Letzte Änderung: November 22 2005 13:27:59. - 625 Seiten archiviert
HomeArchivPresse1983Artikel
 
"Hannoversche Allgemeine Zeitung" 19.12.83
Polizei nahm mehr als hundert Punks fest
 
Belästigungen auf dem Weihnachtsmarkt / Zu Ausschreitungen wie im Juli kam es nicht

Bei einem Treffen von Punks und Skinheads ist es am langen Sonnabend in der Innenstadt nur vereinzelt zu Zwischenfällen gekommen. Die Polizei, die unter anderem durch Flugblätter von der am Kröpcke geplanten Zusammenkunft erfahren hatte, wollte von vornherein Ausschreitungen verhindern. Sie nahm 108 junge Leute vorübergehend fest. Gegen 13 erstattete sie Anzeige. Wie die Polizei am Sonntag weiter mitteilte, waren rund 200 Beamte im Einsatz. Ebenso viele Punks und Skins haben sich in der Innenstadt aufgehalten. Bei ihnen wurden zum Teil waffenähnliche Gegenstände gefunden.

Anfang Juli, zum Schützenfest, war es in der Innenstadt an einem langen Sonnabend zu schweren Ausschreitungen gekommen. Damals wurden mehrere Beamte und Punks verletzt, an rund 50 Gebäuden gingen Fensterscheiben zu Bruch. Die Straftaten wurden überwiegend von auswärtigen Jugendlichen begangen. Zahlreiche Geschäftsleute hatten anschließend bemängelt, daß die Polizei ihrer Ansicht nach nicht rechtzeitig eingeschritten war. Diesmal bildeten die Beamten sofort einen Kreis um Gruppen von bunthaarigen Punks oder kahlköpfigen Skins, um eine Wiederholung der schweren Krawalle vom Juli zu verhindern. Am Kröpcke fuhr ein Polizeibus nach dem anderen vor, um die jungen Leute zum Präsidium zu bringen. Nach Auskunft der Polizei wurden sie nach Geschäftsschluß gegen 18 Uhr wieder freigelassen.

"Wir haben sie nach dem niedersächsischen Sicherheits- und Ordnungsgesetz in Gewahrsam genommen, da wir Hinweise auf Ausschreitungen hatten", erläuterte ein Polizeisprecher. Er erklärte, die jungen Leute hätten zuvor Passanten belästigt, Bierflaschen zerbrochen und mit Dosen geworfen, in Kaufhäuser gepinkelt und auch übelriechende Buttersäure in Geschäften versprüht. Ein großer Teil der Punks und Skins sei betrunken gewesen, obwohl die Beamten aus vielen sichergestellten Flaschen den Alkohol ausgegossen hätten.

Nach Auskunft der Polizei haben sich gegen Mittag rund 85 Punks und Skins am Weihnachtsmarkt zusammengefunden und Besucher und Verkäufer mit Tränengas aus der Sprühdose belästigt. "In der Innenstadt war von Zwischenfällen wenig zu merken, weil wir schon im Vorfeld reagiert haben", erläuterte der Polizeisprecher. Passanten hatten jedoch im dichten Einkaufstrubel in der Fußgängerzone Mühe, sich an Einsatzfahrzeugen und Polizeiketten vorbeizudrängen. Sie sahen mehr Beamte als Punks.

Unter dem naßkalten Wetter litten alle Beteiligten: Beamte in Zivil hatten es leichter als ihre uniformierten Kollegen und die von Ordnungshütern bewachten Punks: Sie konnten sich in ihrem stundenlangen Einsatz hin und wieder in die Eingangshallen der Kaufhäuser zurückziehen, um sich ein wenig aufzuwärmen. khk/joe

 

 
  Dumme Punks und böse Glatzen
Nachdem sich die Medien über Jahre hinweg kaum die Mühe gemacht hatten, zwischen Punks und Skins zu differenzieren, waren sie durch diese Chaos-Tage 1983 gezwungen, da ein wenig anders heranzugehen.
Ab sofort hieß es dann Punk=links und Skin=Nazi. Und beide spinnefeind und ultrabrutal. Cowboys gegen Indianer. Eine schöne Geschichte.
Nichtdestotrotz Chaos-Tage, die Hannover zwar ganz schön durcheinanderwirbelten, aber immer noch überregional kaum ein Medienecho hervorriefen. Aber immerhin den ersten SPIEGEL-Artikel. (der mir dummerweise nur unvollständig vorliegt - wer hat ihn?)
-kn-
 
 
   
 
 
 
Home | Aktuell | Archiv | Diskussion | Downloads | Kontakt

 

WWW.CHAOS-TAGE.DE - das Internet-Archiv zum Thema
Für Inhalt, Gestaltung und Programmierung verantwortlich: Karl Nagel, Schleswiger Str. 2, 22761 Hamburg
 
Bilder des Chaos!
KOT
Bilder des Chaos!