| 175 festgenommen, Anwohner der Nordstadt
verschanzten sich
VON TOM JUNKERSDORF UND KLAUS GEMBOLIS
HANNOVER. Nach eigenen Angaben sind sie gekommen, um die
Stadt in Schutt und Asche zu legen: Punks aus allen Teilen
der Bundesrepublik wollen an diesem Wochenende in Hannover
für "Chaos Tage" sorgen. Gestern haben sie damit angefangen,
sich die ersten großen Straßenschlachten mit der
Polizei geliefert.
Am Nachmittag schon hatten 300 Chaoten am Hauptbahnhof Krawall
gemacht. 175 wurden sofort inhaftiert. Gestern ab 21 Uhr ging
es dann richtig zur Sache: 400 Punker tobten durch die Nordstadt,
randalierten im Bereich der Lutherkirche. Verängstigte
Anwohner verschanzten sich in ihren Wohnungen.
Um die Hannoveraner vor den Chaoten zu schützen, hat
die Polizeiführung alle nur verfügbaren Kräfte
angefordert, freie Tage gestrichen. Gestern nacht noch rückten
Hundertschaften der Bezirkspolizei, Bundesgrenzschutz und
ein Sondereinsatzkomando aus Gorleben an. Denn nachdem die
Einsatzleitung in den frühen Abendstunden schon geglaubt
hatte, die Lage im Griff zu haben, brach in der Dunkelheit
der Terror in der Nordstadt los.
400 Punker, die mit späten Zügen aus allen Teilen
der Republik angereist waren, warfen Flaschen und Steine gegen
die Lutherkirche, beschädigten Häuser und Autos
in der Schaufelderstraße, versperrten Anwohnern den
Zugang zu ihren Wohnungen.
In einige Häuser brachen Punker ein, randalierten in
den Fluren. Hunderte von Anwohnern fürchteten um ihr
Leben. Bis die Polizei mit einem Großaufgebot anrückte.
Bereitschaftspolizisten jagten Punker durch die Dunkelheit,
zerrten sie aus den Hausfluren und kesselten sie gegen Mitternacht
auf dem Sprengelgelände ein. Erst dann beruhigte sich
die Lage.
Angefangen hatten die Auseinandersetzungen gestern nachmittag
am Hauptbahnhof. Ab 14 Uhr flogen Flaschen, wurden Passanten
angepöbelt, Autos demoliert und das Ernst-August-Denkmal
angepinkelt.
Hundertschaften von Polizei und Bundesgrenzschutz hatten
sich mit den Krawallmachern nach gezielten Steinwürfen
einen Straßenkampf geliefert, sie eingezingelt und 175
verhaftet.
Sie hatten Messer, Ketten oder andere gefährliche Gegenstände
bei sich und noch während ihrer Vernehmung in der Hardenbergstraße
Scheiben der Polizeiwache eingeschlagen. Eine Richterin vom
Amtsgericht Hannover hat für sie Sicherheitsgewahrsam
angeordnet. Bis Montag um 6 Uhr.
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