Letzte Änderung: November 22 2005 13:28:47. - 625 Seiten archiviert
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"BILD-Zeitung" 2.8.95
Chaos Tage: 2500 Punker kommen - 100 000 feiern Maschseetage - Langer SSV Sonnabend
 

Das wildeste Wochenende des Jahres

Von A. WIE OREK W. KRAMER und A. LINCK

Hannover an diesem Wochenende - die Stadt bebt. Heiß und voller Gegensatze. 2500 Punker treffen sich zu den Chaos-Tagen. Die ersten sind schon da. 100 000 Menschen wollen am Maschsee fröhlich feiern. Heute ist Eröffnung. Die Geschäfte haben am SSV-Sonnabend bis 16 Uhr geöffnet. Viele Hannoveraner haben Angst, trauen sich nicht in die Stadt. Geht das gut?

Die Polizei ist optimistisch:

Wir sind gut gerüstet!" In jeder Schicht sind rund 1000 Beamte im Einsatz. Strategie: Zurüc haltend bleiben, flexibel reagieren, bei Straftaten hort durchgreifen. Mit einem Flugblatt werden die Punker zum Gespräch aufgefordert. Gleichzeitig hat die Polizei schon zusätzliche Unterkünfte für vorläufige Festnahmen vorbereitet. Und bittet dafür zur Kasse: 80 Mark für Fahrt im Polizeiwagen, Unterkunft und Verpflegung in der Haftzelle. Wer schon am Bahnhof randaliert wird sofort nach Hause geschickt.

" Den Maschseewirten ist mulmig, aber sie lassen sich die Laune nicht verderben. Oliver Risse (27), Betriebsdirektor im Maritim am Maschsee: "Wachmänner mit Hunden passen bei uns auf. Aber wir hoffen, daß alles so ruhig bleibt wie im vorigen Jahr." Holger Metelmann (38), Gastronom in Loretta's Biergarten: "Wir werden uns nicht verbarrikadieren, vertrauen der Polizei. Problematisch wird's, wenn die Punks in Rudeln kommen." Bernd Pachhausen, Mit-Betreiber der "Löwenbastion": "Letztes Jahr ist auch nichts passiert Scheinbar akzeptieren die Punks, daß auch hier gefeiert wird."

Die Geschäftsleute rüsten auf. Cornelia Kusch (35) von der Parfumerie "Douglas": "Wir stellen zwei Wachleute an den Eingang.

Bei Randale schließen wir sofort Sicherheit geht vor Umsatz." Ein Juwelier: "Ich lasse alle Rolläden runter." Linda Rack (47), Geschäftsführerin von Gold-Krämer: "Eine Wache steht am Rolltor, macht sofort dicht. Hans-Peter Platz ecker (35 von "Galeria Horten": "Alles hochgespielt, deshalb bleiben uns die auswärtigen Kunden weg."

Und was sagen die Punks? Fraggle (19, grüne Haare, zerissene Jeans) ist mit dem Wochenend Ticket aus Stuttgart gekommen reckt die Faust und sagt: "Wir wollen Spaß, bis uns die Polizei einkassiert." Sein Kumpel Schof (blauer Hahnenkamm): "Langweilig ist's zu Hause. Wir wollen was erleben."

 
 
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