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Für viele hat es den Reiz
der Exotik, wenn sie vorm Bahnhof
an den Punks und Skins vorbeihasten.
Manche denken an Adolf und seine
Art, solche Probleme der Endlösung
zuzuführen, manchen vermitteln
die bunthaarigen, ledernen Chaoten
unter dem Irokesenkamm das wohlige
Gefühl, daß man Gottseidank
nicht so ist wie die. (Machen die
das mit Haar Spray oder wie?!) Und
wenn die Skinheads mit glatzigen
Schädeln, umgekrempelten, von
Hosenträgern gelifteten Jeans,
unter denen martialisches Schuhwerk
stampft, also wenn die zur rechten
Tür reinkommen, dann geht man
lieber zur linken raus. Und daß
die Skins den Punks nicht grün
sind, hat man auch schon Irgendwo
gehört. Mit einem Wort: Alle
finden alle und alles zum Kotzen.
Doch das soll sich ändern:
Ein 'nationales Punk- und Skinhead-Treffen'
am 2. Juli soll 'die Wende' bringen.
Die Erscheinungsformen derbeiden
Subkulturen sind zwar aus England
importiert, doch sie wachsen auf
bundesdeutschem Mist: Der besteht
aus der erfüllenden Perspektive,
die dieser unser Staat aufstrebenden
jungen Menschen bietet. Als da sind
Arbeitslosigkeit, kein Dach über
dem Kopf und angemacht von Hinz
und Kunz. Mal grob gesagt: Er ist
bei Punks und Skins nicht sehr populär.
Aber bisher oft in unterschiedlicher
Richtung: Die Punks, individualistisch
bis zur Selbstaufgabe, entwickelten
anarchische Umgangsformen. Die Skins,
die eher zu festen Strukturen neigen,
zogen Neo-Nazis an wie das Licht
die Motten. In einigen Städten,
besonders in Hamburg, entstand daraus
ein explosives Gemisch aus den Resten
der Hansa-Bande des Neo-Nazis Kühnen,
rechten Fußballfans und Hardrocker,
deren organisierter Kern, die 'Savage
Army' (SA), anfing, systematisch
Jagd auf Punks und Türken zu
machen. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen
.
Die Punks legten sich eher mit
der Staatsgewalt an, denn diese
reagierte von vornherein ihren gesamten
Frust an den unangepaßten
'Chaoten' ab. Für Punks sind
'Rechtsstaat' und 'Demokratie' wirklich
absolute Phrasen, denn die Staatsgewalt
zeigt sich ihnen gegenüber
gewaltsam n und diktatorisch. Was
geht in einem Polizisten vor, wenn
er einen Punk vor sich und die kochende
Volksseele hinter sich hat? Das
können sich wohl nur wenige
vorstellen - aber das ist das wahre
Verhältnis. 'PunkerDatden'
sind da nur noch der Schnörkel
am Rahmen.
Die 'Hamburger Verhältnisse'
begannen auch in Hannover zu wirken:
Im August 82 kam es auch hier zu
einer wüsten Schlacht. Fascho-Skins
gegen Anarcho-Punks? Lachende Dritte
gabs genug.
Da kam mal wieder aus England eine
neue Tendenz, die den Schlachtruf
O10101 aus den Fußballarenen
auf die Straße und in die
Musikszene gebracht hatte. Viele
Skins hatten sich dort von den Nazis
abgewandt, fühlten sich ausgenutzt
und mißtrauten jeder Politik.
Die Oi-Skins wurden auch in Westdeutschland
starker, betrachten sich als Patrioten,
die nicht wollen, daß dieses
Land immer mehr zerstört wird:
durch Umweltverseuchung, Faschismus
oder Atomkrieg. So entstanden Berührungspunkte
mit den Punks eine Verbrüderung
ist überfällig.
Das beste Beispiel ist Hannover.
Hier existieren nach einer Zeit
erbitterter Feindschaft Punk- und
Skinszene neben- und miteinander.
Hier lassen sich die meisten Skins
nicht mehr in die Nazi-Ecke drangen
und liegen in ständiger Fehde
mit Fascho-Skins aus anderen Städten.
Damit dieses Beispiel Schule macht
und sich überall die Oi-Skins
von den Nazi-Skins trennen und mit
den Punks befreunden, wollen hannoversche
Punks und Skins hier ein großes
Fest veranstalten, zu dem Punks
und Skins aus ganz Europa eingeladen
werden.
Am 1. Juli soll es im UJZ Kornstraße
mit einem Konzert beginnen. Wahrscheinlich
spielen die Gruppen 'Die Alliierten',
'Oberste Heeresleitung' und/oder
'Daily Terror' .
Und wer daran rummäkelt, weil
die politische Perspektive so verworren
ist oder weil seine Sensibilität
sich in dieser Szene nicht recht
entfalten mag, der sollte zumindest
still sein und sich überlegen,
was wäre, wenn diese Szene
den Nazis in die Finger fiele. Bk
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