| Wenn man sich
die heutige Punk Szene anschaut, glaubt
man nicht, das diese heute eher biedere
Anarcho Szene so viel Schaden anrichten
kann. Diese Erkenntnis erhält
man schon, wenn auf eine moderne Antifa-Demo
blickt. Dort wird man schnell feststellen,
das die Punks, die dieser beiwohnen,
eher zaghaft im Hintergrund bleiben.
Die wahre Gefahr geht von den Menschen
aus, die in einem eher als normal
einzustufenden Modegeschmack auftreten.
Als 96 Chaos-Tage in Bremen stattfanden,
trat auch der sogenannte "Flex.
Head Orden" in Anzug und Krawatte
in Erscheinung. So geistern die
Gerüchte in der Szene um, daß
auch 2000 in Hannover Gruppen von
Gewalttätern in Anzug an den
Randalen teilnehmen wollen, um dann
bei Polizeieinsatz ein ausländische
Expo-Besucher aus der Affäre
zu ziehen.
Inzwischen ist die Punk Szene
jedoch nicht mehr die einzige Jugendbewegung,
die Gewalt und Randale in ihren
Liedern verherrlicht .Auch populäre
Tekno Gurus wie Modo, mit "Eins
Zwei, Polizei!" oder Mr. X & Mr.
Y mit "Viva La Revolution!" Fordern
unterschwellig den Umsturz des herrschenden
Systems.
Radikale Parolen werden auch schon
in der Hip-Hop-Szene transportiert,
wie zum Beispiel Anarchist Academy,
die schon vor 5 Jahren "Bundestag
brennt!" brüllten. Das fand
schnell Nachahmer mit Bands wie
Fischmob, die den ehemaligen Punk-Song
"Bullenschweine" für das Rap-Publikum
zugänglich machten. Letztes
Jahr schließlich sprachen
RAG mit "Kopf Stein Pflaster" eine
klare Sprache. Nicht zu vergessen
die skandalösen Aktionen der
Fantastischen Vier, als sie als
"Informations-Guerillia" bei Talk
Shows einbrachen. So geht von dieser
Gangster verherrlichenden Szene
eine extreme Gefahr aus. Die ersten
Flugblätter sind in dieser
Szene schon aufgetaucht und mit
ihr die Bereitschaft zum Untergang
Hannovers .
Die Frage ist auch was die Jugend
in den Plattenbauvierteln machen
wird. Man erinnere sich daran, das
diese eher unpolitische Jugend in
Bremen-Tenever schon zum ersten
Mai 99 der "Tageszeitung"
erzählte, daß sie etwa
60 Molotov Cocktails schon vorbereitet
hätte. Diese Jugend hat nur
ein Zel: Gewalt! Egal wo und wann.
Schon an den Castor-Transporten
merkte man, daß viele Menschen
in der Konfrontation mit der Polizei
nur das Abenteuer suchten, das ihnen
unsere moderne Überwachungswelt
nicht bieten kann. Die Zeit, in
der man als junger Mensch wie in
"Krieg der Knöpfe" durch die
Wälder streifen kann ist, vorbei.
Zum anderen wird das Streben nach
Freiheit und Abenteurer weiter durch
Film und Fernsehen gefördert.
Chaos-Tage bedeuten für viele
junge Menschen, das zu erleben,
was sie sonst nicht haben können:
Ein Abenteuer. So wie bei S-Bahn-Surfen
und Grafitties sind Chaos-Tage etwas,
was einen Kick durch illegales gibt.
Hinzu kommt, das Chaos-Tage weniger
Risiko mit sich bringen als die
oben genannten Tätigkeiten.
Chaos-Tage sind zu einer Modeerscheinung
geworden. Es ist zum Trend geworden,
teure Designer-T-Shirts mit Aufschriften
wie "Chaos!" oder "Terror" zu tragen.
Aber harmlos wie andere Moden ist
diese nicht. Denn auch jemand, der
das Blatt einer Hanfpflanze auf
dem T-Shirt trägt, fängt
irgendwann mal an, Marihuana zu
konsumieren.
Manuel L. Homeyer, Bremen
|