Letzte Änderung: November 22 2005 13:32:34. - 625 Seiten archiviert
Home Aktuelles Meinung & Analyse Beitrag
 
Freitag, 14.04.2000, 21:20 Uhr
Chaostage ohne Punker?
Wenn man sich die heutige Punk Szene anschaut, glaubt man nicht, das diese heute eher biedere Anarcho Szene so viel Schaden anrichten kann. Diese Erkenntnis erhält man schon, wenn auf eine moderne Antifa-Demo blickt. Dort wird man schnell feststellen, das die Punks, die dieser beiwohnen, eher zaghaft im Hintergrund bleiben. Die wahre Gefahr geht von den Menschen aus, die in einem eher als normal einzustufenden Modegeschmack auftreten.

Als 96 Chaos-Tage in Bremen stattfanden, trat auch der sogenannte "Flex. Head Orden" in Anzug und Krawatte in Erscheinung. So geistern die Gerüchte in der Szene um, daß auch 2000 in Hannover Gruppen von Gewalttätern in Anzug an den Randalen teilnehmen wollen, um dann bei Polizeieinsatz ein ausländische Expo-Besucher aus der Affäre zu ziehen.

Inzwischen ist die Punk Szene jedoch nicht mehr die einzige Jugendbewegung, die Gewalt und Randale in ihren Liedern verherrlicht .Auch populäre Tekno Gurus wie Modo, mit "Eins Zwei, Polizei!" oder Mr. X & Mr. Y mit "Viva La Revolution!" Fordern unterschwellig den Umsturz des herrschenden Systems.

Radikale Parolen werden auch schon in der Hip-Hop-Szene transportiert, wie zum Beispiel Anarchist Academy, die schon vor 5 Jahren "Bundestag brennt!" brüllten. Das fand schnell Nachahmer mit Bands wie Fischmob, die den ehemaligen Punk-Song "Bullenschweine" für das Rap-Publikum zugänglich machten. Letztes Jahr schließlich sprachen RAG mit "Kopf Stein Pflaster" eine klare Sprache. Nicht zu vergessen die skandalösen Aktionen der Fantastischen Vier, als sie als "Informations-Guerillia" bei Talk Shows einbrachen. So geht von dieser Gangster verherrlichenden Szene eine extreme Gefahr aus. Die ersten Flugblätter sind in dieser Szene schon aufgetaucht und mit ihr die Bereitschaft zum Untergang Hannovers .

Die Frage ist auch was die Jugend in den Plattenbauvierteln machen wird. Man erinnere sich daran, das diese eher unpolitische Jugend in Bremen-Tenever schon zum ersten Mai 99 der "Tageszeitung" erzählte, daß sie etwa 60 Molotov Cocktails schon vorbereitet hätte. Diese Jugend hat nur ein Zel: Gewalt! Egal wo und wann.

Schon an den Castor-Transporten merkte man, daß viele Menschen in der Konfrontation mit der Polizei nur das Abenteuer suchten, das ihnen unsere moderne Überwachungswelt nicht bieten kann. Die Zeit, in der man als junger Mensch wie in "Krieg der Knöpfe" durch die Wälder streifen kann ist, vorbei. Zum anderen wird das Streben nach Freiheit und Abenteurer weiter durch Film und Fernsehen gefördert. Chaos-Tage bedeuten für viele junge Menschen, das zu erleben, was sie sonst nicht haben können: Ein Abenteuer. So wie bei S-Bahn-Surfen und Grafitties sind Chaos-Tage etwas, was einen Kick durch illegales gibt. Hinzu kommt, das Chaos-Tage weniger Risiko mit sich bringen als die oben genannten Tätigkeiten.

Chaos-Tage sind zu einer Modeerscheinung geworden. Es ist zum Trend geworden, teure Designer-T-Shirts mit Aufschriften wie "Chaos!" oder "Terror" zu tragen. Aber harmlos wie andere Moden ist diese nicht. Denn auch jemand, der das Blatt einer Hanfpflanze auf dem T-Shirt trägt, fängt irgendwann mal an, Marihuana zu konsumieren.



Manuel L. Homeyer, Bremen

 

 
  Sorry,
das kann noch dauern...
-kn-
 
 
   
 
 
 
Home | Aktuell | Archiv | Diskussion | Downloads | Kontakt

 

WWW.CHAOS-TAGE.DE - das Internet-Archiv zum Thema
Für Inhalt, Gestaltung und Programmierung verantwortlich: Karl Nagel, Schleswiger Str. 2, 22761 Hamburg
 
Bilder des Chaos!
KOT
Bilder des Chaos!