Letzte Änderung: November 22 2005 13:27:57. - 625 Seiten archiviert
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"Neue Presse" 5.7.83
Sorge der Geschäftsleute - Gestern neue Ausschreitungen
 
Ruinieren Krawalle den Ruf Hannovers als Einkaufstadt?

VON KLAUS GEMBOLIS HANNOVER. Machen Krawalle wie die von Punkern am Wochenende Hannovers Ruf als Einkaufsstadt kaputt? Diese Sorge zumindest äußerte gestern die Werbegemeinschaft "Einkaufsstadt Hannover" - an einem Tag, als es in der Passerelle zu neuen Unruhen kam.

Zwischen 16 und 18 Uhr überprüfte die Polizei insgesamt 40 Jugendliche und Stadtstreicher. Passanten hatten die Beamten alarmiert: Sie waren angerempelt und belästigt, Scheiben waren eingeworfen worden.

Ergebnis des Einsatzes: Drei Festnahmen, zwei Volltrunkene kamen ins Krankenhaus.

Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen 235 Strafanzeigen gestellt. Hauptvorwurf: Landfriedensbruch. Allerdings: 195 am Wochenende festgenommene Personen kamen gestern wieder auf freien Fuß.

Die Sorgen vieler Kaufleute in der Innenstadt machte Gerhard Magis, Vorsitzender der Werbegemeinschaft "Einkaufsstadt Hannover" in einem offenen Brief an Stadtverwaltung und Kommunalpolitker deutlich: "Festzustellen ist, falls nicht entschiedene Maßnahmen getroffen werden, daß Hannover auch in Zukunft mit chaotischen Zuständen wie am Wochenende zu rechnen hat." Befürchtung des Geschäftsmannes: Dem Ruf Hannovers als "aufsuchswerte Landesmetropole" wird nachhaltiger Schaden zugefügt.

Reaktionen auch bei den Politikern: Josef Stock, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion: "Unerträglich, mit ansehen zu müssen, wenn Frauen und Männer nach einer Woche harter Arbeit bei ihren Wochenendeinkäufen von den Randalierern auf offener Straße angegriffen werden."

Und auch OB Herbert Schmalstieg (SPD) bezeichnet es als ."unerträglich, wenn Bürger dieser Stadt in ihren Freiheitsrechten beeinträchtigt und bedroht" werden.

Den Einsatz der Polizei bewerten beide als "gut und besonnen".

Polizeisprecher Manfred Bodemann erklärte, daß die sogenannte Punker-Kartei, gegen die es bereits früher zu Protesten gekommen war und die unter anderem Abgeordnete von SPD und Grünen im Landtag heftig kritisiert hatten, nach wie vor besteht. Bodemann: "Bis Ende des Jahres soll geprüft und entschieden werden, ob die Auflistung straffällig gewordener Punker beibehalten werde oder nicht."

Die Frage, ob sie am Wochenende "angereichert" worden sei, beantwortete er nicht.

 

 
  Dumme Punks und böse Glatzen
Nachdem sich die Medien über Jahre hinweg kaum die Mühe gemacht hatten, zwischen Punks und Skins zu differenzieren, waren sie durch diese Chaos-Tage 1983 gezwungen, da ein wenig anders heranzugehen.
Ab sofort hieß es dann Punk=links und Skin=Nazi. Und beide spinnefeind und ultrabrutal. Cowboys gegen Indianer. Eine schöne Geschichte.
Nichtdestotrotz Chaos-Tage, die Hannover zwar ganz schön durcheinanderwirbelten, aber immer noch überregional kaum ein Medienecho hervorriefen. Aber immerhin den ersten SPIEGEL-Artikel. (der mir dummerweise nur unvollständig vorliegt - wer hat ihn?)
-kn-
 
 
   
 
 
 
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