| Steinhagel
am Kröpcke - Flucht in die Kaufhäuser
bp. Hannover, 4. Juli
Das Punker und Skinhead-Treffen
am Wochenende in Hannover sollte
Friedensfest aller Punks und Skins
aus der Bundesrepublik und England
werden. Doch aus dem Treffen wurden
die schwersten Krawalle, die Hannover
City erlebt hat. Von Samstag Mittag
bis spät in die Nacht lieferten
sich die Chaoten eine Schlacht mit
der Polizei, wurden verletzt bekriegten
sich untereinander
Um 13 Uhr am Samstag begann der
Krawall: Verfeindete Punker und
Skinheads schlugen mit Stahlarmbändern
und Fäusten aufeinander ein,
grölten dabei ihre Schlachtrufe:
"Oi, oi, oi" und Sieg Heil".
Eine Stunde später war der
Spuk vor In bei, Punks und Skins
verbrüderten sich. Gemeinsam
zogen 600 Punker und 250 Skinheads
zum Kröpcke. Einer schreit:
"Das ist ja geil wie in Berlin"
17 Polizisten wurden verletzt
am Kröpcke wartet die Polizei
bereits auf die Chaoten. Dann fliegen
Bier- und Weinflaschen die Randalierer
schleudern Pflastersteine. Polizisten
kesseln die Chaoten ein. Passanten
flüchten vor dem Steinhagel
in die Kaufhäuser. Die Chaoten
zertrümmern Scheiben der Banken
und Geschäfte. Schaufenster
werden geplündert.
Einem Inhaber, der schnell ein
Gitter vor die Scheiben klappte,
schreien sie entgegen: "Hier paßt
auch ein Stein durch" Sekunden später
zersplittert die Scheibe. Dann ziehen
sich die Chaoten zurück, randalieren
danach noch am Jugendzentrum Glocksee
und am Bahnhof.
Insgesamt gingen 50 Schaufenster
zu Bruch. 17 Beamte wurden zum Teil
schwer verletzt. Die Polizei nahm
180 Chaoten fest.
Punker - Skinheads: Daran kann
man sie erkennen
Schon von weitem kann man sie erkennen:
Die Skinheads (Hautköpfe) laufen
glatzköpfig rum, rasieren ihre
Schädel täglich. Punker
formen ihre Haarpracht zu Hahnenkämmen
oder Eispickeln, die bis zu zehn
Zentimeter in die Luft ragen. Sorgfältig
behandelt jeder Punk seine Haare
mit Seife und Haarspray. - damit
sie möglichst starr vom Kopf
stehen. Dann kommt noch viel Farbe
ins Haar: rote, gelbe, grüne,
violette Streifen - je bunter, desto
besser.
Skinheads tragen meist grüne
Jacken und Fliegerhosen, da, zu
schwarze Springerstiefel (wie Fallschirmjäger).
Viele von ihnen sind Neonazis.
Punker schmücken sich mit
zerrissener Lederkleidung, zerfetzten
Unterhemden und T-Shirts. Einige
hoben Armbänder mit großen
Dornen am Handgelenk - benutzen
es als Waffe...
Die verfeindeten linken Punker
und die Skinheads - viele fallen
durch neonazistische Parolen auf
- kamen von überall her. Sie
wollten nach einem Konzert der Rock
Gruppe Daily Terror am Freitagabend
im Jugendzentrum Hannover Versöhnung
feiern
Ihre Versöhnung endete mit
Terror, Blut und Tränen :Mit
Ketten, Latten und Stahkugeln gingen
die Skinheads auf der Straße
auf die Punker los, schrien :oi
oi oi
Die Punker wehrten sich mit Messern,
eisernen Armbändern, Trönengas,
brüllten :Sieg Heil
1000 Polizisten warfen sich dazwischentrieben
die Rocker auseinander. Zehn Beamte
verletzt
Die Rocker stießen einen
weißen Mercedes um bauten
quer über die Straße
eine Barrikade aus Mülltonnen
und Autoreifen Die Polizisten schossen
mit Wasserwerfern 40 Rocker festgenommen
Dann war drei Stunden Ruhe Die
Chaoten schliefen am Hauptbahnhof.
sogen am Sonnabend noch mal in Gruppen
durch die Innenstadt. Die Menschen
waren durch Rundfunk und Leitungen
gewarnt Straßen und Kaufhäuser
blieben leer Mindestens 1OO 000
Mark Verlust, sagen die Kaufleute
Man mußte ständig Angst
haben
Fast tausend Punker und Skinheads
in Hannover, ebenso viele Polizisten.
Was sagen die Hannoveraner über
die Punker?
Eine 71jährige Rentnerin aus
Uadenstedt: Wenn die jungen Leute
mal ihren Dreck nachher wegfegen
würden, hätte ich nichts
gegen ihr Treffen."
Eine 23jährige Verkäuferin
vom Kaufhof: Man mußte ja
ständig Angst haben, daß
bei uns ein Stein durchs Schaufenster
fliegt."
"Würden die Jungen arbeiten,
anstatt ihre Punkfrisuren auf Vordermann
zu bringen hätten sie viel
Geld", meint ein 58jähriger
Hannoveraner.
"Viele von uns arbeiten ja auch,
wir machen uns nur am Wochenende
so zurecht", sagte eine 17jährige
Punker aus Berlin.
Geschäftsmann mietet Body-Guards
Durch die Krawall erlitten die
Geschäfte in der City Umsatzeinbußen
von 50 000 Mark, rund 100 000 Mark
kosten die neuen Schaufenster für
Banken und Geschäfte.
"audiophil"-lnhaber Thomas (23):
"Plötzlich kamen lederbekleidete
Punker in die Grupenstraße
gerauscht, schon klirrten die ersten
Scheiben. Ein Stein riß meine
Stereoanlage um, Glassplitter beschädigten
Lautsprecherboxen. Allein bei mir
im Geschäft habe ich 60 000
Mark Schaden." Der 23jährige
mietete Body-Guards für sein
Geschäft. Passantinnen sahen
den jungen Mann sogar mit einem
Revolver in der Hand auf der Straße
Herbert Kämpfer, Restaurantleiter
vom "Mövenpiek": "Wir sind
hier mitten Im Zentrum der Gewalt,
die Kunden bleiben weg. Heute fehlen
uns bestimmt 10 000 Mark In der
Kasse. Aus Angst blieben die Kunden
auch bei Neckermann weg. Der Geschäftsführer:
Wir haben während der Krawalle
heute nachmittag erst einen Kunden
gehabt."
Bild-Kommentar
Punker und derStaat
Von ENNO VON LÖWENSTERN
Punker oder Rocker sollen sich
kleiden, wie sie wollen: Ringe durch
Ohren oder Nase, knall-gelbe oder
grüne Haare. Nicht jeder Bürger
wird das mögen, aber so tolerant
sollten wir sein
Aber wenn diese (und andere) Gruppen
durch die Straßen ziehen und
Kleinholz machen wie jetzt in Hannover
(Seite 1), dann muß der Staat
zeigen, wer Herr im Hause ist.
Es hat sich bei "Berufsdemonstranten"
herumgesprochen, daß es ziemlich
gefahrlos ist, zu demolieren und
zu randalieren. Entweder taugen
die Gesetze nichts - oder sie werden
nicht richtig angewandt. Für
beides haben die Bürger überhaupt
kein Verständnis.
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