Er wagt das Unfassbare: Er fordert die ganze Menschheit heraus! Und keine Armee kann ihn aufhalten!

Spiritus Rector

Der Geistige Brandstifter

In der Scheisse ihres Angesichts: Auf der Suche nach der Wahrheit!

Hatte ich Euch nicht irgendwann man versprochen, Euch mit einer meiner unglaublich scharfsinnigen und exakten Vorhersagen zu beglücken? Mit einer Einschätzung der Lage, die von tatsächlicher Sachkenntnis gekennzeichnet ist und nicht von bloßer Kaffeesatzleserei?

Sicher, das habe ich getan. Aber nachdem ich feststellen mußte, daß insbesondere viele Vertreter von Polizei und Medien mich für einen infamen Lügner und Betrüger halten, der seine Leser mit an den Haaren herbeigezogenen Schulßfolgerungen und Punkermärchen hinters Licht führen will, habe ich es vorgezogen, zunächst einmal ein wenig im Hintergrund zu bleiben.

Nun aber treibt mich mein Gewissen wieder an die Öffentlichkeit: Nicht länger will ich mein Wissen zurückhalten! Doch sagt mir, o Machtgewaltige aller Art, wie kann ich Euch überzeugen, daß ich die Wahrheit spreche? Müßt Ihr erst mein tränenüberströmtes Antlitz schauen, das von dem schlimmen Schicksal, das Hannover droht, gezeichnet ist? Muß ich auf Knieen rutschen, damit Ihr begreift, daß ich nur warnen will, aber nichts böses im Schilde führe?

Und damit sind wir auch schon beim ersten Punkt meiner Analyse: Nachdem sich Polizei und Medien 1996 im vom CANNIBAL HOME CHANNEL gestricken Konstrukt aus Lügen und Wahrheiten hoffnungslos verhedderten und eine wirklich peinliche Vorstellung gaben, glaubt man in diesem Jahr kein Wort der schlimmen Nachrichten, die da aus dem Internet dringen. Ja, schlimmer noch: Leichtsinnigerweise ist man zu dem Schluß gekommen, daß einfach das GEGENTEIL von dem richtig ist, was auf den Seiten von www.chaos-tage.de steht! Daß alles nur ein aufgeblasener Popanz ist, daß aber niemals Tausende wild entschlossener junger Leute in Hannover für ein abenteuerliches Wochenende sorgen werden. Nein, nein, diesmal mögen sie so laut trommeln wie sie wollen, diesmal läßt sich Hannover nicht zum Narren halten!

Wie kann man nur so dumm sein! Und deshalb kann ich Euch, die Ihr Euch so gerne und immer wieder verarschen laßt, voller Inbrunst zurufen: Verliert keine Zeit! Bietet auf, was ihr habt! Polizei und BGS! Die Bundeswehr! Fordert die US-Marines an! Die Heilsarmee! Reaktiviert den Volkssturm! All das werdet ihr brauchen, wenn wenn am ersten Augustwochenende ganze Horden ordnungsfeindlicher junger Menschen die niedersächsische Landeshauptstadt in einen Hexenkessel verwandeln werden!

Und das joviale Grinsen wird Euch im Gesicht erstarren, wenn Ihr seht, was sich das zusammenrottet: Daß Chaos-Tage das "Punker-Weihnachten" ist, wissen alle. Also werden sich die bunten Massen nicht die Chance entgehen lassen, die wildeste Party ihres Lebens zu feiern, es sind ja schließlich die letzten Chaos-Tage! Aber richtig brandgefährlich wird es erst, wenn sich dazu immer neue Gruppen von Hooligans, Hip-Hoppern, türkischen Jugendlichen, Polit-Chaoten und neuerdings sogar noch "Reclaim the Streets"-Party-Aktivisten gesellen. Wenn wie 1995 der Alptraum jedes Politikers wahr wird, daß sich die verschiedenen Subkulturen mal ausnahmswseise nicht vonaneinder abgrenzen, sondern aufeinander zugehen!

Eine Spinnerei? Ihr wollt Beweise sehen? Nun, die Beweise gibt's am ersten Augustwochenende, aber ich empfehle allen Interessierten, sich einfach mal umzuhören. Z.B. unter den türkischen Jugendlichen, die noch heute von den 1995 gegen die Polizei geführten Riots schwärmen, und die äußerst sauer reagieren, wenn z.B. der "Verein zur Verhinderung der Chaostage" ihnen die Chaos-Tage madig machen will.

Auch die Hooligans haben noch nach der EM in Belgien ein paar Rechnungen mit der deutschen Polizei offen, und wer glaubt, hier in erster Linie einen politisch rechten Mob auf Hannover zumarschieren zu sehen, ist mal wieder Opfer medialer Vereinfachungen geworden. Den rechten Hools würde beim Anblick sovieler Punks, "Zecken " und Türken zunächst einmal schlecht und anschließend kräftig Beine gemacht. Keine zehn Minuten ginge das gut. Und das wissen sie...

