Letzte Änderung: November 22 2005 13:26:50. - 625 Seiten archiviert
HomeArchivLager-GangLager-News
 
"Lager-News" #9 vom 5. November 1995
NIVEAU AUF DEN CHAOSTAGEN!

Nach den diesjährigen Chaos-Tagen haben sich natürlich neben den "Overground"-Medien auch eine ganze Reihe von Punk-´Fanzines über dieses Thema ausgebreitet. Wir wollen hier in lockerer Folge einige dieser Artikel vorstellen.

Los gehts mit dem monatlich erscheinenden Zine NIVEAU, das uns in seiner September-Ausgabe eine Vorschau auf die Chaos-Tag-Termine des nächsten Jahres bietet, sowie einem Erlebnisbericht aus der gleichen Ausgabe.

DIE LAGER-GANG

###############################

DAS "IMPRESSUM":

Die Lager-News werden zusammengestellt von der LAGER-GANG. Uns geht's hier ausschließlich darum, Entwicklungen, Flugblätter, Berichte und Meinungen im Zusammenhang mit vergangenen und künftigen Chaos-Tagen zu dokumentieren. Eventuelle Sympathien, die wir mit der jeweiligen Quelle haben, sind dabei zweitrangig. Will heißen: Die Meinung der Redaktion ist nicht zwangsläufig identisch mit der Meinung der Verfasser der dokumentierten Texte. Zuletzt wollen wir noch einmal betonen, daß es eine typische Eigenschaft von Chaos-Tagen ist, daß sie eben chaotisch und unorganisiert verlaufen und es keine "Zentrale" gibt, die die Ereignisse steuert. Sondern nur Individuen, die sich einfach den Ereignissen ausliefern bzw. versuchen, ihren Teil dazu beizutragen, daß Punk LEBT. Einige dieser Individuen haben sich sich zur LAGER-GANG zusammengeschlossen. Alle Versuche aber, uns eine "Organisation" der Chaostage zu unterstellen oder uns auch dazu aufzurufen, dies zu tun, lehnen wir ab. Das Chaos lebt! Wir brauchen keine Führer!

###############################

1996 - DIE CHAOSTAG-TERMINE FÜR DAS NÄCHSTE JAHR

Nach den guten Erfahrungen von Hannover und Oldenburg, was den Umgang mit Presse und Ordnungskräften angeht, soll nun alles noch besser werden. Ein jeder Punkrocker, egal ob Veteran, Jungspunt, Modefuzzi oder Stumpfheimer, ein jeder weiß ab sofort Bescheid und keiner soll sagen, er hahe von nix gewußt. Das nächste Jahr liefert 52 Möglichkeiten, um eine geile Party zu feiern, alte und neue Freunde wiederzusehen, Dosenbier zu trinken, Einsatzleiter in den Ruhestand zu treiben. Pennymärkte zu plündern oder endlich mal ins Femsehen zu kommen. Gemeinsam mit ortsansässigen Lokalkomitees ist es bereits jetzt gelungen, die neuen Termine zu koordinieren:

5 7. I. KÖNIGSBERG (Kaliningrad)

Das Dreikönigstreffen als kleiner Parteitag. Achtung, Visumspflicht. Ein Treffen der Elite zum Jahresbeginn.

12. 14.1. BADEN-BADEN

Wir sprengen die Spielbank. Wir brauchen Geld für die nächsten 50 Wochenenden.

19. 21.1. KÖLN

Hochwassertourismus: Vor uns die Sintilut.

26. 28.1 EISENHÜTTENSTADT (Stalinstadt)

Motto: Alle 14Minuten stirbt ein deutscher Soldat. Warumauch nicht.

2. 4. 2. COVENTRY, England

Tanz den Bomber Harry; Stukas über London.

9. 11.2. STUTTGART

Kehrwöchle In Stammheim. Heute wird der Knast gefegt.

15. 21. 2. MAINZ

Fasching statt Faschos. Schwarzer Block im Rosenmontagszug. Gefolgt vom grünen Block des BKA.

