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VON INGE STROTHENKE
HANNOVER. Neuer Wirbel um die Punker-Kartei:
Drei junge Leute, die befürchten,
in der umstrittenen Kartei beim
Staatsschutz erfaßt worden
zu sein, wollen sich wehren. Ihr
Rechtsanwalt Friedrich Klawitter
fordert in einem Schreiben an Polizeipräsident
Gomried Walzer Auskunft über
vorhandene Daten seiner Mandanten
und verlangt gleichzeitig deren
Löschung. Klawmer will die
Rechte seiner Klienten und damit
grundsätzlich die Rechtmäßigkeit
der Punker-Kartei notfalls vor Gericht
klären lassen.
Wie berichtet, hatte Walzer im
August eine Meldepflicht für
alle Dienststellen angeordnet. Danach
sollten alle Erkenntnisse über
sogenannte Punker unverzüglich
der zentralen Nachrichten- und Auswertungsstelle
der Kriminalinspektion 7 mitgeteilt
werden .
Als dies durch die Presse bekannt
wurde, reagierten Juristen und Politiker
mit Empörung und scharfer Kritik.
Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte
Thomas Thebarth und Innenminister
Egbert Möcklinghoff tadelten
das voreilige Handeln Walzers. Er
hatte den behördlich vorgeschriebenen
Weg nicht eingehalten.
Selbst innerhalb der Polizeidirektion
war man sich über den Zweck
der "Punker-Kartei nicht einig:
Während Walzer versicherte,
daß beim Staatsschutz lediglich
Daten über straffällig
gewordene Punker gesammelt werden
wollte sein ständiger Vertreter
Dr. Thomas Sporn gleichzeitig kriminalsoziologische
Rückschlüsse ziehen. Dazu
erklärte der Datenschutzbeauftragte:
Eine polizeiliche Datei, in der
alle Punker mit der Zweckbestimmung
registriert werden kriminalsoziologische
Rückschlüsse zu ziehen,
wäre selbstverständlich
rechtswidrig . Ein Verstoß
gegen das
Datenschutzgesetz liege allerdings
nicht vor.
Die drei jungen Leute, die sich
persönlich von der "Punker-Verfügung
der Polizei betroffen fühlen
- Angelika F. (25), Manuela H. (21)
und Uwe B. (23) tragen ausgeflippte
Kleidung und haben bunt gefärbte
Haare - wollen sich mit diesem Stand
der Dinge nicht zufriedengeben.
Nach ihrer und Klawitters Ansicht
gab es für die Polizei Anlaß,
sie in der umstrittenen Kartei zu
registrieren. Angelika F. zum Beispiel
wurde bei einer El Salvador-Demonstration
wegen angeblicher Steinwürfe
festgenommen, vor Gericht dann jedoch
freigesprochen. Sie glaubt, nur
durch ihr Äußeres in
diesen Verdacht geraten zu sein.
Angelika F.: "Der Staatsanwalt hat
mich während der Verhandlung
darauf aufmerksam gemacht, daß
ich aussehe wie ein Punker und deshalb
immer irgendwie verdächtig
bin.
Rechtsanwalt Klawitter sieht gute
Aussichten, daß die eventuell
gespeicherten Daten seiner Mandanten
gelöscht werden. Dagegen erklärte
der stellvertretende Polizeipräsident
Dr. Sporn der NP gestern: In der
Praxis Ist die Polizei grundsätzlich
nicht zu einer Auskunft über
gespeicherte Daten verpflichtet.
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