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"BILD-Zeitung" 4.8.84
Skinheads, Punks da - Hannover nagelt Fenster zu
 

bp/so. Hannover, 4. August

Passanten wurden bedroht, angerempelt, zwei sogar mit Tränengas besprüht. Autos beschädigt - Punks und Skinheads sind da. 90 wurden nach Flaschenwürfen und Schlägereien festgenommen. Geschäfte verbarrikadierten sich.

Die blonde Irene Koppelhöter (30) nagelt die Fenster Ihrer Wäscheboutique zu, der "Sateway"-Supermarkt hat sich mit Brettern verbarrikadiert, vor dem Kleiderhaus "Magis" stehen Angestellte Wache:

Denn heute ist in Hannover "Chaos-Tag" 2000 Punks (die mit den wilden Frisuren) und rechtsradikole Skinheads (die mit den Glatzen) aus ganz Deutschland kommen. Bei ihren beiden letzten Treffen hoben sie für 100000 Mark Schaden angerichtet, auch geplündert,

Die Skinheads in einem Flugblatt: "Wir wollen die stinkenden Punkerschweine verjagen und zerschlagen."

Die Punks haben die ganze Innenstadt in Handzetteln zur "Punk-besetzten Zone erklärt", erwarten für den ,Chaos-Tag 1000 Ideen von 1000 Punks . Alle sollen Farbsprühdosen mitbringen, sich auf "allerlei Vergnüglichkeiten" einrichten: "Das bedeutet Komasaufen, Gelegenheits-F.... Auseinandersetzungen mit Faschos".

Heute um 12 Uhr wollen sie den SSV sprengen, "ein paar Lokale bewachen, in die Punks sonst nicht rein dürfen".

Dann geht's ins Grüne: Durch ihr "erschreckendes Äußeres" wollen sie "die fettbauchigen Bürger von ihren Wiesen am Badestrand vertreiben", auch die Nacktbader am Ricklinger See.

Die rothaarige Punk-Braut Petra (23): "Mit meinen Kumpels werde ich den Skinheads auf die Glocke hauen."

Auf ihren Rücken ist aufgestickt: "F... für den Frieden".

Hannovers Bürgermeister König (63): "Die Polizei wird alles tun, um die Bürger unserer Stadt zu schützen.'

Punks gegen Skinheads

Vom Bahnhof zur Oper - die Spur des Schreckens

so. Hannover, 4.August Vorm Hauptbahnhof: Mehrere hundert Polizisten, Passanten bleiben verängstigt stehen. Auf den Treppen hocken 250 Punks. Sie haben "Eispickelfrisuren", Pink- und grüngefärbte Haare, tragen beschmierte Lederjacken mit spitzen Metallnieten. Die Punks kommen aus ganz Europa. Erst der Anfang - 2000 werden erwartet.

10.00: 80 angetrunkene Punks blockieren den Eingang zur Passerelle, belästigen die Fußgänger. Sie betten um Geld, einige vorsichtig, andere pöbeln die Leute an.

10.3O Uhr: Polizeibeamte räumen die Treppe, durchsuchen die Punks, nehmen ihnen gefährliche Nagelbänder und Gürtel ab.

14.00 Uhr: Zwanzig Punks ziehen grölend und johlend durch die Passerelle. Sie besprühen zwei Frauen mit Tränengas.

17.20 Uhr: Verfeindete Punks und Skinheads stürzen sich brüllend aufeinander, schlagen sich. Eine Polizeikette trennt sie. Die ersten Bierdosen fliegen.

1840 Uhr: Randalierer schleudern leere Sekt- und Bierflaschen- Scherben über den Kröpcke. Skinheads und Punks schlagen sich mit Fäusten und Stahlarmbändern. Rund 30 angetrunkene Skins werden festgenommen, in Zellen gebracht.

19.00 Uhr: Schlägerei vorm Opernhaus. Wieder fliegen Flaschen, ein Polizist wird am Kopf getroffen, bricht zusammen. 12 Skins festgenommen.

20.00 Uhr: 300 Punks ziehen zum Raschplatz.

20.30 Uhr Am Weißekreuzplatz zersplittern Schaufensterscheiben. In der Kronenstraße demolieren Chaoten sechs Pkw - 40 Festnahmen.

 

 
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