Nach den diesjährigen Chaos-Tagen
haben sich natürlich neben
den "Overground"-Medien auch eine
ganze Reihe von Punk-´Fanzines
über dieses Thema ausgebreitet.
Wir wollen hier in lockerer Folge
einige dieser Artikel vorstellen.
Los gehts mit dem monatlich erscheinenden
Zine NIVEAU, das uns in seiner
September-Ausgabe eine Vorschau
auf die Chaos-Tag-Termine des
nächsten Jahres bietet, sowie
einem Erlebnisbericht aus der
gleichen Ausgabe.
DIE LAGER-GANG
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DAS "IMPRESSUM":
Die Lager-News werden zusammengestellt
von der LAGER-GANG. Uns geht's
hier ausschließlich darum,
Entwicklungen, Flugblätter,
Berichte und Meinungen im Zusammenhang
mit vergangenen und künftigen
Chaos-Tagen zu dokumentieren.
Eventuelle Sympathien, die wir
mit der jeweiligen Quelle haben,
sind dabei zweitrangig. Will heißen:
Die Meinung der Redaktion ist
nicht zwangsläufig identisch
mit der Meinung der Verfasser
der dokumentierten Texte. Zuletzt
wollen wir noch einmal betonen,
daß es eine typische Eigenschaft
von Chaos-Tagen ist, daß
sie eben chaotisch und unorganisiert
verlaufen und es keine "Zentrale"
gibt, die die Ereignisse steuert.
Sondern nur Individuen, die sich
einfach den Ereignissen ausliefern
bzw. versuchen, ihren Teil dazu
beizutragen, daß Punk LEBT.
Einige dieser Individuen haben
sich sich zur LAGER-GANG zusammengeschlossen.
Alle Versuche aber, uns eine "Organisation"
der Chaostage zu unterstellen
oder uns auch dazu aufzurufen,
dies zu tun, lehnen wir ab. Das
Chaos lebt! Wir brauchen keine
Führer!
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1996 - DIE CHAOSTAG-TERMINE FÜR
DAS NÄCHSTE JAHR
Nach den guten Erfahrungen von
Hannover und Oldenburg, was den
Umgang mit Presse und Ordnungskräften
angeht, soll nun alles noch besser
werden. Ein jeder Punkrocker,
egal ob Veteran, Jungspunt, Modefuzzi
oder Stumpfheimer, ein jeder weiß
ab sofort Bescheid und keiner
soll sagen, er hahe von nix gewußt.
Das nächste Jahr liefert
52 Möglichkeiten, um eine
geile Party zu feiern, alte und
neue Freunde wiederzusehen, Dosenbier
zu trinken, Einsatzleiter in den
Ruhestand zu treiben. Pennymärkte
zu plündern oder endlich
mal ins Femsehen zu kommen. Gemeinsam
mit ortsansässigen Lokalkomitees
ist es bereits jetzt gelungen,
die neuen Termine zu koordinieren:
5 7. I. KÖNIGSBERG (Kaliningrad)
Das Dreikönigstreffen als
kleiner Parteitag. Achtung, Visumspflicht.
Ein Treffen der Elite zum Jahresbeginn.
12. 14.1. BADEN-BADEN
Wir sprengen die Spielbank. Wir
brauchen Geld für die nächsten
50 Wochenenden.
19. 21.1. KÖLN
Hochwassertourismus: Vor uns
die Sintilut.
26. 28.1 EISENHÜTTENSTADT
(Stalinstadt)
Motto: Alle 14Minuten stirbt
ein deutscher Soldat. Warumauch
nicht.
2. 4. 2. COVENTRY, England
Tanz den Bomber Harry; Stukas
über London.
9. 11.2. STUTTGART
Kehrwöchle In Stammheim.
Heute wird der Knast gefegt.
15. 21. 2. MAINZ
Fasching statt Faschos. Schwarzer
Block im Rosenmontagszug. Gefolgt
vom grünen Block des BKA.
23. 25. 2. GARMISCH-PARTENKIRCHEN
Ja Ja den SchneeSchneeSchneeSchneepogo
tanzen wir, ja ich mit dir und
du mit mir.