23. 25. 2. GARMISCH-PARTENKIRCHEN

Ja Ja den SchneeSchneeSchneeSchneepogo tanzen wir, ja ich mit dir und du mit mir.

29.2. 3.3. GELSENKIRCHEN

Schaltjahr auf Schalke

8. 10. 3. BUXTEHUDE

Der Überraschunschaostag. Verhext und zugenäht. Treffen der Amateurzauberer: Wie verwandle ich einen vollen in einen leeren PennyMarkt?.

15. 17. 3. VENEDIG

Wenn die Gondeln Piratenflaggen tragen. Wiederausrufung der serenissima republica

22. 24. 3. SAARBRÜCKEN

Feierliche Übtergabe des Saarlandes an Frankreich

29. 31. 3. VICHY

Übergabe Nordfrankreichs an Deutschland (außer Saarland)

4. 8. 4. ALTÖTTING

Passionsfestspiele. Wir sind die Märtyrer.

12. 14. 4.ROTHENBURG OB DER TAUBER

Waas, nur5 Mark pro Photo will der Scheißami bezahlen???

19. - 21. 4BRAUNAU

Die absolute Härte sind Oberlippenbarte. Antifaschistisches Pinkeln an Führers Geburtshaus.

26. 28. 4. LONDON, KOPENHAGEN, AMSTERDAM

God shave all the Queens! Nach dem Dreikönigstag nun der Dreiköniginnentag.

30.4./1.5. BROCKEN, Harz

Walpurgisnacht

3. 5. 5. TRIER

Wir feiern Kalle Marx' Geburstag!!

10. 12. 5. LIECHTENSTEIN, gesamtes Staatsgebiet

Endlich: Mehr Punks als Normalbürger

15. 19.5. LUXEMBURG

Punker sparen Steuern. Großes Geldwaschen am Fluß.

24. 27. 5. INGELHEIM, Folkfestival

Wir saufen den Hippies ihren Rotwein weg.

31.5. 2.6. BERLIN, WEST

Mach mir den Benno 0.

5.6. 9.6. HAMBURG

Auf der Reeperhahn nachts um halb vier ,da sitzen wir und wollen noch Bier. Eigentlich wollten wir den deutschen Meister feiern, aber das war nicht konsensfähig.

14. 17. 6 OSTBERLIN

42 Jahre Volksaufstand. Wir sind dabei.

21. 23. 6 PRAG, Tschechien

378 Jahre Fenstersturz. Lebensnahe Wiederaufführung des historischen Ereignisses.

28. 30. 6. MÜNCHEN, Olympiagelände

Die 1. Pogopiade. Bierdosenweitwurf, Standhochsprung mit Springerstiefeln und Lederjacke. Wettschnorren in der Fußgängerzone und andere packende Wettbewerbe

5. 7. 7. RHEIN-NECKAR-DREIECK (Mannheim. Ludwigshafen, Lampertheim)

Wir treibon 3 Innenminister in den Rücktritt

12. 14. 7. NORDESEE, diverse Inseln, Kutter und Plattformen

Bei Greenpcace gibts kein Bier

19. - 21. 7. HALLIG-INSELN

RobbenRules ok; Beginn auf Hallig Hooge, je nach Teilnehmerzahl und Wasserstand word auf andere Halligen ausgeweitet.

26. 28. 7. KASSEL

Ein Jahr vor der Documenta: Sind wir nicht alle ein bißchen Gesamtkunstwerk?

2. 4. 8. HANNOVER

Der Klassiker. Aus Erfahrung gut.

9. 11.8. WOLFGANGSEE

Chaostage Light. Wir trinken kleine Dosen, hören Musik aus Transistorradios, werfen mit Kieselsteinen und werden von Kleinkindern verhaftet.

16. I8. 8. RUDOLF HESS' GRAB

Leichenfleddern und versauen. Geil.

23. 25. 8. NEUSCHWANSTEIN

151 Jahre Kini. Ludwig was a Punk Rocker.

30.8. 1.9. SOLINGEN

Wir zünden NaziHäuser an

6. -8. 9. SREBRENICA

Zwischen allen Frontcn und für nix zu schade: Punker für den Frieden. Schwerter zu Zapfhähnen.

