Letzte Änderung: November 22 2005 13:28:51. - 625 Seiten archiviert
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"Hannoversche Allgemeine" 4.8.95
Brennende Barrikaden in der Nordstadt
 
400 Randalierer liefern sich Straßenschlacht mit der Polizei / Feuerwehrmänner und Beamte verletzt

Rund 400 Punks haben Sich gestern abend am Sprengelgelände eine Straßenschlacht mit zwei Hundertschaften der Polizei geliefert. Sie schleuderten Steine, Flaschen, Zaunlatten und Möbelstücke gegen die Beamten und errichteten mehrere meterhohe, brennende Barrikaden aus Holz und Glascontainern auf der gesamten Schaufelder Straße und am Rande des Sprengelgeländes. Das Feuer drohte am Späten Abend auf die Häuser überzugreifen. und die Feuerwehr konnte den Brand gegen 22 Uhr nur unter starkem Polizeischutz löschen. Schon den ganzen Tag über hatten sich Punks wegen der für heute angekündigten Chaos-Tage versammelt.

Die Punks warfen Böller und schossen mit Schreckschußpistolen, als Beamte in Schutzanzügen mit Helmen und Schildern Menschenketten bildeten und versuchten, sie abzudrängen. Polizisten wurden verletzt und mehrere Randalierer festgenommen. Die Einsatzkräfte konnten von der Schaufelder Straße aus am Abend das Sprengelgelände nicht mehr erreichen, weil die Barrikaden am Rande des Gebietes 711 hoch waren Die Feuerwehrleute mußten auf der Straße kniend löschen und waren dabei von Polizisten mit Schutzschilden umringt. Dennoch wurden einige der Männer von Wurfgeschossen der Randalierer verletzt.

Die Straßenschlacht zog sich über Stunden hin und hat bereits am Vortag der angekündigten Randale die bisher schlimmsten Chaostage in den Jahren 1989 und 1994 bei weitem überschritten. Dabei hatte es am Donnerstag vormittag zunächst noch so ausgesehen, als würde der Tag ruhig verlaufen. Überall, wo in der Stadt Punks auftauchten, wurden sie von Polizisten begleitet. Etwa 300 bis 400 Punks waren schon im Vorfeld der Chaos-Tage angereist. Die "Bunthaarigen" versammelten sich vorwiegend in kleineren Gruppen an unterschiedlichen Orten im Stadtbereich Besonders am Hauptbahnhof wurde kräftig Alkohol getrunken. Nach Auskunft eines Sprechers der Polizei bettelten die Betrunkenen Passanten an und pöbelten herum.

Da sie dadurch eine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellten, machten die Beamten von ihrem Recht Gebrauch, den Betroffenen Platzverweise zu erteilen. Rund 140 junge Leute durften die Innenstadt innerhalb des Cityrings nicht mehr betreten. 60 weitere, die Straftaten begangen hatten, kamen kurz in Gewahrsam und bekamen danach Aufenthaltsverbote für die Stadt bis Montag.

Am Nachmittag: und Abend zogen Punks außerhalb der für sie verbotenen Gebietes in Grüppchen durch die Stadt, stets begleitet von Aufgeboten uniformierter Polizisten. Schließlich gingen etwa 80 junge Leute auf das Sprengelgelande und errichteten eine Barrikade zur Schaufelder Straße. Die Bewohner des Geländes distanzierten sich von ihnen. Durch eine mit einer Schleuder abgefeuerte Schraube wurde ein Polizist leicht verletzt. Im Laufe des Tages jedoch kamen immer mehr Jugendliche und versammelten sich am Sprengelgelande in der Nordstadt. Mit der steigenden Zahl der Punks kamen immer mehr Beamte zum Einsatzort. Die Gruppe rottete sich zusammen, beschimpfte die Polizisten, und die Situation eskalierte Nach den Löscharbeiten der Feuerwehr zogen die Polizisten sich zurück, um die Stimmung nicht weiter aufzuheizen Gegen 23 Uhr entspannte sich die Lage Die Punks lösten sich in kleine Gruppen auf und zogen in unterschiedliche Stadtteile davon. Die Einsatzleitung forderte Wasserwerfer in Bereitschaft an, um auf weitere Ausschreitungen in der Nacht vorbereitet zu sein. rfi/sc

 
 
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