Aber es gibt eben auch die anderen Hools, diejenigen, die in erster Linie Spaß daran haben, der Staatsmacht kräftig in die Hacken zu treten. Und die im Punk zwar nicht unbedingt den Inbegriff von Eleganz, Intelligenz und Standfestigkeit sehen, aber für Chaos-Tage immer zu haben sind. Zumal man hier mal allen zeigen kann, wer die besten Tricks und Schikanen drauf hat.

Die Polizei würde natürlich gerne wie 1996 die Chaos-Tage verbieten, aber das geht diesmal leider nicht. Die Punks haben das auf ihrem neuen Flugblatt schon ganz richtig erkannt: Um nämlich ein Verbot auszusprechen und die Stadt wieder in eine totale "punkfreie Zone" zu verwandeln, muß die Polizei nämlich von einer "ernstzunehmenden Gefahr für Sicherheit und Ordnung" sprechen und diese auch nachweisen. Letzteres wird ihr natürlich problemlos gelingen, aber für die EXPO 2000 sind derartige Schlagzeilen natürlich pures Gift. Also läßt man's lieber. Die Folge: Platzverweise können nicht mehr für ganz Hannover ausgesprochen werden, sondern nur für den jeweiligen Platz. Also geht man einfach woanders hin und feiert dort weiter...

Und nun, wo die EXPO-Planer in den letzten Wochen und Monaten bereits gute Arbeit geleistet haben, ihren eigenen Laden richtig in die Scheiße zu wirtschaften, bedarf es nur noch der Chaos-Tage, um der EXPO "den Fangschuß" zu geben, wie es in der Szene bereits heißt. Ein Erfolg, mit dem sich die Serie der Chaos-Tage prima abschließen läßt!

Was was ist mit Bremen? Auch dort bereitet man sich schon länger auf ein spannendes Wochenende vor. Wobei sicher auch die Tage davor recht interessant werden. Als "Aufmarschgebiet" für die Chaos-Tage eignet sich Bremen nämlich bestens, weil das eigens für Hannover gestrichene 35-Mark-Ticket der Bahn in Bremen natürlich gilt. In Bremen ist man zudem recht krawallerprobt und die Szene besteht nicht weitgehend aus schreckhaften linken Kleingärtnern wie in Hannover. Es ist damit zu rechnen, daß möglicherweise an Hannover apprallendes Chaos mit Kußhand von Bremen aufgenommen wird und sich dort in professioneller Weise entlädt. Auf jeden Fall geht wie schon '96 die Parole um: "Wem's in Hannover nicht länger gefällt, kann gerne auf ein Bier in Bremen vorbeikommen. Bitteschön!"

Nun aber will ich zum Konkreten kommen: Ihr wollt wissen, was genau passieren wird! Ihr sollt es erfahren!

Nun, die Medien werden sich brav an die Erkenntnis halten, sich diesmal keinesfalls für Mobilisierungszwecke mißbrauchen zu lassen. Auch die linken. Vielleicht hier und da mal ein Ausrutscher, ein Artikel, der kurz über die anstehenden Chaos-Tage berichtet, vielleicht eine kurze Notiz im SPIEGEL kommenden Montag. Mehr nicht.

In der kommenden Woche geht es aber dann los: Als erstes kommen die Punks, die auf Nummer Sicher gehen wollen und lieber ein paar Tage früher - und natürlich in "Zivil" - anreisen als das Risiko einzugehen, vielleicht am Ende an irgendeiner Polizeisperre zu scheitern. Die Party wird aber zunächst eher unauffällig ablaufen, weil man sich lieber in Parks trifft - laut aktuellem Flugblatt täglich um 18 Uhr im Georgengarten - und nicht scharf darauf ist, ständig mit der Polizei aneinanderzugeraten.

Ab Donnerstag dann wird aber nicht mehr zu übersehen sein, daß sich tatsächlich etwas Großes anbahnt, daß die Chaos-Tage REAL stattfinden und nicht nur im Internet. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch eine reine Punk-Party, von anderen Gruppen wird man nicht viel sehen. Die Medien aber können nicht länger verschweigen, daß etwas im Gange ist. Die ersten größeren Berichte erscheinen

Freitag ist schließlich der Tag, der alles entscheidet. Der die Weiche stellt, ob es wieder richtig kracht oder es einfach nur eine riesige, durchgeknallte, aber weitgehend friedliche Party wird. Entscheidend wird hier sein, ob auf der einen Seite die Medien mal wieder den "Krieg" heraufbeschwören und auf der anderen, ob die Polizei bereit ist, diesen Schlachtrufen willig Folge zu leisten. Die lautstark feiernde Chaos-Gäste mal wieder brutal auseinandertreibt und in unangemeldeten Konzerten auf der Straße einen Grund zum sofortigen Einschreiten sieht.