13. 15. 9. HIRSCHHORN

Was machen wir hier eigentlich?

20. 22. 9. BAD KLEINEN, Bahnhofsunterführung

Wahrscheinlich stimmt der Jahrestag nicht, aber an diesem lauschigen Orl wollten wir alle schon immer eine Party feiern

27. 29.9.FIRENZE, TOSKANA

Wir besuchen die SPDGenußfront

2. 6. 10. BONN

Bonn muß Hauptstadt bleiben! Oder Palermo! Zweigeteilte Chaostage.

11. 13.10. ST. GOARSHAUSEN, Loreley

Wozu kämmen? Haare hochstellen und einseifen! Gesponsort von der Landesfriseurinnung und Palmolive.

18. -20.10. ROSTOCK-LICHTENHAGEN

Internationales Jogginghosenpinkeln. Wer macht den schönsten Fleck?

25. 27. IO. WIEN

Eine Kleine Nachtmusik. Es ist Nationalfeiertag in Österreich. Und mit ein bisserl Glück auch noch Opernball.

31.10.3.11. DARMSTADT, Burg Frankenstein

Halloween. Wo sonst. Auch Jello Biafra will kommen.

8. - 10.11. BERLIN-MITTE

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Wir schon.

15. 17 11 GENF (Schweiz)

Das BarschelWochenende. Badewannendemo rund ums Beau Rivage.

22. 24.11. SCHAFFHAUSEN

Der vollkommene R(h)einfall.

29.11. I .12. HOYERSWERDA

Advent, Advent, ein Nazi brennt. Rache ist süß.

6.-8.12. FRANKFURT/MAIN

Erbarme, zu spät, die Panker komme!

13. I5.12 DÜSSELDORF

Sollte eigentlich erst 1997 wieder dabei sein, aber eine Rockband, die hier nicht genannt werden will, hat eine Menge Geld gesponsort.

20.22. 12. NÜRNBERG

Christkindlmarkt

23.12. 1.1. VATIKANSTADL, Petersdom und umliegenden Sakralbauten

Wir wollen dem Herrn ganz nahe sein.

###############################

Nun der oben erwähnte "Erlebnisbericht":

CHAOSTAGE - HANNOVER 1:1

In der Redaktion sammeln sich inzwischen unzählige Zeitungsausschnitte, Videobänder, Kopien von Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs, und sonst allerhand Krempel zum Thema Chaostage. Genug Material, um eine Doktorarbeit darüber zu schreiben.

Inzwischen sind auch schon die ersten Punkfanzines eingetrudelt, die dieses Ereignis recht gut beschrieben haben. Zudem wird in Kürze die APPD-Sektion Mannheim in ihrer heiligen Parteizentrale eine 3stündige Videovorführung zu den Chaostagen veranstalten. Gerüchten zufolge soll zu diesem feierlichen Moment Freibier (Berliner Kindl) gereicht werden. (siehe Veranstaltungshinweise).

Was mich wundert, wenn ich mir den Wust von Zeitungsausschnitten so angucke, sind erstaunlich viele sonst eher konservative Blätter, die pro Punk schreiben. Es kam RELATIV selten vor, daß mir vor lauter Lügengeschichten die Haare zu Berge standen, als ich die Ausschnitte durchlas.

Eher amüsiert verschlang ich die Artikel und genoß den Anblick der herrlichen Fotos.

Es gibt unzählige schöne Erlebnisse, die die Niveauredaktion, die übrigens vollzählig anwesend war, berichten könnte. Nicht ganz unschuldig daran war die durchaus gastfreundliche Hannoveraner Zivilbevölkerung, die sich mehr durch die Polizei bedroht fühlte, als durch schlechtgeduschte bunthaarige Jugendliche. Durch die Punkerjagd der Bullen ist am Samstag mehr Schaden am Privateigentum entstanden als durch Punkerrandale. Parkende Autos wurden zusammengefahren, Wohnungen durch Wasserwerfersalven überflutetu.s.w.

