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HANNOVER. Knapp 40 Festnahmen,
demolierte Autos, eingeworfene Scheiben:
Am Freitagabend kam es zu Auseinandersetzungen
zwischen Punks und Skins - die aus
der gesamten Bundesrepublik angereist
waren -, der Polizei und von Geschäftsleuten
engagierten sogenannten "Schwarzen
Sheriffs", die in Privatauftrag
für Ruhe in der City sorgen
sollen.
Wie berichtet, haben Punks und
Skinheads zu Treffen für heute
in Hannover aufgerufen. "Chaos-Tag"
haben die Punks diesen Sonnabend
getauft. Rechtsgerichtete Skinheads
hatten daraufhin angekündigt,
sie würden nach Hannover kommen,
um "unsere Feinde - die Punks- "zu
verjagen .
Nach ersten Ausschreitungen am
Donnerstagabend (NP berichtete)
pöbelten Punks gestern, so
die Polizei, Passanten vor dem Bahnhof
an und warfen mit Flaschen .
Zur ersten Schlägerei zwischen
den rivalisierenden Gruppen kam
es dort, nachdem eine kleine Gruppe
Skins die 1. Strophe des Deutschlandliedes
sangen und Punks "Nazis raus" erwiderten.
Bei der Prügelei wurden acht
Punks und in der Folge 30 Skinheads
festgenommen - 12 davon von den
"Schwarzen Sheriffs, die die angetrunkenen
Jugendlichen verfolgten und der
Polizei übergaben
Gegen 21 Uhr versuchten Punks -
rund 500 waren gestern in der Stadt
- vergeblich die Bhagwan-Disco am
Raschplatz zu stürmen. "Zorba
the Buddha" war von Polizei abgeschirmt.
Für heute hat das "Antifaschistische
Aktionsbündnis" zu einer "Kundgebung
gegen den Aufmarsch rechtsradikaler
Schlägerbanden" vor dem Opernhaus
(11.30 Uhr) aufgerufen.
Was sie denken, was sie sagen
Didi (20) kann die Glatzköpfe
nicht ausstehen
Von weitem sieht das Bild noch
ziemlich friedlich aus. Auf den
Stufen der Treppe hinunter zur Passerelle
zum Bahnhof hocken über 50
junge Leute die Haare Bunt gefärbt,
Nietengürtel um die zerlöcherten
Hosen. Eine Gruppe Polizisten steht
neben ihnen, hält auf jeder
Seite eine Gasse für die Passanten
frei. "Igitt, wie die sich da besaufen"
Entsetzt deutet eine Zuschauerin
von oben auf die Bierflaschen, die
zwischen den Punks kreisen. ein
junger Mann läßt sich
sogar zu der Äußerung
hinreißen: "Hätte Ich
eine Maschinenpistole, Ich würde
voll draufhalten"
Den Punks auf der Treppe sind solche
Aggressionen nicht fremd. Was sie
von ihrem dritten bundesweiten Treffen
in Hannover erwarten? "Hoffentlich
nicht so viel Knüppel von den
Bullen. Lieber ein paar Skins umhauen",
meint Rumpelstilzchen, ein 17jähriger
grün- und rotgelockter Punk
aus Nürnberg.
Rumpelstilzchen ist mit einem Tramper-Ticket
angereist, weil Nürnberg tote
Hose ist . Eigentlich will er in
Hannover keine Randale machen: "ich
habe schließlich gegen niemanden
was, solange er kein Nazi ist und
mich in Ruhe läßt.
Der 20jährige Didi aus München
dagegen kann die glatzköpfigen
Skins nicht ausstehen: Eben erst
haben sie wieder Flugblätter
verteilt. Weg mit den Judenparteien
SPD, CDU, CSU und Grünen, erzählt
er: Das sind doch alles Faschos.
Ehrlich zugeben tuns vielleicht
fünf Prozent - aber sind sie
erst mal in der Masse, schreien
sie zu 100 Prozent ,Sieg Heil .
"Oi" und "Zappo" aus Wolfsbüttel
schauen dem Treiben auf der Treppe
von einem Betonpoller auf der Bahnhotstraße
zu. Beide sind Skins. Zu Jeans und
Knobelbechern an den Füßen
tragen sie die Haare kurzgeschoren,
Ihre Arme sind voll Tätowierungen.
"ich persönlich habe nichts
gegen die Vögel", berichtet
Wortführer "Oi" (in der Sprache
der Skins ein Ausdruck für
Versöhnung) über die Punks.
"Aber wenn sie jeden Kahlkopf für
einen Fascho halten, stinkt s mir.
"Oi", 21 und arbeitslos, rechnet
damit, daß die Zusammenstöße
heftiger verlaufen werden als im
vorigen Jahr: "Damals wollten wir
uns ja noch zusammenschließen
mit den Punks". Warum er überhaupt
Skin ist? "Wenn ich gar nichts bin,
bin ich so, wie die Vögel an
der Regierung mich haben wollen:
Ein 08/15 -Typ, der schön brav
ist und zu allem die Schnauze hält."
Erstaunt sieht "Oi" dann zu wie
sich einer der 08/15 -Typen zu den
Jungs auf die Treppe setzt: Frank
Grabisch Bauschlosser aus Hannover,
macht das, "weil er nicht von oben
auf die unten glotzen will ". Solange
es keine Randale gibt, akzeptiert
er Punks: "Sie drücken ein
Lebensgefühl aus wie damals
die Beatles mit ihren Pilsköpfen.
Ich glaube, sie wollen nur frei
und anders sein."
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