| Hannover: nach den blutigen Punker-Krawallen
Nach den Punker-Krawallen gerät die Polizeiführung
unter Druck: Polizeibeamte erstattet gegen Innenminister Glogowski,
Polizeipräsident Sander und Gesamteinsatzleiter Wiedemann
Strafanzeige. Sie werfen ihnen Beihilfe zu Straftaten und
unterlassene Hilfeleistung vor, kritisieren die schlechte
Ausstattung der Beamten.
Polizist: "Im Steinhagel riefen wir um Hilfe - abgelehnt!"
Von WILHELM KRAMER
Punker-Schlacht: Steinwürfe Molotow-Cocktails. Polizeibeamte
hielten den Kopf für ihre Chefs hin, 180 wurden verletzt.
Jetzt hagelt es Anzeigen gegen die Vorgesetzten.
· Polizeiobermeister Uwe B. hat seinen obersten Dienstherrn,
Innenminister Gerhard Glogowski angezeigt. · Strafvereitelung
im Amt · unterlassene Hilfeleistung · Beihilfe zu
Straftaten .
Leitet die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein, müßte
der Landtag Glogowskis Immunität aufheben. Höchststrafe
5 Jahre Haft.
· Der Polizeiobermeister (Verletzungen und Prellungen
an Schienbeinen, Stauchungen, Schürfwunden) schildert:
"Ich habe in der 1. Reihe gekniet, als die Steine flogen.
Wir riefen eine halbe Stunde verzweifelt um Hilfe, als die
Lage heikel wurde. Aber unsere Anforderungen wurden abgelehnt."
Ein Kripobeamter und der Bezirkschef der Deutschen Polizeigewerkschaft
Peter Eike (45) haben Polizeipräsident Herbert Sander
sowie Einsatzleiter Uwe Wiedemann angezeigt. Der Kripobeamte
durfte offenbar nicht einschreiten, als ein Penny-Markt geplündert
wurde. Über Funk kam die Anweisung: Nicht eingreifen.
Die Funksprüche werden auf Tonband festgehalten, 4 Wochen
aufbewahrt. Schlimm: Für 180 hannoversche Polizisten
gab es nur 27 Schutzausrüstungen.
· Eike zu BILD: "Unfaßbar daß Polizeibeamte
bei Rechtsbrüchen tatenlos zusehen müssen." Über
die Stimmung bei den Beamten: "Viele sind wütend, zornig.
Die Autorität der Führung wird kaum noch anerkannt.
Das Vertrauen ist hin." Er fordert den Rücktritt von
Sander. "Da muß jemand hin, der was kann!"
Fast zynisch, der Kommentar von Glogowskis Pressesprecher
Volker Bebe: "Diese Leute sind nicht ernstzunehmen. Die wollen
nur ihr Mutchen kühlen." P.S. Heute: Sondersitzung des
Innenausschusses zu den Polizeieinsätzen.
Das schreiben BILD Leser zu den Punker-Krawallen:
Karl- Heinz Böttcher, Hannover: "Mir kommt die Galle
hoch, wie die Polizeiführung ihre Untergebenen verheizt."
Walter Wulfmeyer, Hannover: "Schon vergessen, Herr Schröder?
Die Geister die ich rief, ich werd' sie nicht mehr los."
Günter Lemke, Hemmingen: "Völker der Welt, kommt
im Jahre 2000 zur
Expo nach Hannover. Dann könnt ihr die schönsten
Chaostage der Welt hautnah erleben."
Gerda Wellmann, Hannover: "Arme Polizeibeamte. Sie hatten
einen harten Einsatz."
Dieter Voigt, Hannover: "Meine Heimatstadt gestattete 2500
Chaoten ihr Unwesen zu treiben. Polizisten müssen sich
verprügeln und demütigen lassen. Ist es das, was
unsere Politiker wollen?
Marion B., Hildesheim: "Die beste Werbung für die Expo
hat sich in der Nordstadt abgespielt. Herr Schmalstieg, das
können Sie nicht gewollt haben."
Helmut K, Hannover: "Punker schießen mit Stahlkugeln
auf Polizeibeamte. Müssen wir erst einen getöteten
Polizeibeamten beklagen, damit die Politiker handeln?" w.k.
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