| Geschäftsleute
empörten sich in einem offenen
Brief: "Schwere Krawalle haben Hannovers
Ruf geschädigt"
In der Innenstadt schien es unter
Passanten und Geschäftsleuten
auch gestern nur ein Thema zu geben:
die schweren Krawalle von Punks
und Skinheads am Wochenende. Zusammenfassend
teilte die Polizei dazu mit, daß
195 Jugendliche während der
Ausschreitungen festgenommen worden
seien, es habe 235 Strafanzeigen
gegeben. Der Sachschaden gehe in
die Hunderttausende. In einem offenen
Brief an den Polizeipräsidenten,
den Oberstadtdirektor und die Ratsfraktion
hat die "Werbegemeinschaft Einkaufsstadt
Hannover" inzwischen Aufschluß
darüber gefordert, "wie es
möglich war, daß es nicht
gelang, durch Präventivmaßnahmen
das stattgefundene Chaos zu verhindern".
Aufgeflammt ist offenbar auch wieder
die Diskussion um die "Punker-Kartei".
Nachdem sich die Mehrheit des Rates
mit den Stimmen von SPD, GABL und
DKP im April dieses Jahres dafür
ausgesprochen hatte, die Anlegung
polizeilicher Spezialdateien entschieden
abzulehnen, nahm die CDU-Ratsfraktion,(die
neuerlichen Krawalle von Punks und
Skins zum Anlaß, das Thema
noch mal aufzugreifen. "Mit der
überwältigender Mehrheit
der Bürger" erwarte die CDU
so heißt es in einer Stellungnahme.,
"das die Polizei alles ihr Mögliche
tut, um die Sicherheit und Ordnung
aufrechtzuerhalten." Diesem Bemühen
diene dankenswerterweiseauch die
sogenannte Punker-Kartei.
Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums
teilte in diesem Zusammenhang mit
daß die umstrittene Kartei
nach wie vor existiere. Bis Ende
des Jahres solle geprüft und
entschieden werden ob sie beibehalten
werde. Keine Auskunft war darüber
zu bekommen, ob die "Punker-Kartei"
im Verlauf des Wochenendes weitergeführt
wurde.
Die "volle Ausschöpfung aller
gesetzlicher Möglichkeiten
gegen die betroffenen Gruppen" forderte
der stellvertretende Vorsitzende
der CDU-Landtagsfraktion Josef Stock.
Der Einsatz der Polizei habe die
Anerkennung aller demokratischen
Parteien verdient.
Demgegenüber übte Gerhard
Magis. Besitzer des Bekleidungshauses
am Kröpcke, Kritik am - wie
er meint - zu späten Eingreifen
der Polizei. In seiner Funktion
als Sprecher der 150 Mitglieder
zählenden "Werbegemeinschaft
Einkaufsstadt Hannover" kreidet
Magis der Polizeiführung in
einem offenen Brief an, "daß
zur Gefahrenabwehr im Rahmen des
Gesetzes über Sicherheit und
Ordnung Präventivmaßnahmen
hätten durchgeführt werden
müssen, um das Zusammenrotten
der Punks und Skinheads im Innenstadtbereich
zu verhindern". Den Geschäftsleuten
in der City sei unverständlich,
daß "eine Gruppe von Chaoten"
sowohl das Einkaufsgeschehen stören
als auch Passanten durch brutales
Vorgehen in Angst und Schrecken
versetzen" konnte. Dem Ruf Hannovers
sei nachhaltiger Schaden zugefügt
worden.
Gegenüber der HAZ wies Magis
darauf hin, daß nur wenige
Geschäftsleute in der City
gegen Schäden versichert seien,
die bei Tumult entstehen. Ein Sprecher
des Deutschen Lloyd bestätigte,
daß eine Glasbruchversicherung
nicht dafür aufkomme, wenn
Scheiben im Verlauf von Krawallen
zu Bruch gehen. Die Klausel, in
der von "inneren Unruhen" die Rede
ist, trete bei Anzeigen wegen Landfriedensbruch
in Kraft.
Die meisten der 235 Strafanzeigen,
die die Polizei am Wochenende gestellt
hat, lauten auf Landfriedensbruch.
Alle Festgenommenen - der jüngste
war 15, der älteste 25 sind
inzwischen wieder auf freiem Fuß.
&7 der 195 vorübergehend
inhaftierten jungen Leute wurden,
polizeilichen Angaben zufolge, wegen
strafbarer Handlungen, die übrigen
vorsorglich "aus Gründen der
Gefahrenabwehr" festgenommen.
Über die Zahl der Verletzten
unter den Punks und Skins gibt es
nach wie vor keine Informationen.
Zwei der verletzten 17 Polizeibeamten
sind immer noch dienstunfähig.
sto
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