| Alkohol, Haß und Gewalt
HANNOVER. Ein Wochenende mit Angst und Schrecken haben viele
Einwohner der Nordstadt Hannovers hinter sich. In ihrem Stadtteil
wie auch im Zentrum der niedersächsischen Landeshauptstadt
randalierten etwa gewalttätige 600 Punker wiederholt
stundenlang. Die erste Bilanz: Rund um das sogenannte Sprengelgelände,
auch ein Treffpunkt der autonomen Szene, fand kaum ein Autofahrer
seinen Wagen ohne zerstochene Reifen wieder.; Bei anderen
Fahrzeugen war die Karosserie total verbeult Mit Bierflaschen
und Pflastersteinen hatten die meist jugendlichen Randalierer
in der Nacht zuvor die Fensterscheiben von Erdgeschoßwohnungen
zertrümmert.
Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften im Einsatz und
nahm von Freitag bis Sonntag insgesamt rund 600 Personen in
Gewahrsam, einige von ihnen gleich mehrfach.
Plünderungen von Geschäften konnten die Sicherheitskräfte
zwar weitget hend verhindern. Dafür gab es nach Angaben
der Polizei trotz schwerer Schutzkleidung und Abwehrschilden
mindestens 17 Verletzte, einige von ihnen schwer. Durch Steinwürfe
aus den eigenen Reihen verletzten sich die Punker auch gegenseitig
- 18 von ihnen mußten in Krankenhäuser eingeliefert
werden, berichtete die Feuerwehr. - '
Die Bewohner der Nordstadt wurden von den Punkern immer wieder
belästigt. Schlafen konnten die meisten Wegen der lautstark
dröhnenden Musik im ganzen Stadtviertel ohnehin nicht.
Besuchern einer Kirche mußte die Polizei gestern vormittag
den Weg zum Gottesdienst durch die Menge der pöbelnden
Punker bahnen.
Die meisten der Krawallmacher wurden gestern mit der Eisenbahn
unter Aufsicht der Bahnpolizei in ihre Heimatorte zurückgeschickt,
nachdem Messer, Schlagwerkzeuge, Ketten und andere gefährliche
Gegenstände sichergestellt worden waren. Bereits am Freitag
hatte die Polizei I75 Punker in Gewahrsam genommen. Die jungen
Leute hatten unter Alkoholeinfluß vor dem Hauptbahnhof
Passanten belästigt. Grund für das Punkertreffen
waren die sogenannten "Chaostage", bei denen nach Angaben
aus der Szene Hannover in Schutt und Asche gelegt werden sollte.
Vor zehn Jahren hatten sich die Punker mit Skinheads Straßenschlachten
in der Stadt geliefert. An dieses Ereignis sollte mit den
jüngsten Ausschreitungen erinnert werden.
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