| SPD macht mobil und will das Polizeigesetz
verschärfen
VON AMADORE KOBUS
HANNOVER. Niedersachsens Innenminister Gerhard Glogowski
(SPD) geriet gestern ordentlich ins Schwitzen. Allerdings
war dafür nicht allein der Sonnenschein verantwortlich.
Glogowski mußte in einer ganztägigen Sondersitzung
des Innenausschusses im Leineschloß einräumen,
daß es beim Polizeieinsatz während der sogenannten
Chaos-Tage in Hannover zu "Fehlern und Pannen" gekommen war.
Glogowski bemängelte, daß die Zahl der angereisten
Randalierer unterschätzt worden sei, es unzulängliche
Schutzkleidung für die Polizisten gegeben habe und ihre
Versorgung sowie Unterbringung mangelhaft gewesen seien Trotz
dieser Fehler schloß Glogowski personelle Konsequenzen
erst einmal aus.
Zur möglichen Verschärfung des Polizeigesetzes:
"Ich möchte auf alle Fälle erreichen, daß
gewalttätige Störer, die von der Polizei festgenommen
oder in Gewahrsam genommen werden, nicht wieder in das laufende
Geschehen eingreifen können. "
Auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion,
Sigmar Gabriel, schlug vor, das Gefahrenabwehrgesetz so zu
verändern das die Bürger in Angst und Schrecken
versetzt habe. Der sofortige Rücktritt Glogowskis sei
die einzig denkbare Konsequenz aus dem völligen Versagen
der politischen Führung, so der Polizeisprecher der CDU-Landtagsfraktion,
Sehrt.
CDU-Fraktionschef Christian Wulff nannte die Überlegungen
der Regierung, das Gefahrenabwehrgesetz zu verschärfen,
ein offenes Eingeständnis dramatischer Versäumnisse".
Er erinnerte daran, daß seine Fraktion seit Jahren eine
Verlängerung des Unterbringungsgewahrsams gefordert habe.
Offensichtlich müßten erst 180 Polizisten verletzt
und ein ganzer Stadtteil verwüstet werden, bevor Schröder
und Glogowski "einen Ansatz von Vernunft" zeigten, sagte Wulff.
Die Grünen warfen der Union vor, den Streit um die Auseinandersetzung
während der Chaos-Tage als Großangriff auf die
Polizeigesetzgebung zu inszenieren. "Die Empörung über
die gewalttätigen Auseinandersetzungen wird genutzt,
um die abgegriffenen und autoritären Vorstellungen von
Staatsgewalt und Einschränkung von individueller Freiheit
in Großer Koalition in Gesetzesform zu gießen",
bedauerte die innenpolitische Sprecherin der Grünen,
Silke Stokar. Sie kritisierte zudem die übermäßige
Härte des Polizeieinsatzes. Stokar kündigte an,
daß ihre Fraktion das Gespräch mit den Punks suchen
werde, um eine Wiederholung im nächsten Jahr zu verhindern.
Für die Ausschreitungen gebe es soziale Ursachen.
Unterdessen plant Hannovers Polizeispitze einen Umfrage unter
den eingesetzten Beamten: Sie sollen kritisieren und Verbesserungen
vorschlagen. Dienstgrad und Name müssen angegeben werden
Der Verhinderungsgewahrsam sollte von bis zu 48 Stunden auf
bis zu vier Tage ausgedehnt werden.
Die Staatsanwaltschaft Hannover überprüft nach
Zeitungsberichten, ob Steinwerfer wegen versuchten Totschlags
angeklagt werden können.
Die CDU sprach von einem "verheerenden Wochenende".
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