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"Die Tageszeitung" 14.12.82
"Wer bunt ist, kommt rein"
 
Interview mit zwei hannoveraner Punx,die sich für nächsten Samstag eine bunte City wünschen.

taz: Also, Moment mal. Ihr kommt hier rein, knallt'n paar Flugblätter auf'n Tisch. Chaos-Tag" am 18.12. in Hannover, was soll das eigentlich heißen?

A-Punk: Mensch, es geht um die "Punkerkartei", die dieser Polizeipräsident Walzer hier eingeführt hat. Wenn sich am Samstag um 12.00 Uhr Horden von bunten Leuten in der Stadt treffen und alles stören, merkt der vielleicht, was er für eine Scheiße verzapft hat.

taz: Glaubt ihr wirklich, daß sich Hannoveraner von bunten Leuten stören lassen?

B-Punk: Davon gehen wir aus. Wir rechnen mit mindestens 1.500 Punx und ebensoviel anderen Chaoten, die von überall her anreisen. Wir wollen es auch nicht einfach bei einem Treffen in der Innenstadt lassen, sondern werden uns ab Mittag auf die ganze Stadt verteilen, Aktionen machen und Kaufhäuser besuchen. Wenn jemand dann noch unbedingt Weihnachtsgeschenke einkaufen möchte, am langen Samstag, wo er endlich mal Zeit hat, und überall in den Kaufhäusern Gestalten sieht, kontrollierende Polizisten an jeder Ecke stehen, mit ihren Schutzschildern durch die Gegend rennen und Punx verfolgen, da wird sicher mancher Bürger sagen: Das ist mir zu stressig, heute geh ich nicht einkaufen. Damit wäre unser erstes Ziel, den Umsatz zu senken, bereits erreicht. Zum zweiten würde die Punkerkartei jeglichen Informationsgehalt verlieren. Die würde völlig unwirksam werden...

taz: Und wie soll das funktionieren?

B-Punk Wir fordern ja nicht nur wirkliche Punx auf, da hinzukommen. Alle möglichen Leute sollen sich Seife in die Haare schmieren und lustige Klamotten anziehen, völlig egal, Hauptsache irgendwas einfallen lassen, damit die Polizei nicht mehr durchblickt. Dann kommen halt Hunderte in die Kartei, meinetwegen, die kriegen wir zwar so nicht weg, ebensowenig in anderen Städten wie Hamburg und Berlin wo es "Punker-Karteien" schon viel länger gibt als in Hannover. Bloß anfangen kann die Polizei dann damit nichts mehr, zunächst jedenfalls nicht.

A-Punk: Die Kartei ist eigentlich nur der Anlaß, endlich mal ein großes internationales Punk-Treffen zu machen. Wir haben unsere Flugblätter bis nach Amsterdam, Zürich und Paris geschickt. Wir wollen einfach mal eine riesengroße gemeinsame Störaktion machen.

taz: Warum sprecht ihr in den Einladungen eigentlich immer vom "Untergang Hannovers"?

A-Punk: Das ist als Motto völlig willkürlich entstanden. wir schreiben ja jetzt auch meist "Chaos-Tag". An dem Tag soll halt die Innenstadt von Hannover im Chaos untergehen.

taz: Paßt bloß auf!

 

 
  Es fing so harmlos an...
Als wir im Herbst '82 mit ein paar Leuten die Flyer zu den ersten Chaos-Tagen zusammenkloppten, ahnten wir wirklich nicht, daß diese Idee fast 20 Jahre die Medienlandschaft auf Trab bringen und zum Schluß sogar in den allgemeinen Sprachgebrauch eingehen würde.
Dennoch waren die Medienreaktionen 1982 nicht im mindesten mit dem zu vergleichen, was dann nach der Wiederbelebung der Chaos-Tage 1994 geschehen sollte...
-kn-
 
 
  • Natürlich ein BILD-Artikel
    vom 20.12.82
  • Als Kontrastprogramm dazu
    die taz vom 20.12.82
   
 
 
 
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