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Donnerstag, 18.05.2000, 19:02 Uhr
Die Chaostage- Ersatzbefriedigung fuer Hooligans?

Die Chaostage 2000 - Ersatzbefriedigung fuer Hooligans?

Die schweren Ausschreitungen beim gestrigen Uefa Pokal Finale in Kopenhagen haben erneut gezeigt, das das Problem des Hooliganismus auf europaeischer Ebene noch lange nicht geloest ist.

Am gestrigen Abend verzeichnete die Statistik mindestens 5 schwerverletzte Fussballfans, nachdem Supporter der Clubs Galatasaray und Arsenal vor dem Pokalfinale aufeinandergetroffen waren und sich eine 45-minuetige Schlacht geliefert hatten. Obwohl erst 6 Wochen seit den Ereignissen von Istanbul (im Vorfeld des Spiels Leeds-Galatasaray wurden 2 britische Supporter getoetet) vergangen sind, haben es die daenischen Behoerden offenbar versaeumt, die Fangruppen strikt getrennt zu halten. Mittlerweile hat also eine neue Nation Eingang in die Hooligan-Szene gehalten: die Tuerkei.

Die Ereignisse zeigen, das die Versuche der Behoerden, gegen bekannte Hooligans Reiseverbote auszusprechen, entweder nicht konsequent genug sind (dazu an anderer Stelle mehr), oder das die Hooligans tatsaechlich etwas beim Fussball gelernt haben: wer Gelb gesehn hat, wird ausgewechselt. Soll heissen: Wer in der Hool-Kartei eingetragen ist, bleibt bei Auslandsspielen zu hause; es gibt schliesslich genug "Kollegen", die einspringen koennen.

Welche Moeglichkeiten haben die Behoerden der europaeischen Laender denn tatsaechlich?

Eintraege in Reisepaesse sind rechtlich bedenklich, schliesslich kann (noch) niemand gezwungen werden, sein Strafregister staendig offenzulegen. Der Ausschluss der britischen Teams von internationalen/europaeischen Begegnungen ist auch kein adaequates Mittel, schliesslich gibt es auch im Fussball soetwas wie einem Gleichbehandlungsgrundsatz, wer sich also qualifiziert, muss auch spielen duerfen. Ausserdem gehoert der britische (besonders englische) Fussball zum attraktivsten im europaeischen Rahmen.

Es bleibt also nur einen genaue Beobachtung der Hoolszene in der Heimat und die europaweite Zusammenarbeit der Behoerden, um die Reisewege der "Verdaechtigen" lueckenlos zu kontrollieren. Sodann muessen die oertliche Polizeikraefte willens und in der Lage sein, die Fanstroeme zu kanalisieren. Dies war offenbar in Kopenhagen nicht gegeben. Und selbst wenn:

die Moeglichkeiten sind doch sehr eingeschraenkt. Ausserhalb der "normalen" Fanstroeme ist es quasi unmoeglich, einen klugen Gewalttaeter von einem Touristen zu unterscheiden. Die Moeglichkeiten, Menschen aufgrund ihrer Herkunft (hier zb: britischer Staatsbuerger), Kleidung (wer schlau ist, traegt eh keinen "Hoolschick") oder auch nur seiner Anwesenheit an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt prophylaktisch in Gewahrsam zu nehmen, sind begrenzt, dies hat uns das Beispiel Chaostage gezeigt.

Wie sich nun, angesichts der "offenen Grenzen" in Europa die Situation bei der Europameisterschaft (in Holland UND Belgien) entwickeln wird, ist wieder voellig offen.

Sollte es den Behoerden gelingen, die 3 Hauptnationen in der europaeischen Hool-Liga, Holland, Deutschland, England in Schach zu halten, so bleibt zu fragen: um welchen Preis?

Spiele in Staedten, die Festungen gleichen, erhoehen nicht grade die Attraktivitaet. Und die Kommunikationsstrukturen der Hoolszene via Handy und SMS sind bekannt, es sollte also nicht allzu schwer sein, sich an alternativen Standorten zur Randale zu verabreden.

Schliesslich gilt noch zu bedenken:

Der beliebte Vorwurf an Hooligans, es ginge ihnen nicht um den Fussball, sondern um die Randale, birgt durchaus einen wahren Kern in sich, nicht umsonst tauchten bei den Chaostagen 95 auch zahlreiche Hooligans in Hannovers Strassen auf, die sich die Gelegenheit, in Ruhe ihrem Hobby nachzugehn, nicht nehmen lassen wollten.

Sollte ihnen nun ihr Sommervergnuegen und die Moeglichkeit, sich im internationalen bzw. europaeischen Rahmen messen zu koennen, genommen werden, ist nicht abzusehn, ob sie sich nicht einfach anhand eines anderen "Events" treffen werden. Und bei einer "Weltausstellung" duerfte es schwierig werden, auslaendische Besucher (zumal wenn sie nicht ins "Punkerraster" der hannoeverschen Polizei passen) staendig zu drangsalieren oder ganz aus der Stadt fernzuhalten.



 

 
  Sorry,
das kann noch dauern...
-kn-
 
 
   
 
 
 
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