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"Die Tageszeitung" 21.12.82
Presse randalierte maßlos - Punker verwundert
 

Hannover/(Osnabrück. Anders als die Beteiligten und auch anders als unser Mitarbeiter (vgl. taz vom Montag) nahm die Hannoversche Lokalpresse den bei uns mehrfach angekündigten "Chaostag" wahr. Auf vielfachen Wunsch unserer an Ausgewogenheit interessierten Leserschaft daher hier noch ein paar Details vom Punkerterror am Samstag Wir entnehmen diese im Originalzitat der

Hannoverschen Allgemeinen" (HAZ) und der "Neuen Presse" (NP):

In Hannover versammelten sich nach Polizeiangaben mittags rund 600 Demonstranten. davon etwa die Hälfte Punker, meist sehr junge Leute in zerrissener, farbverschmierter Kleidung und mit buntgefärbten Haaren. In ihren Reihen kreisten reichlich Bierdosen und Flaschen, Schnaps und Wein (HAZ). Was in den der linken Szene zugeordneten Gazetten in Anzeigen als

Chaotentag angekündigt war, bot zunächst ein solch friedfertiges Bild, wie der ständig nickende Weihnachtsmann in einem Kaufhausschaufenster (NP).

Während von den Punks bis zu diesem Zeitpunkt keine Gewalt ausging, warfen mit Ketten und Steinen bewaffnete Krawallmacher Bier- und Schnapsflaschen gegen einen Mannschaftsbus der Polizei und auf Passanten (NP). Als Punks und Randalierer trotz Aufforderung der Polizei, die nicht angemeldete Demonstration gegen die Punker-Kartei aufzulösen, mit Stein und Flaschenwürfen antworteten, gingen die Beamten mit Schlagstöcken und Reizgas (CS) vor. "Scheiß-System-",Bullenterror , "Wir wollen Steine sehen , johlte die Menge (NP). Die Bilanz: Neun leicht und ein schwerverletzter Polizist, 60.000 Mark Sachschaden 30 zerstörte Schaufensterscheiben (NP). Bei dem Versuch, einen Festgenommenen zu befreien, stürzte ein 23 Jahre alter Demonstrant in eine Schaufensterscheibe und zog sich schwere Verletzungen zu (HAZ).

Zu Krawallen ist es in der Nacht zu Sonnabend während eines Konzertes der Rockband Dead Kennedys in Osnabrück gekommen. Sechs Polizeifahrzeuge wurden bei der fünfstündigen Auseinandersetzung beschädigt. Nach Angaben der Polizei hätten wütende Punker die Straße aufgerissen und Fahrbahnplatten geschleudert. Die Beamten konzentrierten sich darauf, die Innenstadt zu sichern, nachdem Flugblätter verteilt worden waren, auf denen es hieß: "Die Punk-Szene lädt ein, nach dem Konzert ihr heiß geliebtes Einkaufszentrum in Schutt und Asche zu legen - Letzte Möglichkeit, Weihnachtseinkäufe einzuplündern" (HAZ).

 

 
  Es fing so harmlos an...
Als wir im Herbst '82 mit ein paar Leuten die Flyer zu den ersten Chaos-Tagen zusammenkloppten, ahnten wir wirklich nicht, daß diese Idee fast 20 Jahre die Medienlandschaft auf Trab bringen und zum Schluß sogar in den allgemeinen Sprachgebrauch eingehen würde.
Dennoch waren die Medienreaktionen 1982 nicht im mindesten mit dem zu vergleichen, was dann nach der Wiederbelebung der Chaos-Tage 1994 geschehen sollte...
-kn-
 
 
  • Natürlich ein BILD-Artikel
    vom 20.12.82
  • Als Kontrastprogramm dazu
    die taz vom 20.12.82
   
 
 
 
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