29.2. 3.3. GELSENKIRCHEN
Schaltjahr auf Schalke
8. 10. 3. BUXTEHUDE
Der Überraschunschaostag.
Verhext und zugenäht. Treffen
der Amateurzauberer: Wie verwandle
ich einen vollen in einen leeren
PennyMarkt?.
15. 17. 3. VENEDIG
Wenn die Gondeln Piratenflaggen
tragen. Wiederausrufung der serenissima
republica
22. 24. 3. SAARBRÜCKEN
Feierliche Übtergabe des
Saarlandes an Frankreich
29. 31. 3. VICHY
Übergabe Nordfrankreichs
an Deutschland (außer Saarland)
4. 8. 4. ALTÖTTING
Passionsfestspiele. Wir sind
die Märtyrer.
12. 14. 4.ROTHENBURG OB DER TAUBER
Waas, nur5 Mark pro Photo will
der Scheißami bezahlen???
19. - 21. 4BRAUNAU
Die absolute Härte sind
Oberlippenbarte. Antifaschistisches
Pinkeln an Führers Geburtshaus.
26. 28. 4. LONDON, KOPENHAGEN,
AMSTERDAM
God shave all the Queens! Nach
dem Dreikönigstag nun der
Dreiköniginnentag.
30.4./1.5. BROCKEN, Harz
Walpurgisnacht
3. 5. 5. TRIER
Wir feiern Kalle Marx' Geburstag!!
10. 12. 5. LIECHTENSTEIN, gesamtes
Staatsgebiet
Endlich: Mehr Punks als Normalbürger
15. 19.5. LUXEMBURG
Punker sparen Steuern. Großes
Geldwaschen am Fluß.
24. 27. 5. INGELHEIM, Folkfestival
Wir saufen den Hippies ihren
Rotwein weg.
31.5. 2.6. BERLIN, WEST
Mach mir den Benno 0.
5.6. 9.6. HAMBURG
Auf der Reeperhahn nachts um
halb vier ,da sitzen wir und wollen
noch Bier. Eigentlich wollten
wir den deutschen Meister feiern,
aber das war nicht konsensfähig.
14. 17. 6 OSTBERLIN
42 Jahre Volksaufstand. Wir sind
dabei.
21. 23. 6 PRAG, Tschechien
378 Jahre Fenstersturz. Lebensnahe
Wiederaufführung des historischen
Ereignisses.
28. 30. 6. MÜNCHEN, Olympiagelände
Die 1. Pogopiade. Bierdosenweitwurf,
Standhochsprung mit Springerstiefeln
und Lederjacke. Wettschnorren
in der Fußgängerzone
und andere packende Wettbewerbe
5. 7. 7. RHEIN-NECKAR-DREIECK
(Mannheim. Ludwigshafen, Lampertheim)
Wir treibon 3 Innenminister in
den Rücktritt
12. 14. 7. NORDESEE, diverse
Inseln, Kutter und Plattformen
Bei Greenpcace gibts kein Bier
19. - 21. 7. HALLIG-INSELN
RobbenRules ok; Beginn auf Hallig
Hooge, je nach Teilnehmerzahl
und Wasserstand word auf andere
Halligen ausgeweitet.
26. 28. 7. KASSEL
Ein Jahr vor der Documenta: Sind
wir nicht alle ein bißchen
Gesamtkunstwerk?
2. 4. 8. HANNOVER
Der Klassiker. Aus Erfahrung
gut.
9. 11.8. WOLFGANGSEE
Chaostage Light. Wir trinken
kleine Dosen, hören Musik
aus Transistorradios, werfen mit
Kieselsteinen und werden von Kleinkindern
verhaftet.
16. I8. 8. RUDOLF HESS' GRAB
Leichenfleddern und versauen.
Geil.
23. 25. 8. NEUSCHWANSTEIN
151 Jahre Kini. Ludwig was a
Punk Rocker.
30.8. 1.9. SOLINGEN
Wir zünden NaziHäuser
an
6. -8. 9. SREBRENICA
Zwischen allen Frontcn und für
nix zu schade: Punker für
den Frieden. Schwerter zu Zapfhähnen.
