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"Hannoversche Allgemeine Zeitung" 20.12.82
Punker wüteten mit Steinen und Flaschen
 
Zertrümmerte Scheiben und viele Verletzte:
Krawalle in der City / Mindestens 60 000 Mark Schaden / 27 Demonstranten festgenommen

Zahlreiche Verletzte, darunter neun Polizeibeamte, und ein Sachschaden von mindestens 60 000 Mark - das ist die vorläufige Bilanz eines Punkertreffens am Sonnabend in der Innenstadt. Die Polizei nahm 27 Demonstranten fest. Ihnen wird unter anderem Sachbeschädigung, Widerstand, Gefangenenbefreiung und Landfriedensbruch vorgeworfen. Mehrere Stunden lang machte die City den Eindruck, als sei der Belagerungszustand ausgerufen worden.

Das Treffen, zu dem auch zahlreiche Teilnehmer von außerhalb gekommen waren, galt dem Protest gegen die vor einiger Zeit von der Polizei eingerichtete umstrittene Punkerkartei. Zugleich aber war in Anzeigen, die in linken Szenenblättern veröffentlicht wurden, von "Hannovers Untergang" und "CHAOS-TAG" die Rede.

Weder das Treffen am Kröpcke noch ein danach beabsichtigter Umzug durch die Innenstadt waren bei der Polizei angemeldet worden. Die Beamten hatten ihre Erkenntnisse nur aus Anzeigen und Flugblättern gewonnen und Tage vorher die Geschäftsleute in der City vorgewarnt.

Bei naßkaltem Wetter versammelten sich nach Polizeiangaben mittags rund 600 Demonstranten, davon etwa die Hälfte Punker, meist sehr junge Leute in zerrissener, farbverschmierter Kleidung und mit buntgefärbten Haaren. In ihren Reihen kreisten reichlich Bierdosen und -flaschen, Schnaps und Wein.

Nach mehr als einer Stunde setzte sich ein Demonstrationsmarsch in Richtung Steintor in Bewegung, den die Polizei jedoch schon am Schillerdenkmal in der Georgstraße für aufgelöst erklärte, weil keine Anmeldung vorlag, kein Versammlungsleiter auszumachen war und Polizeifahrzeuge mit Flaschen, Dosen und Steinen bombardiert wurden.

Unmittelbar nach der über Lautsprecher bekanntgegebenen Auflösung machten Beamte in Uniform und in Zivil Jagd auf Steine- und Flaschenwerfer. Es kam zu ersten Festnahmen. Eine starke Gruppe von Demonstranten rannte übers Steintor, wo sie sich mit Steinen eindeckte. An der Goseriede wurden innerhalb von wenigen Minuten in neun Geschäften und einer Wohnung mehr als ein Dutzend Fensterscheiben zertrümmert. Polizeibeamte konnten mehrere Werfer fassen.

Bei dem Versuch, einen Festgenommenen zu befreien, stürzte ein 23 Jahre alter Demonstrant in eine Schaufensterscheibe und zog sich schwere Kopfverletzungen zu nachdem es zwischen ihm und Polizeibeamten zu einem Handgemenge gekommen war.

Danach wurde die Lage auch für die Ordnungskräfte undurchsichtig, weil sich die Demonstration in kleine Gruppen auflöste, von denen einige zum Kröpcke zurückmarschierten. Dort wollte das Blasorchester Langenhagen ein Konzert für die Aktion Weihnachtshilfe geben. Es mußte nach einem Titel abgebrochen werden, nachdem Eier auf die Musiker geworfen worden waren und eine starke Gruppe von Punkern

johlend das Orchester bedrängt hatte. Als auch später immer wieder Flaschen und Steine in die Passerelle hinabflogen, besetzten Polizeibeamte die Ballustrade am Kröpcke.

In der Nacht zum Sonntag wurde bei der Hastra eine Schaufensterscheibe zertrümmert, und die U-Bahn-Station Altenbekener Damm wurde mit Farbe verschmiert. Vor dem Polizeirevier in der HerschelstraBe wurden vier Reifen an zwei Streifenwagen zerstochen.

Die Polizei berichtete am Sonntag von 20 Straftaten und 27 Festnahmen. In 19 Fällen können Tat und Täter durch Zeugenaussagen einander zugeordnet werden. Mehrfach setzten Beamte Schlagstöcke und Tränengas ein. Neun Polizisten wurden verletzt, davon zwei schwerer. Fünf Dienstfahrzeuge wurden durch Stein- und Flaschenwürfe beschädigt. Die Zahl der verletzten Demonstranten ist unbekannt.

Wie die Polizei weiter mitteilte, sind bei festgenommenen Demonstranten unter anderem Motorrad- und Gliederketten, Lederarmbänder mit Metalldornen, ein feststehendes Messer und zahlreiche Pflastersteine sichergestellt worden. -11

 

 
  Es fing so harmlos an...
Als wir im Herbst '82 mit ein paar Leuten die Flyer zu den ersten Chaos-Tagen zusammenkloppten, ahnten wir wirklich nicht, daß diese Idee fast 20 Jahre die Medienlandschaft auf Trab bringen und zum Schluß sogar in den allgemeinen Sprachgebrauch eingehen würde.
Dennoch waren die Medienreaktionen 1982 nicht im mindesten mit dem zu vergleichen, was dann nach der Wiederbelebung der Chaos-Tage 1994 geschehen sollte...
-kn-
 
 
  • Natürlich ein BILD-Artikel
    vom 20.12.82
  • Als Kontrastprogramm dazu
    die taz vom 20.12.82
   
 
 
 
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