ihr nach der von Euch herbeigeführten
Eskalation die ganzen bunten Ideen
in die Tonne treten konntet.
He, was ist los mit Euch, habt
Ihr nur noch Amateure im Spitzeldienst?
LÜGE 5: DIE BÜRGER
DER NORDSTADT HATTEN ANGST VOR
DEN PUNKS!
Klar, auch in der Nordstadt gibt
es Bürger, die die Punks
am liebsten ins Lager wünschen.
Aber selbst die haben kapiert,
daß in erster Linie die
Polizei unfähig war, die
Fete mitzufeiern oder wenigstens
dafür so sorgen, daß
alles locker über die Bühne
geht.
Der Großteil der Nordstädter
war nur noch genervt vom Verhalten
der Polizei und hat das solange
lautstark zum Ausdruck gebracht,
bis schließlich einige ausländische
und deutsche Kids selbst zu Steinen
griffen. Die Punks waren deshalb
überhaupt nicht isoliert
- der ewige
Dank der Punks ist den Nordstadt-Kids
gewiß...
LÜGE 6: NEBEN DEN GUTEN
PUNKS GIBT ES AUCH BÖSE:
DIE GEWALTTÄTER!
Wir können das schleimige
Gesülze von der "Mehrzahl
der friedlichen Punks", und von
den "wenigen bösen Gewalttätern",
gegen die die Polizei eben vorgehen
müsse, nicht mehr hören.
Damit mal eines klar ist: Die
Punks haben den paar Dumm-Krawallmachern,
die natürlich auch da waren,
von Anfang an erfolgreich klargemacht,
daß sie in erster Linie
eine geile Fete mit einem riesigen
Medienspektakel abziehen wollen.
Mit ihrem tyranisierenden Verhalten
vom Donnerstag an hat die Polizei
aber ziemlich zielstrebig gerade
jene besonnenen, aber nicht wehrlosen
Leute gegen sich aufgebracht.
Da waren die "klassischen" Krawallmacher
eigentlich eher in der Minderheit!
Ihr solltet sich einmal überlegen,
weshalb an diesem Wochenende so
viele Kids zum ersten Mal Steine
geworfen haben...
Hier nun noch ein vorläufiges
RESÜMEE der vergangenen Tage:
WIE MAN EINE PUNK-FETE IN EINE
STEINPARTY VERWANDELT...
Es ist zum Kotzen, mit welch
übler Mischung aus Ignoranz
und Brutalität es die Polizei
mal wieder versucht hat, die größte
Punk-Fete aller
Zeiten zu verhindern. Auf der
anderen Seite haben sie aber auch
erreicht, daß viele 15jährige
unpolitische Kids zum ersten Mal
in ihrem Leben einen Stein in
die Hand genommen haben.
Glücklicherweise haben auch
die Bewohner der Nordstadt von
Hannover weniger den Medien, sondern
ausschließlich ihren eigenen
Augen getraut.
Sie haben gesehen, daß
die Chaos-Tag-Besucher von Platzverweis
zu Platzverweis getrieben wurden,
bis schließlich als einziges
Rückzugsmöglichkeit
das Gebiet um das Sprengel-Gelände
übrigblieb.
Daß Zoff stattfand, hat
sich die Polizei selbst zuzuschreiben:
Willkürliche Verhaftungen
und ein völlig planloser
Einsatz haben die Lage schnell
eskalieren lassen. Klar wurde
dabei, daß die Polizei völlig
unvorbereitet war auf die frühe
Anreise der Punks, obwohl es ihnen
von Punk-Seiten schon Wochen vorher
zugetragen wurde.
Die Ausschreitungen der Polizei
wurden dann schon bald nicht mehr
nur von Punks beantwortet, sondern
am Ende des Wochenendes auch von
Anwohnern sowie deutschen und
ausländischen Kids aus Hannover.
Sie hatten schlicht und ergreifend
die Schnauze voll von permanentem
Knüppelseinsatz, Wasserwerfern,
Tränengas und Festnahmen.
Wir möchten auch klarmachen,
daß jede politische oder
gewalttätige Attacke der
Polizei gegen die Häuser
auf dem Sprengelgelände und
in der Heisenstraße - die
beide zu JEDEM Zeitpunkt ein großes
Interesse daran hatten, eine Schlacht
zu verhindern und zu KEINEM Zeitpunkt
offensiv gegen die Polizei vorgegangen
sind - nur von einem völlig
sinnlosen und dummen Einsatz der
Bullen ablenken soll. Feuert lieber
die komplette Polizeiführung,
oder, noch besser, löst den
ganzen Laden erst mal auf...
Die Polizei hat es in der Hand
gehabt, die CHAOS-TAGE zu einem
bunten, aber weitgehend friedlichen
Medienspektakel zu machen. Stattdessen
hat sie ihre Leute in schwachsinnigen
Einsätzen verheizt und außerdem
dafür gesorgt, daß
Punks & Skins aus ganz Europa,
Hools und viele Kids aus Hannover
zusammen eine Steinparty gegen
den Bullenterror gefeiert haben.
Das habt Ihr nun davon...
DIE LAGER GANG
WIR SIND NICHT "DIE PUNKS"!
Abschließend noch ein kleiner
Zusatz für all die Mediengurken,
die glauben oder behaupten, die
LAGER GANG würde DIE PUNKS
vertreten. Damit hier mal eines
klar ist: Wir vertreten nichts
und niemanden außer uns
selbst, folglich spiegeln die
hier veröffentlichten Meinungen
ausschließlich unsere Positionen
wieder.
Deshalb merkt Euch endlich mal
eines, Ihr Deppen: Es gibt nicht
DIE PUNKS, keine gewalttätigen,
friedlichen, politischen, unpolitischen,
dummen oder klugen Punks. Sondern
nur einen Haufen Individuen, die
sich durch eine IDEE verbunden
fühlen und die sich genau
deshalb auch weder
verallgemeinern noch organisieren
lassen. Euer Bild vom Punk könnt
Ihr Euch eh in den Arsch stecken,
denn Ihr wißt und versteht
NICHTS!
Schöne Sache, denn das macht
Euch wie den Bullen das Leben
schwer. Und die Punks haben immer
was zu lachen.
Und noch was, Ihr Falschmelder:
Die ersten CHAOS-TAGE waren nicht
1984, sondern 1982. Aber auch
das wird wohl nie in Euren Kopf
hineingehen.
Einmal Scheiße drin, immer
Scheiße drin...