Die Bullen gaben sowieso ein ziemlich armseliges Bild ab. Klar, sie wurde ordentlich verheizt, und das bekamen auch einige Punks zu spüren. Am Samstag kamen sogar auch SEK-Turnschuhbullen aus Mannheim mit Hubschraubern eingeflogen, die hatten die übelsten Sachen über die Chaoten erzählt bekommen, und waren dementsprechend spitz. (OTon von unserem VMann). "Es gab z.B. einen Befehl über Funk, wenn die Lage eskaliert, in die Luft schießen, wenn's nicht hilft, in die Menge." Es war sowieso ein Wunder, daß kein Bulle den totalen Durchbrenner bekommen hat. O.k., manche haben mit Steinen geschmissen, aber wenn ich mir vorstelle, daß jeder von den Affen eine scharfe Knarre bei sich trägt...da hört der Spaß auf!

Mit dem Gruppenticket und 4 Paletten Grafenwalder gings donnerstags morgens in Richtung Hannover. Mit kräftigem Schlucken haben wir uns den morgendlichen Katarrh vertrieben . Ein netter Kerl vom MitropaBahndienst konnte nicht mitansehen, wie wir uns das inzwischen stark erwärmte Bier in den Hals schoben und schenkte uns einen Block Trockeneis. Ich kam mir vor wie bei Jugend-Fortscht. Trockeneis ist absolut das Beste! Es wird nämlich nicht flüssig, sondern geht gleich in den gasförmigen Zustand über. Da haben sich natürlich gleich mal ein paar Leute die Finger "verbrannt". Die Umsteigerei von einem Gleis zum nächsten war natürlich die Hölle.

Gegen Abend kamen wir in Hannover an. Um beim Aussteigen nicht gleich aufzufallen, steig jeder von uns in einem anderen Abteil aus. Doch dieses Taktik erwies sich für die meisten von uns als bescheuert. Ein Großteil durfte nämlich gleich in den Knast.

Gitte und ich kamen irgendwie unbeobachtet an den Bullen vorbei und zogen Richtung Innenstadt. Dort landeten wir in einer kleinen Gruppe von Punks aus Frankreich, Schweiz und Dänemark. Aus ein Proll-Kneipe nebenan kam plötzlich ein Typ raus mit einer riesen Salatschüssel Pommes rot/weiß. Er meinte, wir sehen so hungrig aus und da wir doch alle so nett und friedlich sind, spendierte er uns insgesamt 4 Portionen: Anschließend kam er noch mit Bier. Wir verstanden die Welt nicht mehr Aber das war nicht alles. als plötzlich 2 WannenEinsatzbullen vor uns standen, unsere Ausweise kontrollierten und uns Stadtverbote erteilten, stand die ganze Kneipe draußen und beschimpfte die Bullen aufs Ietzte.

Trotz der Einschüchterung, beim 2. Mal im Knast zu landen, wenn uns die Bullen noch mal sehen, entschieden wir uns mal, 'nen kleinen Stadtbummel zu machen. Auf so 'ner Art Paradeplatz trafen wir auch gleich Leute aus Lüneburg, die schon seit Montag da waren und bisher kein einziges Mal kontrolliert worden waren. Müde vom hin und herflitzen gingen wir zu unserer Pennmöglichkeit, Debilio Diabolo.

Ein quierlig kleiner Gnom mit langen Haaren, der in einem Lager für geschmacklose Schallplatten haust. Bis auf seine penetranten Anbaggerversuche ist er eigentlich ein netter Kerl. So verbrachten wir das Wochenende in seiner Begleitung. Er wußte immer einen Weg, an den Bullen vorbeizukommen und zeigte uns die schönsten Attraktionen Hannovers. Er führte uns zu wichtigen Persönlichkeiten, wie z.B. Apokacalyptic Helga, aber davon später.

Freitag morgens latschten wir prompt in eine Bullenfalle rein und so bekamen wir unseren 2. Platzverweis. Auf die Frage, wo es uns überhaupt noch gestattet ist, ohne Scherereien zu kriegen, hingehen zu dürfen, schickten uns die Bullen in die Nordstadt. Aber dort wollten wir auf keinen Fall hin, denn die Chaostage sollten doch in der Fußgängerzone stattfinden und nicht wieder in einem Szeneviertel.

