| Interview mit
zwei hannoveraner Punx,die sich für
nächsten Samstag eine bunte City
wünschen.
taz: Also, Moment mal. Ihr
kommt hier rein, knallt'n paar Flugblätter
auf'n Tisch. Chaos-Tag" am 18.12.
in Hannover, was soll das eigentlich
heißen?
A-Punk: Mensch, es geht
um die "Punkerkartei", die dieser
Polizeipräsident Walzer hier
eingeführt hat. Wenn sich am
Samstag um 12.00 Uhr Horden von
bunten Leuten in der Stadt treffen
und alles stören, merkt der
vielleicht, was er für eine
Scheiße verzapft hat.
taz: Glaubt ihr wirklich,
daß sich Hannoveraner von
bunten Leuten stören lassen?
B-Punk: Davon gehen wir
aus. Wir rechnen mit mindestens
1.500 Punx und ebensoviel anderen
Chaoten, die von überall her
anreisen. Wir wollen es auch nicht
einfach bei einem Treffen in der
Innenstadt lassen, sondern werden
uns ab Mittag auf die ganze Stadt
verteilen, Aktionen machen und Kaufhäuser
besuchen. Wenn jemand dann noch
unbedingt Weihnachtsgeschenke einkaufen
möchte, am langen Samstag,
wo er endlich mal Zeit hat, und
überall in den Kaufhäusern
Gestalten sieht, kontrollierende
Polizisten an jeder Ecke stehen,
mit ihren Schutzschildern durch
die Gegend rennen und Punx verfolgen,
da wird sicher mancher Bürger
sagen: Das ist mir zu stressig,
heute geh ich nicht einkaufen. Damit
wäre unser erstes Ziel, den
Umsatz zu senken, bereits erreicht.
Zum zweiten würde die Punkerkartei
jeglichen Informationsgehalt verlieren.
Die würde völlig unwirksam
werden...
taz: Und wie soll das funktionieren?
B-Punk Wir fordern ja nicht
nur wirkliche Punx auf, da hinzukommen.
Alle möglichen Leute sollen
sich Seife in die Haare schmieren
und lustige Klamotten anziehen,
völlig egal, Hauptsache irgendwas
einfallen lassen, damit die Polizei
nicht mehr durchblickt. Dann kommen
halt Hunderte in die Kartei, meinetwegen,
die kriegen wir zwar so nicht weg,
ebensowenig in anderen Städten
wie Hamburg und Berlin wo es "Punker-Karteien"
schon viel länger gibt als
in Hannover. Bloß anfangen
kann die Polizei dann damit nichts
mehr, zunächst jedenfalls nicht.
A-Punk: Die Kartei ist eigentlich
nur der Anlaß, endlich mal
ein großes internationales
Punk-Treffen zu machen. Wir haben
unsere Flugblätter bis nach
Amsterdam, Zürich und Paris
geschickt. Wir wollen einfach mal
eine riesengroße gemeinsame
Störaktion machen.
taz: Warum sprecht ihr in
den Einladungen eigentlich immer
vom "Untergang Hannovers"?
A-Punk: Das ist als Motto
völlig willkürlich entstanden.
wir schreiben ja jetzt auch meist
"Chaos-Tag". An dem Tag soll halt
die Innenstadt von Hannover im Chaos
untergehen.
taz: Paßt bloß
auf!
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