In beiden Fällen aber werden Massen nach Hannover strömen, um bei dieser einzigartigen Party dabei zu sein. Bleibt es friedlich, kommen die Partygänger. Will die Polizei das Problem aber mit dem Schlagstock lösen, droht eine Lawine schlimmster Ereignisse.

Zunächst werden Krawalltouristen aller Art nach Hannover gelockt. Die erwähnten Hools und Polit-Chaoten, die schon lange mal wieder eine nette Steinparty erleben wollen. Die Jungtürken erinnern sich an ihre ruhmreichen Schlachten von 1995 und mischen ebenfalls wieder mit. Bei der Gelegenheit will sich auch die Anti-EXPO-Szene nicht lumpen lassen und zerlegen mal eben die EXPO zu Kleinholz. Im Getümmel gelingt es islamischen Terroristen, das Rathaus in die Luft zu sprengen. Und die Punks drehen total durch: Sie rösten Kinder auf Spießen und tragen Ihr Idol Ernst August von Hannover auf den Schultern. Bis dann die Bundeswehr eingreift und sicherheitshalber ganz Hannover in Schutt und Asche bombt. Halt so wie im Comic "Expocalypse Now".

Ein durchaus realistisches Szenario, nicht wahr? Aber das beste kommt noch: Am Tag danach geht die Suche nach den Schuldigen, den Sündenböcken, los: Der arme Polizeipräsident Klosa muß seinen Hut nehmen und die Medien fordern Todesstrafe, Vierteilung oder Schlimmeres für die angeblichen Drahtzieher aus dem Internet. Die aber können ganz entrüstet sagen "Wir haben Euch gewarnt! Hättet Ihr bloß auf uns gehört!". Karl Nagel kann anhand eines schönen Originalbriefes der Polizeidirektion Hannover belegen, daß man ihn dort als "ernstzunehmenden Gesprächspartner" abgelehnt hat, und auch ich bin fein raus: Ich habe alles perfekt vorhergesagt und damit der Polizei die Möglichkeit gegeben, das Richtige zu tun. Selbst schuld, wenn man lieber ins Klo greift.

Aber halt: Fast hätte ich den besten Chaos-Tage-Treppenwitz vergessen! Möglicherweise werden die Chaos-Tage ja 4 Wochen später noch einmal wiederholt! O Graus! Dann muß die Polizei noch einmal zum Chaos-Einsatz antreten und ein paar Millionen verknallen, und auch die EXPO kann wirklich endgültig einpacken!

Die 70 Millionen, die die neue EXPO-Werbekampagne kostet, hätte man übrigens gleich aus dem Fenster werfen können. Die Werbespots laufen nämlich genau dann an, wenn in Hannover die Chaos-Tage Ihrem Höhepunkt zustreben. Perfektes Timing! Und wenn dann einige Wochen später das Gedächtnis der Menschen nachgelassen hat und die schlimmen Bilder aus Hannover verblassen, steht schon das nächste Ereignis an, das die Leute an den Fernseher fesselt: OLYMPIA 2000! Dazu dann noch die Wiederholung der Chaos-Tage, und die EXPO kann ihren Laden vorzeitig schließen.

Es gibt also eigentlich ausschließlich Gründe für Polizei und Politik, alles dafür zu tun, daß die Chaos-Tage friedlich bleiben. Aber ob sie es wirklich schaffen, diese für sie fast schon lebenswichtige Erkenntnis auch umzusetzen, darf bezweifelt werden. Schließlich ist Hannover die Stadt der kleinen Hosenscheißer, und Polizeiarmeen haben sich noch nie als besonders diffiziles Operationswerkzeug hervorgetan. Stattdessen rate ich hier ganz dringend dazu, die Chaos-Massen mit Freibier und überall verteilten, kostenlosen Drogen völlig besinnungslos und handlungsunfähig zu machen. Ein probates Mittel, mit dem man eine rebellische Jugend schnell aus dem Verkehr ziehen kann!

Andererseits: Für die EXPO wären so richtig schön brutale Chaos-Tage doch ein Geschenk des Himmels! Dann könnten sie sich bei den Chaoten glatt bedanken. Endlich wären Schuldige für die EXPO-Pleite gefunden, ohne die die EXPO zum Schluß doch noch ein Super-Erfolg geworden wäre! Nein, nicht am Management hats gelegen, die Punker warns. Und natürlich die Polizei, die viel zu lasch vorging und die Chaoten nicht in den Griff bekommen hat..

Vertrauen Sie mir! Ich weiß, was geschieht!

ARRUUUK!

Die menschliche Zivilisation muß vernichtet werden! Sofort!