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"DER SPIEGEL" 15.08.1994
Punkerkrawalle: Angst-Parole frei erfunden

Die Punkerkrawalle von Hannover am vorletzten Wochenende sind von Medien und Unionspolitikern offenbar gezielt dramatisiert worden. Das angebliche Motto - "Wir legen Hannover in Schutt und Asche” - stammt nicht von den Organisatoren der sogenannten Chaos-Tage, sondern von der Polizei. Dort hatte ein aufgeregter Bürger berichtet, er habe diesen Satz einer Unterhaltung mehrerer Punks entnommen. Die Polizei verbreitete den Satz in einer ihrer Pressemitteilungen. Zeitungen und Fernsehberichte machten das Zitat dann zum Motto der Szene. Später hieß es fälschlich, auf Flugblättern sei dazu aufgerufen worden, Hannover in Schutt und Asche zu legen. Der bei den Krawallen entstandene Schaden war auch nach Auffassung der Polizei mit rund 50 000 Mark vergleichsweise gering. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Schnoor (SPD) hat seinem Bonner Amtskollegen Manfred Kanther (CDU) unterdessen in einem Brief vorgehalten, den Vorfall parteipolitisch ausgeschlachtet zu haben. Die Bundesregierung hatte nach der Randale der Polizei im SPD-regierten Niedersachsen Versagen vorgeworfen. Dies widerspreche einer Vereinbarung aller Innenminister, nach der kein Minister "Polizeieinsätze außerhalb seiner eigenen Zuständigkeit”- öffentlich kommentieren solle . schreibt Schnoor.

 

 
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