Letzte Änderung: November 22 2005 13:28:31. - 625 Seiten archiviert
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"Hannoversche Allgemeine" 6.8.94
175 Punks nächtigen in Zellen
 

Ein bundesweites Punktreffen in der Innenstadt hat die Polizei am Freitag zunächst rigoros mit einem Großeinsatz unterbrochen, bevor die Krawalle am späten Abend wieder auflebten. Schon nach wenigen Stunden der sogenannten Chaostage, die traditionell am ersten Augustwochenende abgehalten werden, hatten sich die meisten der Teilnehmer betrunken und begannen vor dem Hauptbahnhof zu randalieren. Sie warfen mit Bierdosen und Flaschen nach Passanten. Daraufhin überwältigte eine Hundertschaft etwa 175 Randalierer, die in Haftzellen kamen.

Schon seit dem Frühjahr wurde in der gesamten Bundesrepublik bei Konzerten und anderen Veranstaltungen, die von Punks besucht wurden, für die "Chaostage" in Hannover geworben. Diese Zusammenkunft, die seit Beginn der 80er Jahre häufig zu Straßenschlachten mit der Polizei und manchmal auch Skinheads in der Stadt führte, solle wieder richtig aufleben, hieß es auf Flugblättern.

Freitag mittag hatten sich schon zahlreiche Teilnehmer eingefunden. Die meisten versammelten sich an ihrem traditionellen Treffpunkt unter dem Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof. In der Hitze floß Bier in Strömen. Trauben von Schaulustigen bildeten sich und beobachteten das Treiben.

Zunächst hielt sich die Polizei eher im Hintergrund. Doch als der Haupteingang des Bahnhofs kaum noch passierbar war und schließlich Flaschen und Dosen nach den Passanten geworfen wurden, schritten die Beamten schnell ein. Eine Hundertschaft rückte an und nahm die Punks in Gewahrsam. Dabei kam es teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen, die vorwiegend jungen Männer und Frauen wehrten sich gegen ihre Festnahme, schlugen und traten um sich. Die Beamten griffen teilweise zu ihren Schlagstöcken und warfen die Randalierer zu Boden. Mit einem Bus und zahlreichen Mannschaftswagen wurden die Festgenommen in die Haftzellen gebracht.

Ein Richter ordnete an, daß die Betroffenen zur Verhinderung erwarteter Straftaten bis Montag früh festgehalten werden dürfen. Die Polizei will jedoch auswärtige Punks in Züge setzen und sie bis in ihre Heimatstädte begleiten. Bei vielen Festgenommenen wurden Messer, Schlagwerkzeuge und Fahrradketten sichergestellt. Ein Punk erlitt während des Einsatzes einen Asthmaanfall, Verletzte gab es nicht. 70 Teilnehmern wurden Platzverweise für die Innenstadt erteilt. Dennoch befanden sich Freitag abend bereits wieder 500 Punks in Hannover, 400 waren in der Nähe des Sprengelgeländes. Am späten Abend begannen sie auch dort zu randalieren. Sie warfen Fensterscheiben ein, beschädigten Autos und drangen in Hausflure ein. Bei Redaktionsschluß waren viele Punks auf dem Sprengelgelände eingekesselt und sollten von mehreren hundert Beamten festgenommen werden. rfi

 

 
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