13. 15. 9. HIRSCHHORN
Was machen wir hier eigentlich?
20. 22. 9. BAD KLEINEN, Bahnhofsunterführung
Wahrscheinlich stimmt der Jahrestag
nicht, aber an diesem lauschigen
Orl wollten wir alle schon immer
eine Party feiern
27. 29.9.FIRENZE, TOSKANA
Wir besuchen die SPDGenußfront
2. 6. 10. BONN
Bonn muß Hauptstadt bleiben!
Oder Palermo! Zweigeteilte Chaostage.
11. 13.10. ST. GOARSHAUSEN, Loreley
Wozu kämmen? Haare hochstellen
und einseifen! Gesponsort von
der Landesfriseurinnung und Palmolive.
18. -20.10. ROSTOCK-LICHTENHAGEN
Internationales Jogginghosenpinkeln.
Wer macht den schönsten Fleck?
25. 27. IO. WIEN
Eine Kleine Nachtmusik. Es ist
Nationalfeiertag in Österreich.
Und mit ein bisserl Glück
auch noch Opernball.
31.10.3.11. DARMSTADT, Burg Frankenstein
Halloween. Wo sonst. Auch Jello
Biafra will kommen.
8. - 10.11. BERLIN-MITTE
Niemand hat die Absicht, eine
Mauer zu bauen. Wir schon.
15. 17 11 GENF (Schweiz)
Das BarschelWochenende. Badewannendemo
rund ums Beau Rivage.
22. 24.11. SCHAFFHAUSEN
Der vollkommene R(h)einfall.
29.11. I .12. HOYERSWERDA
Advent, Advent, ein Nazi brennt.
Rache ist süß.
6.-8.12. FRANKFURT/MAIN
Erbarme, zu spät, die Panker
komme!
13. I5.12 DÜSSELDORF
Sollte eigentlich erst 1997 wieder
dabei sein, aber eine Rockband,
die hier nicht genannt werden
will, hat eine Menge Geld gesponsort.
20.22. 12. NÜRNBERG
Christkindlmarkt
23.12. 1.1. VATIKANSTADL, Petersdom
und umliegenden Sakralbauten
Wir wollen dem Herrn ganz nahe
sein.
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Nun der oben erwähnte "Erlebnisbericht":
CHAOSTAGE - HANNOVER 1:1
In der Redaktion sammeln sich
inzwischen unzählige Zeitungsausschnitte,
Videobänder, Kopien von Strafanzeigen
wegen Landfriedensbruchs, und
sonst allerhand Krempel zum Thema
Chaostage. Genug Material, um
eine Doktorarbeit darüber
zu schreiben.
Inzwischen sind auch schon die
ersten Punkfanzines eingetrudelt,
die dieses Ereignis recht gut
beschrieben haben. Zudem wird
in Kürze die APPD-Sektion
Mannheim in ihrer heiligen Parteizentrale
eine 3stündige Videovorführung
zu den Chaostagen veranstalten.
Gerüchten zufolge soll zu
diesem feierlichen Moment Freibier
(Berliner Kindl) gereicht werden.
(siehe Veranstaltungshinweise).
Was mich wundert, wenn ich mir
den Wust von Zeitungsausschnitten
so angucke, sind erstaunlich viele
sonst eher konservative Blätter,
die pro Punk schreiben. Es kam
RELATIV selten vor, daß
mir vor lauter Lügengeschichten
die Haare zu Berge standen, als
ich die Ausschnitte durchlas.
Eher amüsiert verschlang
ich die Artikel und genoß
den Anblick der herrlichen Fotos.
Es gibt unzählige schöne
Erlebnisse, die die Niveauredaktion,
die übrigens vollzählig
anwesend war, berichten könnte.
Nicht ganz unschuldig daran war
die durchaus gastfreundliche Hannoveraner
Zivilbevölkerung, die sich
mehr durch die Polizei bedroht
fühlte, als durch schlechtgeduschte
bunthaarige Jugendliche. Durch
die Punkerjagd der Bullen ist
am Samstag mehr Schaden am Privateigentum
entstanden als durch Punkerrandale.