Erstmal sind wir auf Umwegen in die Unimensa zum Essen geschlappt. Das Essen war scheiße. Debilio traf dort Kumpels mit Auto, die uns anboten eine kleine Stadtrundfahrt zu machen, um mal einen Oberblick zu bekommen. Es sah so aus, daß die Bullen alle Punks in die Nordstadt zum Sprengelgelände gescheucht hatten. Dort stand dann alles zu mit Einsatzwagen und es sah ziemlich gefährlich aus. Bei 2 Bekannten, die direkt neben der Lutherkirche wohnen, machten wir uns erstmal paar Gedanken, wie wir wieder unsere Leute finden könnten und ganz wichtig: Wer geht raus und holt Bier. Denn für eins haben wir uns entschieden, in den Knast wollen wir nicht. Draußen merkte ich dann, daß die ganze Situation von mir überschätzt worden war. Es waren soviel Punks unterwegs. daß die Bullen sich gar nicht trauten, Personalkontrollen durchzuführen.

Mittags gingen wir dann in den Park, dort waren bestimmt etwa 1000 Punks beisammen, sangen Lieder, machten Lagerfeuer, tranken Bier und erzählten sich schöne Geschichten. Da Debilio keine Zeit mehr hatte. bot er uns einen Ersatzfremdenführer, den sagenumwobenen Apokalyptic Helga an. ApokaIyptic Helga, auch APPDMitglied, zeigte uns seine Ikonensammlung und führte uns zu einer guten Pizzeria.

Gestärkt und voller Lebensmut machten wir uns auf in Richtung Sprengel. Wir trafen eine Menge bekannte Gesichter, unter anderem die Münchner, die mit dem Flugzeug nach Hannover gekommen sind.

Die Bullen wurden immer frecher, bauten überall sich in den Weg. Also gingen wir gemeinsam mit unseren Bekannten wieder zurück in den Park. Dort saßen inzwischen doppelt soviel Punks wie mittags. Irgendwie erinnerte mich das an eine riesengroße Hippieparty. Jeder saß im Gras und grinste dümmlich vor sich hin. Plötzlich kam dann die Nachricht, die Bullen haben das Sprengelgelände geräumt. Ein Großteil der Leute ließ sich das nicht zweimal sagen und ein großer Pulk machte sich auf den Weg, die eingekesselten Leute zu befreien Uns war das doch etwas zu viel Sport. Zudem schon gut besoffen. So zogen wir es vor, mit gebührendem Abstand der Sache beizuwohnen und gingen wieder zur Lutherkirche. Dort hatte man eine ausgezeichnete Sicht, außerdem eine Menge Kiosks, um sich mit Bier zu versorgen. Zwar waren wir von parkenden Wasserwerfern und Räumpanzern umstellt, doch die Bullen waren anderweitig beschäftigt.

Irgendwann haben die Punks das Spiel gewonnen, und die Bullen rannten an uns vorbei in ihre Wannen und zogen von dannen. Einziges Handikap hatten die Fahrer der Wasserwerfer, die konnten nämlich nicht so schnell wegfahren, die hatten sich gegenseitig zugeparkt und das Chaos war perfekt. Dies bot jetzt auch den Besoffensten unter uns die Gelegenheit, auch mal ein Steinchen oder eine Flasche auf so ein großes Ungetüm zu schmeißen. Laufbullen waren nämlich keine mehr da und die Wasserwerfer ganz. alleine. Apokalyptic Helga konnte dieses mitleidseregende Bild nicht mehr mit ansehen und nahm die Sache in die eigene Hand. Er stellte sich auf die Straße und gab den Fahrern Anweisungen wie sie am besten, und vor allem in welcher Reihenfolge,sie ausparken und wenden mußten. Das hatte dann auch blendend geklappt. Mit freundlichem Gruße verabschiedeten sie sich bei ihrem Retter und machten sich auch davon. Endlich war wieder Friede eingekehrt.

