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"Express" 8.8.94
Punkertreffen eine Orgie der Gewalt
 
Hannover: Chaos-Tage endeten im Terror - 600 Festnahmen

Von K. GEMBOLIS und T. JUNKERSDORF

exp Hannover&emdash; Die Gewalt kam mit Ansage: "Wir werden Hannover in Schutt und Asche legen" versprachen hunderte Punker auf Flugblättern, als sie sich zu den jährlichen Chaos-Tagen trafen. Für die Anwohner in Hannovers Nordstadt wurde es der reine Terror.

Mit Messern und Ketten bewaffnete Punker brachen in die Häuser ein, bedrohten die Bewohner und versteckten sich vor der anrückenden Polizei. Kaum waren die Beamten draußen vorbei, wurden sie von hinten mit Steinen und Wurfsternen bombardiert.

Möbel brannten, die Lage eskalierte, eine blindwütige Orgie der Gewalt.

Die vorgesehene Taktik der Polizei »Nicht provozieren lassen« war keinen Pfennig wert. Ein Augenzeuge: " Die Punker wollten Gewalt&emdash;mit aller Gewalt."

Umgestürzte und in Brand gesteckte Autos, eingeschlagenen Fensterscheiben &emdash; und immer wieder ein Hagel von Pflastersteinen auf die Polizeihundertschaften.

Aus ganz Deutschland waren die Punker gekommen, hatten in der Nacht zum Samstag die brutalen Krawallen begonnen, die praktisch bis zum Sonntagvormittag anhielten.

Als sie einen Fotoreporter sahen, machten sie Jagd auf ihn. "Ich bin um mein Leben gerannt", erzählte J. Thomas. "Hinter einer Polizeikette glaubte ich mich in Sicherheit. Doch die brachen da durch. Ich rannte zu meinem Wagen und gab Gas. Einbahnstraße, rote Ampel &emdash; mir war alles egal, nur lebend hier rauskommen."

Im letzten Moment verhinderten 120 Polizisten, daß die Punker in eine Kirche eindrangen, wo gerade eine Messe stattfand.

Die Bilanz: 600 Festnahmen, rund 20 verletzte Polizisten, mehrere hunderttausend Mark Sachschaden.

 

 
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