Parkende Autos wurden zusammengefahren,
Wohnungen durch Wasserwerfersalven
überflutetu.s.w.
Die Bullen gaben sowieso ein
ziemlich armseliges Bild ab. Klar,
sie wurde ordentlich verheizt,
und das bekamen auch einige Punks
zu spüren. Am Samstag kamen
sogar auch SEK-Turnschuhbullen
aus Mannheim mit Hubschraubern
eingeflogen, die hatten die übelsten
Sachen über die Chaoten erzählt
bekommen, und waren dementsprechend
spitz. (OTon von unserem VMann).
"Es gab z.B. einen Befehl über
Funk, wenn die Lage eskaliert,
in die Luft schießen, wenn's
nicht hilft, in die Menge." Es
war sowieso ein Wunder, daß
kein Bulle den totalen Durchbrenner
bekommen hat. O.k., manche haben
mit Steinen geschmissen, aber
wenn ich mir vorstelle, daß
jeder von den Affen eine scharfe
Knarre bei sich trägt...da
hört der Spaß auf!
Mit dem Gruppenticket und 4 Paletten
Grafenwalder gings donnerstags
morgens in Richtung Hannover.
Mit kräftigem Schlucken
haben wir uns den morgendlichen
Katarrh vertrieben . Ein netter
Kerl vom MitropaBahndienst konnte
nicht mitansehen, wie wir uns
das inzwischen stark erwärmte
Bier in den Hals schoben und schenkte
uns einen Block Trockeneis. Ich
kam mir vor wie bei Jugend-Fortscht.
Trockeneis ist absolut das Beste!
Es wird nämlich nicht flüssig,
sondern geht gleich in den gasförmigen
Zustand über. Da haben sich
natürlich gleich mal ein
paar Leute die Finger "verbrannt".
Die Umsteigerei von einem Gleis
zum nächsten war natürlich
die Hölle.
Gegen Abend kamen wir in Hannover
an. Um beim Aussteigen nicht gleich
aufzufallen, steig jeder von uns
in einem anderen Abteil aus. Doch
dieses Taktik erwies sich für
die meisten von uns als bescheuert.
Ein Großteil durfte nämlich
gleich in den Knast.
Gitte und ich kamen irgendwie
unbeobachtet an den Bullen vorbei
und zogen Richtung Innenstadt.
Dort landeten wir in einer kleinen
Gruppe von Punks aus Frankreich,
Schweiz und Dänemark. Aus
ein Proll-Kneipe nebenan kam plötzlich
ein Typ raus mit einer riesen
Salatschüssel Pommes rot/weiß.
Er meinte, wir sehen so hungrig
aus und da wir doch alle so nett
und friedlich sind, spendierte
er uns insgesamt 4 Portionen:
Anschließend kam er noch
mit Bier. Wir verstanden die Welt
nicht mehr Aber das war nicht
alles. als plötzlich 2 WannenEinsatzbullen
vor uns standen, unsere Ausweise
kontrollierten und uns Stadtverbote
erteilten, stand die ganze Kneipe
draußen und beschimpfte
die Bullen aufs Ietzte.
Trotz der Einschüchterung,
beim 2. Mal im Knast zu landen,
wenn uns die Bullen noch mal sehen,
entschieden wir uns mal, 'nen
kleinen Stadtbummel zu machen.
Auf so 'ner Art Paradeplatz trafen
wir auch gleich Leute aus Lüneburg,
die schon seit Montag da waren
und bisher kein einziges Mal kontrolliert
worden waren. Müde vom hin
und herflitzen gingen wir zu unserer
Pennmöglichkeit, Debilio
Diabolo.
Ein quierlig kleiner Gnom mit
langen Haaren, der in einem Lager
für geschmacklose Schallplatten
haust. Bis auf seine penetranten
Anbaggerversuche ist er eigentlich
ein netter Kerl. So verbrachten
wir das Wochenende in seiner Begleitung.
