| DER KOMMENTAR
Freuen wir uns auf die Chaostage 1996: Freibier (alkoholfreies)
für alle Punks an den Kiesteichen und Hannover erlebt
statt Straßenschlachten ein drittes Woodstock. Zugestanden
arg verkürzt wiedergegeben, plädieren für diesen
Lösungsansatz die Grünen (Silke Stokar, Landtagsabgeordnete),
um eine Wiederholung der viertägigen Auseinandersetzungen
zwischen Staats- und Straßengewalt mit 400 Verletzten
zu verhindern.
Hinter diesem Vorschlag steckt eine Erkenntnis und eine Schuldzuweisung.
Die Erkenntnis lautet: Wenn die Polizei angereiste Punks mit
Platzverweisen quer durch die City in die Nordstadt treibt,
schürt sie Aggression und Gewaltbereitschaft - gerade
auch bei dem Großteil, der nur ein friedliches Treffen
will.
Die Schuldzuweisung richtet sich an die Polizeiführung
an Herbert Sander und Uwe, Wiedemann. Nur die Innenstadt von
Punks freizuhalten damit der einkaufsoffene Sonnabend nicht
von Bunthaarigen gestört wird, reicht nicht. Das freut
die Kaufhäuser, aber nicht die 180 verletzten Beamten,
300 verletzten Punks und die Nordstädter.
Wer nicht den Polizeistaat will, der Menschen nur wegen,
ihrer Haartracht und Kleidung vorsorglich einsperrt, muß
Randgruppen Freiräume zugestehen. Warum also kein Punkfest
an den Kiesteichen?
Gewalttäter, die in die City abziehen, könnte die
Polizei gezielt abgreifen. Nach 13 Jahren Chaostage in Hannover
sollte die Polizei endlich ein Konzept mit allen Beteiligten
erarbeiten. Detlef Tegtrneier
Das meinen Bürger zur Straßenschlacht
Rudolf K. (55): Erstaunlich, daß die Polizei so wenig
vorbereitet war. Den Polizeieinsatz gegenüber den Punks
finde ich gerechtfertigt.
Sandra N. (24):
Gewaltbereite Punks sollte man gar nicht erst in die Stadt
lassen. Die schlagen alles kaputt und wir müssen es bezahlen.
Punk Basti (18): Scheiße, daß die Militanten
mir das Fährmannsfest zerballert haben. Die nächsten
Chaostage sollten auf der grünen Wiese stattfinden.
Petra R. (34): Die Leistung der Polizei war schwach. So eine
Veranstaltung sollte man verbieten. Oder Alternativ außerhalb
der Stadt auf die Wiese verlegen.
Christoph S. (32):
Punks und Polizei haben sich gegenseitig hochgeschaukelt.
Ein Grund findet sich im nachhinein immer für einen harten
Polizeieinsatz.
Natalia S. (33):
Zuviel Polizei in unnötigen Situationen, zuwenig Kommunikation
Punk - Polizei. In martialischer Schutzkleidung wirkt Polizei
selbst auf mich provozierend.
Leser sagen Ihre Meinung
Heute möchte ich mir endlich einmal Luft machen zum
Thema Chaostage in Hannover.
Alle sprechen über die Chaostage, keiner spricht über
die diensttuenden Polizisten und ihre Familien. Ich bin seit
18 Jahren mit einem Polizeibeamten verheiratet wir haben zwei
Kinder. Wenn solche Chaoten in die Stadt kommen, warten meine
Kinder und ich darauf, daß mein Mann gesund vom Dienst
wieder nach Hause kommt Und ich bin nur eine von vielen Frauen
beziehungsweise Verlobten oder Freundinnen, denen es ebenso
ergeht. Es wäre gut, wenn auch darüber die Medien
einmal berichten würden. Durch den totalen Mangel an
Personal bei der Schutzpolizei müssen unsere Männer
ohnehin schon mehr Dienst machen, freie Tage werden gestrichen
oder wie zur Zeit mehrmals hintereinander zwölf Stunden
Dienst wegen der Chaostage - sind dann normal. l
Eine völlig "chaotische" Polizistenfrau
Die recht friedlich am Maschsee lagernden Punker wurden nicht
provoziert und es handelte sich ohnehin um dieBesucher, die
sich nicht an den Krawallen beteiligen wollten. Völlig
unverständlich sind dagegen die politischen Vorgaben
aus dem Haus des Innenministers Glogowski, seines Zeichens
oberster Dienstherr der Polizei Niedersachsen. Seine Beamten
durften bei Plünderungen von Geschäften nur zuschauen
und sich bei der verordneten Zurückhaltung von den randalesüchtigen
Chaotenkrankenhausreif schlagen lassen. Das ist nicht zu begreifen.
Ein erforderliches Durchgreifen der Polizei, die allein das
Machtmonopol des Staates umsetzen kann, hätte jedenfalls
den Rückhalt der überwältigenden Mehrheit der
Hannoveraner.
Walter Goedecke
Interessengemeinschaft Südstadt
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