| 180 Festnahmen,
500 000 Mark Schaden, Millionen-Umsatzverluste
VON KLAUS GEMBOLIS
HANNOVER. Sonntagmorgen 10 Uhr:
Eine Polizeikette drängt am
Kröpcke 120 Punks zum Hauptbahnhof
zurück. Der Schützenausmarch
geht ungestört über die
Bühne.
Eine Vorsichtsmaßnahme der
Sicherheitskräfte, die damit
ähnlich schwere Krawalle verhindern
wollten, wie sie am Tag zuvor das
Deutschlandtreffen von rund 1000
Punks und Skins aus der Bundesrepublik
und dem benachbarten Ausland geprägt
hatten.
Die Bilanz: 180 Festnahmen, 17
verletzte Polizisten, 10 verletzte
Punks und eine halbe Million Mark
Schaden.
40 Strafverfahren wegen Plünderungen,
Widerstand gegen die Staatsgewalt,
Diebstahl und Landfriedensbruch
wurden eingeleitet. Die Polizei
stellte Messer, Ketten, Nagelarmbänder
und Stahlkugeln sicher.
Zu den Krawallen am Sonnabend war
es gekommen, als die zumeist Jugendlichen
in Gruppen durch die City zogen
und Passanten auf der Georgstraße
am Kröpcke und in der Passerelle
belästigten.
Polizeibeamte und andere Zeugen:
"Frauen wurden Einkaufstaschen aus
den Händen gerissen und auf
die Straße geschleudert, aus
Geschäftsauslagen Tabakwaren
und Alkohol gestohlen."
Die grölende Horde traf sich
um 14 Uhr am Kröpcke. Zuvor
waren Gruppen im Laufschritt durch
Schmiede-, Oster-, Grupenstraße
und Corvinusweg gezogen: Die rechtsgerichteten
Skins schrien: "Sieg Heil."
Unter den Steinwürfen der
Chaoten zerbrachen über 100
Schaufensterscheiben. Thomas Höhne
(23), Inhaber des Stereo- S 4 Geschäftes
"AudioPhil" an der Grupenstraße:
"Bei mir sind nicht nur die Scheiben
kaputt, viel schlimmer ist, daß
auch mehrere Anlagen zerstört
sind. Ich schätze den Schaden
auf 60 000 Mark."
Und Verkäuferin Brigitte B.
(27) aus einer Boutique in der selben
Straße: "Die Chaoten stahlen
circa 20 Gürtel."
Kaufmann Lothar Frees, der seinen
80 000-Mark-Porsche 925 in der Schoivinstraße
geparkt hatte: "Der schöne
Wagen ist mit Beulen übersät.
Der ganze Lack ist zerkratzt."
Nach 14 Uhr kam es im Bereich Kröpcke
und. Georgstraße bis in den
späten, Abend zu Schlägereien
zwischen Skins, Punks und der Polizei.
Die Krawallmacher schleuderten Flaschen
und Pflastersteine auf Polizeibeamte
und Passanten.
Verängstigte Menschen, die
beim Einkaufsbummel waren, suchten
Schutz in Hauseingängen. Im
Café Kröpcke mußten
30 Tische vor dem Haus abgebaut
werden. Dann Schlägereien unter
Punks und Skins mit Schlagringen
und Stahlrohren, die sie von einem
Baugerüst entfernt hatten.
Neckermann schloß zeitweise
die Eingänge. Hettlage machte
dicht.
Cafe-Kröpcke-Geschäftsführer
Herbert Kemper: "Allein am Nachmittag'
hatten wir 20000 Mark Umsatzverlust."
In der Schmiedestraße prallt
abends ein faustgroßer Stein
durch das Schaufenster eines Antiquitätengeschäftes.
Wertvolle Gläser zerbersten.
Insgesamt gehen die Einbußen
bei den Geschäftsleuten in
der City in die Millionen.
Gestern wurden 83 Skinheads wieder
freigelassen.
|