Er wußte immer einen Weg,
an den Bullen vorbeizukommen und
zeigte uns die schönsten
Attraktionen Hannovers. Er führte
uns zu wichtigen Persönlichkeiten,
wie z.B. Apokacalyptic Helga,
aber davon später.
Freitag morgens latschten wir
prompt in eine Bullenfalle rein
und so bekamen wir unseren 2.
Platzverweis. Auf die Frage, wo
es uns überhaupt noch gestattet
ist, ohne Scherereien zu kriegen,
hingehen zu dürfen, schickten
uns die Bullen in die Nordstadt.
Aber dort wollten wir auf keinen
Fall hin, denn die Chaostage sollten
doch in der Fußgängerzone
stattfinden und nicht wieder in
einem Szeneviertel.
Erstmal sind wir auf Umwegen
in die Unimensa zum Essen geschlappt.
Das Essen war scheiße. Debilio
traf dort Kumpels mit Auto, die
uns anboten eine kleine Stadtrundfahrt
zu machen, um mal einen Oberblick
zu bekommen. Es sah so aus, daß
die Bullen alle Punks in die Nordstadt
zum Sprengelgelände gescheucht
hatten. Dort stand dann alles
zu mit Einsatzwagen und es sah
ziemlich gefährlich aus.
Bei 2 Bekannten, die direkt neben
der Lutherkirche wohnen, machten
wir uns erstmal paar Gedanken,
wie wir wieder unsere Leute finden
könnten und ganz wichtig:
Wer geht raus und holt Bier. Denn
für eins haben wir uns entschieden,
in den Knast wollen wir nicht.
Draußen merkte ich dann,
daß die ganze Situation
von mir überschätzt
worden war. Es waren soviel Punks
unterwegs. daß die Bullen
sich gar nicht trauten, Personalkontrollen
durchzuführen.
Mittags gingen wir dann in den
Park, dort waren bestimmt etwa
1000 Punks beisammen, sangen Lieder,
machten Lagerfeuer, tranken Bier
und erzählten sich schöne
Geschichten. Da Debilio keine
Zeit mehr hatte. bot er uns einen
Ersatzfremdenführer, den
sagenumwobenen Apokalyptic Helga
an. ApokaIyptic Helga, auch APPDMitglied,
zeigte uns seine Ikonensammlung
und führte uns zu einer guten
Pizzeria.
Gestärkt und voller Lebensmut
machten wir uns auf in Richtung
Sprengel. Wir trafen eine Menge
bekannte Gesichter, unter anderem
die Münchner, die mit dem
Flugzeug nach Hannover gekommen
sind.
Die Bullen wurden immer frecher,
bauten überall sich in den
Weg. Also gingen wir gemeinsam
mit unseren Bekannten wieder
zurück in den Park. Dort
saßen inzwischen doppelt
soviel Punks wie mittags. Irgendwie
erinnerte mich das an eine riesengroße
Hippieparty. Jeder saß im
Gras und grinste dümmlich
vor sich hin. Plötzlich kam
dann die Nachricht, die Bullen
haben das Sprengelgelände
geräumt. Ein Großteil
der Leute ließ sich das
nicht zweimal sagen und ein großer
Pulk machte sich auf den Weg,
die eingekesselten Leute zu befreien
Uns war das doch etwas zu viel
Sport. Zudem schon gut besoffen.
So zogen wir es vor, mit gebührendem
Abstand der Sache beizuwohnen
und gingen wieder zur Lutherkirche.
Dort hatte man eine ausgezeichnete
Sicht, außerdem eine Menge
Kiosks, um sich mit Bier zu versorgen.
Zwar waren wir von parkenden Wasserwerfern
und Räumpanzern umstellt,
doch die Bullen waren anderweitig
beschäftigt.
