Letzte Änderung: November 22 2005 13:28:34. - 625 Seiten archiviert
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"Deutsche Wochen Zeitung" 8.8.94
Punker im Randale-Rausch
 
Alkohol, Haß und Gewalt

HANNOVER. Ein Wochenende mit Angst und Schrecken haben viele Einwohner der Nordstadt Hannovers hinter sich. In ihrem Stadtteil wie auch im Zentrum der niedersächsischen Landeshauptstadt randalierten etwa gewalttätige 600 Punker wiederholt stundenlang. Die erste Bilanz: Rund um das sogenannte Sprengelgelände, auch ein Treffpunkt der autonomen Szene, fand kaum ein Autofahrer seinen Wagen ohne zerstochene Reifen wieder.; Bei anderen Fahrzeugen war die Karosserie total verbeult Mit Bierflaschen und Pflastersteinen hatten die meist jugendlichen Randalierer in der Nacht zuvor die Fensterscheiben von Erdgeschoßwohnungen zertrümmert.

Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften im Einsatz und nahm von Freitag bis Sonntag insgesamt rund 600 Personen in Gewahrsam, einige von ihnen gleich mehrfach.

Plünderungen von Geschäften konnten die Sicherheitskräfte zwar weitget hend verhindern. Dafür gab es nach Angaben der Polizei trotz schwerer Schutzkleidung und Abwehrschilden mindestens 17 Verletzte, einige von ihnen schwer. Durch Steinwürfe aus den eigenen Reihen verletzten sich die Punker auch gegenseitig - 18 von ihnen mußten in Krankenhäuser eingeliefert werden, berichtete die Feuerwehr. - '

Die Bewohner der Nordstadt wurden von den Punkern immer wieder belästigt. Schlafen konnten die meisten Wegen der lautstark dröhnenden Musik im ganzen Stadtviertel ohnehin nicht. Besuchern einer Kirche mußte die Polizei gestern vormittag den Weg zum Gottesdienst durch die Menge der pöbelnden Punker bahnen.

Die meisten der Krawallmacher wurden gestern mit der Eisenbahn unter Aufsicht der Bahnpolizei in ihre Heimatorte zurückgeschickt, nachdem Messer, Schlagwerkzeuge, Ketten und andere gefährliche Gegenstände sichergestellt worden waren. Bereits am Freitag hatte die Polizei I75 Punker in Gewahrsam genommen. Die jungen Leute hatten unter Alkoholeinfluß vor dem Hauptbahnhof Passanten belästigt. Grund für das Punkertreffen waren die sogenannten "Chaostage", bei denen nach Angaben aus der Szene Hannover in Schutt und Asche gelegt werden sollte. Vor zehn Jahren hatten sich die Punker mit Skinheads Straßenschlachten in der Stadt geliefert. An dieses Ereignis sollte mit den jüngsten Ausschreitungen erinnert werden.

 

 
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