Die Bullen kamen natürlich wieder, aber dieser Versuch, den Platz zu räumen, ist kläglich gescheitertNebenbei kamen wir mit paar jugendlichen türkischen Bozcurz (Graue Wölfe Faschogang) ins Gespräch. Die meinten, wir würden viel zu lasch mit den Bullen umgehen. Denen erklärten wir erstmal das die Punks nicht angreifen, sondern sich verteidigen. Das haben die gar nicht kapiert. (Kein Wunder!!)

Am nächsten Tag war das Fährmannsfest angesagt. Es spielten Total Chaos (so ne Mischung aus Chaos UK und Exploited) und noch ne junge Hannoveraner Band, die guten PopPunk gemacht haben. es waren über 2000 Punks, natürlich friedlich, auf der Wiese versammelt, tanzten, sauften und gähnten in der Sonne. )

Als die Bands gespielt hatten, gingen wir in den benachbarten Stadtteil, um irgendwo essen zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt müssen wohl die Bullen alles umzingelt haben. Als wir vollgefressen wieder zurück zum Fährmannsfest wollten. war alles abgesperrt. Es gab kaum noch ne Möglichkeit, irgendwo hinzugehen. Wir irrten durch die Stadt und trauten unseren Augen nicht, die ganze Stadt wimmelte vor Bullen. Es wurde eine regelrechte Treibjagd auf alles, was anders aussieht, gemacht. Teilweise in zivilen Autos wurden Punks aufgelauert, die nur versuchten mit heiler Haut aus der Sache rauszukommen

Hubschrauber flogen im Tiefflug über die Stadt. Als auch wir die Bullen im Nacken spürten, flohen wir in eine Gartenwirtschaft. Kurz nachdem wir uns ein Bier bestellt hatten, kamen 3 Wannen angedüst und fuhren erst mal in die parkenden Autos, ein Punk, der zufällig auf der anderen Straßenseitestand, hatte nichts mehr zu lachen, die Bullen schlugen ihn weich. Als die erschrockenen Gäste die Bullen fragten. warum der so schreit, sagten die, "das macht er nur, um euch aufzuwiegeln, aber wir kleben dem gleich den Mund zu."

Uns war das Ganze etwas zu gefährlich geworden und zogen es vor unsere Pennmöglichkeit aufzusuchen.

Am nächsten Morgen sind wir noch mal alle Plätze, an denen es in der Nacht zuvor abging, aufsuchen gegangen, um ein paar hübsche Erinnerungsfotos zu schießen. Von den Leuten, die wir dann auf dem Fährmannsfest gesehen haben, hatten auffällig viele Kopfverletzungen oder liefen an Krücken.

Resümee des Wochenendes: Es war alles in allem ereignisreich, lustig, und der Spaß kam nicht zu kurz. Selbst die Leute, die im Knast saßen, sagten mir, daß sie es nicht bereut haben, nach Hannover zu kommen.

Nächstes Jahr wird bestimmt wieder genauso lustig!

Euer Pater Roy Hiebel

 
  Ein gutes Praktikum in Sachen Sensationsgeilheit
Im Nachhinein kann ich über die fast naive Absicht nur noch lächeln, so etwas wie die "Wahrheit" über die Chaos-Tage verbreiten zu wollen.
Eine perfekte Allianz aus bestimmten blutgeilen Kräften in Polizei und Medien wollte es einfach knallen lassen, folglich knallte es.
Trotzdem war es eine interessante Erfahrung, täglich Berichte durchs Internet zu schicken. Auf die Art konnte ich mir ein wenig das Handwerkszeug aneignen, um im nächsten Jahr den Cannibal Home Channel ins Leben zu rufen.
Denn dann hieß es: "Seit 1995 wird zurückgelogen!"
-kn-
 
 
   
 
 
 
Home | Aktuell | Archiv | Diskussion | Downloads | Kontakt

 

WWW.CHAOS-TAGE.DE - das Internet-Archiv zum Thema
Für Inhalt, Gestaltung und Programmierung verantwortlich: Karl Nagel, Schleswiger Str. 2, 22761 Hamburg
 
Bilder des Chaos!
KOT
Bilder des Chaos!