Irgendwann haben die Punks das
Spiel gewonnen, und die Bullen
rannten an uns vorbei in ihre
Wannen und zogen von dannen. Einziges
Handikap hatten die Fahrer der
Wasserwerfer, die konnten nämlich
nicht so schnell wegfahren, die
hatten sich gegenseitig zugeparkt
und das Chaos war perfekt. Dies
bot jetzt auch den Besoffensten
unter uns die Gelegenheit, auch
mal ein Steinchen oder eine Flasche
auf so ein großes Ungetüm
zu schmeißen. Laufbullen
waren nämlich keine mehr
da und die Wasserwerfer ganz.
alleine. Apokalyptic Helga konnte
dieses mitleidseregende Bild nicht
mehr mit ansehen und nahm die
Sache in die eigene Hand. Er stellte
sich auf die Straße und
gab den Fahrern Anweisungen wie
sie am besten, und vor allem in
welcher Reihenfolge,sie ausparken
und wenden mußten. Das hatte
dann auch blendend geklappt. Mit
freundlichem Gruße verabschiedeten
sie sich bei ihrem Retter und
machten sich auch davon. Endlich
war wieder Friede eingekehrt.
Die Bullen kamen natürlich
wieder, aber dieser Versuch, den
Platz zu räumen, ist kläglich
gescheitertNebenbei kamen wir
mit paar jugendlichen türkischen
Bozcurz (Graue Wölfe Faschogang)
ins Gespräch. Die meinten,
wir würden viel zu lasch
mit den Bullen umgehen. Denen
erklärten wir erstmal das
die Punks nicht angreifen, sondern
sich verteidigen. Das haben die
gar nicht kapiert. (Kein Wunder!!)
Am nächsten Tag war das
Fährmannsfest angesagt. Es
spielten Total Chaos (so ne Mischung
aus Chaos UK und Exploited) und
noch ne junge Hannoveraner Band,
die guten PopPunk gemacht haben.
es waren über 2000 Punks,
natürlich friedlich, auf
der Wiese versammelt, tanzten,
sauften und gähnten in der
Sonne. )
Als die Bands gespielt hatten,
gingen wir in den benachbarten
Stadtteil, um irgendwo essen zu
gehen. Zu diesem Zeitpunkt müssen
wohl die Bullen alles umzingelt
haben. Als wir vollgefressen wieder
zurück zum Fährmannsfest
wollten. war alles abgesperrt.
Es gab kaum noch ne Möglichkeit,
irgendwo hinzugehen. Wir irrten
durch die Stadt und trauten unseren
Augen nicht, die ganze Stadt wimmelte
vor Bullen. Es wurde eine regelrechte
Treibjagd auf alles, was anders
aussieht, gemacht. Teilweise in
zivilen Autos wurden Punks aufgelauert,
die nur versuchten mit heiler
Haut aus der Sache rauszukommen
Hubschrauber flogen im Tiefflug
über die Stadt. Als auch
wir die Bullen im Nacken spürten,
flohen wir in eine Gartenwirtschaft.
Kurz nachdem wir uns ein Bier
bestellt hatten, kamen 3 Wannen
angedüst und fuhren erst
mal in die parkenden Autos, ein
Punk, der zufällig auf der
anderen Straßenseitestand,
hatte nichts mehr zu lachen, die
Bullen schlugen ihn weich. Als
die erschrockenen Gäste die
Bullen fragten. warum der so schreit,
sagten die, "das macht er nur,
um euch aufzuwiegeln, aber wir
kleben dem gleich den Mund zu."
Uns war das Ganze etwas zu gefährlich
geworden und zogen es vor unsere
Pennmöglichkeit aufzusuchen.
Am nächsten Morgen sind
wir noch mal alle Plätze,
an denen es in der Nacht zuvor
abging, aufsuchen gegangen, um
ein paar hübsche Erinnerungsfotos
zu schießen. Von den Leuten,
die wir dann auf dem Fährmannsfest
gesehen haben, hatten auffällig
viele Kopfverletzungen oder liefen
an Krücken.
Resümee des Wochenendes:
Es war alles in allem ereignisreich,
lustig, und der Spaß kam
nicht zu kurz. Selbst die Leute,
die im Knast saßen, sagten
mir, daß sie es nicht bereut
haben, nach Hannover zu kommen.
Nächstes Jahr wird bestimmt
wieder genauso lustig!
Euer Pater Roy Hiebel