Da Wolferl tatat rotieren
Als Reaktion auf die Ankündigung der "Chaos-Tage" in Salzburg faßt die FPOe ganz neue Resozialisierungsmasznahmen ins Auge
"Und triffst an Polizisten, dann paß auf daß net den falschen triffst, da gibts a paar, de haun de scho, wannstas nur frogst, wia spaet es is" Ludwig Hirsch,"Grueß Gott, Salzburg"
Wer gestern das "Mittagsjournal" konsumierte, hörte Kriegsberichterstattung. Seitdem der Frieden in Sarajevo herrscht, Belfast und Beirut auch nicht mehr ganz das sind, was sie einmal waren, muß ein neuer Krisenherd her: Salzburg heißt die Stadt, in der der Belagerungszustand ausgerufen worden ist! Der Feind trägt Lederjacke und buntgefärbtes Haar.
Schon vor Monaten hatten Punks angekündigt, zu Pfingsten "Chaos-Tage" in der Mozartstadt veranstalten zu wollen. Im letzten Oktober hatte man schon Ähnliches geplant gehabt, kaum mehr als 40 Punks waren da allerdings nur gekommen. Dennoch endete die Geschichte mit einer eher zufälligen Hausbesetzung, ein paar "Heldentaten" und 34 Festnahmen (s.a. akin 27/97). Danach ging man daran, Vorbereitungen für einen zweiten Versuch zu treffen.
Für die Zeit vom 16. bis 19.Mai haben manche Salzburger Geschäftsleute angekündigt, ihre Läden verbarrikadieren und Verteidigungspositionen beziehen zu wollen, die Kronen-Zeitung trommelt schon seit Wochen für den großen Abwehrkampf, das Fernsehen verwendet in seiner Vorausberichterstattung immer wieder Bilder von den ziemlich ruppigen Chaos-Tagen in Hannover 1995, die Polizei erklärt, sie werde die Stadt und die nahe Staatsgrenze zur BRD abriegeln und die FPÖ protestiert, die Polizei würde nichts unternehmen. Dabei hatte sie selbst für Punk-Werbung gesorgt, in dem sie per doppelseitigem Inserat in der Salzburger Krone ein Aufrufflugblatt für die Chaos-Tage veröffentlichte.
Aber was ist zu Pfingsten wirklich geplant? Da es weder ein Zentralbüro Europäischer Punx noch eine Landesorganisation Punx Salzburg gibt, wissen "sogar die Salzburger Punks nicht, was abgehen wird", so ein dortiger Streetworker. Schließlich gäbe es ja keine zentrale Organisation, die beispielweise einen Sonderzug organisieren würde. Bei der Polizei stellt man sich auf "rund 200", oder "300 bis 500" ein, bisweilen spricht auch von 700 oder 1000 "Chaoten", die kommen sollen. Wegen des anderen, des erwünschten Tourismusses, der zu Pfingsten besonders stark ist, versucht man die Sorgen der Anreisenden um ein problemloses Durchkommen zu zerstreuen. Man werde in erster Linie "optisch" kontrollieren und dann durchwinken. Die Groeße des Polizeiaufgebots duerfte auch nicht so wirklich klar sein. Neueste Zahlenangabe der amtlichen "Chaos-Tage-Hotline" (0662/6383-3721): "Hunderte Beamte".
Das Ganze waere nicht viel mehr als das übliche Spiel (Punks schreien: "Bääääääh!", gute Buerger schreien: "Hilfe!", Polizei sorgt für das, was sie "Ruhe und Ordnung" nennt), hätte die FPOe nicht auch ein paar Forderungen präsentiert, die über eben dieses Übliche hinausgehen:
In einer Pressekonferenz am Montag forderten sie unter anderem die Unterstützung der Polizei durch das Bundesheer, die Einrichtung von Schnellrichtern, "sofortiges Einreiseverbot und Kennzeichnung durch einen Stempel im Paß" fuer straffällig gewordene Chaos-Tage-Teilnehmer, "europaweite Registrierung und damit Sperre als Sozialhilfeempfaenger" sowie "Sperre für alle staatlichen Universitäten und Ausbildungseinrichtungen". Soweit sind wir also schon...
*Bernhard Redl*
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