Letzte Änderung: November 22 2005 13:28:05. - 625 Seiten archiviert
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"Neue Presse" 4.8.84
40 Festnahmen vor dem Treffen von Punks und Skinheads
 

HANNOVER. Knapp 40 Festnahmen, demolierte Autos, eingeworfene Scheiben: Am Freitagabend kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Punks und Skins - die aus der gesamten Bundesrepublik angereist waren -, der Polizei und von Geschäftsleuten engagierten sogenannten "Schwarzen Sheriffs", die in Privatauftrag für Ruhe in der City sorgen sollen.

Wie berichtet, haben Punks und Skinheads zu Treffen für heute in Hannover aufgerufen. "Chaos-Tag" haben die Punks diesen Sonnabend getauft. Rechtsgerichtete Skinheads hatten daraufhin angekündigt, sie würden nach Hannover kommen, um "unsere Feinde - die Punks- "zu verjagen .

Nach ersten Ausschreitungen am Donnerstagabend (NP berichtete) pöbelten Punks gestern, so die Polizei, Passanten vor dem Bahnhof an und warfen mit Flaschen .

Zur ersten Schlägerei zwischen den rivalisierenden Gruppen kam es dort, nachdem eine kleine Gruppe Skins die 1. Strophe des Deutschlandliedes sangen und Punks "Nazis raus" erwiderten. Bei der Prügelei wurden acht Punks und in der Folge 30 Skinheads festgenommen - 12 davon von den "Schwarzen Sheriffs, die die angetrunkenen Jugendlichen verfolgten und der Polizei übergaben

Gegen 21 Uhr versuchten Punks - rund 500 waren gestern in der Stadt - vergeblich die Bhagwan-Disco am Raschplatz zu stürmen. "Zorba the Buddha" war von Polizei abgeschirmt.

Für heute hat das "Antifaschistische Aktionsbündnis" zu einer "Kundgebung gegen den Aufmarsch rechtsradikaler Schlägerbanden" vor dem Opernhaus (11.30 Uhr) aufgerufen.

Was sie denken, was sie sagen

Didi (20) kann die Glatzköpfe nicht ausstehen

Von weitem sieht das Bild noch ziemlich friedlich aus. Auf den Stufen der Treppe hinunter zur Passerelle zum Bahnhof hocken über 50 junge Leute die Haare Bunt gefärbt, Nietengürtel um die zerlöcherten Hosen. Eine Gruppe Polizisten steht neben ihnen, hält auf jeder Seite eine Gasse für die Passanten frei. "Igitt, wie die sich da besaufen" Entsetzt deutet eine Zuschauerin von oben auf die Bierflaschen, die zwischen den Punks kreisen. ein junger Mann läßt sich sogar zu der Äußerung hinreißen: "Hätte Ich eine Maschinenpistole, Ich würde voll draufhalten"

Den Punks auf der Treppe sind solche Aggressionen nicht fremd. Was sie von ihrem dritten bundesweiten Treffen in Hannover erwarten? "Hoffentlich nicht so viel Knüppel von den Bullen. Lieber ein paar Skins umhauen", meint Rumpelstilzchen, ein 17jähriger grün- und rotgelockter Punk aus Nürnberg.

Rumpelstilzchen ist mit einem Tramper-Ticket angereist, weil Nürnberg tote Hose ist . Eigentlich will er in Hannover keine Randale machen: "ich habe schließlich gegen niemanden was, solange er kein Nazi ist und mich in Ruhe läßt.

Der 20jährige Didi aus München dagegen kann die glatzköpfigen Skins nicht ausstehen: Eben erst haben sie wieder Flugblätter verteilt. Weg mit den Judenparteien SPD, CDU, CSU und Grünen, erzählt er: Das sind doch alles Faschos. Ehrlich zugeben tuns vielleicht fünf Prozent - aber sind sie erst mal in der Masse, schreien sie zu 100 Prozent ,Sieg Heil .

"Oi" und "Zappo" aus Wolfsbüttel schauen dem Treiben auf der Treppe von einem Betonpoller auf der Bahnhotstraße zu. Beide sind Skins. Zu Jeans und Knobelbechern an den Füßen tragen sie die Haare kurzgeschoren, Ihre Arme sind voll Tätowierungen.

"ich persönlich habe nichts gegen die Vögel", berichtet Wortführer "Oi" (in der Sprache der Skins ein Ausdruck für Versöhnung) über die Punks. "Aber wenn sie jeden Kahlkopf für einen Fascho halten, stinkt s mir. "Oi", 21 und arbeitslos, rechnet damit, daß die Zusammenstöße heftiger verlaufen werden als im vorigen Jahr: "Damals wollten wir uns ja noch zusammenschließen mit den Punks". Warum er überhaupt Skin ist? "Wenn ich gar nichts bin, bin ich so, wie die Vögel an der Regierung mich haben wollen: Ein 08/15 -Typ, der schön brav ist und zu allem die Schnauze hält."

Erstaunt sieht "Oi" dann zu wie sich einer der 08/15 -Typen zu den Jungs auf die Treppe setzt: Frank Grabisch Bauschlosser aus Hannover, macht das, "weil er nicht von oben auf die unten glotzen will ". Solange es keine Randale gibt, akzeptiert er Punks: "Sie drücken ein Lebensgefühl aus wie damals die Beatles mit ihren Pilsköpfen. Ich glaube, sie wollen nur frei und anders sein."

 

 
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