Zertrümmerte
Scheiben und viele Verletzte:
Krawalle in der City / Mindestens
60 000 Mark Schaden / 27 Demonstranten
festgenommen
Zahlreiche Verletzte, darunter
neun Polizeibeamte, und ein Sachschaden
von mindestens 60 000 Mark - das
ist die vorläufige Bilanz eines
Punkertreffens am Sonnabend in der
Innenstadt. Die Polizei nahm 27
Demonstranten fest. Ihnen wird unter
anderem Sachbeschädigung, Widerstand,
Gefangenenbefreiung und Landfriedensbruch
vorgeworfen. Mehrere Stunden lang
machte die City den Eindruck, als
sei der Belagerungszustand ausgerufen
worden.
Das Treffen, zu dem auch zahlreiche
Teilnehmer von außerhalb gekommen
waren, galt dem Protest gegen die
vor einiger Zeit von der Polizei
eingerichtete umstrittene Punkerkartei.
Zugleich aber war in Anzeigen, die
in linken Szenenblättern veröffentlicht
wurden, von "Hannovers Untergang"
und "CHAOS-TAG" die Rede.
Weder das Treffen am Kröpcke
noch ein danach beabsichtigter Umzug
durch die Innenstadt waren bei der
Polizei angemeldet worden. Die Beamten
hatten ihre Erkenntnisse nur aus
Anzeigen und Flugblättern gewonnen
und Tage vorher die Geschäftsleute
in der City vorgewarnt.
Bei naßkaltem Wetter versammelten
sich nach Polizeiangaben mittags
rund 600 Demonstranten, davon etwa
die Hälfte Punker, meist sehr
junge Leute in zerrissener, farbverschmierter
Kleidung und mit buntgefärbten
Haaren. In ihren Reihen kreisten
reichlich Bierdosen und -flaschen,
Schnaps und Wein.
Nach mehr als einer Stunde setzte
sich ein Demonstrationsmarsch in
Richtung Steintor in Bewegung, den
die Polizei jedoch schon am Schillerdenkmal
in der Georgstraße für
aufgelöst erklärte, weil
keine Anmeldung vorlag, kein Versammlungsleiter
auszumachen war und Polizeifahrzeuge
mit Flaschen, Dosen und Steinen
bombardiert wurden.
Unmittelbar nach der über
Lautsprecher bekanntgegebenen Auflösung
machten Beamte in Uniform und in
Zivil Jagd auf Steine- und Flaschenwerfer.
Es kam zu ersten Festnahmen. Eine
starke Gruppe von Demonstranten
rannte übers Steintor, wo sie
sich mit Steinen eindeckte. An der
Goseriede wurden innerhalb von wenigen
Minuten in neun Geschäften
und einer Wohnung mehr als ein Dutzend
Fensterscheiben zertrümmert.
Polizeibeamte konnten mehrere Werfer
fassen.
Bei dem Versuch, einen Festgenommenen
zu befreien, stürzte ein 23
Jahre alter Demonstrant in eine
Schaufensterscheibe und zog sich
schwere Kopfverletzungen zu nachdem
es zwischen ihm und Polizeibeamten
zu einem Handgemenge gekommen war.
Danach wurde die Lage auch für
die Ordnungskräfte undurchsichtig,
weil sich die Demonstration in kleine
Gruppen auflöste, von denen
einige zum Kröpcke zurückmarschierten.
Dort wollte das Blasorchester Langenhagen
ein Konzert für die Aktion
Weihnachtshilfe geben. Es mußte
nach einem Titel abgebrochen werden,
nachdem Eier auf die Musiker geworfen
worden waren und eine starke Gruppe
von Punkern
johlend das Orchester bedrängt
hatte. Als auch später immer
wieder Flaschen und Steine in die
Passerelle hinabflogen, besetzten
Polizeibeamte die Ballustrade am
Kröpcke.
In der Nacht zum Sonntag wurde
bei der Hastra eine Schaufensterscheibe
zertrümmert, und die U-Bahn-Station
Altenbekener Damm wurde mit Farbe
verschmiert. Vor dem Polizeirevier
in der HerschelstraBe wurden vier
Reifen an zwei Streifenwagen zerstochen.
Die Polizei berichtete am Sonntag
von 20 Straftaten und 27 Festnahmen.
In 19 Fällen können Tat
und Täter durch Zeugenaussagen
einander zugeordnet werden. Mehrfach
setzten Beamte Schlagstöcke
und Tränengas ein. Neun Polizisten
wurden verletzt, davon zwei schwerer.
Fünf Dienstfahrzeuge wurden
durch Stein- und Flaschenwürfe
beschädigt. Die Zahl der verletzten
Demonstranten ist unbekannt.
Wie die Polizei weiter mitteilte,
sind bei festgenommenen Demonstranten
unter anderem Motorrad- und Gliederketten,
Lederarmbänder mit Metalldornen,
ein feststehendes Messer und zahlreiche
Pflastersteine sichergestellt worden.
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